Der Igelstäubling oder Igelbovist (Lycoperdon echinatum) ist ein Pilz aus der Familie der Champignonverwandten (Agaricaceae).

Merkmale Die kugeligen bis umgekehrt birnenförmigen Fruchtkörper besitzen eine verjüngende Basis und werden bis 6 cm hoch sowie 4 cm im Durchmesser. Auf der bald dunkelbraunen Außenhülle (Exoperidie) befinden sich hell-gelbbraune, bis zu 5 mm lange und in Büscheln zu drei oder vier stehende, gekrümmte weiche Stacheln. Diese fallen später ab und hinterlassen auf der Oberfläche ein dunkelrotbraunes, netzförmiges Muster. Das Fruchtfleisch (Gleba) ist jung weiß, später bräunend, und wandelt sich schließlich in dunkelbraunen Sporenstaub um, der durch eine Öffnung am Scheitel abgegeben wird.

Die braunen Sporen sind kugelig, 4–5 µm breit, dicht mit stacheligen Warzen besetzt und weisen ein 1–2 µm langes Anhängsel (Sterigmenrest) auf. Das Geflecht (Capillitium) im Inneren der Fruchtkörper besteht aus bis zu 6 µm breiten Hyphen. Es ist rotbraun gefärbt, verzweigt, elastisch und besitzt kleine Poren.

Ökologie Der Igel-Stäubling kommt vor allem in Buchenwäldern auf basischen Böden vor, wobei er insbesondere in Haargersten- und Waldmeister-Buchenwäldern auftritt. Daneben wächst der Pilz in Tannen-Buchenwäldern und Eichen-Hainbuchen-Wäldern sowie in Fichtenforsten, wo er meist bei Buchen zu finden ist. Der Stäubling ist von der planaren bis in die Montane Höhenstufe anzutreffen. Die Fruchtkörper erscheinen vor allem von Juli bis Oktober.

Verbreitung Der Igel-Stäubling ist von Portugal in Westeuropa bis JapanKasuya T. (2004): Gasteromycetes of Chiba Prefecture, Central Honshu, Japan – I. The family Lycoperdaceae. Journal of the Natural History Museum and Institute Chiba 8 (1). S. 1–11. . in Ostasien, nach Norden bis Irland und Südschottland, Schweden, Finnland, Estland und SibirienKrieglsteiner et al.: Die Großpilze Baden-Württembergs. S. 143. sowie südwärts bis Italien und Bulgarien, zum Kaukasus, bis nach IranSaber M. (1991): New records of gasteromycetes for Iran. Iranian Journal of Plant Pathology 27 (1–4). S. 19–24. . und ChinaBi Z, Zheng G, Li T (1993): The Macrofungus Flora of China's Guangdong Province. Columbia University Press, New York, ISBN 962-201-556-5. S. 556. verbreitet. Darüber hinaus ist er in MittelamerikaCalonge FD, Mata M, Carranza J (2005): Contribución al catálogo de los Gasteromycetes (Basidiomycotina, Fungi) de Costa Rica. Anales del Jardín Botánico de Madrid 62 (1). S. 23–45. , . (PDF) und im östlichen ZentralafrikaDemoulin V, Dring DM (1975): Gasteromycetes of Kivu (Zaïre), Rwanda and Burundi. Bulletin du Jardin Botanique National de Belgique 45 (3/4). S. 339–372. . zu finden.

Artabgrenzung Der Igel-Stäubling ist durch seine bis zu 5 mm langen Stacheln unter den Stäublingen gut gekennzeichnet. Der Geschwänztsporige Stäubling (Lycoperdon pedicellatum) besitzt eine gewisse Ähnlichkeit, hat aber nur bis zu 2 mm lange Stacheln. Ähnliches gilt für Lycoperdon pulcherrinum, ein Stäubling, der in den Vereinigten Staaten zu finden ist.Miller HR, Miller OK: North American Mushrooms: A Field Guide to Edible and Inedible Fungi. Falcon Guide, Guilford, Connecticut 2006, ISBN 0-7627-3109-5. S. 454. Besonders lange Stacheln besitzt Lycoperdon compactum, eine in Neuseeland endemische Art. Sie unterscheidet sich durch kleinere Sporen sowie hyalines, septiertes Capillitium.Cunnigham GH: The Gasteromycetes of Australia and New Zealand. John McIndoe, Dunedin, New Zealand 1942. S. 148.

Bedeutung Der Pilz ist jung essbar, solange das Innere weiß gefärbt ist.

Literatur German Josef Krieglsteiner (Hrsg.), Andreas Gminder, Wulfard Winterhoff: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 2: Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3531-0.

Einzelnachweise

Weblinks

Kategorie:Champignonverwandte