Das Kraftwerk Brikama (engl. Brikama Power Station, Brikama I und Brikama II; selten Heizkraftwerk Brikama) ist ein thermisches Schwerölkraftwerk in der Stadt Brikama im westafrikanischen Staat Gambia. Es ist mit einer Gesamtkapazität von rund 45 Megawatt (MW) eine der wichtigsten Säulen der nationalen Stromversorgung und wird von der staatlichen National Water & Electricity Company (NAWEC) betrieben.
Das Kraftwerksgelände teilt sich in zwei Phasen auf:
Brikama I (engl. Brikama I Power Station): Die im Jahr 2006 in Betrieb genommene erste Phase hat eine Leistung von rund 25 MW. Sie wurde als Gambias erstes privates Kraftwerksprojekt von der Global Trading Group (GTG) errichtet und später von der NAWEC übernommen (). Brikama II (engl. Brikama II Power Station): Eine im Februar 2021 offiziell eingeweihte Erweiterung mit einer Leistung von 20 MW. Das Projekt wurde mit Unterstützung der Islamischen Entwicklungsbank (IsDB) finanziert, um die häufigen Stromausfälle im nationalen Netz zu reduzieren ().
Geschichte und technischer Aufbau Brikama I Um die chronische Energieknappheit in der Greater Banjul Area (GBA) und der West Coast Region einzudämmen, schloss die staatliche gambische Energie- und Wassergesellschaft NAWEC im Jahr 2006 einen Stromabnahmevertrag (Power Purchase Agreement, PPA) mit dem Privatkonsortium Global Electrical Group Ltd. (GEG). Das 15 Millionen Euro teure Projekt wurde durch Kredite der Islamischen Entwicklungsbank (IsDB) und des OPEC-Fonds für Internationale Entwicklung unterstützt.
Im Juni 2006 trafen unter großem öffentlichem Interesse drei schwere, jeweils 6,6 Megawatt (MW) starke Generatoren am Hafen von Banjul ein, die speziell für das neue Kraftwerk in Brikama (Brikama I Power Station) vorgesehen waren. Insgesamt wurde die Anlage für vier Blöcke ausgelegt. Das Kraftwerk wurde im August 2006 vom damaligen Präsidenten Yahya Jammeh offiziell eingeweiht. Nachricht des State House vom 25. August 2008 Damit ging Brikama I als das erste unabhängige Stromerzeugerprojekt (Independent Power Producer, IPP) in die Geschichte Gambias ein. Die installierte Nennkapazität betrug je nach Netto-Spezifikation 24 bis 26 Megawatt (MW), betrieben mit kostengünstigem, importiertem Schweröl (Heavy Fuel Oil, HFO).
Da das Netz der GBA weiterhin instabil blieb, wurde die Kraftwerkskapazität am Standort Brikama im Jahr 2011 im Rahmen einer ersten Erweiterungsphase um einen zusätzlichen 8,9-MW-Generator des finnischen Herstellers Wärtsilä ergänzt. Das privatwirtschaftliche Betreibermodell hielt strukturellen Belastungen nicht stand. Aufgrund massiver finanzieller Probleme des privaten Partners GEG und schweren Engpässen bei der kontinuierlichen Treibstoffbeschaffung wurde das PPA im Jahr 2013 vorzeitig gekündigt. Sämtliche physischen Anlagen und Eigentumsrechte von Brikama I wurden vollständig an die staatliche NAWEC übertragen.
Durch mangelhafte Wartung und Dauerüberlastung sank die reale Leistung der verstaatlichten Anlage drastisch. Am 3. August 2017 unterzeichnete die NAWEC einen 2,1 Millionen US-Dollar schweren Vertrag mit Wärtsilä. Ziel war der komplette Austausch eines irreparabel verschlissenen Großmotors durch ein neues Wärtsilä-Aggregat. Das Vorhaben wurde im Rahmen des Gambia Electricity Support Project (GESP) direkt durch die Weltbank gedeckt, um die Stromausfälle in der Region kurzfristig abzufangen. Der neue Großmotor erreichte die Anlage und wurde im Frühjahr 2018 erfolgreich montiert und ans Netz geschaltet.
