Die Bundesautobahn 98 (Abkürzung BAB 98) – Kurzform Autobahn 98 (Abkürzung A 98) – ist eine in vier Teilstücken mit einer Länge von insgesamt 47 Kilometern fertiggestellte Autobahn im äußersten Süden von Baden-Württemberg. Sie verläuft zwischen dem Autobahndreieck Weil am Rhein und Rheinfelden-Ost, Murg und Hauenstein, Waldshut-Tiengen und Lauchringen sowie zwischen dem Autobahnkreuz Hegau und der Anschlussstelle Stockach-Ost. Die restlichen Teilstücke zwischen Rheinfelden und Tiengen sind im Bau oder in Planung. Eine ehemals geplante Fortsetzung bis an die A 8 bei Irschenberg wird nicht mehr verfolgt (ein ursprünglich vorgesehenes Teilstück südlich von Kempten wurde als A 980 nummeriert). Die Anbindung an die französische A 35 wird hingegen als Idee einer weiteren Rheinbrücke und Teil einer Großumfahrung von Basel mit direkter Anbindung an den Flughafen Basel-Mülhausen diskutiert, ist aber noch nicht im Planungsstadium.

Verlauf Weil am Rhein – Rheinfelden-Ost mini|Verlauf der A 98 im Landkreis Lörrach mit den wichtigsten Verkehrsbauwerken mini|A 98 mit der Ausfahrt Lörrach-Mitte, im Hintergrund die Wiesentalbrücke Der erste Abschnitt der A 98 beginnt am Dreieck Weil am Rhein, das sich unmittelbar an der französischen Grenze befindet, wo sie von der A 5 (Hattenbacher Dreieck–Basel) abzweigt. Vom Autobahndreieck Weil am Rhein führt die A 98 in einer leichten Steigung hinauf zum Luckepass und führt dann wieder hinab nach Lörrach, wo sie auf der Wiesentalbrücke, mit 1201 Metern drittlängste Straßenbrücke in Baden-Württemberg, verläuft. Damit wird die Kreisstadt nordöstlich umfahren. Dieses Teilstück ist derzeit etwa 16 Kilometer lang und dient – zusammen mit der A 861 – als nördliche Umfahrung des Großraumes Basel sowie als Zubringer der Stadt Lörrach. In den 1980er Jahren wurde dieses Teilstück bis zur Anschlussstelle Lörrach-Ost (6) (früher Lörrach/Inzlingen) am Waidhof freigegeben. Der Weiterbau zum Dreieck Hochrhein nordwestlich von Rheinfelden wurde 2002 zunächst einbahnig, zusammen mit dem sich anschließenden Stück der A 861 durch den Tunnel Nollinger Berg, fertiggestellt. Im Dezember 2010 wurde dieser Streckenabschnitt um eine zweite Richtungsfahrbahn ergänzt und erhielt damit Autobahnstatus. Gleichzeitig wurde im zukünftigen Autobahndreieck das Hauptbrückenbauwerk errichtet.

Der 2,5 Kilometer lange Abschnitt östlich des vorübergehend unvollendeten Autobahndreiecks bis zur Anschlussstelle Rheinfelden-Ost (8) bei Karsau wurde ab 2012 errichtet. Kernstück der Trasse ist der Herrschaftsbucktunnel, dessen Anschlag 2017 stattfand. Aufgrund von mehreren Baustopps verzögerte sich die Freigabe des Abschnitts immer weiter. Der ursprüngliche Zeitplan sah eine Verkehrsfreigabe im Jahr 2018 vor, allerdings wurde die Trasse erst am 20. Dezember 2021 für den Verkehr freigegeben. Das Tunnelbauwerk musste für insgesamt fünf Fahrstreifen ausgelegt werden, denn die Richtung Osten verlaufende Einfädelspur von der A 861 kommend darf aus Sicherheitsgründen nicht im Tunnel liegen.

Murg bis Hauenstein Der nächste Abschnitt befindet sich zwischen Murg und Laufenburg-Hauenstein und ist etwa 9 Kilometer lang. Dieser wurde am 8. Oktober 2012 eröffnet, verfügt allerdings nur über eine Fahrbahn. Die Fahrspuren sind außer bei Tunneln und Brücken größtenteils im alternierenden 2+1-System angelegt. Beim Bau wurde aber bereits der Platz für den Anbau einer zweiten Fahrbahn freigehalten. Die Straße führt durch zwei Tunnel, den 280 m langen Tunnel Groß-Ehrstädt und den 395 m langen Rappensteintunnel. Der Anschluss Hauenstein zur bestehenden B 34-Umfahrung Albbruck/Dogern ist als Provisorium eingerichtet und wird aktuell neu geplant. Aufgrund der Kurven und des Gefälles ist diese behelfsmäßige Autobahnabfahrt sehr unfallträchtig. Seit Inbetriebnahme im Jahr 2007 ist die Abfahrt Hauenstein zu einem Unfallschwerpunkt geworden. Viele Unfälle mit zahlreichen Leicht- und Schwerverletzten sowie einem Todesopfer sind bis heute die Folge.Südkurierdossier A98

Der Abschnitt ist als Kraftfahrstraße beschildert. Für ihn besteht eine sogenannte „längsgeteilte Dringlichkeit“, d. h. im Bedarfsplan erhielten die Richtungsfahrbahnen eine unterschiedliche Einstufung.

