Der Boulevard Haussmann [] ist ein 2530 Meter langer Boulevard in Paris, der durch das 8. und 9. Arrondissement zwischen der Kreuzung des Boulevard des Italiens / Boulevard Montmartre und der Kreuzung Rue de Monceau / Rue du Faubourg Saint-Honoré verläuft. Seine nordwestliche Verlängerung ist die Avenue de Friedland.

mini|hochkant|Boulevard Haussmann 132 – Monument des Baron Georges-Eugène Haussmann (Oktober 2012)

Lage Diese Straße beginnt im Bereich des Hauptsitzes großer Banken, verläuft vorbei an Kaufhäusern, die oft mit seinem Namen verbunden werden, und durchquert schließlich Gebiete mit Büros der gehobenen Kategorie. Der Boulevard wurde von Arbeitern gebaut, die zum größten Teil Maurer aus dem Département Creuse waren.

Der Boulevard Hausmann wird über folgende Metrostationen erreicht: Richelieu – Drouot 15px 15px 15px Chaussée d’Antin – La Fayette 15px 15px Havre – Caumartin 15px 15px

Namensursprung mini|hochkant|links|Baron Haussmann (1860) Der Boulevard ist nach Georges-Eugène Haussmann benannt, der Paris Mitte des 19. Jahrhunderts ein modernes Stadtbild gab, das bis heute erhalten ist. Baron Haussmann (1809–1891) war französischer Verwaltungsbeamter und Politiker, der als Präfekt vom Département Seine die Umwandlung von Paris während des Zweiten Kaiserreichs leitete.

Geschichte Im Gegensatz zu den Grands Boulevards ist der 30 Meter bis 33,60 Meter breite Boulevard Haussmann nicht auf einem Teil der ehemaligen Pariser Stadtmauern errichtet, sondern sollte zu einer weiteren Schnellverbindung werden. Durch seine zahlreichen Ausfallstraßen veränderte Haussmann das mittelalterliche Straßenlabyrinth in eine überschaubare und im militärischen Ernstfall rasch zu dominierende Stadtlandschaft.Andreas Hofer: Karl Brunner und der europäische Städtebau in Lateinamerika. 2010, S. 55. Haussmann, der mütterlicherseits einer angesehenen pfälzischen evangelisch-lutherischen Pfarrersfamilie entstammte, hatte sein Amt als Präfekt und Pariser Stadtplaner erst seit dem 23. Juni 1853 inne und begann mit den Bauarbeiten für den Boulevard am 17. Oktober 1857. Dabei schreckten er und sein leitender Bauingenieur Eugène Belgrand auch vor zahlreichen Häuserabrissen nicht zurück. Er trieb den Boulevard Häuserblock für Häuserblock in 6 Bauabschnitten voran, um letztlich eine Verbindung zum Boulevard Montmartre herzustellen. Neue Bauwerke mussten sich an dem geplanten Straßenverlauf ausrichten. Am 2. März 1864 erhielt der Boulevard seinen heutigen Straßennamen. Als hier das Kaufhaus Printemps am 11. Mai 1865 in Nummer 64 einzog, war an dieser Stelle der Boulevard fertig. Nachdem Haussmanns Amtszeit am 5. Januar 1870 endete, begannen erst die Bauarbeiten am letzten Teilstück des Boulevards, das diesen nun mit dem Boulevard Montmartre verbindet. Die Nummerierung der Häuser besteht erst seit dem 23. Dezember 1880. Weitere bauliche Veränderungen gab es bis 12. Januar 1922, als der Boulevard noch bis zur rue Taitbout verlief. Erst nach 70-jähriger, unterbrochener Bauzeit wurde der Boulevard im Dezember 1926 komplett fertig gestellt. Am 15. Januar 1927 ist das 1870 begonnene letzte Teilstück des Boulevard Haussmann, das diesen nun mit dem Boulevard Montmartre verbindet, für den Verkehr eröffnet worden.August Waldner, in: Schweizerische Bauzeitung. Band 89, 1927, S. 63. Hierfür mussten an der Nordseite des Boulevard des Italiens 14 Gebäude abgerissen werden. Die Fertigstellung des Boulevards erlebte Haussmann nicht mehr, da er am 11. Januar 1891 verstarb.

