mini|hochkant=1.5|Logo Die Runter vom Gas ist eine Kampagne für die Verkehrssicherheit, die seit 2008 auf die gravierenden Folgen von überhöhter Geschwindigkeit im Straßenverkehr aufmerksam macht. Seit 2011 wurde der Fokus der Kampagne erweitert und umfasst nun auch andere wesentliche Unfallursachen wie Alkohol am Steuer, Ablenkung, gefährliches Überholen und unzureichenden Sicherheitsabstand sowie spezifische Risiken für schwächere Verkehrsteilnehmende wie für den Rad- oder Fußverkehr. Ziel der Kampagne des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) und des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) e. V. ist es, die Zahl der Unfallopfer in Deutschland weiter zu senken und das Bewusstsein für Gefahren im Straßenverkehr zu steigern.

Hintergrund Im Jahr 2024 starben in Deutschland 2.770 Menschen bei Straßenverkehrsunfällen, rund 365.000 Personen wurden verletzt. Gegenüber 2023 bedeutet dies einen Rückgang der Todesopfer um 2,4 % und der Verletzten um 0,4 %. Etwa 30 % der Getöteten sind auf Geschwindigkeitsunfälle zurückzuführen. 65 % der Verletzten wurden bei Unfällen innerhalb von Ortschaften verletzt, die meisten Verkehrstoten sind bei Verkehrsunfällen auf Landstraßen ums Leben gekommen.

Außerorts (ohne Autobahnen) starben 2023 insgesamt 1.571 Menschen, auf Autobahnen 284 und in geschlossenen Ortschaften wurden 915 Personen bei Verkehrsunfällen getötet. 62 % der innerorts Getöteten waren ungeschützte Verkehrsteilnehmende, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs waren. Etwa 40 % der Verkehrstoten war zum Unfallzeitpunkt 65 Jahre oder älter. Im Jahr 2024 starben die meisten Seniorinnen und Senioren im Straßenverkehr als Pkw-Insassen (434), mit dem Pedelec (135) sowie mit dem Fahrrad (150). Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Kinder (unter 15 Jahren) ist von 44 in 2023 auf 53 in 2024 gestiegen.

„Runter vom Gas“ soll einen Beitrag dazu leisten, die Anzahl der Verkehrstoten und Verletzten weiter zu senken, indem die Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer für die Gefahren im Straßenverkehr sensibilisiert werden. Die Kampagne ist Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets im Rahmen des Verkehrssicherheitsprogramms, das der Beitrag des Bundes zur Umsetzung des „Pakts für Verkehrssicherheit“ ist. Zu diesem Maßnahmenpaket zählen unter anderem Verbesserungen der Fahrzeugsicherheit, der Infrastruktur sowie der Verkehrsüberwachung.

Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, das im nationalen Verkehrssicherheitsprogramm 2021 festgelegte Ziel zu erreichen: die Zahl der Verkehrstoten bis 2030 um 40 % zu senken. Darüber hinaus unterstützt die Kampagne Multiplikatoren wie Verkehrswachten, Polizeien, Präventionsbeauftragte in Unternehmen oder Vereine bei ihrer Aufklärungs- und Präventionsarbeit.

Initiatoren Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) e. V. haben die Verkehrssicherheitskampagne „Runter vom Gas“ im Jahr 2008 initiiert. Zahlreiche Partner sowie über 200 DVR-Mitglieder unterstützen die Kampagne und tragen zur breiten Bekanntmachung der Botschaften bei.

Schwerpunktthemen Die Mehrheit der Verkehrsunfälle ist auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen (92 %). Fahren mit überhöhter oder unangepasster Geschwindigkeit ist die häufigste Ursache für tödliche Verkehrsunfälle. Die Kampagne „Runter vom Gas“ zielt darauf ab, Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer für die Gefahren menschlichen Fehlverhaltens im Straßenverkehr zu sensibilisieren. Seit 2011 rückt die Kampagne daher neben unangepasster Geschwindigkeit weitere zentrale Unfallursachen in den Fokus. Dazu zählen Ablenkung, Alkohol und Drogen am Steuer, gefährliches Überholen, unzureichender Sicherheitsabstand sowie innerstädtische Unfallursachen wie Abbiegefehler. Darüber hinaus sensibilisiert die Kampagne für die Anschnallpflicht in Fahrzeugen, die Nutzung von Fahrradhelmen und das Tragen gut sichtbarer Kleidung, insbesondere während der dunklen Jahreszeit.

