Die Bahnstrecke Wohlen–Bremgarten–Dietikon – auch heute noch als Bremgarten-Dietikon-Bahn bezeichnet – ist eine 1876 bzw. 1902 eröffnete Normalspur- bzw. Meterspurbahn in den Kantonen Aargau und Zürich in der Schweiz.
Sie geht namentlich auf die ehemalige Privatbahngesellschaft Bremgarten-Dietikon-Bahn (BD, anfänglich BDB) zurück, welche eine schmalspurige Strecke von Bremgarten im Kanton Aargau nach Dietikon im Kanton Zürich erbaute. Später pachtete sie die normalspurige Strecke von Bremgarten nach Wohlen der ehemaligen Wohlen-Bremgarten-Bahn und baute sie mit einer dritten Schiene für den Meterspurbetrieb um. Dadurch entstand ein durchgehender Betrieb von Wohlen nach Dietikon. Die BD fusionierte im Jahr 2000 mit der Wohlen-Meisterschwanden-Bahn (WM) zur BDWM Transport AG, welche wiederum am 19. Juni 2018 mit der Wynental- und Suhrentalbahn zur Aargau Verkehr AG (AVA) fusionierte. Die Strecke ist als S 17 seit 1990 in die S-Bahn Zürich und seit 2008 auch in die S-Bahn Aargau eingebunden. Die Normalspurteile des Dreischienengleises zwischen Wohlen und Bremgarten West wurden im Sommer 2016 abgebaut. Am 18. Februar 2021 ging das Eigentum an den Grundstücken von den SBB auf die AVA über.
Geschichte mini|links|Aktie über 500 Franken der Gesellschaft Elektrische Strassenbahn Bremgarten-Dietikon vom 1. November 1901 Die Strecke zwischen Wohlen und Bremgarten West wurde von der Wohlen-Bremgarten-Bahn als normalspurige Zweigstrecke der Aargauischen Südbahn (Aarau–Wohlen–Rotkreuz) gebaut. Auf eine Überbrückung der Reuss verzichtete man damals aus Kostengründen. Die Strecke wurde am 1. September 1876 eröffnet und mit Dampflokomotiven betrieben. Ab 1882 gab es durchgehende Züge Brugg–Lenzburg–Wohlen–Bremgarten. Die neu gegründeten SBB übernahmen die Zweiglinie am 1. Januar 1902.
mini|links|1902: Eröffnung der Bremgarten-Dietikon-Bahn Die Strecke nach Wohlen hatte für Bremgarten drei Nachteile: Der Fahrplan war schlecht, der Bahnhof lag zu weit vom Zentrum entfernt, und es gab keine Verbindung nach Zürich. Die Stadt Bremgarten liess 1895 ein Projekt für eine elektrische Strassenbahn nach Dietikon erarbeiten. Die Bauarbeiten begannen 1901, die Gleise wurden ausschliesslich im Strassenraum verlegt. Am 1. Mai 1902 wurde die Strecke eröffnet.
Doch noch immer gab es zwischen Bremgarten und Bremgarten West eine Lücke von rund einem Kilometer, Fahrgäste mussten in eine Postkutsche umsteigen. Die BD führte mit den SBB Verhandlungen und konnte 1910 einen Pachtvertrag für die Wohlen-Bremgarten-Bahn abschliessen. Die Strecke wurde mit 750 V Gleichspannung elektrifiziert und erhielt eine zusätzliche Schiene Meterspurgleis, über die Reuss entstand eine Brücke. Der durchgehende elektrische Betrieb zwischen Wohlen und Dietikon wurde am 8. Februar 1912 aufgenommen.
