Als Chrysler M-Plattform (in den USA auch: M-Body) wird eine Familie von Fahrzeugen des amerikanischen Automobilherstellers Chrysler bezeichnet, die zwischen 1977 und 1989 in unterschiedlichen Ausführungen über die Marken Chrysler, Dodge und Plymouth vertrieben wurde. Die technisch einfachen und über die Jahre kaum modifizierten Fahrzeuge der M-Plattform waren eng mit den 1976 vorgestellten Modellen Dodge Aspen und Plymouth Volaré verwandt. Bei ihrer Einführung waren sie als „small luxury cars“Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, S. 197. oder „mid-size-cars“Modellgeschichte auf der Internetseite www.angelfire.com unterhalb der zur B-Plattform gehörenden Intermediates und der noch größeren Fullsize-Modelle der C- und R-PlattformenChrysler Newport, Chrysler New Yorker, Dodge Royal Monaco, Dodge St. Regis, Plymouth Gran Fury. positioniert; in den 1980er Jahren stellten sie dagegen die mit Abstand größten Personenwagen der Chrysler Corporation dar. Von der M-Plattform wurden einige weitere Modellreihen der Chrysler Corporation abgeleitet.

Der Hintergrund mini|Vergleichsweise kleines Luxusmodell auf der M-Plattform: Chrysler LeBaron Die Ölkrise führte Mitte der 1970er Jahre in den USA zu einem gesteigerten Interesse an kleineren, aber gut ausgestatteten Fahrzeugen. Nachdem zunächst einige Importfahrzeuge wie der Mercedes-Benz „Strich Acht“ den Markt allein bedient hatten, traten mit dem Mercury Monarch oder dem weit exklusiveren Cadillac Seville zunehmend auch einheimische Konstruktionen erfolgreich in diesem Segment an. Chrysler konnte bis Mitte der 1970er Jahre kein entsprechendes Modell anbieten: Einerseits waren die Fahrzeuge der B-PlattformZu ihnen gehörten der Dodge Monaco und der Plymouth Fury. deutlich größer als der Markt es erforderte, anderseits waren die kompakten Dodge Dart und Plymouth Valiant (A-Plattform) veraltet, und ihre Nachfolger Dodge Aspen und Plymouth Volaré (F-Plattform) waren in einem niedrigeren Preissegment angesiedelt. Die sich so ergebende Lücke im Chrysler-Angebot sollte durch die Modelle der M-Plattform geschlossen werden. Im Laufe der Jahre verschwamm die anfängliche Positionierung der M-Plattform zunehmend. Die Chrysler Corporation leitete immer neue Variationen ab, die letztlich sowohl den Bereich der günstigen Einsteiger- und Flottenmodelle als auch das Segment der Luxusfahrzeuge abdeckten.

Die M-Plattform war geschickt positioniert. Mit ihren nicht zu großen Dimensionen lag sie zwischen den Kompaktmodellen und den klassischen Intermediate-Fahrzeugen und war somit für Kunden beider Marktbereiche interessant.Nach gängigen Maßstäben erfolgte die Marktpositionierung amerikanischer Fahrzeuge in den 1970er Jahren anhand des Radstandes: Bei einem Radstand von bis zu 2.814 mm (111 Zoll) handelte es sich um ein sog. compact car, bei einem Radstand von bis zu 3.084 mm sprach man dagegen von einem Intermediate-Fahrzeug. Vgl. Bochroch, American Cars of the 1970s, S. 4.

Die Technik der M-Plattform mini|Technische Basis für die M-Plattform: die 1976 vorgestellte F-Plattform, hier in der Version des Plymouth Volaré. Die Fahrzeuge der M-Plattform glichen technisch weitgehend den ein Jahr zuvor den präsentierten Modellen Dodge Aspen und Plymouth Vorlaré der F-Plattform. Da Chrysler für die M-Plattform die Rohkarosserie der F-Plattform nahezu vollständig übernahm, waren die grundlegenden Dimensionen beider Baureihen sehr ähnlich. Der Radstand der Limousinen stimmte überein, und die meisten technischen Komponenten wie Fahrwerk, Bremsen usw. waren gleich. Das galt auch für einige Teile der Karosserie und der Verglasung,Modellgeschichte auf www.allpar.com so beispielsweise für die Frontscheiben und die Fenster der Fahrertüren aller Versionen der F- und M-Plattformen. Angesichts der technischen Übereinstimmungen zwischen M- und F-Plattform war die eigenständige Bezeichnung der neuen Baureihe im Grunde nicht gerechtfertigt. Dass die neue Baureihe gleichwohl nicht als bloße Variante der F-Plattform geführt wurde, sondern eine eigene Bezeichnung erhielt, lag daran, dass der Aspen und der Volaré in ihren ersten Produktionsjahren an erheblichen Qualitätsmängeln litten, die dem Ruf des Unternehmens schadeten.Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, S. 267 f. Indem Chrysler den neuen Modellen die Bezeichnung M-Plattform gab, sollte ihre Verwandtschaft zur F-Plattform verschleiert werden, um ihren Absatz nicht zu gefährden.Modellgeschichte auf www.allpar.com

