right|150px|Stadtwappen
Dieser Artikel gibt die Einwohnerentwicklung von Eilenburg tabellarisch und graphisch wieder. Die Zahl der Einwohner folgt dabei dem jeweiligen Gebietsstand.
Bevölkerungsentwicklung
Von 1400 bis 1800 Um 1400 wurden in Eilenburg 147 steuerbare Hausbesitzer gezählt, nimmt man als durchschnittliche Familiengröße sechs Personen an, lebten zu der Zeit etwa 900 Menschen in der Stadt. Die Einwohnerzahl stieg bis ins 16. Jahrhundert auf geschätzt über 1000. Während des Dreißigjährigen Krieges stieg die Zahl der in Eilenburg lebenden Menschen sprunghaft an, da infolge der Schlacht bei Breitenfeld hunderte Verwundete und schätzungsweise 1500 Kriegsgefangene in die Stadt verbracht wurden. In der damit immens übervölkerten Stadt starben zwischen 1631 und 1633 etwa 1350 Personen, denen lediglich 333 registrierte Geburten gegenüberstanden. Durch die sich ausbreitende Pest gibt das Totenregister der Eilenburger Pfarrkirche für dieses Jahr 3161 Seuchentote und weitere 900 namenlose Dörfler an. Damalige Schätzungen kamen auf bis zu 8000 Todesfälle in der kleinen Stadt. Nach Ende des Krieges war Eilenburg eine zerstörte und verarmte Stadt. Durch die Ereignisse des Siebenjährigen Krieges wurden 1759 in der Stadt etwa 3500 verwundete preußische Soldaten aufgenommen. Die Einwohnerzahl stagnierte im ausgehenden 18. Jahrhundert bei etwa 2000. Jahr EinwohnerEilenburg in Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von SachsenGeschichte der Stadt Eilenburg chronologisch in Auszügen, Entnommen, überarbeitet und zusammengestellt aus Chroniken, Sachbüchern und Abhandlungen von S. Buchhold, 2012 () um 1400 147 steuerbare Hausbesitzerinsgesamt 880 plus 264 in den Vorstädten 1530 182 Hauswirteinsgesamt etwa 1.900 einschließlich Kültzschau 1551 209 Hauswirte112 Pfahlbürger und Hausgenossen126 Inwohner 1637 ² 9.000 1774 375 Feuerstätten 1779 ¹ 1.420 1784 ¹ 1.455 1786 ¹ 1.477 1788 ¹ 1.419
¹ Einwohner ab zehn Jahren ² Schätzung
Von 1800 bis 1899
Mit den Auswirkungen des Wiener Kongresses, nach dessen Bestimmungen Eilenburg von Sachsen an Preußen abgetreten werden musste, entwickelte sich das Gewerbe und die Einwohnerzahl stieg bereits bis 1816 sprunghaft auf knapp 5000 Menschen an, was den Übergang von einer Land- zur Kleinstadt mit industrieller Prägung markiert. In den Folgejahren fand ein starker Zustrom der Landbevölkerung in die Stadt mit ihren zahlreichen und weiter expandierenden Industriebetrieben statt. Etwa 1850 überschritt die Einwohnerzahl die Marke von 10.000. Die Stadt ist zu dieser Zeit größer als Torgau, Bitterfeld, Delitzsch und Wittenberg. Weitere Gründungen und fortwährendes Wachstum der vorhandenen Betriebe sorgten bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts für ein stetes Bevölkerungswachstum. Zur Jahrhundertwende lebten etwa 15.000 Menschen in Eilenburg.
