Hardegsen [] ist eine Kleinstadt im Süden des niedersächsischen Landkreises Northeim. Hardegsen bezeichnet sich als das Tor zum Solling (siehe auch: Naturpark Solling-Vogler) und ist von einem umfangreichen Wanderwegenetz umgeben. Die Stadt ist bekannt für ihre Fachwerkhäuser und die Burg Hardeg mit dem Muthaus; außerdem hat sie einen Wild- und Haustierpark sowie einen Campingplatz. Bis Ende 2010 war Hardegsen ein staatlich anerkannter Luftkurort.

Geografie Lage Hardegsen liegt westlich der Leine und östlich des Sollings, direkt am südwestlichen Rand des Höhenzuges Weper. Hardegsen wird von der Espolde durchflossen, in die im Stadtgebiet der Schöttelbach mündet.

Stadtgliederung (Ortsteile)

(Quelle unter:)

Nachbargemeinden

Geschichte Obwohl archäologische Funde aus der älteren Eisenzeit (von 800 v. Chr. bis Chr. Geb.) auf eine noch frühere Besiedlung schließen lassen, wurde Hardegsen, mit dem damals üblichen latinisierten Namen, als Hiridechessun erstmals im Jahre 1020 urkundlich erwähnt. Es liegt das Ausgangswort *Heridageshūson (‚Siedlung des Heridag‘) zugrunde. Aufgrund des Namens mit der Endung deg bzw. dag (es gibt über zehn bekannte Schreibweisen von Hardegsen) geht man heute davon aus, dass Hardegsen ursprünglich eine Siedlung der Cherusker gewesen sein muss. In der Nähe von Hardegsen auf dem Galgenberg gibt es außerdem ein ungefähr 2000 Jahre altes Hockergrab.

Ein Beweis einer noch früheren Besiedlung ist ein Bronzebeil von 15 cm Länge, durch dessen Bauart als Randbeil es der mittleren Bronzezeitperiode von 1550 bis 1300 v. Chr. zugeordnet werden konnte. In der näheren Umgebung von Hardegsen wurden weiterhin steinerne Äxte gefunden, die der Jungsteinzeit zugeordnet wurden (um 4500 v. Chr.).

Der Ort wird erstmals um 1015/1036 erwähnt.Die Ortsnamen des Landkreises Northeim, Niedersächsisches Ortsnamenbuch, Band 5, von Kirstin Casemir, Franziska Menzel und Uwe Ohainski, Bielefeld 2005, S. 174 Der Vita des Bischofs Meinwerk von Paderborn zufolge schenkte damals ein Adeliger namens Richard mit Zustimmung seines Erben Wiris dem Bistum Eigengüter in Hiridechessun und fünf weiteren nahegelegenen Dörfern.Franz Tenckhoff: Vita Meinwerci Episcopi Patherbrunnensis, in: Monumenta Germaniae Historica, Scriptores, Hannover 1921, S. 47–48 Der Ortsname leitet sich von dem Personennamen Heridag, gebildet aus dem altsächsischen heri (= Heer), dag (= Tag), sowie dem Wort -hausen ab. Nach dieser Erstnennung ist Hardegsen über 200 Jahre nicht fassbar. Es gibt auch keine archäologischen Befunde aus dieser Zeit. Wahrscheinlich hatten die Grafen von Northeim oder das Erzbistum Mainz die Herrschaftsrechte im Raum Hardegsen inne.Christian Kämmerer/Peter Ferdinand Lufen/Christiane Segers-Glocke, Landkreis Northeim, südlicher Teil, in: Denkmaltopographie BRD, Baudenkmale in Niedersachsen, Bd. 7.1, Hameln 2002, S. 62, 98

mini|Burg Hardegsen Um die Mitte des 13. Jahrhunderts erscheinen die Herren von Rosdorf als Besitzer. Ob sie die Grundherrschaft geerbt oder gekauft hatten, ist nicht bekannt. Seit etwa 1252 besaßen sie auch Moringen. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts versuchten die Rosdorfer, auf dieser Basis eine geschlossene Grundherrschaft aufzubauen. Diese umfasste den Raum Göttingen und reichte bis ins nördliche Hessen und ins westliche Thüringen hinein. Um 1300 gehörten sie zu den bedeutendsten Adelsgeschlechtern der Gegend.Benjamin Rudolph: Das Muthaus der Burg Hardegsen (Ldkr. Northeim) – Bau- und Besitzergeschichte eines bedeutenden Saalbaus aus dem 14. Jahrhundert, in Burgen und Schlösser, Heft 4/2020, S. 214–230, S. 215 1287 urkundete Dethard II. von Rosdorf als dominus castri Herdegessen (Herr der Burg Hardegsen). Die Brüder Dethard, Konrad und Ludwig von Rosdorf stellten 1310 eine Urkunde aus, die außer Hardegsen von einem Ort ante castrum Herdegessen (vor der Burg Hardegsen) spricht. Sie entwickelten zu Beginn des 14. Jahrhunderts auf der Burg eine rege Bautätigkeit, die über die finanziellen Möglichkeiten der Herren weit hinausging.

