Der nassauische Regierungsbezirk Ehrenbreitstein, auch das untere Herzogtum oder Regierungsbezirk Thal-Ehrenbreitstein genannt, war eine Verwaltungseinheit, die von 1803 bis 1806 im Gebiet des Fürstentums Nassau-Weilburg und von 1806 bis 1815 im Herzogtum Nassau bestand. Der Verwaltungssitz war in Ehrenbreitstein. Der Regierungsbezirk umfasste zuletzt 21 Ämter.
Geschichte Das Gebiet des Regierungsbezirks Ehrenbreitstein gehörte bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zu einer Anzahl von verschiedenen Territorien: Kurfürstentum Trier, Kurfürstentum Köln (mit verschiedenen Unterherrschaften), die Grafschaften bzw. Fürstentümer Sayn-Altenkirchen, Sayn-Hachenburg, Wied-Neuwied, Wied-Runkel, Niederisenburg sowie Nassau-Dillenburg.
Infolge des Friedensvertrages von Lunéville von 1801 und dem 1803 im Reichsdeputationshauptschluss vereinbarten Entschädigungsplan erhielten die Fürsten Karl Wilhelm von Nassau-Usingen (1735–1803) und Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg (1768–1816) für ihre verlorenen linksrheinischen Besitzungen unter anderem die rechtsrheinischen Teile der säkularisierten Kurfürstentümer Trier und Köln sowie die Grafschaft Sayn-Altenkirchen.Nassauische Annalen: Jahrbuch des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, Bände 9–10, 1868, Seite 314 u. a.
Nassau-Usingen 1803 bis 1806 Nassau-Usingen erhielt 1803, bezogen auf den Regierungsbezirk Ehrenbreitstein, von Kurköln die Ämter Linz und Schönstein und von Sayn-Altenkirchen die Ämter Altenkirchen, Freusburg und Friedewald. Diese Ämter wurden zunächst der Regierung in Wiesbaden unterstellt.
Nassau-Weilburg 1803 bis 1806 Nassau-Weilburg erhielt 1803, bezogen auf den Regierungsbezirk Ehrenbreitstein, von Kurtrier die Ämter Ehrenbreitstein, Hammerstein, Herschbach, Meudt, Montabaur, Sayn und Wellmich. Zur Verwaltung dieser neu erworbenen Landesteile errichtete Nassau-Weilburg 1803 in Ehrenbreitstein eine eigene Regierung. Für die bereits 1799 erworbenen, ursprünglich zu Sayn-Hachenburg gehörenden Ämter Hachenburg und Schöneberg sowie für die vorher zu Nassau-Dillenburg gehörenden Ämter Burbach und Neunkirchen wurden vorläufig von Hachenburg aus verwaltet. Für die alten weilburgischen Teile des Fürstentums bestand die Regierung in Weilburg.Johann Andreas Demian: Statistik der Rheinbundstaaten, Band 2, Verlag Varrentrapp, 1812; Seite 199 ff.
Herzogtum Nassau 1806 miniatur|Nassauische Souveränitätserklärung vom 30. August 1806 Im Juni 1806 traten die Fürsten zu Nassau-Usingen und Nassau-Weilburg dem Rheinbund bei, die beiden Fürstentümer wurden im August zu einem Herzogtum vereinigt. Dem Herzogtum Nassau wurden verschiedene mediatisierte Grafschaften und Fürstentümer zugeordnet. Zur Verwaltung dieser „Souveränitätslande“ wurde in Wiesbaden eine eigene „Administrations-Kommission“ eingerichtet.
Durch Edikte vom 25. Juli und 1. August 1809 wurde die Administrations-Kommission zu Wiesbaden und die Regierung zu Hachenburg aufgehoben und die zugehörenden Ämter an die Regierungen zu Wiesbaden und Ehrenbreitstein überwiesen.Johann Josef Scotti: Sammlung der Gesetze und Verordnungen..., Teil 4, Herzogtum Nassau, 1836, S. 1793 (Google Books) Zum Regierungsbezirk Ehrenbreitstein kamen die hachenburgischen Ämter Burbach, Hachenburg, Neunkirchen und Schöneberg, von Wied-Runkel die Ämter Altenwied, Dierdorf und Neuerburg sowie von Wied-Neuwied die Ämter Grenzhausen, Heddesdorf und Neuwied.Heinrich Karl Wilhelm Berghaus: Deutschland seit hundert Jahren: Geschichte der Gebiets-Eintheilung und der politischen Verfassung, Band 3, Teil 2, 1862, Seite 377 Das ebenfalls zu den Souveränitätslanden zählende Amt Maischeid (Grafschaft Niederisenburg) wurde 1811 aufgehoben und mit dem Amt Dierdorf verbunden.
Preußen 1815 Nach den Bestimmungen der Schlussakte des Wiener Kongresses und dem am 31. Mai 1815 zwischen Preußen und Nassau abgeschlossenen Territorial- bzw. Tauschvertrages kam der größte Teil des Regierungsbezirks Ehrenbreitstein zum Königreich Preußen.Friedrich Wilhelm von Rohrscheidt: Preußen's Staatsverträge, Verlag F. Schneider, 1852, Seite 434 Unter der preußischen Verwaltung wurde das übernommene Gebiet dem neu errichteten Regierungsbezirk Koblenz zugeordnet. Die Ämter wurden aufgelöst bzw. den 1816 gebildeten Kreisen Altenkirchen, Koblenz, Linz und Neuwied zugeordnet, zur Verwaltung der Ortschaften wurden Bürgermeistereien eingerichtet.
Die vorher zu Nassau-Dillenburg gehörenden Ämter Burbach und Neunkirchen gingen erst 1816 an Preußen und kamen zum Kreis Siegen.Wilhelm Fix: Übersichten zur äusseren Geschichte des preussischen Staats, Verlag Simon Schropp, Berlin 1858, S. 92 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek).