mini|links|BDe 8/8 am Mutschellen-Pass Ab 1930 wurde die Strecke über den Mutschellen nach und nach von der Strasse getrennt. Nach 1950 wandelte sich das Bähnlein dank neuem Rollmaterial und neuen technischen Einrichtungen zu einer modernen Vorortsbahn. Auf den Sommerfahrplan 1969 wurde die Fahrleitungsspannung auf 1200 V angehoben und nur noch die neu abgelieferten BDe-8/8-Züge für den Personenverkehr und die für die erhöhte Fahrleitungsspannung angepassten BDe 4/4 10 und 11 im Güterverkehr eingesetzt. In: bdbahn.ch. Die Eröffnung der S-Bahn Zürich am 27. Mai 1990 führte zu einem Entwicklungsschub. Die Strecke wurde ins S-Bahn-Netz integriert, der Fahrplan wurde verdichtet, und es entstanden drei neue Haltestellen mit Ausweichmöglichkeiten. Seit 1995 besteht ein Doppelspurabschnitt zwischen Rudolfstetten Hofacker und Berikon-Widen, der zwei Jahre später bis zur Haltestelle «Belvédère» verlängert wurde.
Die Strecke ist vor allem für den Pendlerverkehr von und nach Zürich wichtig. Montag bis Samstag besteht tagsüber von der morgendlichen Stosszeit bis um ca. 21 Uhr ein Viertelstundentakt zwischen Bremgarten West und Dietikon. Zu den restlichen Zeiten verkehren die Züge im Halbstundentakt. Die Tarifstruktur des aargauischen Streckenteils ist in den Tarifverbund A-Welle integriert, jene des zürcherischen Streckenteils in den Zürcher Verkehrsverbund.
mini|links|Bei der Haltestelle Erdmannlistein überholt ein Diamant-Triebwagen eine Sonderfahrt des DSF auf dem Normalspurgleis. Dazu wurde ein erhaltener Triebwagen der Wohlen-Meisterschwanden-Bahn verwendet, der auf diesem fahrleitungslosen Abschnitt von einer Em-3/3-Diesellokomotive geschoben wurde. Durch die Schliessung mehrerer Industriebetriebe war der Güterverkehr zwischen Wohlen und Bremgarten derart stark zurückgegangen, dass er seit 1995 weitgehend ruht und das Dreischienengleis nur noch sporadisch für Sonderfahrten genutzt wurde. Am 30. Juni 2015 wurde der Betrieb eingestellt und das Gleis im Sommer 2016 abgebaut. Bis 2019 wurde der Streckenabschnitt Wohlen–Bremgarten West umfassend saniert, die Kosten betrugen 25 Millionen Franken. Der Bahnhof Bremgarten West wurde neu errichtet, ebenso die Haltestelle Wohlen Oberdorf.
Seit Dezember 2022 besteht am Bahnhof Dietikon nicht nur eine Umstiegsmöglichkeit zu den SBB, sondern auch zur neuen Limmattalbahn, die als Strassenbahn von Zürich-Altstetten nach Killwangen führt und eventuell später bis Baden verlängert werden soll. Sie nutzt auf einem kurzen Stück die bestehenden Gleisanlagen der BD, besitzt aber ausser dem Bahnhof Dietikon keine weitere gemeinsame Haltestelle. Damit ist die Bremgarten-Dietikon-Bahn erstmals mit dem Zürcher Tramnetz verbunden. Durchgehende Fahrten finden jedoch nicht statt.
Zukunft
mini|links|Moderne Haltestelle Bibenlos-Sonnenhof Ein Engpass ist die Kreuzung auf dem Mutschellen. Von Dietikon kommend überquert die Bahn unmittelbar vor der Einfahrt in den Bahnhof Berikon-Widen die Strasse Richtung Berikon oder Birmensdorf. Die Bahn blockiert die ohnehin schon überlastete Kreuzung noch zusätzlich, was zu den Stosszeiten oft zu langen Staus führt. Mittelfristig ist eine vollständige Neugestaltung der Kreuzung geplant. Eine Idee ist ein grosser Kreisel mit einem Bahnviadukt, der über die Kreuzung führt, ähnlich wie dies bereits 2007/2008 im «Zufikerrank» realisiert wurde. Auch eine Verlegung des Bahntrassees unter die Strasse wird in Erwägung gezogen. Ein niveaufreier Übergang zwischen Bahn und Strasse wird auf jeden Fall favorisiert, ist aber mit sehr hohen Kosten verbunden.
