mini|240px|Johannes Gottfried Mayer im Kloster Bronnbach (August 2014).

Johannes Gottfried Mayer (* 19. November 1953 in Nürnberg; † 27. März 2019 in Würzburg) war ein deutscher Medizinhistoriker, Pharmaziehistoriker und Literaturwissenschaftler. Er wurde vor allem bekannt durch seine zahlreichen Medienauftritte und Veröffentlichungen zur Geschichte der Arzneipflanzen in Europa und zur Epoche der Klostermedizin.

Leben Johannes G. Mayer hatte fünf jüngere Geschwister, sein Vater war Lehrer für Geschichte und Latein. In Würzburg studierte Mayer Germanistik, Geschichte, Sozialkunde, Philosophie und wurde 1990 in Eichstätt über Die „Vulgata“-Fassung der Predigten Johannes Taulers in Germanistik und Geschichte promoviert. (PDF; 1,0 MB).

1981 bis 1984 war Johannes Mayer Mitglied der Würzburger Forschergruppe Fachprosa des Mittelalters, ab 1984 wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten in Würzburg und Eichstätt (Deutsche Forschungsgemeinschaft, Sonderforschungsbereich 226), wo er begann, sich mit Klostermedizin zu beschäftigen.

Für die zweite Auflage des Verfasserlexikons bearbeitete er, beginnend mit dem 8. Band (1992), die Abschnitte zum Ratsherren Ulrich Schwarz, zu seinem Dissertationsthema Johannes Tauler, zur Temperamentenlehre und zur TierkreiszeichenlehreVgl. Johannes Gottfried Mayer, Gundolf Keil: Tierkreiszeichenlehre (dt. und ndl. Texte). In: Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 9, 1995, Sp. 923–930. sowie zu den medizinischen Werken Zwölf Stücke von dem Harne, Anleitungen für einen Wundarzt und zum Leipziger Drogenkompendium.

Im Juni 1995 wurde er Koordinator der Wullstein-Forschungsstelle der Universität Würzburg für medizinische Fachprosa des Mittelalters und Ethik in der Medizin mit dem Forschungsschwerpunkt Geschichte der Arzneipflanzen. 1998 beteiligte er sich an der Erforschung der medizinischen Ausbildung im Mittelalter am King’s College der Universität Cambridge. Im selben Jahr schlug er Konrad Goehl die Herausgabe einer gemeinsamen Festschrift zum 65. Geburtstag von Gundolf Keil, dem Leiter des Würzburger Instituts für Geschichte der Medizin, vor, die dann zwei Jahre später erschien. Mit Goehl gab Mayer 2001 den Macer floridus von Odo Magdunensis, das allgemeine Standardwerk der mittelalterlichen Kräuterheilkunde, erstmals in einer neuhochdeutschen Fassung in Höhepunkte der Klostermedizin (später Kräuterbuch der Klostermedizin) heraus.Konrad Goehl: Nachruf auf Johannes Gottfried Mayer (19. November 1953 – 27. März 2019). In: Medizinhistorische Mitteilungen. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte und Fachprosaforschung. Band 36/37, 2017/2018 (2021), S. 317–319, hier: S. 317.

Seit 1999 arbeitete Mayer hauptsächlich für die Forschergruppe Klostermedizin, in deren Rahmen er auch Dissertationen aus den Fächern Medizin und Pharmazie betreute. Er war ein Gründungsmitglied des Studienkreises zur Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzen, eines Gremiums, das unter anderem die Arzneipflanze des Jahres wählt. Zusammen mit Franz-Christian Czygan verfasste er mehrere kulturhistorische Essays über Arzneipflanzen für die Zeitschrift für Phytotherapie.

Elisabeth Mayer (nicht mit ihm verwandt) drehte für die Reihe Lebenslinien eine Dokumentation über seinen Werdegang, die im März 2010 erstmals im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Mehrfach war er Studiogast bei Planet Wissen. 2013 war er in einer Sendung der Reihe Nachtlinie im Gespräch mit Andreas Bönte zu sehen.

Johannes Gottfried Mayer lebte in Würzburg und Bad Windsheim. In seiner Freizeit spielte er E-Bass in mehreren Musikprojekten, unter anderem in den Formationen J-Pack und SIXT’ES.Homepage von j-pack Er starb plötzlich und unerwartet im Alter von 65 Jahren.

