mini|Sicht auf die Eisenbahnbrücke über den Torne älv vom schwedischen Ufer aus mini|Der ehemals drehbare Brückenteil von der Unterstromseite aus gesehen mini|hochkant|Sicht auf die Pfeiler auf der Oberstromseite mini|Brückenfahrbahn Richtung Ost (2003)

Die Eisenbahnbrücke über den Torne älv (bzw. Tornionjoki) ist eine 405Meter lange Stahlfachwerkbrücke mit ehemals drehbarem Mittelteil. Sie verbindet in Verlängerung der Bahnstrecke Boden–Haparanda die schwedische Stadt Haparanda mit der finnischen Stadt Tornio über den Grenzfluss Torne älv (). Der Nebenarm Pirkkionjoki/Kirkkopudas wird mit einer weiteren Stahlfachwerkbrücke mit drei Öffnungen von jeweils 40,2Metern freier Spannweite überquert.

Geschichte

Die Brücke ist die einzige Schienenverbindung zwischen Schweden und Finnland. Infolge des Ersten Weltkrieges wurde am 4.November 1914 beschlossen, die bestehende Strecke von Tornio nach dem finnischen Karunki zu verlängern. Denn der Bau der Haparandabahn hatte damals das schwedische Karungi erreicht (finnische Schreibweise des schwedischen Ortes lautet Karunki). Der Fluss wurde aber auf herkömmliche Weise überquert (im Sommer per Fähre, im Winter per Eisstraße). Zwar wurde im Winter 1916 für den Transport der Salonwagen der russischen Kaisermutter ein provisorisches Gleis über das Eis des Torne älv gelegt, das aber soweit bekannt nur für diesen einen Transport genutzt wurde. Der Grenzverkehr zwischen den beiden Karunki war nur von kurzer Dauer, denn der Personenverkehr endete auf finnischer Seite wieder in Tornio, als die schwedische Bahnstrecke Haparanda erreicht hatte. Der Bauort und die Ausführung dieser Eisenbahnbrücke wurden im Dezember 1915 von einer finnisch-schwedisch-russischen Ingenieurskommission festgelegt. Mit dem Bau wurde 1916 begonnen. Am 1.April 1919 konnte die Brücke mit der Strecke provisorisch in Betrieb genommen werden.

Die Brücke wurde von 2024 bis Januar 2025 mit Oberleitung finnischer Bauart elektrifiziert. In diesem Zuge mussten die Querträger zwischen den Obergurten der Stahlfachwerküberbauten angehoben werden. Seit dem Umbau ist eine Öffnung der Brücke für Schiffe nicht mehr möglich.

Bauwerk

Die 405Meter lange Brücke besteht aus fünf etwa 60Meter langen und einem rund 80Meter langen Stahlfachwerküberbau, sie stützen sich auf insgesamt sieben gemauerte Pfeiler ab (freie Spannweite 40-40-60-60-30-30-60-60). Der mittlere der fünf 60-Meter-Überbauten ist in der Mitte auf einem Pfeiler über einen Drehkranz abgestützt, der es ermöglicht, diesen Brückenteil um 90Grad zu drehen. Dadurch konnte zwischen den Pfeilern 4 und 5 sowie 5 und 6 eine Schifffahrtsöffnung hergestellt werden. Im offenen Zustand stützte sich dieser Brückenteil auf zwei zusätzlichen Pfeilern ab. Während sich zwischen den Pfeilern 5 und 6 die tiefste natürliche Flussstelle befand, welche als ausreichend betrachtet wurde, musste zwischen den Pfeilern 4 und 5 eine Schifffahrtsrinne ausgehoben werden. Alle Pfeiler sind auf der Flussoberseite mit einer Schräge der Neigung von 1:1 ausgerüstet, welche bei Eisgang das Eis brechen soll. Die Pfeiler sind als steinverkleidete Betonpfeiler ausgeführt, die auf einem Betonfundament stehen.

Beidseitig wird die Strecke über Dämme der Brücke zugeführt. Die Schienenoberkante der Brücke befindet sich auf 9,73 Meter über Meer, während an dieser Stelle die Höchstwassermarke des Torne älv bei 3,25m.ü.M bzw. Niedrigstwassermarke bei −0,13m.ü.M liegt. Auf der schwedischen Seite ist die Bunkeranlage zum Schutz der Brücke noch erhalten.

Die Brückenfahrbahn ist ein schotterloses, auf Brückenbalken gelagertes Vierschienengleis in Form einer Gleisverschlingung von finnischer Breitspur (1524mm) und Regelspur (1435mm), wobei das Breitspurgleis das südlichere ist. Die Gleisverschlingung umfasst das gesamte Streckengleis zwischen den Bahnhöfen Haparanda und Tornio.

Auf beiden Seiten gibt es neben dem Gleis einen begehbaren Bohlenbelag, jedoch keinen zusätzlichen seitlichen Gehweg außerhalb der Überbauten.

Die Grenze verläuft zwischen dem Pfeiler 5 (Drehpunkt des drehbaren Überbaues) und dem Pfeiler 6. Die Überbauten der Brücke sind auf der finnischen Seite weiß und auf der schwedischen hellblau gestrichen.

Verkehr

Seit dem 10. August 2026 besteht mit zwei täglichen Intercity-Zugpaaren der VR wieder Reisezugverkehr zwischen Finnland und Schweden über den Torne älv. Zuvor wurde die Brücke bis 1988 von Dieseltriebwagen der VR befahren, seitdem nur noch bei Bedarf von Güterzügen zwischen den beiden Grenzbahnhöfen Tornio und Haparanda.

Die Schifffahrtsöffnung wird nicht mehr benutzt. Seit der Stilllegung des Hafens von Haparanda oberhalb der Brücke und dem Bau eines Freizeithafens für Segelschiffe unterhalb dieser besteht kein Bedarf mehr, die Brücke für Schiffe zu öffnen.

Literatur

Mikko Alameri: Eisenbahnen in Finnland. Verlag Josef Otto Slezak, Wien 1979, ISBN 3-900134-22-7, Beschreibung S.24–25, Pläne S.20–21 (Internationales Archiv für Lokomotivgeschichte, Band 22).

Weblinks

Einzelnachweise

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