mini|Lange prägten Raddampfer das Bild der Personenschifffahrt auf der Weser, die Kaiser Wilhelm ist heute noch als Museumsschiff auf der Elbe erhalten. Die regelmäßige Dampfschifffahrt auf der Weser zwischen Hann. Münden und Bremen begann etwa 1843 mit dem Dampfschiff Eduard. Es wurden Wirtschaftsgüter und Personen befördert. Mehrere Reedereien versuchten mit wechselndem Erfolg einen Liniendienst, wobei die Personenschifffahrt bald aufgegeben werden musste, da die entstehenden Eisenbahnlinien den Schiffen in Schnelligkeit und im Komfort überlegen waren. Heute bestimmen die Schiffe des Ausflugsverkehrs die Personenschifffahrt auf der Weser.
Vereinte Weser-Dampfschiffahrt-Aktiengesellschaft 1841–1857 Im Juni 1841 wurde in Hameln ein Dampfschiffkomitee gegründet. Ziel dieses Komitees war die Einrichtung einer Dampfschifffahrt zwischen Bremen und Hann. Münden. Kurze Zeit später wurde daraufhin auch in Hann. Münden ein solches Komitee gegründet. Im Februar 1842 veröffentlichten beide Komitees ein gemeinsames Kommunique zur Eröffnung einer Dampfschifffahrt zwischen Hann. Münden und Bremen. Daraufhin wurden auch in Minden, April 1842 und Bremen, Mai 1842, Dampfschiffskomitees gegründet.
Am 29. November 1842 wurde dann in Hameln die Vereinte Weser-Dampfschiffahrt-Aktiengesellschaft gegründet. Als Gründungskapital wurden 1000 Aktien zum Nennwert von 100 Talern ausgegeben. Ziel war der Betrieb einer regelmäßigen Personenschifffahrt zwischen Hann. Münden und Bremen. Neben der Personenbeförderung war auch die Mitnahme von Fracht geplant. Gegliedert wurde die Gesellschaft in vier Sektionen. Hann. Münden (Hann. Münden bis Holzminden 82 km), Hameln (Holzminden bis Rinteln 85 km), Minden (Rinteln bis Nienburg 105 km) und Bremen (Nienburg bis Bremen 103 km). Direktor der Gesellschaft war Karl Wermuth. In einer Generalversammlung am 20. Juli 1844 wurde zur Finanzierung des Kaufs weiterer vier Schiffe eine Kapitalerhöhung beschlossen. Es wurden weiter 1000 Aktien zum Nennwert von 100 Talern ausgegeben.
Die Aktien verteilten sich wie folgt:
Sektion 1844 1846 Hann. Münden 190 285 Hameln 262 447 Minden 124 190 Bremen 424 1.041
Schon 1842 wurde der Gutehoffnungshütte in Ruhrort und Sterkrade ein Auftrag zum Bau eines Schiffes erteilt. Allerdings lehnte das Unternehmen den Auftrag aufgrund von Arbeitsüberlastung im Juli 1842 ab. Daraufhin wurde mit der Eisengroßhandlung Wm. Bird & Co. in London Verbindung aufgenommen. Diese erklärte sich bereit bei Dichtburn & Mare in Blackwall zwei Schiffe bauen zu lassen. Die Dampfmaschinen sollte John Penn & Sohn in Greenwich liefern. Am 16. Dezember 1842 legte die Firma die Kontraktentwürfe vor. Im Januar 1843 erklärte sie dann aber nur ein Schiff liefern zu können. Geliefert wurde das Schiff, das den Namen Wittekind erhielt, allerdings erst im März 1844.