Tiengen bis Lauchringen Der dritte Abschnitt der Autobahn wurde in zwei Etappen 1991 und 1997 freigegeben und ist ebenfalls nur mit einer Fahrbahn ausgestattet, wobei die Trasse bereits breit genug für eine zweite Fahrbahn angelegt wurde. Er dient derzeit als Umfahrung der Stadt Tiengen und der Gemeinde Lauchringen. Beginnend an der Anschlussstelle Tiengen-West wird die Wutach überquert und die Straße umfährt Tiengen südlich im Bürgerwaldtunnel, mit 1435 m der derzeit längste Tunnel der Autobahn. Nach der erneuten Überquerung der Wutach folgt der Anschluss Tiengen-Ost. Der 160 m lange Heidenäckertunnel schließt sich auf der nördlichen Umfahrung von Lauchringen an. Am gleichnamigen Anschluss ist die Fortführung nach Geißlingen nicht als Autobahn, sondern als neue B 34 ausgeführt und seit dem 24. November 2021 in Betrieb.

Im Jahr 2010 wurde dieser Abschnitt zwischen Tiengen-West und Lauchringen auf drei Fahrstreifen (2+1-System) erweitert. Zum vierstreifigen Ausbau fehlen die zweiten Tunnelröhren der beiden Tunnels sowie je ein Brückenbauwerk an den Wutachquerungen.

Der Abschnitt ist ebenfalls als Kraftfahrstraße beschildert. Für ihn besteht eine sogenannte „längsgeteilte Dringlichkeit“, d. h. im Bedarfsplan erhielten die Richtungsfahrbahnen eine unterschiedliche Einstufung.

Singen bis Stockach Das vierte und östlichste Teilstück wird auch (neben der A 81) als Bodenseeautobahn bezeichnet und wurde am 4. Juni 1982 eröffnet.A 98 Singen – Lindau Es beginnt am Kreuz Hegau auf der ursprünglich ebenfalls als Teilstück der A 98 vorgesehenen Trasse aus Richtung Gottmadingen, führt durch den Hegau und endet nach ca. 14 Kilometern an der Anschlussstelle Stockach-Ost (13). Dabei dient die Verbindung auch als Zubringer zu den Orten des nördlichen (deutschen) Bodenseeufers. Anschließend folgt die B 31n bis Überlingen, die auf der Trasse der einst geplanten Fortsetzung der Autobahn verläuft und im 2+1-System ausgebaut ist.

Verkehrsaufkommen Es gab 2015 entlang der A 98 insgesamt vier automatische Zählstellen. In West-Ost-Richtung betrug das durchschnittliche tägliche Verkehrsaufkommen in diesem Zeitraum:bast – Bundesanstalt für Straßenwesen: Automatische Zählstellen 2015 – A 98. Online auf www.bast.de, abgerufen am 22. Oktober 2016.

Zählstelle Kfz-Verkehr/Tag Schwerverkehr/Tag Lörrach (8003) 25.123 2.092 Murg (8116) 6.804 836 Lauchringen (8998) 10.796 1.379 Stockach (8040) 24.579 2.846

Geschichte mini|hochkant|Ursprüngliche A 98-Planung; blau: tatsächlicher Autobahnausbau mit Stand Mitte 2014, orange: geplant im Jahr 1976 mini|Autoaufkleber von Befürwortern des Ausbaus der A 98 aus den 1980er Jahren

Planungen bis 1945 In der Weimarer Republik war im Vorentwurf zu einem Kraftwagenstraßennetz Deutschlands als Nebenstrecke die Linie Weil am Rhein – Schaffhausen – Friedrichshafen enthalten. Sie sollte in die Hauptstrecke Würzburg – Ulm – Friedrichshafen – Lindau – Feldkirch – Chur – Splügenpass einmünden. Des Weiteren waren Nebenstrecken von Lindau nach Immenstadt und von Sonthofen über Immenstadt, München, Rosenheim und Salzburg geplant.Vorentwurf zu einem Kraftwagenstraßennetz Deutschlands – Spitzennetz