Sehenswürdigkeiten Seit 2005 hat die französische Tageszeitung Le Figaro hier ihren Sitz. Das Kaufhaus Galeries Lafayette lag ursprünglich nicht direkt am Boulevard, sondern erst Erweiterungsbauten drangen 1906 bis an Nummer 40 vor. Die Eröffnung des in armierter Betonskelettbauweise errichteten zweiten großen Kaufhauses Lafayette mit der 73 Meter hohen Glaskuppel fand am 8. Oktober 1912 statt. Der Essayist Marcel Proust lebte zwischen 1906 und 1919 in Nummer 102. In Höhe der Nummer 132 steht die Statue von Haussmann, Nummer 158 beherbergt in einem ehemaligen Hôtel particulier das Musée Jacquemart-André. Das Museum zeigt eine bedeutende Kunstsammlung, die von alt-italienischen Meisterwerken bis zu französischen Arbeiten des 19. Jahrhunderts reicht. Der Boulevard hat sich mit seinen zahlreichen exquisiten Läden und Boutiquen zu einer berühmten Pariser Einkaufsstraße entwickelt.

Nr. 12: Hôtel Commodore:L’hôtel Commodore se veut «intelligent» Hier war der erste Sitz des Einsatzstabs Reichsleiter Rosenberg während der Deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg.Bernard Génies und Jean-Gabriel Fredet, «Le casse de Hitler. À la recherche des chefs-d’œuvre volés aux Juifs», Le Nouvel Observateur Nr. 2575, 13. März 2014, S. 64–77. Nr. 14: Sitz der Groupe Figaro, Eigentümer der Tageszeitung Le Figaro. mini|17 Boulevard Haussmann, Verwaltungssitz von Danone Nr. 17: Sitz der Gesellschaft Danone, ehemals Sitz der Banque Transatlantique Nr. 31: Wohnsitz von Gustave Caillebotte und Martial Caillebotte nach dem Tod ihrer Mutter 1878 bis 1887 (nach der Heirat von Martial). Mehrere Bilder von Gustave Caillebotte entstehen als Sicht vom Balkon der Wohnung. Nr. 40: Galeries Lafayette Nr. 64: Printemps Haussmann; (Printemps (Warenhäuser)) mini|Tafel am Haus Nr. 102 Nr. 102: Marcel Proust (1871–1922) bezog in diesem Gebäude nach dem Tod seiner Eltern am 27. Dezember 1906 eine große Sechs-Zimmer-Wohnung im zweiten Stock zwischen Straße und Hof, wo er den Triumph des schlechten bürgerlichen GeschmacksZitiert nach Henri Raczymow, Le Paris retrouvé de Marcel Proust, Paris, Parigramme, 2005, S. 70. Er schreibt an Mme Catusse, eine alte Freundin seiner Mutter: «Ce n’est même pas démodé dans le sens charmant du mot.» sah. Er lebte dort bis 1919 und schrieb Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Nr. 132, Ecke Rue de Laborde: Denkmal Baron Haussmann von François Cogné Nr. 158: Musée Jacquemart-André

Die großen Banken mini|Sitz der Société Générale, Haus Nr. 29 Société Générale (Haus Nr. 29). Crédit du Nord (Haus Nr. 59). Trade Republic (Haus Nr. 75). Swiss Life (Haus Nr. 86). Royal Bank of Scotland (Haus Nr. 94). Lazard (Haus Nr. 119–121).

Chanson «Ça s’passe boul’vard Haussmann à cinq heures» beginnt ein Lied von 1988 von Alain Souchon (Verfasser und Interpret) und Laurent Voulzy (Komponist).

Film Große Teile des Films Fahrstuhl zum Schafott (1958) von Louis Malle spielen am Boulevard Haussmann in der Nähe der Rue de Courcelles.

Berühmte Bewohner Louis Bernier (1845–1919), Architekt, Mitglied der Académie des Beaux-Arts, Nr. 144, 1910 Henri Bernstein (1876–1953), Dramaturg, Nr. 157, 1910 Gustave Caillebotte (1848–1894), Maler, Sammler und Mäzen, Nr. 31 Jules Claretie (1840–1913), Literat, Intendant der Comédie-Française, Nr. 155, 1910 Jules Delafosse (1841–1916), Literat, Nr. 155, 1910 Suzanne Devoyod (1866–1954), Schauspielerin an der Comédie-Française, Nr. 130, 1910 Maxime Du Camp (1822–1894), Schriftsteller und Fotograf, Nr. 82, 1910 Cesare Galeotti (1872–1929), Komponist, Nr. 67, 1910 Edmond de Grimberghe (1865–1920), Kunstmaler, Nr. 61, 1910 André Messager (1853–1929), Komponist, Direktor der Opéra de Paris, Mitglied der Académie des Beaux-Arts Pierre d’Orléans (1845–1919), Duc de Penthièvre, Nr. 112, 1910 Marcel Proust (1871–1922), Schriftsteller, Nr. 102, 1907–1919

Siehe auch Grands Boulevards

Weblinks

Einzelnachweise

Haussmann Haussmann Kategorie:Straße in Europa