mini|hochkant|Johannes Bröcker in 2010 Johannes Bröcker (* 10. April 1950 in Kiel; † 19. Januar 2021 ebendaTraueranzeigen, in: Kieler Nachrichten vom 23. Januar 2021.) war ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler mit Schwerpunkt in der Regionalökonomie und leitete als Professor für Internationale und Regionale Wirtschaftsbeziehungen das Institut für Regionalforschung an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
Leben Bröcker wurde im April 1950 in Kiel geboren und studierte an den Universitäten Freiburg im Breisgau und Kiel Wirtschaftswissenschaften. Seine Eltern waren Walter Bröcker und Käte Bröcker-Oltmanns (* 20. September 1906; † 2. Januar 1999).
Nach seinem Diplom 1974 promovierte er 1983 erfolgreich zum Doktor mit der Auszeichnung Summa cum laude ebenfalls an der Universität Kiel. Seine Habilitation folgte 1992 in Kiel zum Thema Numerische multiregionale Gleichgewichtsanalyse.
1993 wurde er als Professor für Makroökonomie und Raumwirtschaft an die Fakultät Verkehrswissenschaften „Friedrich List“ der Technischen Universität Dresden berufen, folgte jedoch 2000 dem Ruf zurück an die Universität Kiel. 2015 ging er in den Ruhestand.
Johannes Bröcker war der Stammvater der Entwicklung von räumlichen berechenbaren allgemeinen Gleichgewichtsmodellen (SCGE) (Bröcker, 1995) und diese Arbeit spiegelte sein festes Fundament in der Standorttheorie wider, wo er auf die Arbeit von Lösch und Chamberlin zurückgriff. Er hat auch zur Entwicklung der Prognosemodelle für Warenströme in multiregionalen Ökonomien beigetragen (Bröcker, 1985). Später arbeitete er zur Integration von allgemeinen Gleichgewichts- und Transportsystemen (Bröcker und Mercenier, 2011). In einem seiner meistzitierten Artikel (Bröcker, 1998) entwickelte er sehr früh ein operationelles räumliches berechenbares Gleichgewichtsmodell, das auf dem Arrow-Debreu-Gleichgewicht unter vollkommener Konkurrenz aufbaut. Das Modell gilt als transparent und als sparsam (in Bezug auf die Anzahl der Gleichungen) und verdeutlichte die Kompetenz von Bröcker, theoretische Grundlagen und die empirische Implementierung effektiv zu verknüpfen. Dieses Modell und die nachfolgende Versionen wurden in einer Vielzahl von Anwendungen eingesetzt, um die Auswirkungen von EU-Erweiterung, Infrastrukturinvestitionen (insbesondere im Transportwesen), Verkehrs-, Handels- und Regionalpolitik zu bewerten.
Mitgliedschaften Verein für Socialpolitik, 1996–2000 Leiter des Ausschusses für Regionaltheorie und -politik Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) European Regional Science Association (ERSA) Gesellschaft für Regionalforschung August-Lösch-Gesellschaft, Vize-Präsident August-Lösch-Kommission der Stadt Heidenheim an der Brenz
Veröffentlichungen mit U. Blum, A. Karmann, Marco Lehmann-Waffenschmidt, F. L. Sell, D. Wellisch, H. Wiesmeth: Grundlagen der Volkswirtschaftslehre. Springer, Berlin u. a. 1999, ISBN 3-540-66297-9. Determinanten des regionalen Wachstums im sekundären und tertiären Sektor der Bundesrepublik Deutschland 1970 bis 1982 (= Schriften des Instituts für Regionalforschung der Universität Kiel. Bd. 10). VVF, München 1989, ISBN 3-88259-617-1. Interregionaler Handel und ökonomische Integration. Empirische Modelle für westeuropäische Länder und Regionen (= Schriften des Instituts für Regionalforschung der Universität Kiel. Bd. 6). V. Florentz, München 1984, ISBN 3-88259-295-8 (Zugleich: Kiel, Univ., Diss., 1983). mit Karin Peschel, Walter Reimers: Regionales Wachstum und ökonomische Integration. Eine empirische Modellstudie für Skandinavien und die Bundesrepublik Deutschland (= Schriften des Instituts für Regionalforschung der Universität Kiel. Bd. 5). V. Florentz, München 1983, ISBN 3-88259-233-8. mit Hayo Herrmann, Wolf-Dieter Schmidtke, Karin Peschel: Kommunikationskosten und internationaler Handel. Überlegungen zum Marktverhalten von Exporteuren und empirische Untersuchungen zur Erklärung der Außenhandelsverflechtung (= Schriften des Instituts für Regionalforschung der Universität Kiel. Bd. 4). V. Florentz, München, 1982, ISBN 3-88259-231-1. “Partial equilibrium theory of interregional trade and the gravity model,” Papers of the Regional Science Association 66, 1985, 7–18. “Chamberlinian spatial computable general equilibrium modelling: a theoretical framework,” Economic Systems Research, 7, 1995, 137–149. “Operational Spatial Computable General Equilibrium Modelling,” Annals of Regional Science, 32, 1998, 367–387. mit Jean Mercenier “General Equilibrium Models for Transportation Economics,” in André de Palma, Robin Lindsey, Emile Quinet, and Roger Vickerman (eds.) Handbook of Transport Economics Vol. 1, Cheltenham, Edward Elgar, 2011, pp. 21–45.
Weblinks Webseite J.Bröcker an der Universität Kiel Publikationsliste (Scopus): https://www.scopus.com/authid/detail.uri?authorId=6602137300
Einzelnachweise
Kategorie:Ökonom (20. Jahrhundert) Kategorie:Regionalwissenschaftler Kategorie:Hochschullehrer (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Dresden) Kategorie:Absolvent der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1950 Kategorie:Gestorben 2021 Kategorie:Mann