Die Benelli Q.J. srl ist ein italienischer Hersteller von Motorrädern mit Sitz in Pesaro (Region Marken). Die Firma Benelli wurde 1911 in Pesaro bei Rimini als Garage Benelli von sechs Brüdern, darunter Tonino Benelli, gegründet. Seit 1. Oktober 2005 gehört das Unternehmen dem chinesischen Zweirad- und Motorenhersteller Qianjiang, dessen Produkte in Europa auch unter den Marken Keeway und QJMotor angeboten werden.

Zum 1. Januar 2026 waren in Deutschland 11.352 Benelli-Krafträder zum Straßenverkehr zugelassen, was einem Anteil von 0,2 Prozent entspricht.

Geschichte mini|links|Die Gebrüder Benelli, von links: Tonino, Francesco, Giovanni, Giuseppe, Filippo und Domenico (1929) mini|hochkant=1.3|Eine Benelli Turismo 500cc 4TN (1938) mini|hochkant=1.3|Benelli 750 Sei, erstes in Serie produziertes Motorrad mit Sechszylindermotor (1976)

Die Officina Meccanica Benelli wurde 1911 in Pesaro, Italien, gegründet. Nach dem Tod ihres Mannes investierte die Witwe Teresa Boni Benelli das gesamte Familienkapital in dieses Unternehmen, das anfangs Ersatzteile für Motorräder produzierte und vertrieb, in der Hoffnung, dass es ihren sechs Söhnen Giuseppe (1889–1957), Giovanni (1890–1981), Francesco (1892–1961), Filippo (1895–1965), Domenico (1897–1975) und Antonio (1902–1937) eine sichere Zukunft bieten würde. Sie schickte dafür Giuseppe und Giovanni zum Ingenieurstudium in die Schweiz. Anfangs beschäftigte das Unternehmen zusätzlich zu den Brüdern sechs weitere Angestellte.

Zu Beginn war es nur eine Werkstatt, die Fahrräder und Motorräder reparierte, aber bereits alle für Reparaturen benötigten Ersatzteile selbst herstellen konnte. Während des Ersten Weltkriegs arbeitete Benelli hart daran, Teile für die italienischen Militärmotorräder zu produzieren und auch Motorräder zu reparieren. 1919 wurde das erste Motorrad der Öffentlichkeit vorgestellt. 1920 baute die Werkstatt ihren ersten kompletten Motor selbst, ein Einzylinder-Zweitaktmodell mit 75 cm³, das in einen Fahrradrahmen eingepasst wurde. Ein Jahr später, 1921, begann Benelli mit der Serienfertigung seines ersten Motorrades mit einem eigenen Motor, der inzwischen einen Hubraum von 98 cm³ hatte. Kurz darauf erfolgte mit Benelli Corse der Einstieg in den Motorsport. Ab 1923 trat Tonino Benelli, der jüngste der Brüder bei verschiedenen Rennen an, erzielte erste Erfolge und steigerte so die Bekanntheit der Marke.

In der Motorrad-Weltmeisterschaft gewannen jeweils Dario Ambrosini 1950 und Kel Carruthers 1969 in der 250-cm³-Klasse den Titel. 1971 übernahm der argentinische Unternehmer Alejandro de Tomaso Benelli. Nach der darauffolgenden Übernahme von Moto Guzzi durch De Tomaso Ende 1972 wurden ab 1973 neun Jahre lang mehrere Benelli-Motorräder und Benelli-Kleinkrafträder parallel auch als Moto-Guzzi-Modelle verkauft (sogenanntes „Badge-Engineering“), siehe Liste der Moto-Guzzi-Motorräder.

1974 wurde mit der Benelli 750 Sei die erste in Serie produzierte Maschine mit Sechszylindermotor präsentiert. Der Motor gleicht in Details jenem der Honda CB 500 Four.

Infolge mangelnder Nachfrage wurde Mitte der 1980er-Jahre die Produktion von Motorrädern eingestellt und erst 1992 unter der Leitung von Andrea Merloni wieder aufgenommen, der die Reste des Unternehmens und den Markennamen aufkaufte. Merlonis Familie gehört ein großer Konzern für Küchen- und Badezimmerausstattungen in Italien. Er begann erfolgreich mit der Produktion von Motorrollern. 2002 stellte Benelli den Supersportler Tornado Tre 900 vor, der von einem Dreizylinder-Reihenmotor angetrieben wurde. Zwei Jahre später folgte das Naked Bike TNT (Tornado Naked Tre) mit einem auf 1130 cm³ Hubraum vergrößerten Tornado-Motor.

Am 1. Oktober 2005 wurde das Unternehmen an den chinesischen Zweirad- und Motorenhersteller Qianjiang verkauft, der die Motorradmarke „Benelli“ beibehalten will. Ab 2006 sollten die Motoren nicht mehr bei Moto Morini im Auftrag gefertigt werden, sondern bei Benelli in Pesaro selbst.

