Nils Nobach (eigentlich Kurt Nobach; * 31. Juli 1918 in Neustrelitz/Mecklenburg; † 28. Mai 1985 in Las Ledas/La Palma) war ein erfolgreicher deutscher Schlagerproduzent und -komponist der 1950er und 1960er Jahre und galt als Entdecker von Bibi Johns, Angèle Durand, Wolfgang Sauer, Fred Bertelmann und Conny Froboess. Als Schlagertexter trat Nobach auch unter dem Pseudonym Peter Ström und Lambert Fleming in Erscheinung.

Werdegang Die Biografie von Kurt Nobachs Witwe Maike Nobach-Bergen geht nur fragmentarisch auf seine berufliche Laufbahn und seine Erfolge ein.Maike Nobach-Bergen: Die himmlischen Zeiten des Nils Nobach: Erinnerungen an einen großen Musikproduzenten, 2002. Nobachs Großeltern führten in Neustrelitz eine Gärtnerei, in der er geboren wurde. Das einzige Kind von Martha Niekrenz und Paul Nobach († 1939) begann nach einer kaufmännischen Lehre im Jahr 1939 im Hamburger Schauspielhaus als Theaterschauspieler; er heiratete im selben Jahr die Tochter des Schauspiellehrers Carl Wüstenhagen, Sigrid Wüstenhagen;Maike Nobach-Bergen: Die himmlischen Zeiten des Nils Nobach: Erinnerungen an einen großen Musikproduzenten, 2002, S. 25. die Ehe war nur von sehr kurzer Dauer. 1942 wechselte er zum Theater nach Cottbus. Nach dem Krieg arbeitete er ab September 1945 zunächst als Radiomoderator beim NWDR in der auf seiner Idee beruhenden Sendung Was ist Swing?. Beim NWDR, wo er auch Livesendungen leitete, blieb er bis 1949.so leitete er zusammen mit Hans Freese am 19. Februar 1949 anlässlich der Aufnahme des Sendebetriebs in Oldenburg die Abendshow Bunter Abend – Wie wär’s mit Oldenburg! Unter Gerhard Mendelson arbeitete er kurzzeitig als Musikproduzent im Hamburger Studio des österreichischen Plattenlabels Austrophon.

Musikproduzent bei Telefunken miniatur|Label der Schellackplatte Addio Donna Grazia von Vico Torriani, 1951 1950 ging er als Aufnahmeleiter unter Herbert Grenzebach zu Telefunken (Teldec),Maike Nobach-Bergen: Die himmlischen Zeiten des Nils Nobach: Erinnerungen an einen großen Musikproduzenten, 2002, S. 73. wo er im Jahr 1951 mit Vico Torriani dessen erste Platte Ein Abend am Lido / Addio Donna Grazia (Decca #F43243) produzierte. Im März 1951 entdeckte er die belgische Sängerin Angèle Duranddie mit Duke Ellington 1950 auf Europatournee gehen durfte nach einem Auftritt in der Hamburger Er-und-Sie-Bar. Im Juli 1951 verschaffte er ihr einen Plattenvertrag bei Telefunken, die mit ihr am 1. August 1951 Wenn Mademoiselle Dich küßt, das auf dem französischen Chanson Sous le ciel de Paris basierte, und Kurt Weills September Song aufnahm. Bis März 1953 produzierte Nobach mit ihr über 10 weitere Titel.

Musikproduzent bei Electrola Im April 1953 wechselten beide zu Electrola, wo Nobach zum Produktionsleiter aufstieg. Faktisch war er dort auch A&R-Direktor, denn er entdeckte eine Vielzahl von Interpreten, die er für Electrola gewinnen konnte. Hier produzierte Nobach für Angèle Durand den ersten großen Hit mit So ist Paris (Electrola #8617; September 1956; Rang 2 der deutschen Hitparade), der deutschen Fassung von Paris Canaille.Titelmusik aus der gleichnamigen Film-Komödie, die am 28. März 1956 in Frankreich in die Kinos kam; Original von Léo Ferré, 1953 Durand brachte mit Nobach-Produktionen weitere Titel in die Hitparade, doch erst Hula Hoop war im November 1958 der zweitgrößte Erfolg mit einem Rang drei der deutschen Hitparade. Zuvor hatten Nobach und Durand am 18. August 1958 standesamtlich in Köln geheiratet. Bis November 1960 produzierte er sie noch, dann übernahm bis Oktober 1961 Hans Bertram die Aufsicht, im Oktober 1961 ließ sich Nobach scheiden.