Jahr Einwohner um 1800 ² 2.000 1806 2.120 1816 4.626 1817 4.545 1818 4.562 1819 4.469 1820 4.699 1821 4.813 1822 4.982 1825 5.532 Jahr Einwohner 1828 5.975 1829 6.500 1830 6.291 1834 7.175 1837 7.699 1840 8.244 1843 8.733 1846 9.352 1849 9.741 1852 ² 10.300 Jahr Einwohner 1854 10.254 1855 9.901 1857 9.819 1859 10.043 1861 10.381 1865 10.384 1867 10.286 1870 10.378 1871 ¹ 10.135 1872 10.133 Jahr Einwohner 1873 10.263 1874 10.187 1875 10.312 1876 10.406 1877 10.508 1878 10.643 1879 10.765 1880 10.653 1881 10.778 1882 10.854 Jahr Einwohner 1883 10.826 1884 11.022 1885 11.147 1886 11.412 1887 11.812 1888 12.186 1889 12.445 1890 12.703 1891 12.761 1892 12.798 Jahr Einwohner 1893 12.833 1894 13.217 1895 ¹ 13.399 1896 13.658 1897 14.061 1898 14.384 1899 14.726
¹ Volkszählungsergebnis, jeweils 1. Dezember ² Rundung
Von 1900 bis 1945
Das Wachstum setzte sich Anfang des 20. Jahrhunderts fort. Der Einzug der Reichswehr in die neue Kaserne am Vorabend des Ersten Weltkrieges sorgte zudem für einen Sprung der Bewohnerzahl, in die nun auch das stationierte Militär eingerechnet wurde. Durch den Krieg und den Abzug des stationierten Infanterie-Regiments sank die Einwohnerzahl etwas, was jedoch durch ein stetes Wachstum in den Folgejahren ausgeglichen wurde. Lediglich das Jahr der Hyperinflation 1923 bremste das Wachstum etwas. Die Weltwirtschaftskrise 1929 brachte zwar eine enorme Arbeitslosigkeit, wirkte sich jedoch nicht nachhaltig auf die Einwohnerzahl aus. Diese hatte sich bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten bei etwa 20.000 eingependelt.
In den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs nahm die Einwohnerzahl stark zu. Zum einen handelte es sich dabei um Frauen und Kinder, die aus dem Rheinland nach Mitteldeutschland umgesiedelt wurden, zum anderen waren dies Flüchtlinge aus den Deutschen Ostgebieten. Hinzu kamen eine große Zahl Zwangsarbeiter in der Rüstungsindustrie. Man schätzt die Zahl der Bewohner Anfang 1945 auf etwa 30.000. Die übervölkerte Stadt fiel durch eine Artillerieschlacht im April 1945 in Schutt und Asche.Wolfgang Beuche: Die Industriegeschichte von Eilenburg Teil I, 1803-1950, 2008, ISBN 978-3-8370-5843-7Rolf Vettermann, Andreas Flegel: Geschichte der Stadt Eilenburg. Kapitel 7 und 8, Eilenburg 1989.
Jahr Einwohner 1900 15.120 1905 ¹ 15.725 1906 16.041 1908 16.347 1909 16.896 1910 ¹ 17.401 1912 17.832 1913 17.976 1914 19.003 1915 18.138 Jahr Einwohner 1916 18.933 1917 19.198 1918 17.557 1919 17.806 1920 17.899 1921 18.105 1922 18.208 1923 18.201 1924 18.051 1925 ¹ 18.172 Jahr Einwohner 1927 18.336 1929 ³ 19.000 1930 19.200 1939 ¹ 20.750 1944 ² 26.000 1945 ² 30.000
¹ Volkszählungsergebnis; 1905 und 1910: 1. Dezember, 1925: 16. Juni, 1939: 17. Mai ² Schätzung ³ Rundung
Von 1946 bis 1989 Im April 1945 war Eilenburg Schauplatz einer verheerenden Verteidigungsschlacht, in deren Folge 65 Prozent aller Gebäude der Stadt zerstört wurden, 200 Menschen starben durch den Beschuss. Durch den nun fehlenden Wohnraum verließen trotz der gewaltigen Flüchtlingsströme aus den deutschen Ostgebieten viele die Stadt; so lebten ein Jahr nach Kriegsende 2000 Menschen weniger als vor dem Krieg in der Stadt. In den 1950er Jahren wurde die Stadt wieder aufgebaut, zudem wurde Eilenburg 1952 Sitz des neu gebildeten gleichnamigen Kreises. Die Stadt wuchs allmählich wieder. Anfang der 1960er Jahre lag die Einwohnerzahl auf dem Vorkriegsniveau. Bis Mitte der 1970er-Jahre setzte sich das Bevölkerungswachstum fort: 1974 wurde mit 22.245 der historische Höchststand gemessen, Eilenburg war nunmehr eine Mittelstadt und im Ranking der DDR-Städte die 104. größte Stadt vor den umliegenden Städten Torgau, Wurzen, Grimma und Oschatz. Von da an sank die Einwohnerzahl zunächst etwas, stieg zur Mitte der 1980er-Jahre aber auch wieder an. Zum Ende der DDR lebten in Eilenburg knapp 22.000 Menschen.
