mini|Gustav G. Belz (2005)
Gustav Georg Belz (* 25. März 1940 in Wiesbaden-Biebrich) ist ein deutscher Internist, Kardiologe und Klinischer Pharmakologe.
Leben Nach dem Abitur an der Gutenbergschule Wiesbaden 1960 studierte Belz Medizin an den Universitäten Mainz und Frankfurt/M. 1968 promovierte er zum Dr. med. an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Der Titel seiner (Inaugural-)Dissertation 1967 lautete: Zum Stoffwechsel- und Adsorptionsverhalten nativer und hitzedenaturierter Plasmaproteine. Er war Assistenz- und Oberarzt an Kliniken in Eppstein, Bad Soden, Frankfurt, Mainz, Ulm und Koblenz. Facharztanerkennung (Ärztekammer, Jahr): Internist, Teilgebiet Kardiologie (Koblenz, 1975), Pharmakologie, Teilgebiet Klinische Pharmakologie (Frankfurt, 1980). In seiner Ausbildungszeit lernte er u. a. von den Kardiologen Jörgen Schmidt-Voigt, Eppstein und Martin Stauch, Ulm. Im Jahr 1974 habilitierte er sich an der Universität Ulm für „Innere Medizin und Klinische Pharmakologie“ und lehrte zunächst dort als Privatdozent, ab 1976 als Professor in Mainz. Seit 1977 war er ärztlicher Leiter des gemeinsam mit seiner Ehefrau Gudrun Belz begründeten „Zentrums für Kardiovaskuläre Pharmakologie“ in Mainz und einer internistisch-kardiologischen Privatpraxis in Wiesbaden. 1983 wurde er zum Fellow des American College of Cardiology gewählt. 1993 war er Präsident des Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Klinische Pharmakologie und Therapie.
Wirken 1970 Erstveröffentlichung der blutdrucksenkenden Wirkung nach oraler Verabreichung eines Calciumantagonisten bei Hypertonikern. Dabei wurde in der 1968 durchgeführten Studie (automatische Blutdruckmessungen mittels des „Custocor“ von Wilhelm Vogel und Thure von Uexküll Gießen) das später Gallopamil benannte Arzneimittel noch als Versuchsubstanz 536=D600=Methoxy-Verapamil eingesetzt.Belz, G.G.: Die Wirkung des α-Isopropyl-α-[(N-methyl-N-homoveratryl)-γ- aminopropyl]-3,4,5-trimethoxyphenyl-acetonitril [536=D600=Methoxy-Verapamil = Gallopamil] auf den Blutdruck des Menschen bei oraler Medikation im akuten Versuch. In: Arzneimittel Forschung 1970;20:799. mini|First description of antihypertensive effect of a calcium channel blocker Gustav Belz erforschte die Dosis-Wirkungsbeziehungen herzwirksamer Glykoside und zeigte pharmakodynamische Wirkungen bei bereits sehr niedrigen Dosen/Blutspiegeln von Digoxin und insbesondere Digitoxin.Belz, GG, Erbel R, Schumann K, Gilfrich HJ: Dose-response relationships and plasma concentrations of digitalis glycosides in man. In: European Journal of Clinical Pharmacology. 1978;13: 103–111.] Bavendiek U. et al. (2025) konnten eine signifikante Verlangsamung des Fortschreitens einer Herzinsuffizienz sowie eine Reduktion der Sterblichkeit unter einer solch niedrig dosierten Digitoxin-Therapie nachweisen. mini|Dose effect of digitalis glyosides in humans In enger Zusammenarbeit mit den Pharmakologen Dieter Palm und Anton Wellstein von der Universität Frankfurt/M. konnten Prinzipien der experimentellen in die klinische Pharmakologie eingeführt werden (z. B. Schild-Plot). Mittels dieser Verfahren konnten Wirkungsdauer, -qualität und -stärke verschiedener β-Blocker, ACE-Hemmstoffe und Angiotensin-II-Rezeptor Antagonisten (AT1-Antagonist) vergleichend charakterisiert werden.Belz GG. Angiotensin II dose-effect curves and Schild regression plots for characterization of different angiotensin II AT1 receptor antagonists in clinical pharmacology. Br J Clin Pharm 2003; 56:3-10. Auch die Wirkungen verschiedener pflanzlicher Arzneimittel wie Campher und Crataegus und deren Kombination (im Präparat Korodin, einem Herztonikum auf Crataegus-BasisMünchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. XXXIV (Anzeige zu Spezialpräparaten).) konnten am Menschen belegt werden.Belz GG, Loew D: Dose-response related efficacy in orthostatic hypotension of a fixed combination of D-camphor and an extract from fresh Crataegus Berries and the contribution of the single components. In: Phytomedicine 2003;10(Suppl.IV):61)
Die Entwicklung von Methoden für die klinische kardiovaskuläre Pharmakologie stellte einen weiteren Schwerpunkt seiner Forschungsaktivitäten dar: Zur Pharmakokinetik das Verfahren zur Bestimmung der Blutspiegel unterschiedlicher Herzglykoside (Digitoxin, Digoxin, Proscillaridin u. a.) mittels der Hemmung der Rubidium-Aufnahme von Erythrozyten.Belz GG: Rubidium uptake in erythrocytes. In: Handbook of experimental pharmacology. Volume: Cardiac glycosides. Greeff K (Hrsg.), Springer Verlag, Berlin – Heidelberg – New York, 1981, S. 95–113. Zur Pharmakodynamik Messmethoden zur quantitativen Erfassung kardiovaskulärer Arzneimitteleffekte am Menschen mittels nicht-invasiver Verfahren, wie Mechanokardiographie, elektrischer Impedanzkardiographie, insbesondere „Systolischer Zeitintervalle (STI)“.Li Q, Belz GG. Systolic time intervals in clinical pharmacology. Eur J Clin Pharmacol 1993;44:415-421. In einem Review stellte er Historie, Physiologie und Pathophysiologie der Windkesselfunktion der Aorta dar.Belz GG. Elastic properties and Windkessel function of the human aorta. Cardiovasc Drugs Ther 1995; 9:73-83. Gemeinsam mit Kerstin Breithaupt-Grögler wurde neben Untersuchungen zur Physiologie der Aorta eine Studie zum Effekt von Knoblauch auf die Elastizität der Aorta durchgeführt.Breithaupt-Grögler K, Ling M, Boudoulas H, Belz GG. Protective effect of chronic garlic intake on elastic properties of aorta in the elderly. Circulation 1997;96:2649-2655.