Kooperationen und Zusammenarbeit Die Kampagne arbeitet mit Partnern wie der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), Automobilclubs, Automobilherstellern, Fahrschulen, Technischen Überwachungsorganisationen und Verkehrswachten zusammen. Regelmäßig werden auch Verkehrsexpertinnen und -experten, Fachleute, die bei der Seelsorge tätig sind, die Polizei, Feuerwehr, beim Rettungsdienst oder im medizinischen Bereich arbeiten eingebunden. Für Reportagen standen auch Unfallopfer und Angehörige von Unfallopfern zur Verfügung. Auch Prominente unterstützen die Kampagne. 2016 und 2017 zählten dazu Kay One, Barbara Schöneberger, Julian Draxler, Mario Gómez, Raúl Richter, Hans-Joachim Heist und Jimmy Hartwig. Zudem kooperiert die Kampagne mit den Verkehrs- und Innenministerien der Bundesländer. So finden bundesweit zahlreiche Veranstaltungen und Präventionstage sowie Polizeikontrollen mit Aktionen und Materialien der Kampagne statt.

Maßnahmen Autobahnplakate mini|alternativtext=Textbanner an einer Brücke über einer Autobahn mit der Aufschrift „Runter vom Gas!“|Brückenbanner an der Bundesautobahn 2 bei Beckum Im Rahmen der Kampagne werden seit 2008 jährlich Plakate für die Autobahnen entwickelt. In Abstimmung mit dem Bundesministerium für Verkehr (BMV), der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sowie den Bundesländern ist der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) für die bundesweite Verkehrsaufklärung an den Bundesautobahnen und Rastplätzen verantwortlich. In mehreren Bundesländern sind die Plakate auch an Landstraßen zu sehen. Die Plakate sollen Verkehrsteilnehmer für das Thema Verkehrssicherheit und auch für konkrete Unfallursachen sensibilisieren. Vor der Veröffentlichung jeder Plakatreihe erfolgt ein Pretest. So soll sichergestellt werden, dass die Motive gut verständlich und wirkungsvoll sind.

Plakatserie „Todesanzeigen“ (2008) Die erste Plakatreihe erregte durch polarisierende Todesanzeigen mit Fotos große Aufmerksamkeit. Die Porträtfotos zeigten keine realen Unfallopfer. Die Plakate, die im März 2008 der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, führten zu Diskussionen in den Medien. Der SHZ-Verlag fragte: „Sinnvolle Provokation oder emotionale Keule?“. Die Rheinische Post schrieb von einer „Schock-Kampagne gegen Raser“. Die Süddeutsche Zeitung nannte die Kampagne einen „offensichtlichen Erfolg“ und schrieb, dass die Anzahl der Verkehrstoten 2008 auf 4.500 gesunken sei, nachdem sie vor Beginn der Kampagne noch bei 5000 gelegen habe.

Plakatserie „Unfallwracks“ (2009) Die zweite Plakatstaffel, die im Januar 2009 erschien, zeigte Unfallwracks von Autos und Motorrädern. Die zerstörten Fahrzeuge, die abgebildet wurden, standen im starken Kontrast zu lebensbejahenden Symbolen wie Fahrzeugaufkleber mit „ABI“ und „Baby an Bord“ oder einem Luftballon mit der Aufschrift „Just Married!“.

Plakatserie „Hinterbliebene“ (2010) Die dritte Plakatreihe stellte die Schicksale von Hinterbliebenen von Unfallopfern in den Mittelpunkt. Die Bilder zeigten Angehörige, die Fotos der Verstorbenen hielten und eindringlich für die Botschaft „Runter vom Gas“ plädierten. Auch in dieser Serie wurden keine echten Unfallopfer gezeigt.

Plakatserie „Unfallopfer“ (2011) Die vierte Plakatserie lenkte die Aufmerksamkeit auf die Schicksale von Schwerstverletzten und deren Angehörigen. Gezeigt wurden Unfallopfer und Familien am Krankenbett. Auch hier wurden die Szenen realitätsnah nachgestellt, jedoch nicht mit tatsächlichen Betroffenen.

Plakatserie „Haftnotizen“ (2011/12) Die fünfte und sechste Plakatserie nutzte Haftnotizen oder Zettel, um die Botschaften der Kampagne zu vermitteln. Zu sehen waren unter anderem Mitteilungen, die auf sicheres Verhalten im Straßenverkehr hinwiesen: „Anschnallen nicht vergessen“, „Lass dich nicht ablenken“ und „Fahr vorsichtig, Schatz“.

Plakatserie „Lebensretter“ (2013) In der siebten Plakatserie wurden authentische Menschen gezeigt, die in ihrem Beruf regelmäßig mit Verkehrsunfällen zu tun haben – vom Rettungshelfer über den Feuerwehrmann bis zur Ärztin. Ihre Appelle lauteten: „Lass die Finger vom Handy!“, „Fahr immer nüchtern!“ und „Schnall dich immer an!“.