1383 wurden der Stadt von Herzog Otto „dem Quaden“ die Stadtrechte verliehen. Die Burg Hardegsen war 200 Jahre lang Sommerresidenz der Welfen. In den vorangegangenen Jahren traten die Herren von Rosdorf als Eigentümer des Dorfes Hardegsen auf. Ferner zählten zu ihrem Besitz die benachbarten Dörfer Ertinghausen, Schlarpe, Elliedrode, Hettensen, Lichtenborn, Asche, Lutterhausen und Hevensen; über das Dorf Wolbrechtshausen übten sie die Kriminalgerichtsbarkeit aus. Otto der Quade löste die Herren von Rosdorf im Jahre 1380 ab, eroberte die Burg und verlegte seine Residenz für die kommenden 14 Jahre auf die Hardeg. Mit dem Aufstieg des Dorfes zu seiner Residenz befestigte es Otto mit Mauern, Türmen und Wallgräben und versah es mit einer Landwehr, welche von Hardegsen bis nach Hevensen reichte. Als Residenz Ottos wurde die Stadt oft in Fehden verstrickt, was zur Folge hatte, dass die Bewohner dazu verpflichtet wurden, an der Auseinandersetzung mit der Stadt Göttingen teilzunehmen. Der für die Göttinger siegreiche Abschluss dieser Fehde fand auf den Streitäckern bei Rosdorf am 22. Juli 1387 statt.

mini|Merian-Stich um 1654 Fehden bestimmten auch das Schicksal Hardegsens im 15. Jahrhundert. So wurde es in dem 1460er Jahren in eine Auseinandersetzung mit den Hansestädten Braunschweig, Magdeburg, Halle (Saale), Goslar, Halberstadt, Göttingen, Northeim, Einbeck, Hildesheim und Hannover verstrickt. Der Anlass war, dass Friedrich von Braunschweig-Lüneburg bei Nörten-Hardenberg und Holzminden oft Lübecker und Lüneburger Kaufleute überfiel; die mit kostbarem Tuch beladenen Wagen raubte er und brachte seine Beute nach Moringen und auf die Burg Everstein. Die Hansestädte gingen daraufhin gemeinsam gegen Herzog Wilhelm I. und dessen Söhne Wilhelm II. und Friedrich vor. Sie belagerten 1466 die Stadt Hardegsen, verwüsteten Häuser und richteten wirtschaftlichen Schaden an. Auf dem Rückweg der Hanseaten nach Hannover plünderten sie weitere neunzehn Dörfern. Die Fehde dauerte bis 1467 an, als die Welfen die Göttinger endlich besiegten und mit einer stattlichen Beute nach Hardegsen zurückkehrten. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts finden sich in den Urkunden erste Verweise auf Amtsmänner in Hardegsen: die fürstliche Herrschaft Hardegsen wurde somit in das Amt Hardegsen umgewandelt, dessen Ausdehnung den Besitz der Herren von Rosdorf umfasste – es waren die Dörfer Ellingerode, Hettensen, Schlarpe (Schlarbeck), Lichtenborn, Asche, Lutterhausen, Ertinghausen, Wolbrechtshausen und Hevensen. Die Anlehnung an das Adelsgeschlecht von Rosdorf zeigt sich auch im ehemaligen Amtssiegel, welches dem Rosdorfer Wappen entlehnt war und einen Schlüssel sowie den Löwen der Welfenherzöge enthielt. 1611 lebten im Amt Hardegsen 790 Personen, diese Zahl stieg bis in das Jahr 1792 auf etwa 2000 Einwohner. Einnahmen bezog das Amt vorwiegend aus den zugehörigen Grundstücken, Erbzinsgefällen, Zolleinnahmen, dem Fruchtzehnten; außerdem waren Hand- und Spanndienste zu leisten. Die verbuchten Beträge beliefen sich im Jahr 1679 auf etwa 2387 Taler.