Nach der Absage zur Lieferung des zweiten Schiffes, erteilte man am 28. Februar 1843 dem Unternehmen Gâche frères in Paris den Auftrag. Geliefert wurde das Schiff mit dem Namen Hermann am 19. September 1843. Die Erste Fahrt führte am 3. Oktober 1843 von Bremen nach Nienburg. Am 4. Oktober fuhr man bis Minden, am 5. Oktober bis Hameln. Auf dem weiteren Weg musste die zwischen 1732/34 erbaute nur 5,43 m breite Schleuse in Hameln passiert werden. Dazu mussten sowohl die Radkästen, wie auch die Schaufelräder abgebaut werden. Nach dem Passieren der Schleuse wurde beides wieder angebaut und die Fahrt ging am 7. Oktober nach Holzminden. Am 8. Oktober wurde dann der Endpunkt in Hann. Münden erreicht. Die reine Fahrzeit von Bremen bis Hann. Münden betrug 36 Stunden und 49 Minuten. mini|Dampfschiff Germania vor der Steinmühle Pegestorf, Illustration von Carl Schlickum Am 19. Juli 1844 wurde das dritte Schiff, die Germania, geliefert. Gebaut wurde es wiederum von Gâche frères in Paris. Das vierte Schiff ließ man dann von der Gutehoffnungshütte Sterkrade und Ruhrort bauen. Geliefert wurde das Schiff mit dem Namen Blücher im August 1844.
Am 21. November 1844 schloss man mit Wm. Bird & Co. in London einen Vertrag zur Lieferung von zwei Schiffen. Die Liefertermine wurden mit April und Juli 1845 festgelegt. Lieferfertig waren die Schiffe aber erst im Januar 1846. Die Gesellschaft verlangte daraufhin die im Vertrag festgelegte Konventionalstrafe. Da sich sowohl der Verkäufer wie auch die Produzenten weigerten diese zu zahlen, blieben die Schiffe in England.
Im Dezember 1845 erhielt die Gesellschaft das Angebaut zum Kauf des in Holzminden beheimateten Raddampfers Herzog Wilhelm. In der Gesellschafterversammlung am 18. Februar 1846 wurde dieses Angebot abgelehnt. Das Schiff wurde aber in der Saison 1846 gechartert. Am 3. Oktober 1845 wurde Gâche aîné in Nantes der Auftrag zum Bau eines Schiffes erteilt. Dieses wurde mit dem Namen Weser im Februar 1846 geliefert.
Den Auftrag zum Bau des sechsten Schiffes erhielt die Maschinenfabrik Buckau. Das Schiff mit dem Namen v. Vincke wurde am 9. Mai 1847 geliefert. Die erste Fahrt fand am 11. Juni 1847 statt. Nach einigen Probefahrten wurde die Abnahme abgelehnt und das Schiff zurückgeschickt. In Magdeburg kam unter dem Namen Buckau bei der Vereinigten-Hamburg-Magdeburger-Dampfschiffahrts-Compagnie zum Einsatz.
Raddampfer der Vereinte Weser-Dampfschiffahrt-Aktiengesellschaft Schiffsname Baujahr und -ort Hersteller Antrieb Länge/m Breite/m Tiefgang/m Wittekind 1843/44 London Dichtburn & Mare oszillierende Zwillingsmaschine 42 Psn 41,22 4,19 0,43 Hermann 1843 Paris Gâche frères Balancierdampfmaschine 38 Psn 43,74 3,46 0,40 Germania 1843/44 Paris Gâche frères Balancierdampfmaschine 38 Psn 43,74 3,46 0,40 Blücher 1843/44 Ruhrort Gutehoffnungshütte doppelarmige Seitenhebelmaschine 40 Psn 46,08 3,87 0,44 Weser 1845/46 Nantes Gâche aîné Balancierdampfmaschine 42 Psn 41,95 3,47 0,39
1848 entschloss man sich zum Umbau der Wittekind. Dabei wurde sie um 2,44 m verlängert. Es war dies die erste Verlängerung eines eisernen Schiffes in Deutschland. Im Herbst 1848 wurde dann die Hermann um 2,44 m und 1851/52 die Germania um 3,5 m verlängert.