Belz publizierte gemeinsam mit Kollegen in medizinischen Fachjournalen klinische Fallbeobachtungen als Kasuistik: Gemeinsam mit Jörgen Schmidt-Voigt (1971) stellte er drei Patienten die subjektiven entoptischen Farberscheinungen, die diese unter Digitalis-Behandlung wahrgenommen hatten, graphisch dar. Darunter war auch die Visualisierung eines „Kornblumenphänomens“.https://www.researchgate.net/profile/Gustav-Belz/publication/258257034_Entoptische_Farberscheinungen_unter_Digitalis-Therapie/links/0372422b0cf2cfa770f38715/Entoptische-Farberscheinungen-unter-Digitalis-Therapie.pdf Mit Raimund Erbel et al. wurden 1977 drei Fälle des seltenen Paget-von-Schroetter-Syndroms (akuter Armvenenstau) veröffentlicht. In einem Letter to the Editor in „The Lancet“ wurde 1988 gemeinsam mit Volkmar Schroeter und Holger Blenk erstmalig eine Stimmbandlähmung (Recurrens Parese) bei Lyme-Borreliose und deren erfolgreicher Behandlung mit Doxycyclin publiziert.
Die Wissenschaftsdatenbank Researchgate führt Belz mit 402 Publikationen.https://www.researchgate.net/profile/Gustav-Belz Die englischsprachige Medizindatenbank Pubmed weist 196 Einträge zu Gustav Belz auf.
Gesundekids Initiative Als Governor des Distrikts 1820 von Rotary International initiierte Gustav Belz 2005 gemeinsam mit der Ökotrophologin Reinhild Link die Initiative Gesundekids, mit dem Ziel, durch Förderung von gesunder Ernährung und viel Bewegung der Entwicklung von Übergewicht bereits im Kindesalter entgegenzuwirken.
Preise und Auszeichnungen 1974 Dr.-Willmar-Schwabe-Preis der Schwabe-Stiftung Karlsruhe (Dtsch. Ärzteblatt. Okt.1974, S. 3198) 1975 Ludwig Heilmeyer Medaille in Silber der Deutschen Gesellschaft für Fortschritte auf dem Gebiet der Inneren Medizin (Walter Siegenthaler Gesellschaft für Fortschritte in der inneren Medizin, Wissenschaftspreise, Silber 1971–2020)https://siegenthaler-gesellschaft.de/preistraeger-silber/ 1976 Albert Knoll Preis der Saarländisch-Pfälzischen Internistengesellschaft (SPGI, Albert Knoll Preisträger 1972–2002)http://www.spig.org/content/preise/albert-knoll-preistraeger-1972-2002/ 1982 Erster Paul-Martini-Preis der Medizinisch-Pharmazeutischen Studiengesellschaft e. V. und der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Dokumentation, Informatik und Statistik e. V. 1985 Zweiter Paul-Martini-Preis der Medizinisch-Pharmazeutischen Studiengesellschaft e. V. und der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Dokumentation, Informatik und Statistik e. V. 1987 Preis der Deutschen Therapiewoche des Kuratoriums der Deutschen Therapiewoche, Karlsruhe
Schriften (Auswahl) Die herzwirksamen Glykoside. J. Lehmann, München 1971, ISBN 3-469-00320-3. Klinische Pharmakologie und Plasmaspiegel von Scilla- und Digitalis-Glykosiden. Habilitationsschrift Ulm 1974. mit Franz Bender: Therapie der Herzrhythmusstörungen mit Verapamil. G. Fischer, Stuttgart 1974, ISBN 3-437-10306-7 mit Martin Stauch: Notfall EKG Fibel. 1977; 2., überarbeitete Auflage (mit einem Beitrag von F. W. Ahnefeld) Springer, Berlin / Heidelberg / New York 1977; 5. Auflage ebenda 1994, ISBN 3-540-57997-4. Lebe länger und gesünder. Mit Freude und Genuss. Springer, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-540-75897-6.
Weblinks
Website von Gustav Belz Digitoxin: Renaissance durch DIGIT-HF
Einzelnachweise
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