„hpr“ = Rälsbusshållplats / Haltestelle nur für Schienenbusse Quellen:

Die Bahnstrecke Boden–Tornio ist eine elektrifizierte Eisenbahnstrecke in Schweden und Finnland. Sie verläuft von Boden über Haparanda nach Tornio. 2012 wurde eine neue Streckenführung zwischen Morjärv und Haparanda eröffnet, welche die Trasse der ehemaligen Zweigstrecke von Morjärv nach Karlsborgsbruk nahezu komplett einbezieht.

Der Abschnitt von Haparanda zum finnischen Tornio hat ein Vierschienengleis mit Normal- und Russischer Breitspur.

Geschichte Ursprüngliche Strecke Die erste Strecke wurde in Abschnitten von 1900 bis 1919 zwischen Schweden und dem damaligen Großfürstentum Finnland, Teil des Russischen Reichs, errichtet. Sie ist eine so genannte Mellanriksbana. Dies waren Strecken, die Norwegen und Schweden oder Schweden und Finnland verbanden.

Die Eröffnung der einzelnen Abschnitte erfolgte: Boden–Niemisel (32 km) am 1. Oktober 1900 (prov. Güterverkehr seit Winter 1899/1900) Niemisel–Morjärv (41 km) am 1. August 1902 Morjärv–Lappträsk (46 km) Güterverkehr am 1. Dezember 1910 / Personenverkehr am 15. Dezember 1910 Lappträsk–Karungi (21 km) am 1. Juli 1913 Karungi–Jylhäkoski (12 km) prov. Güterverkehr am 27. April 1915 Jylhäkoski–Vojakkala (4 km) prov. Güterverkehr am 5. Mai 1915 Vojakkala–Haparanda (10 km) prov. Güterverkehr am 17. Mai 1915Ein prov. Personenverkehr auf dem Abschnitt Karungi–Haparanda begann am 18. Juni 1915, die offizielle Betriebsaufnahme erfolgte dann am 1. Dezember 1918. Haparanda–Haparanda hamn (1 km) prov. Güterverkehr am 18. Juni 1915 / prov. Personenverkehr am 21. Januar 1916Der Zugbetrieb wurde auf dem Abschnitt Karungi–Haparanda hamn anfangs von der Baugesellschaft Statens Järnvägsbyggnader (SJB) durchgeführt, erst ab dem 5. Dezember 1915 erfolgte der Zugbetrieb durch die SJ. Haparanda–Tornio am 6. Oktober 1919

Wegen der Grenzkontrolle und weil alle Reisenden wegen des Spurwechsels umsteigen mussten, war das Empfangsgebäude in Haparanda eines der größten in Schweden.

Zweiter Weltkrieg Während des Zweiten Weltkriegs war das Verkehrsaufkommen auf der Strecke am höchsten. Freiwillige reisten zum Winterkrieg, finnische Kinder kamen nach Schweden und das schwedische Militär überwachte den Verkehr. Die Bahn war wichtig für die Versorgung Finnlands während des Krieges, da sie die einzige Eisenbahnverbindung zu einem neutralen Land war.

Einstellung des Verkehrs und Nachnutzung Am 17. August 1992 stellten die SJ den Reisezugverkehr auf der Strecke zwischen Boden, Haparanda und Tornio ein. Die Trasse der alten Haparandabahn sollte ab 2012 noch zwei Jahre betriebsbereit erhalten werden.Grimm In offiziellen schwedischen Quellen tauchte schon 2013 der Hinweis auf, dass die Unterhaltung der Strecke aufgehört hatte und der Betrieb eingestellt wurde.

Der Streckenabschnitt zwischen Morjärv und Haparanda war mit 93 km die längste Draisinenstrecke Schwedens. Ausgangspunkt war der Bahnhof Vitvattnet. Von dort aus konnten die 30 km bis Morjärv oder die 63 km bis Haparanda befahren werden. Aufgrund von Überwucherung wurde der Draisinen-Verleih eingestellt.

Abzweig Morjärv–Karlsborgsbruk

Die holzverarbeitende Industrie in Karlsborg südlich von Kalix mit dem ursprünglich Karlsborgsbruk genannten Komplex von Sägewerk und Papierfabrik benötigte in den 1950er Jahren höhere Transportkapazitäten, um Rohholz abzutransportieren. Dazu kam die hohe Arbeitslosigkeit in Norrbotten, so dass der Bau der Zweigstrecke von Morjärv nach Kalix auch als Arbeitsmarktprojekt beschlossen wurde. Die Trassierung dieser Zweigbahn war bereits eine Variante bei den Planungen zur Haparandabahn gewesen, die aber letztendlich über Karungi geführt wurde. Die Verlängerung von Kalix nach Karlsborg wurde ursprünglich als Industrieanschluss von der späteren AssiDomän AB (heute Sveaskog), einem Hersteller von Wellpappe und Verpackungsmaterial in Staatsbesitz, dem die Papierfabrik in dieser Zeit gehörte, auf eigene Kosten errichtet.