Strecke
mini|Zug am Bahnhofplatz in Wohlen mini|BDe 8/8 im tramähnlichen Abschnitt durch Dietikon Die Strecke beginnt beim Bahnhof Wohlen an einem überdachten Perron gegenüber dem SBB-Bahnhof (Höhe 426 m). Die Strecke steigt bis auf 451 m Höhe an und fährt danach durch den Bremgarterwald. Die Haltestelle Erdmannlistein liegt mitten im Wald und dient ausschliesslich dem Ausflugsverkehr. Nach 6,6 km wird der Bahnhof Bremgarten West (404 m) erreicht.
Bis hierhin ist die Strecke eher flach (maximal 1,5 % Steigung), hat weite Kurvenradien (minimal 300 m) und ähnelt von der Streckenführung her eher einer gewöhnlichen SBB-Linie als einer Schmalspurbahn. Dabei handelt es sich um die Strecke der ehemaligen Wohlen-Bremgarten-Bahn. Nach dem Bahnhof Bremgarten West ändert sich der Charakter der Strecke völlig. Nach zwei sehr engen Kurven wird die Reuss mit einer 156 Meter langen Brücke überquert. Am Bahnhof Bremgarten (389 m) befindet sich der Betriebsmittelpunkt mit Depot und Verwaltung.
Von hier an verläuft die Strecke stets rechts neben der Hauptstrasse durch dicht besiedeltes Gebiet. Die Strecke steigt mit bis zu 5,6 % bergan. Nach vier engen Kurven wird auf der Mutschellen-Passhöhe die Station Berikon-Widen (551 m) erreicht. Von diesem Scheitelpunkt der Strecke geht es nun wieder bergab. Nach einer scharfen Linkskurve kurz vor Rudolfstetten wird das Gefälle allmählich flacher. Zwischen Reppischhof und Stoffelbach wechselt das Bahntrassee für einige hundert Meter auf die linke Strassenseite. Nach der Haltestelle Bergfrieden folgt als Abschluss ein strassenbahnähnlicher Abschnitt, wo das Gleis auf der Strasse verlegt ist. Die Strecke endet beim Bahnhof Dietikon (391 m) an einem überdachten Perron neben den SBB-Gleisen.
Die Strecke wurde 2009 mit dem Zugbeeinflussungssystem ZSI-127 von Siemens ausgerüstet.
Für die Versorgung der Fahrleitung mit 1200 V Gleichstrom waren ursprünglich vier Gleichrichterstationen aufgestellt, eine weitere wurde 2010 bei Widen Heinrüti errichtet. 2013 folgte noch eine in Wohlen, und eine siebte Gleichrichterstation ist in Dietikon geplant. Die ausgebaute Stromversorgung erlaubt den Betrieb von Dreifachtraktion von Diamant-Zügen.
Rollmaterial
kursiv: nicht mehr im Bestand
kursiv: nicht im täglichen Einsatz, betriebsfähiges historisches Fahrzeug
Meterspur
Triebfahrzeuge
Baureihe undBetriebsnummerAnzahlBaujahrAusrangiertVerkauftHerstellerKommentarBild ABe 4/8 5001–5014 14 2010–11 Stadler Bezeichnung Diamant ist ein Akronym für Dynamischer, innovativer, attraktiver, moderner und agiler Nahverkehrstriebzug rahmenlos Be 4/8 21–25 5 1993 2011 umgebaut und an WSB abgegeben SWA, ABB rahmenlos BDe 8/8 1–9 BDe 8/8 7 9 1969 2010 ausgemustert, ausser Nr. 7 SWS, MFO Nr. 7 als betriebsfähiges historisches Fahrzeug erhalten. Im Jahre 2012 auf den Namen Sebni getauft.