Im Netzentwurf des HaFraBa-Vereins von 1933 fand sich eine solche Querverbindung hingegen nicht.Michael Kriest: Die Reichsautobahn. Konzeption, räumliche Struktur und Denkmaleigenschaft eines historischen Verkehrsnetzes. Dissertation. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2016, S. 68 (Abb. 12)

In das geplante Netz der Reichsautobahnen nahm die NS-Reichsregierung im August 1933 lediglich eine Strecke zwischen Lindau am Bodensee und München auf (später als Strecke 77 bezeichnet).Michael Kriest: Die Reichsautobahn. Konzeption, räumliche Struktur und Denkmaleigenschaft eines historischen Verkehrsnetzes. Dissertation. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2016, S. 101 (Abb. 19)

Ab 1934 sollte diese Autobahn von Lindau über Lindenberg im Allgäu – Röthenbach – Weitnau – Buchenberg – Durach bzw. Kempten – Marktoberdorf – Altenstadt bzw. Schongau – Wessobrunn – Pähl bzw. südlich des Ammersees – Starnberg – Leutstetten – Fürstenried nach München führen.Konrad Frenzel (Hrsg.): Velhagen&Klasings Großer Volks-Atlas. Das Jubiläumswerk des Verlages zu seinem hundertjährigen Bestehen. Bielefeld und Leipzig 1936, Bl. 37 f. Bis 1937 verblieb diese Trasse unverändert in den Netzplänen. Ende 1937 fand sich in den Plänen zum Reichsautobahnnetz eine veränderte Streckenführung. Die Trasse verlief südlich Lechbruck am See, Steingaden-Ilgen, Rottenbuch, Uffing am Staffelsee-Schöffau, Uffing, Spatzenhausen, Obersöchering, Iffeldorf und entsprach ab dem Raum Penzberg bis München-Forstenried im Wesentlichen der heute realisierten A 95.B.V.-Aral: B.V.-Karte 12, Ausgabe II/7, Maßstab 1:500.000, Stand 1. April 1939 Zudem zweigte eine neue Ergänzungslinie bei Donaueschingen von der Strecke Stuttgart – Schaffhausen ab und mündete bei Lindau in die geplante Trasse nach München.Michael Kriest: Die Reichsautobahn. Konzeption, räumliche Struktur und Denkmaleigenschaft eines historischen Verkehrsnetzes. Dissertation. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2016, S. 123 (Abb. 32) Mit der Annexion Österreichs war im Netzplan vom Mai 1938 als Ergänzungslinie die Querspange Penzberg – Bad Tölz – Irschenberg zur Reichsautobahn München – Salzburg enthalten.Michael Kriest: Die Reichsautobahn. Konzeption, räumliche Struktur und Denkmaleigenschaft eines historischen Verkehrsnetzes. Dissertation. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2016, S. 134 (Abb. 40) Bis 1940 änderte sich hieran nichts. In der Netzplanung vom Mai 1941 war schließlich eine Strecke von Mülhausen bzw. Weil am Rhein – nördlich Schaffhausen – Lindau – Rosenheim vorgesehen. Das Vorhaben wurde jedoch nicht in Angriff genommen.

Planungen nach dem ersten Ausbauplan 1957 Das Gesetz über den Ausbauplan für die Bundesfernstraßen vom 27. Juli 1957 sah zwar keine Autobahnverbindungen von Weil am Rhein über Lindau nach München sowie zwischen Penzberg und Irschenberg vor. Allerdings legte das Gesetz eine neu zu errichtende, 226 Kilometer lange Bundesstraße Lindau – München mit Querverbindung zur BAB München – Salzburg fest. Damit war die Reichsautobahnplanung insoweit wieder aufgegriffen. Die Linienführung entsprach weitgehend der vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs aufgestellten Trassenplanung. In das Blaue Netz der auszubauenden Bundesstraßen waren die B 31 von der Bundesgrenze mit Frankreich bei Breisach über Freiburg im Breisgau, Donaueschingen, Friedrichshafen nach Lindau mit 187,3 Kilometern und die B 317 von Lörrach bis zur B 31 bei Titisee-Neustadt mit 62,5 Kilometern aufgenommen. Die B 34 entlang des Rheins war hingegen nicht enthalten.

1959 entwickelte die regionale Planungsgemeinschaft Hochrhein, die im Februar 1957 freiwillig durch verschiedene kommunale Gebietskörperschaften gebildet worden war erste Vorüberlegungen für eine Trasse Lörrach – Bodensee. 1962 plante das Regierungspräsidium Südbaden die zweibahnige Hochrhein-Schnellstraße. 1970 erfolgte die Linienbestimmung der Strecke von Lörrach bis Oberlauchringen.