Wichtigste Kunstbauten im Verlauf der Strecke sind der Falkberget-Tunnel mit 332 Metern Länge sowie die 186 Meter lange Brücke über Kalixälven. Die Einweihung der 30 Kilometer langen Strecke erfolgte am 20. November 1961 für den allgemeinen Güterverkehr. Zum gleichen Zeitpunkt wurde der Verkehr auf dem neun Kilometer langen Anschlussgleis nach Karlsborgsbruk aufgenommen.

Im Zusammenhang mit der Bildung von Banverket wurde die Betriebsführung des Privatanschlusses nach Karlsborgsbruk 1988 auf Banverket übertragen. Am 1. Januar 2007 endete der allgemeine Güterverkehr auf der Strecke. Seither fuhren hier nur noch Ganzzüge. Der Betrieb wurde bereits seit 2005 von der TGOJ durchgeführt, die die Züge mit Lokomotiven der Baureihen T66 und TMZ bespannte. Der Endpunkt der Strecke hieß nun Karlsborgsbruk Norrbotten, zwischenzeitlich trug er auch die Bezeichnungen Karlsborgsverken und Karlsborgsbruk.

Besondere Ereignisse

Die Strecke wurde 1917 von Lenin benutzt, um mit Hilfe der Zentralmächte des Deutschen Reichs und Duldung der k.u.k. Monarchie aus seinem Exil in der Schweiz über Deutschland nach Russland zu gelangen, wo er in der Oktoberrevolution an die Macht kam.

Nya Haparandabanan Sanierung Die neue Haparandabahn wurde am 29. August 2012 eingeweiht.Diese und die folgenden Angaben nach: Grimm. Ihre Trasse ist eingleisig, durchgehend elektrifiziert und für eine Achslast von 25 Tonnen ausgelegt. Da sie aus Mitteln der Europäischen Union gefördert wurde, ist die Bahnstrecke für den Betrieb mit ETCS Level 2 vorbereitet worden. Zunächst wurde die Strecke mit herkömmlicher Signaltechnik ausgerüstet, die nur Geschwindigkeiten bis 90 km/h zuließ. Am 16. Dezember 2013 ging ETCS Level 2 in Betrieb.

Die neue Strecke nutzt nahezu komplett die Trasse der Bahnstrecke Morjärv–Karlsborgsbruk. Kurz vor deren südlichem Ende in Bredviken zweigt sie auf einer 42 km langen Neubaustrecke nach Osten ab und erreicht erst kurz vor Haparanda wieder die alte Haparandabahn. Die neue Trasse ist weniger steigungs- und bogenreich als die alte. Im Neubauabschnitt wurden in Bredviken und Vuonoskogen Kreuzungsbahnhöfe errichtet. Dieser Abschnitt ist für 250 km/h ausgelegt, der Ausbauabschnitt zwischen Boden und Bredviken für bis zu 200 km/h.

Die neue Strecke hat 3,6 Milliarden Schwedische Kronen (etwa 420 Millionen Euro) gekostet. Im Verhältnis zu den Kosten, der Ausrüstung als Schnellfahrstrecke und der doppelten Signalisierung ist der Verkehr bescheiden: Es gibt ein werktägliches Güterzugpaar, das die Gesamtstrecke befährt. Dazu besteht Güterverkehr zwischen Boden und einer großen Papierfabrik bei Kalix. Der Güterverkehr wird von Green Cargo mit Lokomotiven der Baureihe Rd2ER durchgeführt. Personenverkehr besteht erst seit 2021.

Ursprünglich wurde verstärkter Verkehr nach und aus Russland sowie durch schwedische und finnische Industrieunternehmen wie zum Beispiel Stora Enso und Outokumpu (ehemals Avesta) erhofft. Geely, der chinesische Eigentümer von Volvo prüfte 2012 den Export von künftig in China produzierten Kraftfahrzeugen durch Russland, Finnland und Schweden über den Hafen von Narvik (Norwegen) in die USA, diese Verbindung hätte die Bahnstrecke Boden–Haparanda genutzt.jst: Vorläufig keine norrbotiabahn. In: Eisenbahn-Revue 3/2013, S. 143

Im März 2014 besetzte und annektierte Russland die Krim, wodurch der Ukrainekrieg begann, welcher am 24. Februar 2022 mit dem Überfall auf die Ukraine eskalierte. Dies belastet die Beziehungen vieler Staaten mit Russland und reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass die Bahnstrecke zum Transport von Gütern von und nach Russland genutzt wird.

