Spiderland ist das zweite Studioalbum der US-amerikanischen Rockband Slint. Es erschien am 27. März 1991 auf Touch and Go Records. Es beinhaltet viele dynamische Wechsel sowie Gesang, welcher von Spoken Word bis hin zum Shouting rangiert. Die Songtexte handeln narrativ über Distanz und Entfremdung. Spiderland war die erste Veröffentlichung von Slint auf Touch and Go, doch auch das letzte Album der Band.
Obwohl Spiderland bei der eigentlichen Veröffentlichung 1991 nicht groß beachtet wurde, wurden dennoch mehr als 50.000 Exemplare verkauft und es wurde zu einem Fixpunkt in der Underground-Musik, nachdem Slint sich auflösten. Das Album gilt als großer Einfluss für viele Bands in den Genres Math-Rock und Post-Rock. Bands wie Mogwai oder Godspeed You! Black Emperor bezogen sich auf dieses Album. Es gilt weiterhin als Favorit für zahlreiche Indie-Rock-Musiker.
2007 traten Slint erneut live auf, um Songs von Spiderland zu spielen.
Entstehungsgeschichte mini|Slint spielen von Spiderland auf dem Pitchfork Music Festival 2007
Slint gründeten sich 1987 in Louisville (Kentucky), bestehend aus den Mitgliedern der älteren Punkrock-Band Squirrel Bait. Die ursprünglichen Mitglieder waren Brian McMahan (Gitarre und Gesang), David Pajo (Gitarre), Britt Walford (Schlagzeug, Gesang) sowie Ethan Buckler (Bassgitarre). Das Debütalbum der Band, Tweez, welches von Steve Albini produziert wurde, wurde auf dem selbst betriebenen Label Jennifer Hartman Records and Tapes veröffentlicht."Slint". Touch and Go Records. Abgerufen am 14. November 2010. Der Klang von Tweez wurde als Kombination von „kratzigen Gitarren, pumpenden Bassspuren und hartem, festem Schlagzeug“ beschriebenJackson, Chris. "Slint – Tweez Review". Sputnikmusic, 16. April 2004. Abgerufen am 14. November 2010.. Bucker verließ die Band recht schnell danach auf Grund der Unzufriedenheit mit der Produktionsweise von Albini. Er wurde durch Todd Brushear ersetzt. Die zweite Veröffentlichung der Band war die instrumentelle EP Slint, welche eine neue Version des Songs Rhoda vom Tweez-Album beinhaltete. Die EP, welche erst 1994 veröffentlicht wurde, gilt als Weggang vom Tweez-Stil hin zur neuen Ausrichtung der Band."". Southern Records. Abgerufen am 14. November 2010.
Nachdem die Band die kurze Promotour für Tweez beendet hatte, gingen die meisten Mitglieder aufs College. Um diese Zeit begannen McMahan und Walford, gemeinsam neue Lieder zu schreiben. Sie schrieben sechs neue Lieder, welche die Band im Sommer 1990 übte. Slint gingen in das Studio von River North Records im August 1990, um Spiderland aufzunehmen. Zu dieser Zeit gab es keinen Gesang oder Songtexte für das Album, also wurden sie während der Aufnahmezeit im Studio geschrieben. Der Produzent des Albums, Brian Paulson, war bekannt für seine „Live“-Aufnahmetechnik mit betont wenigen Aufnahmetakes.Parker, Chris. "". Independent Weekly, 9. Februar 2004. Abgerufen am 14. November 2010. Paulson erinnerte sich:
Die Aufnahmesessions für Spiderland waren schwierig für die Bandmitglieder und waren laut allmusic „intensiv, traumatisch und noch ein weiteres Beweisstück für die Theorie, dass Bandmitglieder kurzzeitig während der Aufnahmen eingewiesen werden mussten.“allmusic, 2005. Es gibt durchaus Gerüchte, dass zumindest ein Slint-Mitglied in eine psychiatrische Klinik eingecheckt wurde. Walford bezog sich später auf diese Geschichten im Magazin Select, indem er sagte: „[Wir haben] wirklich versucht, ernsthaft mit diesen Dingen umzugehen, richtig intensiv, was das Aufnehmen ganz schön stressig machte.“ Die Aufnahmen wurden in vier Tagen abgeschlossen.
