miniatur|Aula der Scharounschule in Marl Die Scharounschule Marl ist eine im Stile der organischen Architektur geplante und errichtete Schule des Architekten Hans Scharoun in der Stadt Marl. Sie gilt als eines der bedeutendsten Beispiele der modernen Nachkriegsarchitektur in Nordrhein-Westfalen.
Geschichte mini|Scharounschule Im Auftrag der Stadt Marl erstellte der Architekt Hans Scharoun von 1960 bis 1964 einen Entwurf für eine Grund- und Hauptschule im damaligen Neubaugebiet Drewer. Der Entwurf sah ein Schulgebäude mit 20 Klassen, einer Sporthalle und einer Aula mit 522 Plätzen an der Westfalenstraße vor. Nach der Grundsteinlegung im Jahr 1964 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, sodass der erste Bauabschnitt mit Schulklassen 1968 bezogen werden konnte. Im Jahr 1969 folgten Aula und Turnhalle. Ein Jahr später kam es zur Übergabe des gesamten Gebäudes einschließlich der Außenanlagen und der Schulbetrieb wurde vollständig aufgenommen.Scharoun-Schule in Marl. Website der Stadt Marl. Abgerufen am 24. November 2010.
Architektur mini|Die „Schulwohnungen“ Neben der Geschwister-Scholl-Gesamtschule Lünen ist die Marler Schule eines von nur zwei Schulgebäuden, die von Scharoun in Gänze entworfen und nach seinen Plänen gebaut wurden. Bei der Planung des Gebäudes im neuen Siedlungsgebiet Drewer-Süd wurden dem Architekten seitens der Stadt Marl keine städtebaulichen Vorgaben auferlegt. So konnte Scharoun seine Vorstellungen von organischer Architektur umsetzen, kräftig unterstützt vom Bürgermeister Rudolf-Ernst Heiland.
Fünf Gebäudeflügel, in denen sich die Klassenräume befinden, ragen wie Sternstrahlen in das Gelände, zentriert in der mittig gelegenen Schulaula. Die Aula stellt das Herz des Gebäudes dar und sorgt für die Verbindung der restlichen Gebäudeteile. Zur gleichen Zeit wie die Berliner Philharmonie entworfen, besticht auch dieser Saal durch eine einzigartige Akustik. Er erhebt sich deutlich über die eingeschossigen, sogenannten „Schulwohnungen“, die aus jeweils einem Klassenraum, Toilettenräumen, einer Garderobe, einem Gemeinschaftsraum und einem Freiluftbereich für den Unterricht und Aufenthalt im Freien bestehen. Jede dieser Schulwohnungen ist wabenförmig angelegt.Jost Schäfer: Die Grund- und Hauptschule Hans Scharouns in Marl. „Organisches Bauen“ in der Nachkriegsmoderne. In: Denkmalpflege in Westfalen-Lippe. 1/1996, S. 21–26.
Scharoun hat in der besonderen Architektur der Schule ein pädagogisches Konzept umgesetzt, das die Schüler konsequent in den Mittelpunkt stellt und für Unter-, Mittel- und Oberstufe unterschiedliche Lernbedingungen vorsieht.
Erhalt der Schule
Seit dem Jahr 2004 steht die Scharounschule unter Denkmalschutz.Beschlussvorschlag zur Eintragung in die Denkmalliste, Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Marl am 10. März 2004, angenommen Sie sollte zunächst aus wirtschaftlichen Gründen, nach Plänen der Stadt Marl, im Jahr 2006 entweder abgerissen oder als Altersheim genutzt werden. Im Jahr 2006 jedoch schlossen sich Architekten, Stadtplaner, Denkmalschützer sowie engagierte Bürger zu einem Initiativkreis zusammen, um die Schule mit Unterstützung der Stadt Marl als architekturgeschichtlich wertvolles und schulisch genutztes Gebäude dauerhaft zu erhalten. Im Herbst 2010 wurde mit den Sanierungsarbeiten begonnen. Am 19. August 2015 wurden in einem Festakt und einem Galakonzert die sanierten Gebäude der Öffentlichkeit und ihren neuen Zweckbestimmungen übergeben. Heute teilen sich die Grundschule Aloysiusschule und die städtische Musikschule die Räumlichkeiten. Das Gebäude mit seiner Vielzahl individuell gestalteter Räume und der akustisch einmaligen Aula bieten der Musikschule und zahlreichen Marler Musikvereinen wie dem jungen Blasorchester Marl ideale Möglichkeiten als Ort für Proben und Konzerte.
Zitat
Literatur Hans Scharoun: Raum und Milieu der Schule. Vortrag beim Internationalen Schulbaukongress, im Zusammenhang mit der 11. Triennale Bauen + Wohnen, Mailand 1960. In: Bauen + Wohnen. Construction + habitation. Building + home, Jg. 15, Heft 8, 1961; auch in: architektur wettbewerbe, 31, 1961, S. 10–13, Aus Bauen und Wohnen, am Anfang und Ende geringfügig gekürzt Hans Scharoun: Bauten, Texte, Entwürfe (= Schriftenreihe der Akademie der Künste, 10). Hg. Peter Pfankuch. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1974, 1993. Hartmut Dreier, Roland Günter, Manfred Walz (Hgg.): Marl. Industrie-Stadt eigener Art. Neuer Aufbruch in Natur und Kultur. Einmischen und Mitgestalten, Schriften des Deutschen Werkbunds NRW, 23. Klartext Verlag, Essen 2014, ISBN 978-3-8375-1365-3;Mit zahlreichen Abb., auch aus der Scharounschule, u. a. ein 180°-Panoramabild des Zentralbereichs darin: Michael Hellgart: Scharoun-Schule Marl. Eine Anregung zu künftigen Nutzung im Sinne Scharouns. S. 91–100. Hartmut Dreier, Scharoun-Schule Marl, gerettet! S. 115–122. Peter Blundell Jones: Marl revisit. S. 101–114 (englisch).Die Schule aus architektonischer und architekturgeschichtlicher Sicht. Mit einer deutschen Einleitung zur Baugeschichte Pressespiegel zur Rettung der Scharoun-Schule. S. 123–129. Christiane Both: Schulbauten bei Hans Scharoun. Magisterarbeit, Frankfurt (Main) 2001; nach [ Online] Erstes Marler Symposium. Architektur & Pädagogik – Lernraum Schule. 2009, Bund deutscher Architekten, über Scharoun S. 7ff. Birgit Gropp, mit Dietrich Scholle (Hgg.): Die Bauten von Hans Scharoun in Westfalen. Westfälische Kunststätten, 120. Westfälischer Heimatbund, Münster 2016, ; darin Manfred Walz: Die Scharounschule in Marl. S. 21–36 (mit Abbildungen).weitere dargestellte Bauten Scharouns: Geschwister-Scholl-Gesamtschule Lünen, Scharounkirche Bochum der Christengemeinschaft
Weblinks
Einzelnachweise
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