Der schlechte Zustand der Weser als Wasserstraße und die Konkurrenz durch die Eisenbahn verhinderte den wirtschaftlichen Erfolg. In der Zeit von 1844 bis 1856 betrug der Überschuss der Gesellschaft 64.500 Taler. Das entsprach sicher nicht den Erwartungen der Aktionäre. In der am 10. Oktober 1857 abgehaltenen Generalversammlung wurde der Verkauf der fünf Dampfschiffe und weiterer der Gesellschaft gehörenden Immobilien an den 1856 gegründeten Norddeutschen Lloyd für 30.700 Taler in Aktien beschlossen. Die Abteilung Weserschiffahrt des Norddeutschen Lloyd übernahm die Schiffe und setzte den Fahrbetrieb 1858 fort.
Norddeutscher Lloyd 1858–1873 Mit der Übernahme der Schiffe der Vereinten Weser-Dampfschiffahrt-Aktiengesellschaft verfügte der Norddeutsche Lloyd neben seinen fünf Schleppdampfern Carlshafen, Fulda, Hameln, Münden und Werra jetzt auch über fünf Personendampfer. Hintergrund für die Übernahme der Gesellschaft war das Reisegeschäft mit den Amerikaauswanderern, an denen der Lloyd mitverdienen wollte. Diese Rechnung ging aber nicht auf. Auch hier stellte die Eisenbahn eine starke Konkurrenz dar. Gleichzeitig sank die Zahl der Auswanderer, nach einem ersten starken Rückgang in der Zeit zwischen 1858 und 1864, ab 1869 drastisch. 1860 wurde deshalb schon die 1857 in Aller umbenannte Weser verkauft. 1865 wurde die Blücher abgewrackt.
Aus Rentabilitätsgründen wurde der Schiffsbetrieb dann 1873 aufgegeben. Die 1869 in Armin umbenannte Hermann sowie die Germania und die Wittekind wurden an die Weser-Dampf-Schleppschiffahrtsgesellschaft in Minden verkauft. Die Gesellschaft verkaufte aber die Schiffe Germania und Armin sofort an Fabrikanten Wilhelm Lampe in Hameln weiter.
Oberweser-Dampfschifffahrts-Gesellschaft 1874–1875 Wilhelm Lampe, Besitzer einer Dampfschiff-Reparaturwerkstatt in Hameln, gründete 1874 die Gesellschaft und nahm im Juni 1874 den Linienverkehr zwischen Hameln und Hann. Münden wieder auf. Die trockenen Sommer 1874 und 1875 zwangen ihn zur Aufgabe des Geschäftes.
Neue Oberweserdampfschifffahrts-Gesellschaft 1875–1882 1875 gründeten der Bankier Herman Ludwig Bock und der Hotelbesitzer Jean Meyer die Neue Oberweser-Dampfschifffahrts-Gesellschaft. Für den Fahrbetrieb kauften sie die beiden Dampfer von Wilhelm Lampe. Weiterhin erteilten sie der Sächsische Dampfschiffs- und Maschinenbauanstalt den Bauauftrag für ein neues Schiff. Das Schiff mit dem Namen Fürst Bismarck traf am 29. März 1877 in Hameln ein und nahm den Fahrbetrieb auf. Die Dampfer Arnim und Germania wurden danach nur noch zu Sonderfahrten eingesetzt. Aufgrund stetig sinkender Passagierzahlen wurden die beiden Schiffe 1881 an die Fa. Wolf in Berlin verkauft. 1882 entschloss man sich die Gesellschaft aufzulösen.
