hochkant=1.5|mini|alt=Schaubild, das normale und vergrößerte Prostata im Vergleich zeigt|Schematische Darstellung der benignen Prostatahyperplasie

Eine gutartige Vergrößerung der Prostata (Vorsteherdrüse) – auch bezeichnet als Benigne Prostatahyperplasie (BPH) – entsteht durch Vermehrung ansonsten unauffälliger Zellen. Frühere Bezeichnungen sind auch Prostataadenom (PA) oder fälschlich benigne Prostatahypertrophie.

Die Prostata wird als vergrößert bezeichnet, wenn ihr Volumen 25 cm³ überschreitet.

Zu einer BPH kommt es gewöhnlich bei Männern im mittleren bis höheren Lebensalter. Es handelt sich um eine Vergrößerung von Prostatadrüse und Anteilen des Zwischengewebes, die zumeist von der sogenannten Übergangszone ausgeht. Ein Krankheitswert kommt dieser gutartigen Drüsenvergrößerung nur bei gleichzeitigem Auftreten von Symptomen zu (wie z. B. nächtlichem Wasserlassen, Harnverhalt oder abgeschwächtem Harnstrahl bei gleichzeitig massiv erhöhtem Blasenentleerungsdruck). Die Krankheit ist mittels moderner Methoden gut behandelbar. Unbehandelt kann die Prostata aber grundsätzlich so lange wachsen, bis sie den Blasenauslass völlig verschließt. Durch den Verschluss kann die Niere nicht mehr ausscheiden (postrenales Nierenversagen), was zum Tod durch innere Vergiftung bei Urämie führt.

Obwohl Prostatakrebs auch mit einer Vergrößerung der Prostata einhergeht, stellt die BPH an sich noch kein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs dar.R. T. Chang, R. Kirby, B. J. Challacombe: Is there a link between BPH and prostate cancer? In: The Practitioner. Band 256, Nummer 1750, April 2012, S. 13–6, 2. PMID 22792684.J. M. Hollingsworth, T. J. Wilt: Lower urinary tract symptoms in men. In: BMJ. Band 349, August 2014, S. g4474, doi:10.1136/bmj.g4474. PMID 25125424, (Review).

Begrifflichkeiten Der Begriff benigne Prostatahyperplasie beschreibt nur die Volumenzunahme der Prostata als solche und nicht durch sie bedingte klinische Befunde oder Symptome. Gleichbedeutend findet sich in der Literatur auch der Anglizismus (BPE). Führt die BPH zu einer Erhöhung des Blasenauslasswiderstandes, so wird dies als benigne Prostataobstruktion (BPO) oder auch mit dem englischen Begriff (BOO) bezeichnet. Ist die BPH beispielsweise Ursache entsprechender Beschwerden bei der Entleerung der Harnblase (Miktion), der sogenannten Symptome des unteren Harntraktes (, LUTS), wird von einem benignen Prostata-Syndrom (BPS) gesprochen.S2-AWMF-Leitlinie: Diagnostik und Differentialdiagnostik des Benignen Prostata-Syndroms (BPS). (PDF; 261 kB) Registernummer 043/034 Dieser Begriff ist jedoch nur im deutschen Sprachraum üblich. International findet er sich nicht. Genau genommen beschreibt er nur das Syndrom der Blasenentleerungsstörung (LUTS). Die kann durch eine Vergrößerung der Prostata verursacht werden, es gibt jedoch auch andere Ursachen. Noch heute finden sich die veralteten Begriffe Prostataadenomträger für beschwerdefreie Patienten mit BPH und Prostataadenomkranke für Patienten mit BPS in der Literatur.Beispiele für die Verwendung der veralteten Begriffe: Hartmut Link u. a.: Supportivtherapie bei malignen Erkrankungen: Prävention und Behandlung von Erkrankungssymptomen und therapiebedingten Nebenwirkungen. Deutscher Ärzteverlag, 2006, ISBN 3-7691-0466-8, S. 435; Peter Dosch (Hrsg.): Lehrbuch der Neuraltherapie nach Huneke (Regulationstherapie mit Lokalanästhetika). Georg Thieme Verlag, 1995, ISBN 3-7760-1451-2, S. 315 (); Hans-Joachim Schmoll, Klaus Höffken, Kurt Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie. Springer, 2005, ISBN 3-540-20657-4, S. 1418.

Verbreitung mini|Inzidenz von BPH (blau) und BPS (rot) im SektionsgutJ. Altwein: Urologie. Enke-Verlag, 1979, ISBN 3-432-89931-9, S. 279.