Wolfgang Sauer miniatur|Label der Single Cindy, Oh Cindy von Wolfgang Sauer, 1957 Nobach entdeckte den blinden Wolfgang Sauer nach Rundfunkaufnahmen in Baden-Baden und Stuttgart. Dessen ersten Hit Eine Melodie geht um die Welt (EG 8033) produzierte er am 24. Januar 1954.das Stück basierte auf Limelight von Charlie Chaplin aus dem Jahr 1952 Sauers größter Hit war die Coverversion des 1952 entstandenen Titels Mütterlein,Original von Leila Negra, komponiert von Gerhard Winkler/Fred Rauch das als Glaube mir (EG 8055) am 5. März 1954 entstand und nach Veröffentlichung im Oktober 1955 über 500.000 Mal verkauft wurde.auch die zuvor am 24. Januar 1954 aufgenommene B-Seite Tränen in den Augen war eine deutschsprachige Coverversion von Crying in the Chapel. Sauers erster Hitparadenerfolg war das am 18. Januar 1957 entstandene Cindy, Oh Cindy (EG 8667) mit deutschem Text von Kurt Feltz, das für drei Wochen den ersten Rang belegte. Dabei wurde der Erfolg jedoch beeinträchtigt, weil die Konkurrenz bei Polydor eine Fassung von Margot Eskens nachschob, die nach Veröffentlichung im Februar 1957 mit zehn Wochen auf Rang eins zur zweit erfolgreichsten Single des Jahres 1957 avancierte. Am selben Aufnahmetermin entstand Warum strahlen heut‘ Nacht die Sterne so hell, das nach Veröffentlichung im März 1957 Rang zwei erreichte. Nobach produzierte mit Sauer auch dessen favorisierten Musikstil, den Jazz. So entstand am 28. April 1955 der Klassiker Basin Street Blues mit Sauers Blue Rhythm All Stars.Sauer am Piano, Carlo Bohländer (Trompete), Hans Büttermann (Trompete), Glen Buschmann (Klarinette), Gerd Hühns (Gitarre), Hans Hohagen (Bass) und Hans Podehl (Schlagzeug)

Bibi Johns Die schwedische Sängerin Bibi Johns erhielt im Dezember 1951 in den USA bei RCA einen Plattenvertrag und blieb dort bis Juni 1953. Als sie danach ihren Vater besucht, begegnet sie Nobach, der sie zu Probeaufnahmen mit nach Deutschland nimmt. Am 26. Oktober 1953 entstand mit Bibi Johns deren erste Aufnahme in Deutsch, Bella Bimba (komponiert von Kurt Feltz) / Ich habe solche Angst (27. Oktober 1953), das von Hans-Arno Simon und Peter StrömPeter Ström war das häufig bei Kompositionen verwendete Pseudonym von Nobach komponiert wurde (EG 8020), dann Little Rock / Bye Bye Baby (17. November 1953; EG 8022) und der erste große Hit Sehnsucht (2. November 1953) / Ich habe solche Angst (8019), der im November 1953 als erste der Aufnahmen auf den Markt kommt. Als 1956 die ersten deutschen Hitparaden veröffentlicht wurden, konnte Bibi Johns keine großen Erfolge mehr feiern.

Paul Kuhn miniatur|Label der Schellackplatte Der Mann am Klavier von Paul Kuhn, 1955 Bibi Johns sang auch in Begleitung von Paul Kuhn, einem Berliner Jazzer, der ebenfalls von Nobach entdeckt wurde. Am 22. September 1954 entstand Gilli Gilli Oxenpfeffer, Katzenellenbogen in Tirol / My Pretty Sugar mit Paul Kuhn unter Produktionsregie von Nobach. Als Solist nahm Kuhn seine erste Platte am 23. Februar 1954 mit Ach Walther, Walther, Walther / Ach hätt‘ ich das Gefühl doch mal (Columbia DW 5325) auf. Der mit leiernder Stimme vorgetragene Titel Der Mann am Klavier entstand Ende 1954 (EG 8639; Odeon O-28663), er verkaufte nach Veröffentlichung im August 1955 über 250.000 Exemplare und erreichte Rang 4 der Charts. Nils Nobach hatte den Jazzer Paul Kuhn überreden müssen, dieses Stimmungslied herauszubringen, weil er im Erfolgsfalle damit viel Geld verdienen könne. Paul Kuhn: „Ich wollte das nicht singen, habe mich dagegen gesträubt. Der Produzent Nils Nobach hat mich dazu überredet: ‚Überleg' doch mal, wie viel Geld Du als Schlagersänger verdienen kannst, wenn das Ding ankommt.‘ Ja, es stimmt. Ich hab’ die Platte für Geld aufgenommen“.Ich schlief im Gepäcknetz, Der Tagesspiegel vom 22. März 2008.

Fred Bertelmann Im Jahr 1955 hatte Nobach auch Fred Bertelmann für die Electrola entdeckt, jedoch überließ er Bertelmann dem Produzentenkollegen Hans Bertram, der mit ihm noch 1955 eine Serie von Hits produzierte. Nobach, der für Bertelmann insgesamt 13 Titel unter dem Pseudonym Peter Ström textete, produzierte lediglich einen Hit für Bertelmann mit Hitparadenformat, und zwar Ihr zartes Lächeln (17. Dezember 1958), das bis auf Rang sechs der Hitparade hochkam. Weitere 14 von Nobach produzierte Bertelmann-Titel kamen nicht in die Charts.