Im Juli 2016 wurde das Unternehmen aufgrund einer unbezahlten Rechnung des Zulieferers WP über 120.000 € aus dem Jahr 2007 vom Gericht Pesaro für insolvent erklärt.Motorrad, 17 vom 5. August 2016, S. 7. Im Spätsommer 2016 hob das Oberlandesgericht in Ancona diese Entscheidung wieder auf.

Produktionsmodelle (Stand März 2023) Lange Zeit wurden die aktuellen Benelli-Modelle vorwiegend von leistungsstarken Dreizylinder-Reihenmotoren mit DOHC-Steuerung mit vier Ventilen pro Zylinder angetrieben. Die Grundlagen dieses Treibsatzes sollen aus der Laverda-Entwicklungsabteilung kommen. Es gibt zwei Hubraumvarianten: 898 cm³ und 1.130 cm³. Die Bohrung ist bei beiden 88 mm groß, statt 49,2 mm hat die 1130er-Variante allerdings 62 mm Hub. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Sechsganggetriebe und eine O-Ring-Kette an das Hinterrad. Das Fahrwerk ist generell mit einem Rohrrahmen aus Chrom-Molybdän-Stahl und einer Upside-Down-Gabel ausgestattet, die Hinterradführung übernimmt bei der Tornado eine Aluminium-Zweiarmschwinge, während bei der TNT und der TreK eine aufwendig geschweißte Fachwerkschwinge aus Stahlrohr zum Einsatz kommt. Erwähnenswert ist die Einbaulage der Wasserkühler; bei den Tornado-Modellen sitzt dieser nämlich ungewöhnlicherweise unter dem Heckrahmen, bei der TNT beidseitig neben dem Zylinderkopf und bei der TreK klassisch vor dem Motor. Zum Modelljahr 2007/08 bekamen die Motoren einen Katalysator und erfüllen die Abgasnorm Euro-3. Durch die komplette Überarbeitung des Zylinderkopfes und der Einspritzanlage konnte das Drehmoment in den unteren Drehzahlbereichen erhöht und der Verbrauch gesenkt werden. Heute liegt das Hauptgeschäft von Benelli vorwiegend in der Produktion von günstigen kleinen Hubraumklassen.

Der Generalimporteur für Deutschland war von 2002 bis 2009 die Firma März. Von 2009 bis Februar 2012 wurden die Motorräder von der Karcher AG importiert. Die Karcher AG vertrieb aber bis 2018 noch die Rollermodelle unter der Bezeichnung „Benelli“, heute firmieren die Fahrzeuge unter dem Markennamen „Keeway“.

Ab Februar 2012 wurden die Motorräder wieder direkt von Benelli importiert. Von 2016 bis Ende 2020 übernahm die österreichische KSR Group den Vertrieb der Benelli-Modelle für Deutschland und die Schweiz.

Naked Bikes BN 125 (8,2 kW/11 PS, 10 Nm) BN 251 (18 kW/25 PS, 21 Nm) BN 302 (28 kW/38 PS, 27 Nm) BN 302R (28 kW/38 PS, 27 Nm) BN 600 I (60 kW/82 PS, 52 Nm, ABS) 752s (56,6 kW/77 PS bei 8500/min, 67 Nm bei 6500/min, ABS)

Sporttourer / Reiseenduros TRK 502 und TRK 502 X (38 kW/48 PS, 45 Nm) TRK 552 und 552X (lösen die 502 ab) sind bereits in Asien erhältlich TRK 702 und 702X mit 52kw / 71PS TRK 802 (bereits vorgestellt, noch nicht veröffentlicht) BN 600 GT (60 kW/82 PS, 52 Nm) TreK 1130K (92 kW/125 PS, 112 Nm, Federbein einstellbar)

Scrambler Leoncino (35 kW/48 PS bei 8.500/min, 45 Nm bei 4.500/min) Leoncino Trail 500 (35 kW/48 PS bei 8.500/min, 45 Nm bei 4.500/min) Leoncino Trail 800 (56 kW/76 PS bei 8.500/min, 67 Nm bei 6.500/min)

Funbikes TNT 125 (8,6 kW bei 9.000/min, 10 Nm bei 7.000/min)

Eingestellte Produktionsmodelle Supersportler/Superbikes Tornado Tre 900 (100 kW/136 PS, 100 Nm, voll einstellbares Fahrwerk) Tornado Tre 900 LE (Limited Edition), 100 kW/136 PS, 100 Nm, voll einstellbares Öhlins-Fahrwerk, Marchesini Schmiedefelgen. Tornado Tre RS (105 kW/143 PS, 100 Nm, voll einstellbares Fahrwerk) Tornado Tre 1130 (120 kW/163 PS, 124 Nm, voll einstellbares Fahrwerk)