Jahr/Datum EinwohnerPädagogisches Kreiskabinett Eilenburg: Kreis Eilenburg vorgestellt, 1986 29. Oktober 1946 19.980 1947 20.680 31. August 1950 18.766 31. Dezember 1960 19.371 31. Dezember 1964 21.191 31. Dezember 1971 22.129 31. Dezember 1974 22.245 31. Dezember 1977 22.128 31. Dezember 1979 21.792 31. Dezember 1981 21.673 31. Dezember 1984 21.918 30. Juni 1985 21.955 31. Dezember 1986 21.931 31. Dezember 1988 21.675
Ab 1990 Die Wendejahre 1989/1990 stellen eine wichtige Zäsur in der Entwicklung der Stadt dar. Die wirtschaftlichen und politischen Umwälzungen führten zu einer weitgehenden Deindustrialisierung und hoher Arbeitslosigkeit. Durch die daraus folgende Abwanderung sowie die schon zur DDR-Zeit bestehende Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen war die Stadt insbesondere in den 1990er- und 2000er-Jahren einem gravierenden Schrumpfungsprozess ausgesetzt und verlor bis 2012 fast ein Viertel der Einwohner verglichen mit der Zahl 1990. Insbesondere in den Jahren 1990 und 1991 war eine starke Wegzugstendenz zu verzeichnen, wohingegen in den Jahren 1992 und 1993 die Zuzüge leicht überwogen. Eine besonders starke Abwanderung war in den Jahren 1995, 1996 und – begründet durch das schwere Muldehochwasser – 2002 zu bemerken, hingegen konnten 2003 wieder mehr Zu- als Wegzüge verzeichnet werden. 1994 verlor die Stadt den Kreissitz. Im selben Jahr wurde erstmals seit über vierzig Jahren die 20.000-Einwohner-Marke unterschritten und seitdem nicht wieder erreicht. 1997 stieg die Einwohnerzahl durch die Eingemeindung der Gemeinde Kospa-Pressen an, real verlor die Stadt jedoch auch in diesem Jahr über einhundert Bewohner.
Seit Anfang der 2010er-Jahre ist eine Trendwende dieser Entwicklung zu beobachten. So überwiegen seit 2012 die Zuzüge gegenüber den Wegzügen. Seit 2015 übersteigt der positive Wanderungssaldo das Geburtendefizit, so dass seither die Einwohnerzahl wieder leicht ansteigt. Treiber des Zuzugs ist zum einen die im Rahmen der Flüchtlingskrise der Jahre 2015 und 2016 erfolgte Zuwanderung, zum anderen die Suburbanisierung aus der stark wachsenden Stadt Leipzig. Die Stadt forciert den Trend seit 2016 mit einer Wohnstandortkampagne.
