Feynmans verschollene Vorlesung: Die Bewegung der Planeten um die Sonne ist ein Buch, das auf einer Physik-Vorlesung von Richard Feynman basiert. Feynman hielt die Vorlesung am 13. März 1964 vor Erstsemestern am California Institute of Technology als Gastvorlesung. Die Notizen und Bilder der Vorlesung gingen für einige Jahre verloren und daher fand sie keinen Eingang in das dreibändige Werk Feynman-Vorlesungen über Physik. 1992 konnte die Archivarin Judith R. Goodstein eine Tonbandaufnahme und einige von Feynmans erläuternden Zeichnungen sicherstellen und damit zusammen mit ihrem Mann, dem Physiker David L. Goodstein, diese in Vergessenheit geratene Vorlesung rekonstruieren. Daraus ist das 1996 bei W. W. Norton & Company erschienene Buch Feynman’s Lost Lecture entstanden, das von Anita und Jürgen Ehlers ins Deutsche übersetzt wurde.

Inhalt Nach einem kurzen historischen Rückblick von Copernicus zu Newton und einigen biographischen Anmerkungen zu Richard Feynman wird Feynmans von Goodstein rekonstruierter und in allen Details ausgearbeiteter Beweis des Ellipsensatzes dargestellt, schließlich wird die Vorlesung selbst im Wortlaut wiedergegeben. In der amerikanischen Ausgabe liegt das vorhandene Tondokument auch als CD bei.

Es wird ausgeführt, wie Newton auf Basis des dritten keplerschen Gesetzes das richtige Abstandsgesetz zu seinem Gravitationsgesetz fand und dann umgekehrt auf Basis dieses Gravitationsgesetzes und seiner Mechanik die keplerschen Gesetze herleitete. Dabei ist der Ellipsensatz, nach dem sich die Planeten auf elliptischen Bahnen um die Sonne bewegen, der schwierigste Teil. Feynman erwähnte, dass auch Newton in den Philosophiae Naturalis Principia Mathematica einen rein geometrischen Beweis darlegte, dabei aber Argumente über Kegelschnitte verwendete, die ihm (Feynman) nicht geläufig seien. Er habe den Beweis daher auf eine eigene Weise zu Ende gebracht. Genau dieser Beweis steht im Mittelpunkt des Buches. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er elementar ist in dem Sinne, dass nur Mathematik der Sekundarstufe I verwendet wird. Dennoch wird der Beweis als nicht einfach bezeichnet.

mini|150px|links|Skizze zur beschriebenen Ellipsenkonstruktion rechts|Animation der Konstruktion Ausgehend von der Definition einer Ellipse als Menge aller Punkte, die von zwei vorgegebenen Punkten, den sogenannten Brennpunkten, eine konstante Abstandssumme haben (Gärtnerkonstruktion), wird hergeleitet, dass ein von einem Brennpunkt ausgehender Lichtstrahl von der Ellipsenlinie in den anderen Brennpunkt reflektiert wird. Daraus ergibt sich folgendes Konstruktionsverfahren einer Ellipse aus einem vorgegebenen Kreis: Neben dem Kreismittelpunkt wird ein weiterer Punkt aus dem Kreisinneren als Brennpunkt ausgezeichnet. Zu jedem Punkt der Kreislinie konstruiert man dann den Bildpunkt als Schnittpunkt aus der Strecke und der Mittelsenkrechten zur Strecke . Die Menge aller so konstruierten Bildpunkte ergibt eine Ellipse. Das ist dann später die entscheidende geometrische Tatsache in Feynmans Argumentation, die von einem Geschwindigkeitsdiagramm der Planetenbewegung auf die Ellipsenform der Bahn schließt. Feynman nennt als Quelle seiner Beweisidee eine Arbeit von Ugo Fano über die Rutherfordsche Streuformel, letztere wird im abschließenden Teil der Vorlesung ebenfalls ausgeführt.

Literatur David L. Goodstein, Judith R. Goodstein: Feynmans verschollene Vorlesung. Die Bewegung der Planeten um die Sonne, Piper Verlag GmbH (1998), ISBN 3-492-03922-7 David L. Goodstein, Judith R. Goodstein: Feynman's Lost Lecture. The Motion of Planets Around the Sun, W. W. Norton & Company (1996), ISBN 0-393-03918-8

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Sachliteratur (Physik) Kategorie:Richard Feynman