mini|Dieter Kalka, 2016 Dieter Kalka (* 25. Juni 1957 in Altenburg) ist ein deutscher Schriftsteller, Liedermacher, Lyriker und Dramatiker.

Leben und Werk Dieter Kalka wurde in Altenburg geboren, seine Großmutter Dora Josefiak und sein Vater, Former in einer Gießerei, waren Nachfahren polnischer Einwanderer aus Posen. Kalka wuchs die ersten zwei Jahre bei seiner Großmutter in Mehna auf. Seine Eltern zogen 1959 in ein Haus der Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft am Stadtrand von Meuselwitz in die Grenzstraße, die ehemalige Grenze zwischen Thüringen und Sachsen. Kalka verarbeitete diesen Umstand später in seinen Liedern In Thüringen kann ich mich gut verstecken In Sachsen hängt mein Steckbrief an der Wand.Abschiedslied / Meuselwitzer Lieder 1964 wurde er eingeschult und erhielt zeitgleich Akkordeonunterricht bei einem Privatlehrer.

Kalka war Mitglied der 1974 gegründeten Zeitzer Rockband „Steam-Machine“. Mit seinem Schulfreund Wolfgang Löser gründete er eine unplugged-Band. Aufgrund des Songs Hiroshima wurde die Band von der Schule nicht mehr zu Auftritten zugelassen.Moritz Jähnig: Liebeslieder auf politischem Splitterglasgrund

mini|Dieter Kalka mit Bandoneon, 1987 Dieter Kalka begann 1978 ein Studium der Elektrotechnik und Mathematik an der Technischen Hochschule Ilmenau, das er 1980 wegen „Verbreitung und Besitz illegaler Schriften“ abbrechen musste. Er war Gründungsmitglied der 1978 formierten Folkband Feuertanz. Danach arbeitete Kalka in verschiedenen Berufen. Eine wichtige Begegnung für ihn war die mit dem 1978 noch unbekannten Schriftsteller Wolfgang Hilbig. Heute ist Kalka Mitglied der Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft und produzierte ein Rundfunkfeature über Hilbig.Wolfgang Hilbig zum 75. Geburtstag

Musikalische Laufbahn Dieter Kalka begann Ende der 1970er Jahre, sich mit Walter von der Vogelweide zu beschäftigen. Erst 2018 erschien eine Lyriksendung zu Vogelweide mit Nachdichtungen Kalkas.Beulenspiegels literarische Irrf-Fahrt: Walter von der Vogelweide Die Premiere seines ersten Liedprogrammes „Meuselwitzer Lieder“ fand im Herbst 1982 im Jugendklub Meuselwitz statt. Nachdem Kalka im September bei der Bezirkswerkstatt für Lied und Chanson in Leipzig erfolgreich teilgenommen und vom Komponisten Jens-Uwe Günther „entdeckt“ wurde, lud ihn die Chefin des Kreiskabinetts für Kulturarbeit Altenburg nach der Premiere vor, und verbot ihm, eigene Lieder zu singen. Daraufhin zog Kalka nach Leipzig.

Kalka wohnte von 1982 bis nach der Wende in der Keilstraße 4 über der Brodyer Synagoge.http://www.logopaedie-connewitz.de/ll/keilstrasse.htm Dort schrieb Kalka in den 1980er Jahren seine Lieder, auch eins auf Jiddisch. Kalkas Theaterstück Zwej unglejche Brieder wurde 1998 im Theater „fact“ uraufgeführt.http://www.logopaedie-connewitz.de/kalka/buehne/buehne.htm

Informiert durch das Kreiskabinett für Kulturarbeit Altenburg, versuchte der Leiter des Bezirkskabinettes für Kulturarbeit Leipzig mit Hilfe von MfS, Zentralkomitee der SED und des Kultusministeriums ein Berufsverbot für Kalka durchzusetzen, was aber durch die Solidarität der Leipziger Liedermacher verhindert werden konnte. Dennoch wurden landesweit die Auftrittsmöglichkeiten erheblich erschwert, es führte zur Kündigung einer ganzen Tournee. Dieser Zustand hielt bis zum Zusammenbruch der DDR an.BSTU Leipzig XX-00278 Durch finanzielle Unterstützung von Heinz-Martin Benecke, einem Fördervertrag, beschlossen durch den Arbeitskreis Chanson, mit Hilfe des Leipziger Liedermachers Odwin Quasts und durch Hubertus Schmidt, der ihn auch in sein (illegales) Privatstudio zu Aufnahmen einlud, konnte Kalka diese Zeit künstlerisch überstehen.

mini|Werbekarte der Band Dieters Frohe Zukunft von 1984

1984 gründete er mit Uwe Schimmel und Uta Mannweiler die Folkband Dieters Frohe Zukunft, angekündigt als „Neue Deutsche Folklore“, Satiren aus dem Alltag des real existierende Sozialismus. Mit dem Programm „Der Bauernmarkt von Klein-Paris“ und enthaltenen Anspielungen auf den Eisernen Vorhang („In Trudes Weitspuckstube / spuckst du von Klein-Paris / auf die ganze Welt“), mit Songs wie „Der Schanzenraub zu Hohburg“ sowie dem „Stehgeiger vom Ringcafé“ tourten sie erfolgreich. Die Band organisierte auch das illegale Folk-Dichter-Songwriter-Treffen Ringelfolk in der Ringelnatzklause Wurzen. Ein in den Westen geschmuggeltes Tonband erreichte einen Verleger in Nottuln, der Kalka einen Plattenvertrag anbot, allerdings kam der Brief aufgerissen an. Offizielle Wege, das Plattenprojekt zu verwirklichen, scheiterten.