Forschergruppe Klostermedizin mini|Johannes Gottfried Mayer mit Schwester Leandra Ulsamer in ihrem Garten im Kloster Oberzell (Juli 2014). Die Forschergruppe Klostermedizin entstand im Sommer 1999 aus einer Kooperation des Institutes für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg mit dem Arzneimittelhersteller Abtei. Ziel war es, mit finanzieller Hilfe der Pharmaindustrie mittelalterliche Schriften zu analysieren und daraus Erkenntnisse für die moderne Medizin zu erlangen.Wundsalbe aus Schafdung, Der Spiegel 38/2000 Man möchte dabei „als Vermittler zwischen Erfahrungsmedizin und heutiger Therapieanforderung […] entschieden der unreflektierten Übernahme des alten Wissens in vermeintlich alternative Heilverfahren entgegenwirken“.Die Forschergruppe Klostermedizin. klostermedizin.de Hierzu wurden über Jahre hinweg historische Aufzeichnungen zusammengetragen, übersetzt und erforscht (teils auch in Form von Dissertationen) und anschließend in eine Datenbank mit mittlerweile mehreren hundert Heilpflanzen übertragen. Nach der Übernahme von Abtei durch Omega Pharma (und wenig später Perrigo) und dem damit verbundenen Rückzug des Industriepartners wurde die Forschergruppe eigenständig fortgeführt. Anfangs als wissenschaftlicher Koordinator der Forschergruppe tätig, fungierte Mayer seit 2009 auch als ihr Geschäftsführer.

Im Rahmen seiner Tätigkeit für die Forschergruppe als Mitarbeiter und Leiter trat Mayer regelmäßig als Experte für Medizin- und Pharmaziegeschichte sowie Pflanzenheilkunde in den Medien auf (u. a. dpa, verschiedene Anstalten der ARD, insbesondere der Bayerische Rundfunk, aber auch das ZDF, Der Spiegel und die Main-Post). Mayer war maßgeblich am erfolgreichsten Buch der Forschergruppe beteiligt, dem Handbuch der Klosterheilkunde, das 2002 erschien und bis 2009 eine Gesamtauflage von 200.000 Exemplaren erreicht hatte. Nach Übersetzungen ins Ungarische,Kolostori gyógyászat in der Deutschen Nationalbibliothek PolnischeZioła ojców benedyktynów in der Deutschen Nationalbibliothek und TschechischeBylinky z klášterní lékárny in der Deutschen Nationalbibliothek folgte im Januar 2013 eine komplette Überarbeitung als Das große Buch der Klosterheilkunde.

Mayer unternahm zahlreiche Forschungsreisen (Iran, ArmenienForschungsreise Armenien, Welterbe Klostermedizin Usbekistan,Forschungsreise Uzbekistan, Welterbe Klostermedizin Marokko), die nachfolgend in Form von Büchern und Filmdokumentationen verarbeitet wurden. So startete er mit dem Koch Alfons Schuhbeck ein Buchprojekt, „das sich mit der Kulturgeschichte, der Kulinarik und insbesondere mit der medizinischen Heilkraft der Gewürze [der] heimischen sowie der internationalen Küche befasst“.Mehr als das Salz in der Suppe: Kulturgeschichte der Gewürze. BR online

Außerdem war Mayer ein deutschlandweit gefragter Dozent für medizinhistorische Vorträge und lehrte an der Universität Würzburg neben der Phytotherapie auch zur Medizinethik sowie Geschichte der Naturwissenschaften an der Universität Erlangen.Johannes Gottfried Mayer auf den Seiten der Uni Erlangen.

Fernsehen (Auswahl) Klostermedizin: Heilkräfte aus der Natur. (nano, 27. November 2000)Klostermedizin: Heilkräfte aus der Natur, 3sat Die Ärzte der Kalifen. (Terra X. ZDF 2003) Planet Wissen. (Sendungen vom 21. Januar 2005, 1. Februar 2011 und 25. Mai 2012)Klostermedizin – Heilkunst der Mönche, SWR/WDR sternTV (Sendung vom 26. Mai 2010)Medienberichte, Welterbe Klostermedizin Quarks & Co. (Sendung vom 16. November 2010)Rätsel „Eigenurin-Therapie“, WDR Die Deutschen. (Zweite Staffel, Folge Hildegard von Bingen und die Macht der Frauen. 2010)Hildegard von Bingen und die Macht der Frauen, ZDF Dunkle Zeiten – Weise Frauen. (Sat.1-Dokumentation als Begleitung zu Die Säulen der Erde. 2010) Mehr als das Salz in der Suppe: Kulturgeschichte der Gewürze. (Zwischen Spessart und Karwendel vom 23. Juli 2011, BR) Heilen wie im Mittelalter – Die Geheimnisse der Klostermedizin. (Faszination Wissen vom 11. Dezember 2011, BR) Klostermedizin wiederentdeckt. (Kirche in Bayern, 14. Juli 2013) Unterwegs mit Johannes Gottfried Mayer. (Nachtlinie vom 25. Februar 2013, BR) Terra X: Drogen – eine Weltgeschichte. (2018)