Gliederung Mit Stand 1813 bestand der Regierungsbezirk Ehrenbreitstein aus folgenden 21 Ämtern:
Name Amtssitz Kirchspiele vorher nachher Amt Altenkirchen Altenkirchen Kirchspiele Almersbach, Altenkirchen, Mehren bis 1803 Sayn-Altenkirchen bis 1806 Nassau-Usingen ging 1815 an Preußen Kreis Altenkirchen Amt Altenwied Asbach Asbach, Neustadt, Windhagen bis 1803 Kurköln bis 1806 Wied-Runkel ging 1815 an Preußen Kreis Neuwied Amt Burbach Burbach Niederdresselndorf bzw. der Hickengrund bis 1799 Kondominium Sayn und Nassau bis 1806 Nassau-Dillenburg ging 1816 an Preußen Kreis Siegen Amt Dierdorf Dierdorf Dierdorf, Freirachdorf, Maischeid, Niederwambach, Oberdreis, Puderbach, Raubach, Urbach, Isenburg bis 1806 Wied-Runkel und Niederisenburg ging 1815 an Preußen Kreis Neuwied Amt Ehrenbreitstein Ehrenbreitstein Arenberg, Arzbach, Arzheim, Ehrenbreitstein, Horchheim, Niederberg, Niederlahnstein, Pfaffendorf bis 1803 Kurtrier bis 1806 Nassau-Weilburg ging 1815 teilweise an Preußen Kreis Koblenz Amt Freusburg Kirchen Gebhardshain, Fischbach, Kirchen. bis 1803 Sayn-Altenkirchen bis 1806 Nassau-Usingen ging 1815 an Preußen Kreis Altenkirchen Amt Friedewald Daaden Daaden bis 1803 Sayn-Altenkirchen bis 1806 Nassau-Usingen ging 1815 an Preußen Kreis Altenkirchen Amt Grenzhausen Selters Alsbach, Dreifelden, Grenzhausen, Maxsain, Nordhofen, Rückeroth bis 1806 Wied-Neuwied blieb bei Nassau Amt Selters Amt Hachenburg Hachenburg Hachenburg, Altstadt, Alpenrod, Hamm, Höchstenbach, Kirburg, Kroppach bis 1799 Sayn-Hachenburg bis 1806 Nassau-Weilburg blieb, mit Ausnahme von Hamm, bei Nassau Amt Hammerstein Engers Engers, Oberhammerstein, Hönningen, Irlich, Leutesdorf, Rheinbrohl bis 1803 Kurtrier bis 1806 Nassau-Weilburg ging 1815 an Preußen Kreis Koblenz Kreis Linz Amt Heddesdorf Heddesdorf Anhausen, Altwied, Heddesdorf, Niederhonnefeld, Niederbieber, Rengsdorf bis 1806 Wied-Neuwied ging 1815 an Preußen Kreis Neuwied Amt Herschbach Herschbach Hartenfels, Herschbach, Horhausen, Marienrachdorf, Peterslahr bis 1803 Kurtrier bis 1806 Nassau-Weilburg ging 1815 teilweise an Preußen Amt Linz Linz am Rhein Linz, Dattenberg, Ohlenberg Unkel, Bruchhausen, Erpel, Rheinbreitbach bis 1803 Kurköln bis 1806 Nassau-Usingen ging 1815 an Preußen Kreis Linz Amt Meudt Montabaur Berod, Großholbach, Hahn, Hundsangen, Meudt, Nentershausen, Niedererbach, Salz, Schönberg und Weidenhahn. bis 1803 Kurtrier bis 1806 Nassau-Weilburg blieb bei Nassau später Amt Wallmerod Amt Montabaur Montabaur Montabaur, Heiligenroth, Helferskirchen, Wirges, Kirchähr, Oberelbert, Winden bis 1803 Kurtrier bis 1806 Nassau-Weilburg blieb bei Nassau Amt Neuerburg Waldbreitbach Waldbreitbach bis 1803 Kurköln bis 1806 Wied-Runkel ging 1815 an Preußen Kreis Neuwied Amt Neunkirchen Neunkirchen Burbach und Neunkirchen bis 1799 Kondominium Sayn und Nassau bis 1806 Nassau-Dillenburg ging 1816 an Preußen Kreis Siegen Amt Neuwied Stadt Neuwied Stadt Neuwied bis 1806 Wied-Neuwied ging 1815 an Preußen Kreis Neuwied Amt Schöneberg Schöneberg Birnbach, Flammersfeld, Hamm, Schöneberg bis 1799 Sayn-Hachenburg bis 1806 Nassau-Weilburg ging 1815 an Preußen Kreis Altenkirchen Amt Schönstein Schloss Schönstein Wissen bis 1803 Kurköln (Hatzfeld) bis 1806 Nassau-Usingen ging 1815 an Preußen Amt Vallendar Vallendar Bendorf, Breitenau, Heimbach, Hillscheid, Höhr, Nauort, Ransbach, Sayn, Vallendar. bis 1803 Herrschaft Vallendar bzw. Kurtrier bis 1806 Nassau-Weilburg ging 1815 teilweise an Preußen Kreis Koblenz
Einzelnachweise
Ehrenbreitstein, Regierungsbezirk Kategorie:Geschichte (Rheinland) Kategorie:Geschichte des Westerwaldes Kategorie:Geschichte (Landkreis Mayen-Koblenz) Kategorie:Geschichte (Landkreis Neuwied) Kategorie:Geschichte (Landkreis Altenkirchen (Westerwald)) Ehrenbreitstein Ehrenbreitstein Kategorie:Aufgelöst 1815