Der historische Stadtkern wurde viele Male Opfer von Brandkatastrophen; der letzte Großbrand vom 24. Dezember 1678 galt als das einschneidendste Ereignis in der Geschichte von Hardegsen. Ein Großteil des Stadtkerns fiel damals einer Feuersbrunst zum Opfer. Da der Brand zum Zeitpunkt der heiligen Messe begann, kam kein Mensch zu Schaden. In den Jahren des Siebenjährigen Krieges hatte auch Hardegsen zu leiden, da ab 1758 Soldaten im Ort ihr Quartier bezogen. Erstmals trafen im Januar acht Kompanien eines französischen Infanterie-Regimentes ein, nach ihrem Abzug einen Monat später setzte sich ein Husaren-Regiment fest. Es folgten weitere Durchzüge von Truppen, die unter anderem die Sommerfrüchte als Pferdefutter verwendeten, die Häuser besetzten und schließlich auch die Pest einschleppten. Am 15. August 1760 bezog das Korps von Nikolaus von Luckner bei Hardegsen Stellung, und am 20. November schlug Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel mit seinen Truppen sein Hauptquartier in Hardegsen auf. Nach dem Abzug der Soldaten Ferdinands wurden 800 Mann Braunschweiger und blieben über Winter in den Bürgerhäusern. Unter den damaligen beengten Wohnverhältnissen breiteten sich Krankheiten aus, unter anderem ab Dezember 1760 das Fleckfieber. Die Verluste waren hoch, zahlreiche Männer der Garnison und 500 Einwohner starben bis zum Anfang des Jahres 1761. Bis zum Ende des Krieges sollte die Hälfte der Einwohnerschaft der Krankheit erliegen. Auch nachdem die Truppen abgezogen waren, ebbte die Krankheit nicht ab. Um der Sache Herr zu werden, errichtete man drei Hospitäler, verpflichtete einige Ärzte aus Göttingen und reinigte die Straßen mit stark riechenden Essenzen. Die Sterberate war dermaßen hoch, dass schnell Särge und Bretter knapp wurden. Hohe Kontributionszahlungen von insgesamt 40.000 Talern führten dazu, dass der Ort am Ende des Siebenjährigen Krieges finanziell völlig erschöpft war. Auch Fronfuhren auch außerhalb Hardegsens, Kriegs- und Magazinfuhren und Verwüstungen der Gebäude schwächten die Wirtschaftskraft Hardegsens.

Als im Jahre 1807 das Königreich Westphalen errichtet wurde, begann man auch die bisherige Ordnung in Hardegsen zu verändern. Adolph Meier, seit 1801 Bürgermeister des Ortes, legte 1808 sein Amt nieder und wurde kurz darauf Maire des neu errichteten Kantons Adelebsen. Mit der Einteilung in Distrikte teilte man Hardegsen dem Kanton Hardegsen zu; das Amt selbst wurde jedoch in eine Domäne umgewandelt. Der letzte Amtmann, Friedrich Koch, erhielt das Amt des Maire von Hardegsen, welches er von 1808 bis zu seinem Tod 1811 ausübte; ihm folgte Götz von Olenhusen nach, bis Hardegsen 1814 in das Königreich Hannover eingegliedert wurde. Zu dieser Zeit bekannte sich die überwiegende Zahl der Bewohner Hardegsens, insgesamt 1136 Personen, die sich auf 161 Wohnhäuser verteilten, zum lutherischen Glaubensbekenntnis. Bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts blieb die Einwohnerzahl relativ konstant. Der Ort bildete damals im Fürstentum Göttingen, gemeinsam mit Moringen, das königliche Amt Moringen-Hardegsen mit 6641 Einwohnern, von denen auf Hardegsen 1202 Personen und 179 Wohnhäuser entfielen.

Die Stadt ist seit 1973 staatlich anerkannter Erholungsort und war von 1975 bis 2010 staatlich anerkannter Luftkurort.

Im Jahr 2015 feierte die Stadt ihr 1000-jähriges Jubiläum. Hier gab es einen großen Festakt mit zahlreichen Feierlichkeiten an einem Septemberwochenende.

Eingemeindungen Am 1. Juni 1970 wurden Ellierode und Lutterhausen eingegliedert. Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen, die am 1. März 1974 stattfand, kamen Asche, Ertinghausen, Espol, Gladebeck (bis dahin im Landkreis Göttingen), Hettensen, Hevensen, Lichtenborn, Trögen und Üssinghausen hinzu.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1885 1089 1910 1305 1925 1380 1933 1448 1939 1461 1950 2760 1956 2568 1973 3864 1975 7440 ¹ 19807552 ¹ Jahr Einwohner Quelle 1985 7694 ¹ 1990 7886 ¹ 1995 8314 ¹ 2000 8574 ¹ 2005 8628 ¹ 2010 8161 ¹ 2015 7815 ¹ 2019 7612 ¹20207614 220217646 2 ¹ jeweils zum 31. Dezember

2 jeweils zum 01. Oktober

Religion mini|Ev.-luth. St.-Mauritius-Kirche mini|Katholische St.-Marien-Kirche Die Bevölkerung von Hardegsen ist vornehmlich evangelisch-lutherisch mit der Evangelisch-lutherischen St.-Mauritius-Kirchengemeinde Hardegsen. Hinzu kommt noch die Katholische St.-Marien-Kirchengemeinde Hardegsen. Aus der vorreformatorischen Zeit sind 17 Pastoren (von 1307 bis 1545) verzeichnet. Ab 1540 gab es evangelisch-lutherische Gottesdienste und Pastoren.

Die Christianisierung von Hardegsen erfolgte früher als die des Gebietes um Hannover. Dem Umstand ist es zu verdanken, dass Hardegsen nicht dem benachbarten Bistum Paderborn oder Bistum Hildesheim zugeordnet wurde, sondern schon vorher an das Erzbistum Mainz angegliedert war (um 745).