Schriften Bücher als Hrsg. mit Konrad Kunze und Bernhard Schnell: Überlieferungsgeschichtliche Editionen und Studien zur deutschen Literatur des Mittelalters. Festschrift Kurt Ruh. Tübingen 1989 (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 31). Die „Vulgata“-Fassung der Predigten Johannes Taulers. Von der handschriftlichen Überlieferung des 14. Jahrhunderts bis zu den ersten Drucken (= Texte und Wissen. Band 1). Königshausen & Neumann, Würzburg 1999, ISBN 3-8260-1661-0; zugleich Dissertation 1990. mit Gundolf Keil (Hrsg.) und Christian Naser (Redaktion) unter Mitarbeit von Christine Boot und Ortrun Riha: „ein teutsch puech machen“. Untersuchungen zur landessprachlichen Vermittlung medizinischen Wissens (= Ortolf-Studien. Band 1). Wiesbaden 1993 (= Wissensliteratur im Mittelalter. Band 11). als Hrsg. mit Gundolf Keil und Christian Naser: Texte und Wissen. 3 Bände. Königshausen & Neumann, Würzburg 1999–2000. als Hrsg. mit Detlef Weinich: Ethik und Evolutionstheorien (= Texte und Wissen. Band 4). Königshausen & Neumann, Würzburg 1999. als Hrsg. mit Konrad Goehl: Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil zum 65. Geburtstag. Königshausen & Neumann, Würzburg 2000, ISBN 3-8260-1851-6. mit Konrad Goehl: Höhepunkte der Klostermedizin: Der „Macer floridus“ und das Herbarium des Vitus Auslasser. Herausgegeben mit einer Einleitung und deutschen Übersetzung. Reprint-Verlag Leipzig, Holzminden 2001, ISBN 3-8262-1120-0 (mit Faksimile der Seiten 28 bis 123 von Choulants Ausgabe von 1832 und fünf ausführlichen Registern). als Hrsg. mit Konrad Goehl: Kräuterbuch der Klostermedizin: Der „Macer floridus“. Medizin des Mittelalters. Reprint-Verlag Leipzig, Holzminden 2003, ISBN 978-3-8262-1130-0 (Revidierte Fassung der deutschen Übersetzung). Klostermedizin: Die Kräutergärten in den ehemaligen Klosteranlagen von Lorsch und Seligenstadt. Verlag Schnell und Steiner, 2002, ISBN 3-7954-1429-6. mit Bernhard Uehleke und Kilian Saum: Handbuch der Klosterheilkunde. ZS-Verlag Zabert Sandmann, München 2002, ISBN 3-89883-226-0 (Jubiläumsausgabe 2008) mit Bernhard Uehleke und Kilian Saum: Fasten nach der Klosterheilkunde. ZS-Verlag Zabert Sandmann, München 2004, ISBN 3-89883-087-X. mit Bernhard Uehleke und Kilian Saum: Die kleine Klosterapotheke. ZS-Verlag Zabert Sandmann München 2005, ISBN 3-89883-118-3. mit Katharina Englert: Ton-Heilerde. Terra Armena. Die Wiederentdeckung eines alten Mittels zur inneren Reinigung. Heinrich Hugendubel Verlag, Kreuzlingen und München 2007, ISBN 978-3-7205-5010-9. Das geheime Heilwissen der Klosterfrauen. Rowohlt Taschenbuch Verlag (rororo), 2008, ISBN 978-3-499-62373-8. als Hrsg. mit Franz-Christian Czygan und Ulrike Bausewein: Würzburg – Herbipolis, Stadt der Gärten, der Pflanzen und des Weines. Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2139-7. mit Anselm Grün und Katharina Englert: Sieben Kräuter für die Seele: Wohlfühltees aus dem Kloster. Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2009, ISBN 978-3-89680-406-8. als Hrsg. mit Konrad Goehl und Katharina Englert: Die Pflanzen der Klostermedizin in Darstellung und Anwendung. Mit Pflanzenbildern des Benediktiners Vitus Auslasser (15. Jh.) aus dem Clm 5905 der Bayerischen Staatsbibliothek München (= DWV-Schriften zur Medizingeschichte. Band 5). Deutscher Wissenschafts-Verlag, Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-86888-007-6. mit Konrad Goehl: Gottfried von Franken: Das älteste Weinbuch Deutschlands. Deutscher Wissenschafts-Verlag, Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-86888-014-4. mit Alfons Schuhbeck und Jakob Strobel y Serra: Meine Reise in die Welt der Gewürze. ZS-Verlag Zabert Sandmann, München 2011, ISBN 978-3-89883-297-7. mit Bernhard Uehleke und Kilian Saum: Das große Buch der Klosterheilkunde. ZS-Verlag Zabert Sandmann, München 2013, ISBN 978-3-89883-343-1. mit Iris Eisenmann-Tappe: Klostermedizin bei Erkrankungen des Verdauungstrakts. Haug, Stuttgart 2021. ISBN 978-3-13-241641-3.

Ausgewählte Aufsätze