Brikama II Zur Stabilisierung des stark überlasteten nationalen Stromnetzes und zur Deckung des steigenden Energiebedarfs wurde direkt angrenzend die zweite Phase (Brikama II Power Station) geplant. Die offizielle Einweihung und Inbetriebnahme der Erweiterung erfolgte im Februar 2021 durch den gambischen Präsidenten Adama Barrow.
Die NAWEC vergab den Generalunternehmerauftrag schlüsselfertig (EPC-Vertrag) an das südkoreanische Maschinenbau- und Schwerindustrieunternehmen STX Heavy Industries. Im Jahr 2019 begannen die Fundament- und Errichtungsarbeiten auf dem bestehenden Kraftwerksgelände in Brikama. Trotz weltweiter logistischer Einschränkungen im Zuge der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 wurden die schweren Kraftwerkskomponenten und Motoren importiert und installiert. Die Baukosten für Brikama II beliefen sich auf rund 28,4 Millionen US-Dollar. Die Finanzierung wurde gemeinschaftlich durch die Islamische Entwicklungsbank (IsDB) sowie durch Eigenmittel der gambischen Regierung getragen. Technisch besteht die Phase II aus zwei modernen MAN-Dieselmotoren des Typs 9L51/60, die zusammen eine zusätzliche Leistung von 20 MW in das Verbundnetz einspeisen. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 56. Unabhängigkeitstag Gambias weihte der Barrow die Brikama II Power Station feierlich ein. Das Triebwerk speiste fortan nominell zusätzliche 20 MW (bzw. 17,80 MW Netto-Dauerleistung) in das Verbundnetz der NAWEC ein.
Direkt neben dem Kraftwerkskomplex wurde das strategische Umspannwerk Brikama der OMVG (Organisation pour la mise en valeur du fleuve Gambie) fertiggestellt (). Brikama entwickelte sich dadurch vom reinen Erzeugungsstandort zum zentralen Energie-Knotenpunkt (Hub) für das gesamte Land. Über eine neue 225-kV-Hochspannungsleitung konnte der in Brikama II (und Brikama I) erzeugte Strom nun hocheffizient nach Banjul und in die GBA transportiert sowie mit importiertem Strom aus dem Senegal (Senelec) synchronisiert werden. Der Erfolg von Eigenanlagen wie Brikama II ermöglichte der NAWEC im Mai 2025 einen Meilenstein: Der Vertrag mit dem türkischen Mietkraftwerk-Anbieter Karpowership (der jahrelang rund 30 MW Strom von Schiffen einspeiste) wurde nicht verlängert. Der Geschäftsführer der NAWEC betonte offiziell, dass Gambia dank neu gebauter, eigener Kapazitäten wie Brikama II nun in der Lage sei, die eigene Versorgung schrittweise selbst zu tragen.
Trotz der Kapazitäten von Brikama II und dem regionalen OMVG-Netz kämpft Gambia im Jahr 2026 weiterhin mit saisonalen Spitzenlasten. Brikama II läuft kontinuierlich unter maximaler Auslastung, während die NAWEC parallel kurzfristige Notfall-Kapazitäten von bis zu 70 MW auf Diesel-Basis (LFO) für extreme Lastspitzen zuschalten muss, um das Netz stabil zu halten.
Technische Daten
+ Vergleich der Kraftwerksphasen Merkmal Brikama I Brikama II Inbetriebnahme August 2006 Februar 2021 Installierte Leistung ca. 25 MW 20 MW Kraftstofftyp Schweröl (HFO) Schweröl (HFO) Motorentyp (Auswahl) Deutz / Wärtsilä MAN 9L51/60 (2 Einheiten) Finanzierung IsDB, OPEC-Fonds, GTG IsDB, Gambische Regierung Betreiber NAWEC (urspr. GTG) NAWEC
Siehe auch Liste von Kraftwerken in Gambia
Einzelnachweise
Brikama Kategorie:Gas- oder Ölkraftwerk in Afrika Kategorie:Bauwerk in der West Coast Region Kategorie:Erdöl- und Erdgaswirtschaft (Gambia) Kategorie:Erbaut 2021 Kategorie:Erbaut 2006 Kategorie:Brikama