Oberweser Dampfschiffahrt 1883–1964 mini|Kaiser Friedrich um das Jahr 1910 in Karlshafen Der Hamelner Mühlenunternehmer Friedrich-Wilhelm Meyer wollte die Personenschifffahrt auf der Oberweser wieder beleben. Er ersteigerte deshalb am 9. Februar 1883 für 12.000 Goldmark die Fürst Bismarck. Das Schiff wurde in Bremen um 6 m verlängert und begann am 19. Mai 1883 mit den Linienfahrten zwischen Hameln und Hann. Münden. Außerhalb der Saison wurde das Schiff als Transportschiff genutzt. Die Oberweser-Dampfschiffahrt (OWD) firmierte unter dem Dach der Wesermühlen. Nach der Überführung der Wesermühlen in eine AG am 27. Juli 1898 wurde sie zum Zweigunternehmen der Wesermühlen AG. Aufgrund des steigenden Passagieraufkommens entschied man sich 1899 zum Bau eines weiteren Schiffes. Den Auftrag erhielt die Dresdener Maschinenbau und Schiffswerft AG. Am 18. Mai 1900 wurde das Schiff mit der Baunummer 386 in Dresden auf den Namen Kaiser Wilhelm getauft. Am 23. Mai 1900 traf es dann in Hameln ein. Da die positive Entwicklung der Passagierzahlen anhielt entschloss man sich 1906 zwei weitere Schiffe zu kaufen. Es waren die beiden Schwesterschiffe Blasewitz und Loschwitz der Sächsisch-Böhmische Dampfschiffahrts-Gesellschaft (SBDG). Diese 1888 gebauten Schiffe wurden im Auftrag der OWD auf der Schiffswerft Laubegast überholt und umgebaut. Ab dem 5. Mai 1906 wurden die Schiffe unter den neuen Namen Kaiser Friedrich und Graf Moltke eingesetzt.
Am 26. Januar 1907 wurde die Fahrgastschifffahrt aus der Wesermühlen-Aktien-Gesellschaft ausgegliedert und unter dem Namen Oberweser-Dampfschiffahrtsgesellschaft F. W. Meyer Hameln (OWDG) selbständig. Am 17. März 1907 kaufte die Gesellschaft ein weiteres Schiff bei der SBDG. Das 1881 unter dem Namen Meissen gebaute Schiff wurde in der Laubegaster Werft umgebaut und trat am 5. Mai 1907 unter dem Namen Kronprinz Wilhelm die Fahrt nach Hameln an, wo es am 13. Mai 1907 eintraf. Nach dem Saisonende 1909 fuhr die Kaiser Wilhelm nach Dresden und wurde hier auf der Werft in Übigau um 10 m verlängert. 1910 kauft die Gesellschaft ein weiteres Schiff von der SBDG. Das unter dem Namen Libussa 1870 gebaute Schiff wurde ebenfalls auf der Laubegaster Werft umgebaut und ging gemeinsam mit der Kaiser Wilhelm am 26. April 1910 unter dem Namen Braunschweig auf die Rückfahrt. Damit war die Flotte komplett und für die nächsten Jahre gerüstet. Die Passagierzahlen waren seit der Jahrhundertwende bis 1912 von 30.000 bis 40.000 auf 150.000 gestiegen.
mini|Braunschweig am Anleger in Hameln mit dem Reedereigebäude mit einem kleineren Ausflugsboot Um eine Ausflugsroute von Hameln zum Ohrberg einzurichten, brauchte man ein weiteres Schiff. Dazu ließ man das 1907 gekaufte Torpedoboot V6, Baujahr 1884, auf der Kaminski Werft in Hameln zum Passagier-Motorschiff umrüsten. Das Schiff, das bisher als Anleger in Bad Karlshafen eingesetzt war, ging 1924 unter dem Namen Forelle auf Fahrt. Der Dampfer Fürst Bismarck wurde in der Folge ausgemustert und abgewrackt. Die Dampfmaschine erhielt die Braunschweig, die 1924 auf der Rolandwerft Bremen um 8 m verlängert wurde und unter dem Namen Fürst Bismarck II wieder in Fahrt ging.