Conny Froboess mini|Conny Froboess – Diana Dem Teen-Idol Cornelia Froboess verpasste Nobach den Kosenamen „Conny“ und die von ihm geschriebene deutschsprachige Fassung (wiederum unter dem Pseudonym Peter Ström) des Welthits Diana, die als erste Single nach Veröffentlichung im Januar 1958 gleich bis auf Rang zwei der deutschen Charts vordringen konnte und die Schlagerkarriere des Kinderstars einleitete. Produzent Nobach hatte Conny mit ihrem Vater Gerhard Froboess Ende 1957 in einem Klub in Zürich kennengelernt und ihr zu einem Plattenvertrag bei Electrola verholfen. Auch die zweite Single stammte im Original von Paul Anka, nämlich I Love You Baby. Nachdem sie im April 1958 erschienen war, kletterte sie ebenfalls bis auf Rang zwei. Nobach übernimmt die Musikproduktion für den am 5. März 1959 uraufgeführten Kinofilm Hula-Hopp, Conny und weitere Musikproduktionen für Filme mit Conny Froboess, die sich erfolgreich auch in der Hitparade bis August 1962 halten kann.

Weitere Interpreten Eddie Constantine machte mit seinem Wiener Deutsch mit amerikanisch-russisch-französischem Akzent bereits 1953 erste Aufnahmen unter Nobach, doch das Label wollte Constantines Forderung nach einer garantierten Jahresgage von 40.000 DM nicht akzeptieren.Zucker für den Affen, Der Spiegel 44/1958 vom 29. Oktober 1958, S. 50 f. Für Constantine textete Nobach später Du bist mein liebster Gast 1957, als dieser bei Capitol sang.

Ralph Bendix hatte von einer Amerikareise den religiösen Titel In the Beginning von Frankie Laine aus Dezember 1954 mitgebracht und sie Nobach vorgespielt. Wolfgang Neukirchner (Adolf von Kleebsattel), hauptberuflicher Verwaltungsrichter,Der geistige Vater von Heino, Zeit Online vom 16. April 1993. verfasste unter dem Titel Es war im Anfang (EG 8650) eine deutschsprachige Coverversion. Trotz ablehnender Haltung der evangelischen Kirche zu einem Rezensionsexemplar war Nobach vom Musikstück überzeugt und ließ es im März 1957 veröffentlichen.Religiöse Schlager – Oh, Mensch, Der Spiegel 11/1957 vom 13. März 1957, S. 4 ff. Die nachfolgende partielle Radiozensur half – die Single kam nicht in die Charts.

mini|Label der Single Ich will ’nen Cowboy als Mann von Gitte, 1963 Nobach entdeckte 1958 Rex Gildo, vermittelte ihm einen Plattenvertrag mit Electrola und textete das Duett mit Vivi Bach Singen Swingen (August 1960). Rex Gildo wurde fortan jedoch abwechselnd von anderen Produzenten übernommen und wechselte 1966 zu Ariola. Gitte Hænning brachte 1963 den Superhit Ich will ’nen Cowboy als Mann heraus, den Nobach zusammen mit Rudi von der Dovenmühle schrieb,beide unter ihren Pseudonymen Rudi Lindt/Peter Ström produziert von Heinz Gietz. Damit belegte Gitte zunächst Rang eins der Deutschen Schlager-Festspiele am 15. Juni 1963, verkaufte nach Veröffentlichung im Juni 1963 bis zum Jahresende 500.000 Exemplare und 1.050.000 bis Juni 1965.Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 163 Der Titel mit dem ungewöhnlichen Schlagertext belegte für zehn Wochen die Topposition der Charts. Nobach verfasste eine trotzige Persiflage mit mahnenden elterlichen Gegenstimmen, die ihrer Tochter zu Männern mit soliden Berufen rieten.

Mit den Nilsen Brothers produzierte Nobach im November 1958 den amerikanischen Klassiker Tom Dooley, das nach Veröffentlichung im Dezember 1958 für sieben Wochen Rang eins der deutschen Charts belegte und 1,3 Millionen Mal verkauft wurde. Im Juli 1960 verfasste er für die Nilsen Brothers zusammen mit Angèle Durand den Titel Die Cowboys von der Silver Ranch. Den ehemaligen britischen Armee-Angehörigen Billy Sanders entdeckte Nobach im Düsseldorfer Tabaris-Club. Am 3. April 1958 entstand die erste Single mit dem Titel Party. Nobach nahm Sanders mit nach Ariola, wo am 15. November 1961 Hallo Mr. Twist entstand. Einziger produzierter Hit war der Stimmungstitel Gartenzwergmarsch vom Juni 1962 (Text: Hans Bradtke), der bis auf Rang 12 der Charts vordringen konnte.Rock&Roll-Forum über Billy Sanders

Musikproduzent bei Ariola