mini|300px|Greifenstein (mitsamt Burg)
Greifenstein ist eine Gemeinde im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis. Greifenstein mit seinen zehn Ortsteilen umfasst 67,42 km² am östlichen Abhang des Westerwaldes. Ihren Namen hat sie von der dominanten Burgruine im gleichnamigen Ortsteil. Der Sitz der Gemeindeverwaltung ist im Ortsteil Beilstein.
Geographie Greifenstein erstreckt sich von ca. 170 m über NN bei Allendorf, wo der Ulmbach in die Gemarkung der Stadt Leun fließt, bis zu 605 m über NN am Knoten nahe dem Ortsteil Arborn. Das Gebiet ist sehr unterschiedlich geprägt, von teilweise Ebenen auf den Höhen bis hin zu steilen Steigungen.
Mit 51,13 % Waldfläche hat die Gemeinde Greifenstein den größten Waldanteil der hessischen Gemeinden. Daraus resultieren hohe Einnahmen aus der Forstwirtschaft für den kommunalen Haushalt. Es überwiegen Mischwälder, es gibt aber auch reine Distrikte mit Nadelbäumen.
Entwässert wird Greifenstein über den Kallenbach und den Ulmbach. Beide werden durch einige Nebenzuflüsse aus den Wäldern gespeist, bevor sie in die Lahn münden.
Das Gemeindegebiet ist reich an Bodenschätzen, vor allem Basalt und Ton. Früher wurde auch Eisenerz gefördert.
Nachbargemeinden Greifenstein grenzt im Nordwesten an die Gemeinde Driedorf, im Norden an die Stadt Herborn und die Gemeinde Sinn, im Osten an die Gemeinde Ehringshausen, im Süden an die Stadt Leun (alle im Lahn-Dill-Kreis) und die Gemeinde Löhnberg sowie im Südwesten an die Gemeinde Mengerskirchen (beide im Landkreis Limburg-Weilburg).
Gliederung Tabelle der Ortsteile der Gemeinde mit Einwohnerzahl und Fläche. Stand 31. Dezember 2017Gemeinde Greifenstein: „Daten und Fakten“. Stand: 31. Dezember 2017, abgerufen am 22. März 2018 Ortsteile Einwohner Fläche km² Allendorf 1237 7,80 Arborn 602 5,46 Beilstein 1463 10,24 Greifenstein 563 9,79 Holzhausen 803 6,55 Nenderoth 404 6,02 Odersberg 253 3,84 Rodenberg 216 2,52 Rodenroth 389 6,61 Ulm 627 8,59 Gesamt 6557 67,43
Geschichte Historische Namensformen In erhaltenen Urkunden wurde Greifenstein unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Griffenstein, de (1158) [Der Beleg dieses Meribodo von Greifenstein in: RI IV, 2, Nr. 531 ist vermutlich nicht auf dieses Greifenstein zu beziehen] Griffenstein, de (1237) [Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 1, S. 8 Nr. 24] Griffinstein, de (1255) [Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 1, S. 23–24 Nr. 70 und 74]
Ortsgeschichte Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung der Burg Greifenstein stammt aus dem Jahr 1237. Im Jahre 1322 erteilte König Ludwig IV. die Erlaubnis an Graf Gottfried von Sayn zur Errichtung einer befestigten Stadt unterhalb der Burg mit Frankfurter Stadtrecht, die Stadtrechtsverleihung an Greifenstein blieb allerdings ohne Folgen.Daniel Schneider: Die Städtepolitik der Grafen von Sayn im Spätmittelalter, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 41 (2015), S. 37–39. Die Burg Greifenstein war namensgebend für die Gemeinde, die 1977 im Zuge der Gebietsreform in Hessen gegründet wurde.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schlossen sich zum 1. Februar 1971 die bisher eigenständigen Gemeinden Allendorf, Holzhausen und Ulm auf freiwilliger Basis zur neuen Großgemeinde Ulmtal zusammen.
Am 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Rodenroth und am 1. Juli 1972 Rodenberg ebenfalls freiwillig in die Nachbargemeinde Beilstein eingegliedert.
Die heutige Großgemeinde Greifenstein entstand durch das Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen am 1. Januar 1977 durch Zusammenschluss der bisherigen Gemeinden Greifenstein und Ulmtal aus dem Landkreis Wetzlar sowie Arborn, Beilstein, Nenderoth und Odersberg aus dem Dillkreis.Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 293. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Greifenstein wurden Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.Hauptsatzung der Gemeinde Greifenstein § 6. Abgerufen im Februar 2019. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde der Ortsteil Beilstein.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Greifenstein angehört(e):
vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Solms-Braunfels, Anteil der Grafschaft Solms, Amt Greifenstein ab 1806: Herzogtum Nassau,Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Amt Greifenstein ab 1816: Königreich Preußen,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Provinz Großherzogtum Niederrhein, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Braunfels1815: Abtrennung der Justiz (standesherrliches Justizamt Greifenstein). ab 1822: Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar1849: Trennung zwischen Justiz (Kreisgericht Wetzlar) und Verwaltung. ab 1866: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs., Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Wetzlar ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Wetzlar ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Wetzlar ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Wetzlar ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Wetzlar ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Lahn-Dill-Kreis
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Greifenstein 6855 Einwohner. Darunter waren 216 (3,2 %) Ausländer, von denen 109 aus dem EU-Ausland, 75 aus anderen europäischen Ländern und 29 aus anderen Staaten kamen. Nach dem Lebensalter waren 1101 Einwohner unter 18 Jahren, 2739 waren zwischen 18 und 49, 1542 zwischen 50 und 64 und 1473 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 2874 Haushalten. Davon waren 735 Singlehaushalte, 885 Paare ohne Kinder und 954 Paare mit Kindern, sowie 261 Alleinerziehende und 42 Wohngemeinschaften. In 621 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1824 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Vom Landesrechnungshof Hessen wurde für die Gemeinde Greifenstein im Oktober 2010 ein Bevölkerungsrückgang von 2377 Einwohnern bis 2050 errechnet.