Musik und Stil Die Musik auf Spiderland beinhaltet kantige Gitarrenrhythmen, dramatisch sich ändernde Dynamikwechsel sowie irreguläre Taktbezeichnungen. McMahans Gesangsstil wechselt zwischen gemurmeltem Spoken Word und angespanntem Shouting. Die Texte auf Spiderland sind oft in einer erzählenden Struktur geschrieben. Will Hermes von Spin fasste den Klang des Albums als „die Mittel-70er King Crimson, die emo geworden sind: kreischende Gitarrenakkorde und herrliches Notendrehen in seltsamen Instrumentals, besprenkelt mit Wörtern, die sowohl gesprochen wie gesungen sind“.Hermes, Will. "Slint – Spiderland". Spin. Juli 2005. Piero Scaruffi zog Vergleiche vom Spiderland-Klang hinzu zu Blues und Acid Rock sowie der Slowcore-Band Codeine.Scaruffi, Piero. "The History of Rock Music. Slint: biography, discography, reviews, links". Abgerufen am 14. November 2010.
Breadcrumb Trail Der Albumeröffner, Breadcrumb Trail, beschreibt einen Tag auf einem Jahrmarkt, den der Ich-Erzähler mit einer Hellseherin verbringt.Maginnis, Tom. "Breadcrumb Trail: Review". Allmusic. Abgerufen am 11. November 2007. Der Song beinhaltet komplexe Arrangements mit scharfen Übergängen. Die Gitarre maändert zwischen einem klar klingenden Riff mit Harmonien in der Strophe bis hin zur starken Distortion mit extrem hohen Noten im Refrain. Danny Eclestone von Mojo erklärte Breadcrumb Trail als Teil des „Pantheons der Post-Hardcore Psycho-Slowies“, während Drowned In Sound-Autor Richard Riggs schrieb, das „Black Sabbath-Lied Black Sabbath scheint der Anfangspunkt für das Riff im Refrain von Breadcrumb Trail, doch das ‚bluesige‘ Genudel, welches folgt, hat nichts zu tun mit Slints Post-Hardcore-Strukturen.“
Nosferatu Man Nosferatu Man, der zweite Track, ist vom deutschen, expressionistischen Stummfilm Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922) inspiriert. Die Strophe des Liedes beinhaltet ein dissonantes Gitarrenriff, das hohe Töne (ähnlich wie bei Breadcrumb Trail) spielt sowie ein Schlagzeugbeat ohne Becken. Der Refrain beinhaltet eine verzerrte Gitarre und ein vom Thrash-Metal-beeinflusster Beat, bevor der Song mit 30 Sekunden von Gitarrenfeedback endet.Maginnis, Tom. "Nosferatu Man: Review". Allmusic. Abgerufen am 14. November 2010.
Don, Aman Walford singt bei Don, Aman und spielt an der Gitarre. Murmelnd gesungen gibt der Songtext die Gedanken einer „isolierten Seele“ wieder: vor, während und nach einem Abend in einer Bar. Die Gitarre wird geschrammelt. „Wenn sie im korrekten Tempo gespielt werden würde, wäre [das Gitarrenpattern] melodiös, doch mit längeren und irregulären Pausen sind sie nur eine Sequenz von Akkorden“. Das Tempo des Songs verschnellert sich ständig und wird dann laut und verzerrt, bis er sich zum originalen Tempo wieder verlangsamt.Maginnis, Tom. "Don, Aman: Review". Allmusic. Abgerufen am 14. November 2010.
Washer Washer, der längste Track des Albums, besteht aus einem kaum hörbaren Intro mit Gitarre und Becken, bevor der Rest der Band einsteigt. Der Song baut bis zur letzten Strophe Spannung auf, welche laut verzerrt ist und dann von einem langen Outro gefolgt wird.Maginnis, Tom. "Washer: Review". Allmusic. Geschrieben am 11. November 2010.
For Dinner... For Dinner... ist ein instrumenteller Ambient-Track.Maginnis, Tom. "For Dinner...: Review". Allmusic. Abgerufen am 14. November 2010. Er beginnt mit einer leisen Sektion „brodelnder Akkorde mit dem gelegentlichen Rumpeln von gedämpften Toms und Bass-Trommeln“, dann kreist sich der Song um Abschnitte sich aufbauender und abnehmender Spannung. Ein Gitarrenakkord wird immer wieder für die letzte Minute des Songs wiederholt.