Fahrwerk Die Vorderräder waren einzeln an Doppelquerlenkern aufgehängt und mit Drehstäben gefedert, die quer vor der Achse lagen. Hinten verwendete Chrysler eine an Blattfedern geführte Starrachse. Dies entsprach der vergleichsweise jungen Konstruktion der F-Plattform des Dodge Aspen und Plymouth Volaré; sie sollte auch den kompakten Modellen das Fahrgefühl eines großen Wagens („big car ride“) gebenVgl. Albert Bochroch: American Cars of the Seventies, S. 49..

Die Verwendung von Blattfedern ist hier – auch wenn europäische Berichterstattung dies oft nicht erfasst – weder zeit- noch marktüblich. Konkurrent und Marktführer General Motors hat längs angeordnete Blattfedern nach 1959 nur noch auf den kompakten X- und F-Plattformen und nach 1982 gar nicht mehr verwendet (ausgenommen Fullsize-Kombis von 1971–1976), die Ford Motor Company auf Fullsize-Fahrzeugen bis 1964, auf Midsize-Fahrzeugen bis 1971 und auf dem Mustang bis 1978. Schon vor der Markteinführung des M-Bodys war diese Art der Achsaufhängung in den USA veraltet.

Auch die Vorderachskonstruktion der M-Plattform ist ungewöhnlich: Die M-Body-Vorderachse ist eine „Weiterentwicklung“ das Chrysler „Torsion-Aire“-Systems („Torsion-Quiet“ ab 1971), das Chrysler seit 1957 in seiner gesamten Produktpalette verwendet hatte. Torsion-Aire-Achsen hatten längsgerichtete Drehstäbe, die hinten am Kabinenboden (oder einem Hilfsrahmen) verankert waren, und gleichzeitig dem unteren Querlenker als hinteres Drehlager dienen. Vorne ist der Querlenker mit einem Zapfen im Fahrschemel, dem sogenannten K-Member, geführt. Der Querlenker wurde mit einer Zugstrebe zusätzlich mit dem K-Member verbunden. In der für den F- und M-Body konstruierten Achse sind die Drehstäbe quer vor der Vorderachse montiert, und nicht wie in früheren Generationen gerade, sondern L-förmig ausgeführt. Der abgewinkelte Teil leitet die Kraft in den Drehstab ein und dient zugleich als Zugstrebe der Radaufhängung.

Antriebstechnik Die Fahrzeuge der M-Plattform waren in unterschiedlichen Zeiträumen mit drei verschiedenen Motoren lieferbar.

Zwischen 1977 und 1983 diente ein 3,7 Liter (225 Kubikzoll) großer Reihensechszylindermotor als Basistriebwerk. Seine Leistung betrug zunächst 100 PS (74 kW; 1977 bis 1979), später 90 PS (66 kW; ab 1980). Die mit diesem Motor ausgestatteten Fahrzeuge wurden allgemein als untermotorisiert empfunden. Ihre Höchstgeschwindigkeit lag bei nur 145 km/h, für die Beschleunigung von 10 auf 100 km/h brauchen die Autos über 23 Sekunden. Andererseits waren die Fahrzeuge vergleichsweise sparsam.Fahrleistungen zitiert nach: Auto Katalog Nr. 25 (1981/82), S: 242 f. Dieses alte, in den 1960er Jahren konzipierte Triebwerk war 1983 selbst in Chryslers hochpreisigem New Yorker verfügbar.Auto Katalog Nr. 26 (1982/83).

Während der gesamten Produktionszeit waren die Modelle der M-Plattform mit einem 5,2 Liter (318 Kubikzoll) großen Achtzylindermotor lieferbar. Er war mit einem Doppelvergaser ausgestattet und leistete zwischen 120 (88 kW) und 145 PS (107 kW); die Leistungen schwankten in Abhängigkeit von den jeweiligen Abgasbestimmungen. Chrysler nahm hier mehrfach Anpassungen vor. Für den Einsatz in Polizeifahrzeugen gab es außerdem eine Ausführung mit einem Doppel-Registervergaser, die 165 (121 kW) oder 175 PS (129 kW) abgab.