Seit Mitte der 1980er Jahre war er freischaffend als Liedermacher tätig und mehrfach Teilnehmer der DDR-offenen Chansontage im Kloster Michaelsstein bei Werner Bernreuther, der ab 1987 auch als sein Mentor fungierte.

Kalka galt als der „Rebell der Leipziger Liederszene“,Harald Pfeifer „Austritt aus dem verordneten Kollektiv“. Die Leipziger Liederszene im letzten Jahrzehnt der DDR, Leipziger Blätter, S. 50–53, Mai 2018. seine produktive Zeit als Liedermacher schlug sich nieder in Programmen wie „Das utopische Festival“ (1985), einem Sammelsurium von „unauflösbaren Gegensätzen im widerspruchsbereinigten Land der Dialektik“ mit Versen wie Mein Vaterland ist, wo mein Vater kein Land hat, „Noch habe ich die FREIHEIT zu lieben“ (1988) mit „Liebesliedern auf politischem Splitterglasgrund: Dann steh vor jeder Ampel ich und sehe nur noch Rot“ und „Sonnen-Wende“ (1989), welches wenige Wochen vor der deklarierten Wende Premiere hatte und diese inhaltlich vorwegnahm: Ich brauche zum Leben die Wende. Darin hatte Kalka auch Vertonungen von Rainer Maria Rilke, Arthur Rimbaud, Kurt Arnold Findeisen, Franz Hodjak, Andreas Reimann und Emanuel von Bodman aufgenommen, ebenso verjazzte Stücke von Johann Sebastian Bach auf dem Bandoneon, was zur Chansonwerkstatt 1988 von Traditionalisten kritisiert wurde – die anwesenden Jazzer luden ihn zur Session ein. Der ehemalige Renft-Gitarrist Peter Cäsar Gläser bot Kalka 1987 an, in seinem Privatstudio illegale Aufnahmen herzustellen und mischte sie für die geplante West-LP ab.

Kalka war Mitte bis Ende der 1980er Jahre Mitglied der Potsdamer Folkband Corvus Corax und spielte dort Bandoneon. Die Findeisen-Vertonung, eine dreizehnstrophige Ballade über den mittelalterlichen Dudelsackspieler Nikol Reifenteuffel, wurde von Mittelaltermusikern wie Robert Beckmann und dem Tanzwut-Sänger übernommen und brachte Letzterem seinen Künstlernamen Teufel ein.

Zur Wendezeit nahm Kalka an Solidaritätskonzerten im Herbst 1989 teil. 1990 bereitete er als Projektmanager die Erste Alternative Buchmesse Leipzig vor.siehe auch die Dokumentation der Buchmesse und Ausschnitte der Lesungen von Christian W. Staudinger auf Youtube, abgerufen am 9. Dezember 2015.

Seine Lieder „sind nicht frei von bitterem Beigeschmack. Kalka legt den Finger auf Kompromisse, die jeder fast täglich im Leben schließt oder sich zu schließen genötigt fühlt. Einstige Ideale werden darüber oft vergessen.“Moritz Jähnig: Standortbestimmung persönlicher Natur. In: Die Union. Oktober 1989. Er verfasste die Liedtexte zur FolkoperKompositionen: Feuertanz. Uraufführung Ilmenau 1997. und schrieb über „Das Wiederaufleben der ostdeutschen Liedermacherszene“.Dieter Kalka: Das Wiederaufleben der ostdeutschen Liedermacherszene. Teil 1 – Die Chansontage in Kloster Michaelsstein. In: www.chanson.de. Das Online-Magazin für Lied, Chanson und feine Zwischentöne Seine Konzerte führten ihn nach Polen, Belarus, Tschechien, Ungarn, die Schweiz, Österreich und Dänemark. Er vertonte polnische Lyrik von Bohdan Zadura, Anna Janko, Krzysztof Paczuski, Józef Baran und sang Lieder auf Jiddisch, Belarussisch und Polnisch.

Auf Einladung des belarussischen Songwriters Viktor Schalkewitsch nahm Kalka am Bardentreffen 2000 in Minsk und 2002 in Grodno teil, zu der auch ein Mitschnitt erschien. Beim Sächsischen Literaturfrühling 2003 widmete er sein Freiheitslied Nr. 2 seinem belarussischen Kollegen. „Dieter Kalka hat vor einigen Jahren begonnen, Memorabilia der damaligen Leipziger Szene zusammenzutragen“.Kai Engelke, Die Leipziger Liederszene der 1980er Jahre, Köpfchen 1/2018, Burg Waldeck

Schriftsteller Dieter Kalkas erste Buchpublikation trug den Titel eine übersensible regung unterm schuhabsatz und erschien 1987 als Samisdat mit einem Nachwort von Andreas Reimann.