Plakatserie „Scheinbar schöne Welt“ (2014) Die Bilder der achten Plakatserie machten deutlich, wie schnell schöne Momente durch Ablenkung oder unangepasste Geschwindigkeit ein tragisches Ende finden können. Die Motive zeigten glückliche junge Freundinnen, ein Paar oder eine junge Familie im Auto, kombiniert mit Aussagen wie „Einer drängelt, drei sterben“.

Plakatserie „Für die Liebsten“ (2015) Diese Plakatserie bildete persönliche Gegenstände ab, die Fahrerinnen und Fahrer an die Menschen erinnern sollten, die zu Hause auf sie warten – und für die sie verantwortungsvoll fahren sollten. Zu sehen waren unter anderem ein Fußball mit Torwarthandschuhen für den Sohn, ein Ballettschuh für die Tochter oder ein Ring für die Partnerin.

Plakatserie „Weil Leben schön ist“ (2016) Die zehnte Plakatreihe zeigte Momente des Glücks: Freunde am Strand, ein Paar an einem Bergsee und ein lachendes Baby. Die Motive sollten verdeutlichen, warum das Leben wertvoll ist und wie es durch unangepasste Geschwindigkeit gefährdet werden kann. Zum ersten Mal wurden die Plakate in einen digitalen Kontext gesetzt und von zahlreichen Onlinemaßnahmen begleitet. Nutzerinnen und Nutzer hatten die Möglichkeit, eigene Bilder schöner Momente einzusenden und an einem Fotowettbewerb teilzunehmen.

Plakatserie „Betroffene“ (2017) Die elfte Plakatreihe thematisierte die Trauer von Angehörigen, die eine nahestehende Person bei einem Unfall verloren haben. Entsprechend enthielten die Motive eingängige und klare Aufforderungen: „Finger vom Handy!“, „Runter vom Gas!“ und „Abstand halten!“. Auch für diese Plakatstaffel wurden aus juristischen Gründen sowie aus Gründen der Pietät keine realen Unfallangehörigen fotografiert. In parallel veröffentlichten Multimedia-Reportagen schilderten tatsächliche Hinterbliebene von Unfallopfern persönliche Erfahrungen. Für die Kampagne wurde anhand von Befragungen und Studien die Zahl derjenigen ermittelt, die unmittelbar von einem Unfalltod betroffen sind: durchschnittlich 113 Personen – darunter Familie, Freunde, enge Bekannte und Rettungskräfte.

Plakatserie „Ablenkung durch Smartphones“ (2018) mini|alternativtext=Großes Plakat im Grünstreifen neben einer Autobahn mit einem beschädigten Smartphone und dem Text „tipp tipp tot“ auf weißem Hintergrund|Plakat an der Bundesautobahn 7 bei Burgwedel Die Motive der zwölften Plakatserie zeigten zerstörte Smartphones. Auf den Displays waren glückliche Personen zu sehen. Die begleitenden Beschreibungen „tipp, tipp, tot“, „Jens (26), abgelenkt durch eine SMS“ und „Marie (38), abgelenkt durch eine SMS“ hoben die Gefahr durch Ablenkung im Straßenverkehr hervor.

Plakatserie „Weil der/die andere … “ (2019) Die dreizehnte Plakatreihe erinnerte mit drei Motiven an die schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen und die daran geknüpften menschlichen Schicksale, die Verkehrsunfälle mit sich bringen können. Sie appellierte an die Verantwortung aller Verkehrsteilnehmenden, um solche tragischen Konsequenzen zu vermeiden.

Plakatserie „Pop Art“ (2020) Die vierzehnte Plakatserie, gestaltet im Pop-Art-Stil der 1950er-Jahre, warb für eine sichere und rücksichtsvolle Teilnahme am Straßenverkehr. Die Motive zeigten zwei Verkehrsszenarien, in denen animierte Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer durch Ablenkung vom Smartphone oder Missachtung des Mindestabstands in gefährliche Situationen gerieten.

Plakatserie „Einsatzkräfte schützen“ (2022) Die fünfzehnte Plakatreihe fokussierte sich auf den Schutz von Einsatzkräften wie Straßenwärterinnen und Straßenwärtern, Rettungskräften sowie der Autobahnpolizei. Die Plakate riefen zu umsichtigem Fahrverhalten auf, besonders beim Passieren von Baustellen, bei Notfällen und bei Unfällen auf der Autobahn.

Plakatserie „#mehrAchtung“ (2023)