Das Fahrzeug ist mit ZSI-127 ausgerüstet rahmenlos Tm 2/2 51–52 2 1967–1968 Stadler, BBC,
Sauerer Rangiertraktoren mit einer Leistung von 120 PS. In: bdbahn.ch. Hrsg. Michael Briner., zuerst als Em 2/2 bezeichnet. Fabriknummer Stadler: 122 und 128. rahmenlos Te 2/2 401 1 ca. 1947 1969 umgebaut aus Ce 2/2 Nr. 1, als Rangierfahrzeug in Dietikon eingesetzt rahmenlos BDe 4/4 10 BDe 4/4 11 2 1928, 1932 Nr. 10 im Juli 2009 ausgemustert SWS, MFO Nr. 10 und 11 1956–1957 mit neuem Kasten versehen und im Güterverkehr eingesetzt, zeitweise in orange-weisser VST-Einheitslackierung gehalten
Nr. 10 als betriebsfähiger historischer Triebwagen mit Restaurationseinrichtung mit der Bezeichnung Mutschälle-Zähni erhalten.
Nr. 11 zuerst erhalten und als Partywagen genutzt, dann wegen asbesthaltiger Isolation abgebrochen. rahmenlos Ce 4/4 6–8 3 1947 1969 an die Frauenfeld-Wil-Bahn verkauft, dort als Be 4/4 204–206 in Betrieb SWS, MFO Grossraum-Motorwagen, 460 PS rahmenlos Ce 4/4 7–9 3 1912, 1915 ausgemustert 1969 SWS, MFO vierachsige Triebwagen mit vier Motoren. Leistung 320 PS. Nr. 9 war an der Landesausstellung 1914 in Bern ausgestellt. rahmenlos Ce 2/2 1–5 5 1902–1911 ausgemustert SWS, MFO zweiachsige Triebwagen mit zwei Motoren Die Nr. 1–3 hatten 70 PS, die Nr. 4–5 hatten 90 PS Antriebsleistung. rahmenlos
Wagen
(keine vollständige Aufstellung)
Anhängewagen
Baureihe undBetriebsnummerAnzahlBaujahrAusrangiertVerkauftHerstellerKommentarBild C11 1 1999 eigene Werkstatt Nachbau des Sommerwagens von 1903(kein Bild) C 11–14 4 1902–1903 ca. 1949 SWS C11 wurde 1999 nachgebaut
C14 wurde 1953 zum Unkrautspritzwagen X302 umgebaut rahmenlos C 16–18 3 1912 1969 SWS Die Wagen wurden 1945/46 zu Dreiachsern umgebaut. Zwei Wagen erhielten neue Nummern 19 und 20, Wagen 18 behielt seine Nummer. rahmenlos C 24-25 2 1912 1969 SWS rahmenlos C 26–29 4 1906 C 26 verschrottet 1971 C 27 im Jahre 1961 zum Gepäck/Postwagen DZ 105 umgebaut. C 28 und 29 seit 1971 beim Hotel Stalden in Berikon aufgestellt. Schweizerischer Eisenbahn-Amateur-Klub Zürich (SEAK) (Foto ganz unten). MAN 1930 gebraucht von der Dampfstraßenbahn Neuötting–Altötting übernommen rahmenlos weiteres Bild C 31–32 2 1920 1968 Baume & Marpent In Belgien gebaute Wagen. rahmenlos C 41–43 3 1949 1969 verkauft an BTI, 1978 kamen B41 und 42 zur NStCM, B43 zur OJB SWS rahmenlos B41 und B42 auf dem Weg zur NStCM
Güterwagen, Dienstwagen und Postwagen