In den ersten drei Produktionsjahren war schließlich ein 5,9 Liter (360 Kubikzoll) großer Achtzylindermotor lieferbar, der 155 PS (114 kW) leistete.

Die beiden kleineren Motoren waren wahlweise mit einem manuell zu schaltenden Vierganggetriebe oder einer Dreigangautomatik lieferbar, der 5,9 Liter große Achtzylinder wurde ausschließlich mit einer Dreigangautomatik gekoppelt. Für die Automatikgetriebe waren unterschiedliche Getriebe- und Hinterachsübersetzungen lieferbar.Übersicht über die Motorisierungen und die Kraftübertragungen auf der Internetseite www.allpar.com.

Karosserien Auf der M-Plattform entstanden drei verschiedene Karosserieformen, von denen zwei – das Coupé und der Kombi – nur fünf Jahre lang angeboten wurden.

Limousine mini|Viertüriger Chrysler LeBaron Sedan (1978) Während des gesamten Produktionszeitraums war die M-Plattform als viertürige Limousine lieferbar. Der Aufbau hatte in seiner Grundstruktur Ähnlichkeiten mit dem Dodge Aspen und dem Plymouth Volaré. Die Frontpartie wurde im Laufe der Jahre mehrfach neu gestaltet; einzelne Chrysler-Divisionen nutzten nacheinander verschiedene Entwürfe. So übernahm beispielsweise Dodge für die dritte Serie des Diplomat die Frontpartie des Chrysler Le Baron, während die Frontpartie der zweiten Serie des Diplomat bei der Neuauflage des Plymouth Gran Fury wiederverwendet wurde.

Kombi Zwischen 1978 und 1981 wurde zudem ein fünftüriger Kombi mit dem Radstand der Limousine angeboten.

Coupé mini|Coupé, erste Serie: Chrysler LeBaron (1979) Anfangs gab es alternativ ein zweitüriges Coupé. In der ersten Ausführung unterschied sich das Coupé erheblich von der zweitürigen Ausführung der F-Plattform. Anders als die Aspen- und Volaré-Coupés, war es als Stufenheckcoupé gestaltet. Während die Aspen- und Volaré-Coupés einen gegenüber der Limousine verkürzten Radstand aufwiesen, behielt das M-Coupé den Radstand der Limousine bei. Die hinteren Kotflügel waren auffällig gewölbt gestaltet.

Zum Modelljahr 1980 wurde das Coupé überarbeitet. Es basierte nun auf dem kürzeren Radstand der F-Plattform-Coupés und erhielt eckige Linien. Von dieser Version wurde die zweite Serie des Chrysler Cordoba abgeleitet. Die Produktion des Coupés wurde nach dem Modelljahr 1981 eingestellt.

Modellversionen für Nordamerika

Zwischen 1977 und 1989 boten Chrysler, Dodge und Plymouth eigene Versionen auf der Basis der M-Plattform an. Die Marktpositionierung war im Laufe der Jahre sehr unterschiedlich. Die Geschichte der einzelnen Modelle ist ein Beispiel für die in den 1970er und 1980er Jahren in Detroit übliche Praxis, Modellbezeichnungen nach Belieben auszutauschen und Positionierungen bekannter Fahrzeuge aus Marketinggründen zu ändern.Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, S. 269.

Chrysler mini|Früher Chrysler LeBaron Sedan mini|Weiterentwicklung zum Oberklassemodell der 1980er Jahre: Fifth Avenue Bei Chrysler erschien die M-Plattform zwischen 1977 und 1989 unter vier verschiedenen Namen.

Von 1977 bis 1981 wurde Chryslers Ableger der M-Plattform als LeBaron verkauft. Dieser auf den Karosseriehersteller LeBaron zurückgehende Name hatte bislang eine besondere Ausstattungsstufe bestimmter Chrysler-Modelle bezeichnet; nun wurde er erstmals zu einer eigenständigen Modellbezeichnung gemacht. Der Chrysler LeBaron war als Limousine, Coupé und Kombi erhältlich, wobei der Kombi in seiner höchsten Ausstattungsstufe unter der traditionsreichen Bezeichnung Town & Country angeboten wurde. Der LeBaron war bei seiner Vorstellung 1977 unterhalb der Fullsize-Modelle Newport und New Yorker angesiedelt, die anfänglich auf der großen C-Plattform und später auf der größenreduzierten R-Plattform basierten.

Nachdem Ende 1981 die großen Newport- und New Yorker-Modelle eingestellt worden waren, übernahm Chryslers Version der M-Plattform 1982 die Bezeichnung New Yorker. Seit diesem Jahr war das Auto nur noch als Limousine lieferbar. Es war nunmehr der größte Personenwagen der Chrysler Corporation.