Good Morning Captain Der letzte Song des Albums, Good Morning Captain, basiert auf dem Gedicht The Rime of the Ancient Mariner von Samuel Taylor Coleridge.Maginnis, Tom. "". Allmusic. Abgerufen am 14. November 2010. Der Song nutzt eine Gitarrenstruktur mit zwei Akkorden, ein „dürres, enges Riff“ sowie einen „ruckartigen“ Beat. Während der Aufnahme des letzten Refrains vom Song wurde McMahan übel aufgrund des starken, angespannten Shoutings über die Gitarrenwände. David Peschek vom The Guardian verglich Good Morning Captain mit Stairway to Heaven von Led Zeppelin. Er schreibt, dass „das außergewöhnliche Good Morning Captain Slint's Stairway To Heaven ist, wenn es möglich ist, sich Stairway to Heaven vom ganzen Bombast gebleicht vorzustellen.“Peschek, David. "Slint, Camber Sands Holiday Centre". The Guardian, 28. Februar 2007. Abgerufen am 14. November 2010.
Artwork mini|Eine Werbetafel für den Auftritt von Slint beim Pitchfork Music Festival 2007
Der Name Spiderland stammt von McMahans jüngerem Bruder, der meinte, dass die Platte „spinnig“ klingen würde. Das schwarz-weiße Albumcover, welches die Bandmitglieder wassertretend in einem See einer aufgegebenen Schottergrube zeigt, wurde von Will Oldham geschossen.McCarthy, Shannon. "Slint Lyrics and Biography" Musicianguide.com. Abgerufen am 14. November 2010. Ein Artikel in der Zeitung The Stranger würdigte das Cover, da es eine mystische Atmosphäre rund um Slint schaffe: „Die meisten Leute haben Slint bloß als vier schwimmende Köpfe gesehen, die in einer Schottergrube in Kentucky schwammen. Hörer dachten sich bald, dass das spärliche Schwarzweiß-Cover der Band wie eine Rune mit Geheimnissen wäre.“Segal, Dave. "Web of Influence". The Stranger, 10. März 2005. Abgerufen am 14. November 2010. Chris Gaerig vom Michigan Daily schrieb, „das Cover von Slints meisterlichen Spiderland fing die spaßige Angst und Gewalt des Albums so präzise, dass es aufrüttelt. Es scheint, als würde die Gruppe – bis ans Kinn in einem See schwimmend mit morbiden Lächeln – dich stalken und in der schwarzweißen Fassade lauern.“Gaerig, Chris. "". Michigan Daily, 20. September 2007. Abgerufen am 14. November 2010.
Ein Foto einer Spinne – geschossen von Noel Saltzman – wird auf dem Backcover verwendet, was den Albumtitel reflektiert. Das Booklet beinhaltet die Nachricht:
McMahan bestätigte, dass diese Nachricht ernst gemeint war und sagte: „Wir haben ein paar Antworten erhalten und haben uns CDs und Tapes angehört. Wir haben letztendlich nichts sofort gemacht, so dass die Idee, dass wir jemanden zur Band dazunehmen, irgendwie unwichtig wurde.“Simigis, Antonia. "". Time Out Chicago, 12. Juli 2007. Abgerufen am 14. November 2010. Die Nachricht „this recording is meant to be listened to on vinyl“ („Diese Platte soll auf Vinyl als Schallplatte gehört werden“) findet sich auf manchen CD-Exemplaren von Spiderland. Dies reflektiert Slints Bevorzugung von analogen Audioabspielgeräten.Agarwal, Manish. "Review". Don’t Look Back, Mai 2007. Abgerufen am 14. November 2010.
Rezeption Veröffentlichung Land Rangliste. AcclaimedMusic.net. Platzierung Alternative Press USA 90 besten Alben der 1990erThe 90 Greatest Albums of the '90s. Rocklistmusic.co.uk. 34 Nude as the News USA Die 100 überwältigstenden Alben der 1990erScaruffi, Piero. . Nude as the News. 23 Pitchfork USA 100 besten Alben der 1990er Jahre. Internet Archive. 34 Melody Maker UK 100 besten Alben aller ZeitenMelody Maker All Time Top 100 Albums – 2000. Rocklistmusic.co.uk. 55 New Musical Express UK 100 besten AlbenNME’s 100 Best Albums. Rocklistmusic.co.uk. 53 New Musical Express UK 500 besten Alben aller ZeitenThe 500 Greatest Albums Of All Time auf nme.com (abgerufen am 30. August 2021) 314 Pitchfork USA 100 besten Alben der 1990er (Redux)Petrusich, Amanda. Top 100 Albums of the 1990s: Spiderland. Pitchfork Media, 17. November 2003. 12 Spin USA 100 besten Alben 1985-2005 94 Spin USA 300 besten Alben 1985–2014The 300 Best Albums of the Past 30 Years (1985-2014) auf spin.com (abgerufen am 30. August 2021) 273 Robert Dimery (Hg.)USA 1001 Albums You Must Hear Before You Die - spexBRDDie 100 Platten des Jahrhunderts76