Naked Bikes BN 600 R (60 kW/81 PS, 52 Nm) TNT 899 (88 kW/120 PS, 88 Nm, einstellbares Fahrwerk, 50-mm-Gabel, Brembo-Bremsanlage mit Stahlflexleitungen serienmäßig vorne und hinten) TNT 899S (88 kW/120 PS, 88 Nm, voll einstellbare 50-mm-Gabel, Brembo-Bremsanlage mit Stahlflexleitungen serienmäßig vorne und hinten) TNT Café Racer 899 (88 kW/120 PS, 88 Nm, voll einstellbares Fahrwerk, Soziusabdeckung, Bugspoiler, Carbon-Applikationen, Stummel-Lenker, 50-mm-Gabel, Brembo-Bremsanlage mit Stahlflexleitungen serienmäßig vorne und hinten) TNT Century Racer 899 (88 kW/120 PS, 88 Nm, Jubiläumsmodell 100 Jahre Benelli, voll einstellbares Fahrwerk, Wave-Bremsscheiben, radiale Brembo-Bremszangen, Bugspoiler, 50-mm-Marzocchi-Gabel, Stahlflexleitungen serienmäßig vorne und hinten) TNT 1130 (95 kW/129 PS, 110 Nm, ohne Kat: 101 kW/137 PS, Federbein verstellbar, 50-mm-Gabel, Stahlflexleitungen serienmäßig vorne und hinten) TNT Sport evo (95 kW/129 PS, 110 Nm, voll einstellbares Fahrwerk, radiale Brembo Bremszangen, Bugspoiler, 50-mm-Marzocchi Gabel, Stahlflexleitungen serienmäßig vorne und hinten) TNT Café Racer (95 kW/129 PS, 110 Nm, voll einstellbares Fahrwerk, Soziusabdeckung, Bugspoiler, Carbon-Applikationen, Stummel-Lenker, 43-mm-Gabelholme, Stahlflexleitungen serienmäßig vorne und hinten) TNT Titanium (95 kW/129 PS, 110 Nm, voll einstellbares Fahrwerk, Schmiedefelgen, Titan-Schalldämpfer, verschiedene Carbonteile, 50-mm-Marzocchi Gabel, voll einstellbar, Stahlflexleitungen serienmäßig vorne und hinten) TNT GP Racer (95 kW/129 PS, 110 Nm, voll einstellbares Fahrwerk, verschiedene Carbonteile) – Einzelstück TNT Carbonium (95 kW/129 PS, 118 Nm, voll einstellbares Fahrwerk, Schmiedefelgen, Trockenkupplung, div. Carbonteile) – Einzelstück TNT R160 (114 kW/155 PS, 120 Nm, voll einstellbares Fahrwerk, hydraulische Trocken-Antihopping-Kupplung, Carbon-Schalldämpfer, Wave-Bremsscheiben, Carbon-Bugspoiler, Carbon Schutzblech, 50-mm-Marzocchi-Gabel, Brembo radiale Bremsanlage mit Stahlflexleitungen serienmäßig vorne und hinten) TNT Century Racer (95 kW/129 PS, 110 Nm, Jubiläumsmodell 100 Jahre Benelli, voll einstellbares Fahrwerk, Wave-Bremsscheiben, radiale Brembo Bremszangen, Bugspoiler, 50-mm-Gabel, Bremsanlage mit Stahlflexleitungen serienmäßig vorne und hinten) TNT R (116 kW/158 PS, 120 Nm, voll einstellbares Fahrwerk, 50 mm Marzocchi Gabel, hydraulische Trocken-Antihopping-Kupplung, Carbon Schalldämpfer, Carbon Kotflügel, Carbon Bugspoiler, Wave Bremsscheiben, Radiale Brembo Bremszangen, Stahlflexleitungen serienmäßig vorne und hinten). Letztes gebautes Modell in der Auflage von 160 Stück.

Sporttourer TreK 899 (80 kW/108 PS, 88 Nm) TreK 1130 (92 kW/123 PS, 112 Nm, Federbein einstellbar) TreK 1130 Amazonas (92 kW/123 PS, 112 Nm, Federbein einstellbar)

Geländesport-Motorräder BX 499 Cross (41 kW/56 PS, 45 Nm, Fahrwerk einstellbar) BX 499 Enduro

Motorroller Bis zum Verkauf an den chinesischen Hersteller wurden in Italien einige Motorrollermodelle produziert. Alle dort entwickelten und produzierten 50-cm³-Modelle wurden mit einem Zweitaktmotor betrieben. Teilweise leben Benelli-Modelle unter dem Markennamen Adiva weiter. Das Modell Adiva wurde unter dieser Marke verkauft, die 491 sollte als Namura 50 im Jahr 2008 mit leicht geänderter Ausstattung wieder erhältlich sein, kam jedoch nicht auf den Markt. Manch andere Modelle wurden auch nach Übernahme durch den chinesischen Hersteller noch als „Benelli“ angeboten, jedoch in China produziert und mit anderer Technik ausgestattet.