Die BPH ist der häufigste gutartige Tumor beim Mann. In den ersten Lebensjahrzehnten des Mannes ist sie sehr selten, ab dem 6. Lebensjahrzehnt findet sich jedoch bei 50 % aller Männer eine Vergrößerung der Prostata. Die Krankheitshäufigkeit steigt bis auf über 90 % im 9. Lebensjahrzehnt. Das Risiko, daran zu erkranken, liegt bei 10–20 % in der Altersgruppe 50 bis 59 Lebensjahre und 25–35 % in der Altersgruppe von 60 bis 69 Jahre. Aufgrund ihrer hohen Krankheitshäufigkeit gilt die BPH als Volkskrankheit.

Das Auftreten einer BPH ist nicht auf den Menschen beschränkt; auch bei (nicht kastrierten) Rüden kann sie vorkommen.R. Mischke: Zytologisches Praktikum für die Veterinärmedizin. Schlütersche, 2005, ISBN 3-89993-013-4, S. 162 (). Bei anderen Haustieren spielt sie allerdings keine Rolle.E. Dahme u. a.: Grundriss der speziellen pathologischen Anatomie der Haustiere. Georg Thieme Verlag, 2007, ISBN 978-3-8304-1048-5, S. 208 ().

Ursache und Entstehung → Zum anatomischen Aufbau siehe Hauptartikel: Prostata. mini|alt=Schnittbild der Prostata|Deutlich erkennbar auf dem Bild sind der deutlich vergrößerte, sich über den Blasenausgang wölbende Mittellappen sowie die Einengung der Harnröhre durch die sie umgebenden beiden anderen, ebenfalls vergrößerten Lappen der Prostata.

Die Harnröhre verläuft unterhalb der Blase ein Stück weit durch die Vorsteherdrüse. Diese besteht aus einem linken und rechten Lappen sowie einem hinter der Harnröhre gelegenen Anteil, der als Isthmus prostatae oder als Mittellappen bezeichnet wird. Eine BPH entsteht durch eine Zellvermehrung in der sogenannten Übergangszone und den um die Harnröhre herum angelegten (periurethralen) Drüsen. Dabei vermehren sich jedoch nicht ausschließlich die Drüsenzellen, sondern auch Bindegewebe und Muskelzellen – deshalb ist auch der früher geläufige Begriff Prostataadenom fachlich nicht korrekt. Bei entsprechend ausgeprägter Vergrößerung wird dabei die periphere Zone der Prostata – sie macht normalerweise drei Viertel der Organmasse aus – nach außen abgedrängt und dabei so weit gedehnt, dass sie im Schnittbild das Organ nur noch als dünne Schicht, die sogenannte chirurgische Kapsel, umgibt. Der Isthmus prostatae (Lobus medius, Mittellappen) kann sich zudem weit in das Blaseninnere vorwölben.

Das Gewicht der Prostata beträgt normalerweise etwa 20 bis 25 Gramm. Bei Vorliegen einer BPH wiegt die Prostata 30 bis 150 Gramm. In der Summe stellt die BPH ein Hindernis für den Harnabfluss aus der Blase dar (subvesikale Obstruktion, also unterhalb der Harnblase). Bei normalem Miktionsdruck (Druck, den die Blasenwand aufbaut, um den Harn auszutreiben) ist dann die Harnflussrate reduziert. Ein kompensatorisch erhöhter Miktionsdruck kann zu einer Balkenblase oder autonomen Detrusorkontraktionen (Overactive Bladder, OAB) führen.U. Zwergel: Facharztprüfung Urologie: In Fällen, Fragen und Antworten. Urban & Fischer Verlag, 2008, ISBN 978-3-437-24510-7, S. 246 ().M. Y. Kang, J. H. Ku, S. J. Oh: Non-invasive parameters predicting bladder outlet obstruction in Korean men with lower urinary tract symptoms. In: Journal of Korean medical science. Band 25, Nummer 2, Februar 2010, S. 272–275, doi:10.3346/jkms.2010.25.2.272. PMID 20119582. . Zusätzliche Bedeutung kommt dem sich in das Innere der Harnblase vorwölbenden (daher im klinischen Sprachgebrauch auch als intravesikal gelegen bezeichnetD. Pfeiffer u. a.: HIFU-Technik zur primären interventionellen Behandlung des Prostatakarzinoms – Frühergebnisse. In: Hamburger Ärzteblatt. 5/2006, S. 277 ) vergrößerten Mittellappen zu, der den Blasenausgang verlegen kann. Dieser Effekt kann unabhängig von der unterhalb der Blase bestehenden Einengung der Harnröhre auftreten.

Seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist bekannt, dass für die Entstehung einer BPH das männliche Geschlechtshormon Testosteron wesentlich ist. Männer, die kein Testosteron bilden, entwickeln auch keine BPH. Die genaue Ursache dafür ist jedoch bislang noch Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung. Die Testosteronwerte im Blutserum korrelieren beispielsweise nicht mit der Entwicklung einer BPH,Y. Gat, M. Gornish, M. Heiblum, S. Joshua: Reversal of benign prostate hyperplasia by selective occlusion of impaired venous drainage in the male reproductive system: novel mechanism, new treatment. In: Andrologia. Band 40, Nummer 5, Oktober 2008, S. 273–281, doi:10.1111/j.1439-0272.2008.00883.x. PMID 18811916.C. Huggins u. a.: . In: Urologist. Band 43, 1940, S. 705–711; zitiert nach: U. Zwergel u. a.: Benigne Prostatahyperplasie: Grundlagen und Therapie. Springer, 1999, ISBN 3-540-65269-8. zumal nicht Testosteron, sondern Dihydrotestosteron das essentielle Steroid der Prostata ist. So kommt diesem auch als Wachstumsfaktor der Vorsteherdrüse besondere Bedeutung zu. Gebildet wird es im Drüsenkörper durch Umwandlung mittels 5-alpha-Reduktase aus Testosteron.D. Ganten u. a.: Molekularmedizinische Grundlagen von altersspezifischen Erkrankungen. Springer, 2004, ISBN 3-540-00858-6, S. 306 ().C. Dadak: Sexualität, Reproduktion, Schwangerschaft, Geburt. Facultas Verlag, 2009, ISBN 978-3-7089-0535-8, S. 30 ().

Als beeinflussbarer Risikofaktor für die BPH wurde das metabolische Syndrom ermittelt. Demzufolge wird betroffenen Männern empfohlen, auf ein angemessenes Körpergewicht zu achten und sich viel zu bewegen, wobei aber in der S2e Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Benignen Prostatasyndroms (BPS)“ hierzu steht: „Es bleibt aber unklar, ob auch eine Modifikation des Lebensstils (auch sportliche Aktivität) hinsichtlich des metabolischen Syndroms kurz/mittel/langfristig einen positiven, protektiven Effekt auf BPE/LUTS/BPS hat.“

Klinische Erscheinungen Entscheidend für den Krankheitswert sind Symptome, die anfangs meist nur die Lebensqualität beeinträchtigen, und objektivierbare krankhafte Befunde. Im weiteren Verlauf kann eine unbehandelte BPH dann zu Harnverhalt und Aufstau des Urinabflusses und damit verbundenen Schädigungen der Nieren und so letztlich im Endstadium auch zum Tod durch Urämie führen.

Beschwerden bei der BPH sind Reizbeschwerden und Entleerungsstörungen beim Wasserlassen (Miktion). Typische Reizbeschwerden sind Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger nächtlicher sowie plötzlich auftretender Harndrang – also Symptome ähnlich einer Blasenentzündung. Entleerungsstörungen sind gekennzeichnet durch erschwertes, lang andauerndes und durch Bauchpresse unterstütztes Wasserlassen. Als Symptome treten verzögerter Miktionsbeginn, ein schwacher, häufig unterbrochener Harnstrahl, verlängerte Miktionszeit, Nachträufeln bis hin zur Restharnbildung in der Blase auf. Alle diese Symptome können jedoch auch durch andere Erkrankungen ausgelöst werden.

Der Leidensdruck wird meist mit dem internationalen Prostatasymptomenscore (IPSS) klassifiziert. Dabei werden für sieben Symptome jeweils null bis fünf Punkte vergeben: Restharngefühl, erneuter Harndrang zwei Stunden nach dem letzten Toilettengang, Harnstottern, Unfähigkeit, das Wasserlassen hinauszuzögern, schwacher Strahl, Pressen beim Wasserlassen und Häufigkeit von nächtlichem Wasserlassen. In manchen Fragebögen wird zusätzlich noch eine Frage zur Lebensqualität gestellt. Nach diesem Punktesystem werden die Patienten in solche mit milder (IPSS < 8), mittlerer (8 ≤ IPSS ≤ 19) und schwerer (20 ≤ IPSS ≤ 35) Symptomatik eingeteilt. Eine Therapie wird in der Regel ab einem Wert von größer 7 und bestehendem Leidensdruck begonnen.

Die Beschwerden, die im IPSS erfasst und dokumentiert werden, steigen mit zunehmendem Lebensalter kontinuierlich an. Die Größe der Prostata hat nur wenig Einfluss auf deren Ausmaß. Deshalb muss vor Beginn einer Therapie immer gründlich geprüft werden, ob eine eventuell vorliegende Vergrößerung der Prostata tatsächlich die Ursache des bestehenden Problems ist.

Untersuchung mini|Wesentlich für die Beurteilung der Größe einer Prostata ist die rektal-digitale Untersuchung. Da Beschwerden beim Wasserlassen und Blasenentleerungsstörungen viele Ursachen haben können, ist es die Aufgabe der Diagnostik zu klären, ob eine BPH ursächlich ist.