Datum Einwohner Zuzüge Wegzüge Geburten Sterbefälle Saldo 31. Dezember 1990 20.688 31. Dezember 1991 20.272 520 759 127 304 −416 31. Dezember 1992 20.208 698 629 120 253 −64 31. Dezember 1993 20.126 674 629 125 252 −82 31. Dezember 1994 19.852 608 749 115 248 −272 31. Dezember 1995 19.615 625 1017 145 261 −237 31. Dezember 1996 19.135 540 922 133 240 −480 31. Dezember 1997 ¹ 19.539 546 604 107 223 +404 31. Dezember 1998 19.073 463 617 110 165 −466 31. Dezember 1999 18.844 482 502 103 183 −229
Datum Einwohner Zuzüge Wegzüge Geburten Sterbefälle Saldo 31. Dezember 2000 18.642 648 675 107 152 −202 31. Dezember 2001 18.525 349 429 123 142 −117 31. Dezember 2002 18.011 697 983 112 184 −514 31. Dezember 2003 17.965 736 713 127 243 −46 31. Dezember 2004 17.771 625 699 119 180 −194 31. Dezember 2005 17.551 637 663 110 210 −220 31. Dezember 2006 17.355 648 725 118 211 −196 31. Dezember 2007 17.248 566 576 142 204 −107 31. Dezember 2008 17.072 526 599 127 229 −176 31. Dezember 2009 16.777 681 757 128 240 −295
Datum Einwohner Zuzüge Wegzüge Geburten Sterbefälle Saldo 31. Dezember 2010 16.390 620 716 129 239 −387 31. Dezember 2011² 16.113 542 639 121 255 −277 31. Dezember 2012 15.951 665 655 113 250 −162 31. Dezember 2013 15.907 712 592 127 271 −44 31. Dezember 2014 15.798 726 718 135 236 −109 31. Dezember 2015 15.838 797 610 120 255 +40 31. Dezember 2016 15.973 923 666 133 246 +135 31. Dezember 2017 16.016 906 738 135 240 +43 31. Dezember 2018 16.042 932 752 108 286 +26 31. Dezember 2019 15.995 860 723 131 281 -47
Datum Einwohner Zuzüge Wegzüge Geburten Sterbefälle Saldo 31. Dezember 2020 16.102 938 647 125 291 +107 31. Dezember 2021 16.112 870 685 114 288 +10 ¹ Anstieg durch Eingemeindung von Kospa-Pressen, realer Saldo -116 ² Volkszählungsergebnis zum Stichtag 9. Mai 2011: 15.794
Quelle: Statistischer Jahresbericht der Stadt Eilenburg 1990–2021. Das Statistische Landesamt des Freistaates Sachsen gibt für Eilenburg einen leicht abweichenden Bevölkerungsbestand an.
Bevölkerungsprognose Bertelsmann-Stiftung (2008)
mini|400px|Prognose der Bertelsmann-Stiftung im Vergleich zur realen Entwicklung ab 1990 In ihrem 2008 publizierten „Wegweiser Demographischer Wandel 2025“, in dem die Bertelsmann-Stiftung Daten zur Entwicklung der Einwohnerzahl von 2959 Kommunen in Deutschland liefert, wird Eilenburg in die Kategorie 4 eingeordnet; in dieser Kategorie befinden sich Städte mit stark rückläufiger Bevölkerungszahl und Überalterung der Gesellschaft. Weitere Merkmale für diese Kategorie sind hohe Arbeitslosigkeit und geringes Wirtschaftspotenzial. Für Eilenburg wird ein Schrumpfen der Bevölkerung zwischen 2006 und 2025 um 12,4 Prozent (2152 Personen) vorausgesagt. Im Vergleich zu 1990 entspricht das einem Rückgang von 26,5 Prozent (5485 Personen). Das Durchschnittsalter wird nach dieser Prognose von 45,0 2006 auf 50,5 2025 steigen. Der Anteil an Rentnern und Hochbetagten wird weiter steigen, wohingegen der Anteil der Bevölkerung im Familiengründungsalter auf knapp über 20 Prozent sinken wird.