Religionszugehörigkeit • 1834: 510 evangelische, 6 katholische Einwohner und 11 Mennoniten • 1961: 604 evangelische (= 83,31 %) und 115 (= 15,86 %) katholische Einwohner • 1987: 5356 evangelische (= 79,87 %), 773 katholische (= 10,93 %), 577 sonstige (= 8,60 %) Einwohner • 2011: 4609 evangelische (= 67,23 %), 830 katholische (= 12,11 %), 1416 sonstige (= 20,66 %) Einwohner
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Greifenstein erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 27,8 9 33,7 10 35,5 11 44,6 14 44,4 14 42,9 13 28,6 9 25,9 8 22,9 7 34,8 11 35,2 11 33,1 10 ULfG Unabhängige Liste für GreifensteinUnabhängige Liste für Greifenstein im Internet 10,9 3 13,0 4 21,1 6 – – – – – – 20,6 6 8,2 3 – – – – – – – – 6,0 2 7,8 2 9,0 3 9,3 3 10,9 3 8,6 3 6,2 2 – – – – – – – – 5,1 2 – – 11,4 4 11,5 4 11,3 3 9,5 3 10,3 3 Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 60,2 53,4 55,3 48,3 60,8 51,7
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Greifenstein neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und sieben weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeisterin ist seit dem 1. Oktober 2018 die parteiunabhängige Marion Sander. Sie wurde als Nachfolgerin von Martin Kröckel, der nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 27. Mai 2018 im ersten Wahlgang bei 63,01 Prozent Wahlbeteiligung mit 52,86 Prozent der Stimmen gewählt. Es folgte eine Wiederwahl ohne Gegenkandidaten im Juni 2024.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 in Greifenstein
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden - Votemanager: Wahltermine Gemeinde Greifenstein, seit 2002; Hinweis: Bürgermeisterwahlen vor 2012 sind nicht aufbereitet 2018–2030 Marion SanderMarion Sander stellt sich vor - Greifensteiner Nachrichten, 11. Juni 2018: Bekanntmachung des endgültigen Wahlergebnisses der Direktwahl der/s Bürgermeisterin/s in der Gemeinde Greifenstein am 27.05.2018: „Frau Marion Sander hat mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhalten ist somit zur Bürgermeisterin der Gemeinde Greifenstein für die am 01.10.2018 beginnende Amtszeit von 6 Jahren gewählt“ - SPD Greifenstein, 17. August 2018: Ernennung der neuen Bürgermeisterin Sander 2006–2018 Martin Kröckel 1994–2006 Bernd Schulze (SPD) (1943–2022)Traueranzeigen Bernd Schulze - mittelhessen.de, 9. Mai 2022: Bernd Schulze ist tot. Der frühere Bürgermeister Greifensteins und 1. Beigeordnete Ehringshausens starb mit 78 Jahren - Die Amtszeiten der in der Rede von Edgar Haas anlässlich der Sitzung der Gemeindevertretung am 27. Juni 2017 genannten Amtsvorgänger Erhard Hartmann und Rüdiger Anders (SPD) haben sich der Online-Recherche bislang nicht erschlossen.
Ortsbeirat Für den Ortsteil Greifenstein gibt es einen fünfköpfigen Ortsbeirat mit Ortsvorsteher. Nach den Kommunalwahlen in Hessen 2021 ist Torsten Kunz Ortsvorsteher.Ortsbeiräte der Gemeinde Greifenstein, abgerufen im Januar 2022.
Wappen
Gemeindepartnerschaft Seit 1980 besteht eine Gemeindepartnerschaft mit Sankt Andrä-Wördern in Österreich.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Kulturdenkmäler
Regelmäßige Veranstaltungen Verschiedene Märkte finden auf der Burg Greifenstein zu Ostern und Weihnachten statt. Auch ein Mittelaltermarkt hat sich auf der Burg etabliert, ebenso das „Celtic Rock Festival“ mit überwiegend deutschen Rockbands. Öffentliche Theateraufführungen, Weinfeste, geführte Wanderungen sowie das IVV-Wandern in Allendorf und Beilstein gehören zum kulturellen Angebot in der Gemeinde. Ausrichter fast aller Veranstaltungen sind die Ortsvereine.
Wirtschaft und Infrastruktur Öffentliche Einrichtungen Das Rathaus der Gemeinde Greifenstein und der gemeindliche Bauhof befinden sich in Beilstein. Das Standesamt unterhält auf der Burg Greifenstein ein Trauzimmer. Die Gemeinde unterhält als Dienstherr insgesamt zehn Freiwillige Feuerwehren mit einem Fuhrpark von 20 Fahrzeugen, die für den abwehrenden Brandschutz und die allgemeine Hilfe sorgen. Insgesamt bestehen elf gemeindeeigene Friedhöfe, auf denen sowohl christliche als auch islamische Bestattungen durchgeführt werden. Zudem gibt es in Beilstein, direkt am Ulmbach, einen historischen jüdischen Friedhof.
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