Reisezugverkehr Die schwedische Norrtåg plante seit 2011, den Personenverkehr auf dem schwedischen Abschnitt der Strecke wieder aufzunehmen. Dazu sollte der Streckenabschnitt Luleå–Haparanda von täglich fünf Zugpaaren befahren werden, wofür eine Reisezeit von 1:45 Stunden geplant war. Für die Kalkulation wurden die Werte der Triebzugbauart X62 herangezogen. Die Aufnahme des Personenverkehrs auf der Strecke wäre Anfang 2014 realistisch gewesen, wenn bis zu diesem Zeitpunkt die Strecke komplett elektrifiziert gewesen wäre.

Am 1. Oktober 2016 führte Norrtåg in Zusammenarbeit mit Tågkompaniet versuchsweise drei publikumsoffene Versuchsfahrten durch. Die finnische Seite will den Personenverkehr auf ihrem drei Kilometer langen nicht elektrifizierten Abschnitt nicht wieder aufnehmen. Norrtåg hoffte, dass nach der Eröffnung der neuen Pendelzuglinie Boden–Luleå im August 2017 eine Weiterführung nach Haparanda 2018 realistisch wäre. Seit dem 31. März 2019 befährt Norrtåg den Streckenabschnitt zwischen Luleå und Boden mit Pendelzügen. Von Montag bis Freitag verkehren sechs Zugpaare.

Die regionale Verkehrsbehörde in Norrbotten hat in Absprache mit der Region Norrbotten und den betroffenen Gemeinden beschlossen, den Personenverkehr auf dem Abschnitt Luleå–Haparanda im Frühjahr 2021 wieder aufzunehmen. Dafür mussten in Kalix und Haparanda neue Bahnsteige gebaut werden. In Haparanda wurden die Bahnsteige am bisherigen Bahnhof gebaut, während in Kalix ein neues Reisezentrum näher am Zentrum errichtet wurde, an dem auch der neue Busbahnhof eingerichtet wurde. Die Gemeinde Kalix investierte für den Ausbau 14 Mio. SEK, die schwedische Agentur für wirtschaftliches und regionales Wachstum (Tillväxtverket) gewährte Unterstützung in Höhe von 12,8 Mio. SEK und Trafikverket steuerten 5,2 Mio. SEK für die Maßnahmen in Kalix bei.

Seit dem 1. April 2021 befährt Norrtåg mit drei täglichen Zugpaaren die Strecke Boden C – Haparanda mit Halt in Kalix C, teilweise durchgehend von und nach Luleå. Die Fahrzeit zwischen Boden und Haparanda beträgt knapp 90 Minuten. In Morjärv halten keine Reisezüge, da es keinen Bahnsteig gibt, der den geltenden Zugangsanforderungen und den heutigen Baustandards entspricht. Es erfolgt vorerst keine Anpassung des Signalsystems ERTMS. Im Bahnhofsbereich wären Zufahrten und Parkplätze anzupassen. Zur Einrichtung des Personenhaltes findet eine Studie statt.

Finnischer Anschluss mini|Vierschienengleis auf der Brücke über den Torne älv mini|Ein schwedischer, normalspuriger Zug verlässt soeben die Eisenbahnbrücke über den Torne älv, um gleich danach in den Bahnhof von Haparanda einzufahren

Eisenbahninfrastruktur Die Strecke ist die einzige Bahnverbindung zwischen Schweden und Finnland. Das finnische Eisenbahnnetz ist in Breitspur (1524 mm) gebaut, während das schwedische die Normalspur (1435 mm) verwendet. Zwischen dem schwedischen Grenzbahnhof Haparanda und dem finnischen Grenzbahnhof Tornio liegt ein Vierschienengleis, das über die Eisenbahnbrücke über den Fluss Torne älv führt.

Außerdem ist zu berücksichtigen, dass Tornio und Haparanda in verschiedenen Zeitzonen liegen: In Finnland gilt die Osteuropäische Zeit, während die Uhren in Schweden nach MEZ gestellt werden.

Geschichte Der Bahnhof in Tornio wurde bereits am 16. Oktober 1903 eröffnet, als die Strecke von Oulu hier ihren Endbahnhof erreichte. Für Personen und Gepäck wurde der Torne älv zwischen Haparanda und Tornio mit Booten überquert. Der Verkehr nahm in den Kriegsjahren des Ersten Weltkrieges enorm zu, vor allem als der provisorische Bahnbetrieb auf schwedischer Seite aufgenommen wurde. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Flussquerung für Güter und Personen von Karungi hierher verlegt. Für den Posttransport wurde 1916 von Postverket eine Seilbahn über den Fluss gebaut. Die Strecke Haparanda–Charlottenberg–Bergen war eine Zeitlang die Hauptverbindung zwischen England und Russland. Zwischen Mai 1916 und Februar 1917 verkehrte ein direkter Schlafwagen zwischen Haparanda und Bergen mit Anschluss an die Schiffsverbindung Bergen–Newcastle.