Hohen-Sülzen ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Alzey-Worms in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Monsheim an.
Geschichte Urgeschichte Die Gegend um Hohen-Sülzen war schon in der Bronzezeit besiedelt. In der Römerzeit gab es hier eine große Villa rustica. 1869 wurden in einer Tongrube zwei römische Sarkophage, ein Diatretglas, fünf andere kostbare Gläser und eine Dionysos-Flasche gefunden. Es handelte sich um einen der bedeutendsten deutschen Glasfunde aus spätrömischer Zeit. Außer der Flasche sind die anderen Hohen-Sülzer Gläser seit Ende des Zweiten Weltkrieges verschollen. Die noch vorhandene Dionysos-Flasche bildet heute das Hauptstück in der Sammlung römischer Gläser des Landesmuseums Mainz (Inventar-Nr. R 6111). Die Flasche ist 42 cm hoch und weist einen Figurenschliff auf. Das Bild wurde in plastisch wirkendem Tiefschliff eingeschnitten, wobei die plastische Wirkung der Figuren durch Gravierung der einzelnen Körperteile noch verstärkt ist. Die mehrfigurige Szene stammt aus dem Milieu des Weingottes Dionysos. Die Flasche wird aufgrund dieser Technik derselben Werkstatt zugeschrieben, die auch den Lynkeus-Becher im Römisch-Germanischen Museum angefertigt hat.
Mittelalter Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes, als „Sulzheim“, findet sich in einer Urkunde des Klosters Lorsch (Lorscher Codex) von 766. 1253 kam das Dorf als Exklave zur Grafschaft Falkenstein. Zunächst regierten diese die Herren von Bolanden, die 1418 von den Grafen von Virneburg beerbt wurden. Das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538).
Frühe Neuzeit Über verschiedene Eigentümer ging die Grafschaft Falkenstein und mit ihr das Dorf Hohen-Sülzen 1667 an den Herzog von Lothringen über. Durch die Heirat des Lothringer Herzogs Franz Stephan mit Maria Theresia von Habsburg, kam Hohen-Sülzen an Österreich und unterstand dem Oberamt Winnweiler des Reichsteils Vorderösterreich. Hohen-Sülzen wurde deshalb auch öfter als „kaiserliches Hohen-Sülzen“ bezeichnet und im historischen Rathaus befinden sich noch Doppeladler-Stühle und -Türbeschläge aus der österreichischen Epoche.
Hohen-Sülzen mit seinem Umland war ab Dezember 1792 zumeist französisch besetzt und wurde beim Friedensschluss von Campo Formio (1797), als Teil der Linken Rheinufers von Österreich an Frankreich abgetreten, wo es bis 1814 verblieb. In dieser Zeit gehörte es zum französischen Département du Mont-Tonnerre mit Regierungssitz in Mainz und war dem Kanton Pfeddersheim zugeordnet.
1814 bis 1816 bestand eine gemeinsame österreichisch-bayerische Verwaltung mit Sitz in Kreuznach, später in Worms. 1816 fiel es an das Großherzogtum Hessen, seit 1946 gehört es zum damals neu gebildeten Land Rheinland-Pfalz.
Politik mini|Historisches Rathaus Gemeinderat Der Gemeinderat in Hohen-Sülzen besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD Grüne FDP FWG WGT Gesamt 2024 – 1 – 5 6 12 Sitze 2024 – 1 – 6 5 12 Sitze 2019 4 1 – 7 – 12 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2014 3 1 – 8 – 12 Sitze 2009 4 – 1 7 – 12 Sitze 2004 4 – 1 7 – 12 Sitze 1999 4 – 1 7 – 12 Sitze 1994 5 – – 7 – 12 Sitze 1989 5 – – 6 – 11 Sitze
Ortsbürgermeister 1994–2004 Günther Maurer (FWG) 2004–2019 Kurt Görisch (FWG) seit 2019 Andreas Thon (SPD) Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde Andreas Thon mit einem Stimmenanteil von 53,98 % gewählt und bei der Wahl am 9. Juni 2024 mit 76,2 % für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt.
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Die evangelische Mauritiuskirche stammt im Kern vom Ende des 15. Jahrhunderts und wurde am Ende des 18. Jahrhunderts klassizistisch umgebaut. Die römisch-katholische St. Mauritiuskirche wurde 1953 geweiht.
Wirtschaft Hohen-Sülzen ist vom rheinhessischen Weinbau geprägt. In der Großlage Domblick des Bereichs Wonnegau befinden sich die Einzellagen Sonnenberg und Kirchenstück.
Verkehr Der Bahnhof mit der Bezeichnung HohensülzenZu der unterschiedlichen Schreibung von Bahnhofs- und Ortsnamen vgl.: hier. lag an der Pfälzischen Nordbahn und am nordwestlichen Siedlungsrand von Hohen-Sülzen. 1959 wurde er vom Bahnhof zum Haltepunkt herabgestuft.Bundesbahndirektion Mainz (Hg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 2. Oktober 1959, Nr. 45. Bekanntmachung Nr. 471, S. 211. Wegen der Anwendung der preußischen Rechtschreibregeln von 1910 in der Preußisch-Hessischen Eisenbahngemeinschaft, auch im damaligen Großherzogtum Hessen, wird der Name des Haltepunkts bis heute – im Gegensatz zu dem der Gemeinde – ohne Bindestrich geschrieben.
Literatur
Michael Huyer und Dieter Krienke: Kreis Alzey-Worms. Verbandsgemeinde Alzey-Land (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 20.1). Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2013, ISBN 978-3-88462-327-5, S. 111–117.
Siehe auch Liste der Kulturdenkmäler in Hohen-Sülzen Liste der Naturdenkmale in Hohen-Sülzen
Weblinks
Offizielle Homepage der Ortsgemeinde Hohen-Sülzen Verbandsgemeinde Monsheim aus der SWR Fernsehsendung Hierzuland aus der Landesschau Rheinland-Pfalz vom 18. Oktober 2007
Einzelnachweise
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