Nach der Wende Rundfunklesungen und Sendungen beim Deutschlandfunk, der Deutschen Welle sowie im Dänischen Fernsehen bei Jens Nauntofte, regelmäßige Auftritte auf der Burg Waldeck. Durch eine Reise nach Lublin, angeregt vom dort lebenden Übersetzer Herbert Ulrich, wurde Kalka mit der dortigen Poetenszene bekannt, von denen er ein Dutzend nachdichtete, u. a. Krzysztof Janusz Paczuski, Waldemar Dras, Aleksander Rozenfeld, Zbigniew Dmitroca, Waldemar Michalski, Bohdan Zadura. Für den Verbandes deutscher Schriftsteller organisierte Kalka 1995 in Leipzig und 1998 in Lublin das deutsch-polnische Lyrikfestival „wortlust“ und gab die zweisprachige Anthologie Lubliner Lift heraus.

Thema seines 1998 erschienenen Erzählbandes Der ungepflückte Apfelbaum ist die „versunkene DDR-Realität“.Irmtraud Gutsche: Unter der Rinde. In: Neues Deutschland. 20. Juni 1998. Kalkas Texte wurden in Literaturzeitschriften wie Dichtungsring, sterz, Muschelhaufen und Ostragehege veröffentlicht und erschienen in Anthologien, u. a. in der Jahresauswahl des MDR-Literaturwettbewerbs,Michael Hametner: Das Ende der Nibelungen und andere Erzählungen. Jahresauswahl des MDR-Literaturwettbewerbs 1998, Leipzig 1999, ISBN 3-932545-24-9. in Mein heimliches Auge, in Landschaft mit Leuchtspuren. Neue Texte aus Sachsen,Reclam, Leipzig 1999. dazu 50 Einzelpublikationen in polnischer Sprache, u. a. in Akcent (Lublin), Czas Kultury (Poznań), Studium (Krakau); Wyrazy (Katowice) Format (Wrocław), Kartki, List Oceaniczny TorontoBibliografie polnischer Literatur 1988–2003 und in einer deutsch-polnischen Anthologie.Lubelska Winda. Niemiecko-polska antologia (Lubliner Lift. Deutsch-polnische Anthologie). Pod red.: Dieter Kalka. Lublin; Dresden, Wyd. TEST; Die Scheune Verlag 1999, ISBN 3-931684-27-X.

Die Uraufführung seines Theaterstückes „Das Experiment oder Zwej unglejche Brieder“ fand im September 1998 im Theater fact statt.Das mysteriöse Ende des montrösen Diktators H. Gelunge Schreiber Inszenierung von Kalkas „Experiment“ im theater fact. In: Leipziger Volkszeitung. 25. September 1998. Seit Ende der 1990er Teilnahmen an verschiedensten polnischen Literaturfestivals wie „Ostry nawrot dekandencjii“ in Poznań, dem Theaterfestival in Zamość, dem Festival der polnischen Kleintheater und dem Lyrikfestival „Czas Poetów“ der Bruno-Schulz-Stiftung in Lublin sowie mehrfach auf Einladung des Krakauer Schriftstellerverbandes Arbeitstreffen in Krynica-Zdrój. Aufgrund dieser Kontakte erschienen zwei Erzählbände in polnischer Sprache. „Podwójne i potrójne“, übersetzt von Andrzej Pańta und „Wszystko to tylko teatr“, übersetzt von Marek Śnieciński und Gabriela Matuszek. Auf dem deutsch-polnischen Poetendampfer lernte Kalka seine spätere Ehefrau, die Märchendichterin Agnieszka Haupe kennen, mit der er in Schulen das Projekt „Deutsche und polnische Kinder erfinden Märchen“ durchführte.

mini|Dieter Kalka (2018) Der 1999 erschienene Lyrikband „Der Schleier“ versammelt Texte mit mythologischem Hintergrund, verwoben mit Reminiszenzen an die Tagebaulandschaften in Sachsen. Der Züricher Literaturwissenschaftler Hans-Jost Frey schrieb dazu im Vorwort: „Der Staub von Kohle und der Duft von Erde werden dann lesbar.“ Das Bayrische Literaturradio brachte 2016 eine Sendung mit Texten aus diesem Band.Dieter Kalka „Der Schleier“ Lesung und Bandoneon mit einem Vorwort von Hans-Jost Frey, Zürch Seitdem produzierte Kalka Literaturfeatures, u. a. mit Karl-Heinz Heydecke und eine Sendereihe mit polnischer Lyrik, gründete mit Andreas H. Buchwald einen eigenen Literaturkanal: Allgäuer Milchschleuder – Poesie&FeatureFunk.Allgäuer Milchschleuder – Poesie&FeatureFunk