mini|Russisches Haus in Berlin-Mitte (2021) mini|Das Russische Haus im Jahr 2023

Das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin (, ehemals: Haus der Sowjetischen Wissenschaft und Kultur) ist ein Veranstaltungs- und Kulturzentrum in der Friedrichstraße 176–179 im Berliner Ortsteil Mitte. Es wurde am 5. Juli 1984 eröffnet, wird seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Außenministerium der Russischen Föderation angesiedelten und seit 2022 von der EU sanktionierten Regierungsagentur Rossotrudnitschestwo betrieben. Das Gebäude enthält Räumlichkeiten für Ausstellungen, Konferenzen, Konzerte, ein Kino und eine Buchhandlung.

Das Wirken des Hauses als Instrument der russischen Propaganda ist seit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 Gegenstand öffentlicher Kritik. Als Reaktion auf den versuchten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle vom 5. August 2026, für den die Bundesregierung am 1. September 2026 offiziell Russland verantwortlich machte, soll der Vertrag über das Russische Haus gekündigt und damit dessen Schließung herbeigeführt werden.

Baugeschichte mini|Haus der Sowjetischen Wissenschaft und Kultur (1984)

Das Gebäude wurde nach Entwürfen des Architekten Karl-Ernst Swora von 1981 bis 1984 auf dem Grundstück eines im Zweiten Weltkrieg zerstörten früheren Geschäftshauses errichtet. Die Realisierung erfolgte durch die neu gebildete Aufbauleitung Sondervorhaben der Hauptstadt Berlin eines Kollektivs der Bauakademie der DDR um Erhardt Gißke. Für den Bau wurden hochwertige Materialien wie Granit aus der Lausitz für die Fassade und Kalkstein aus Wraza für die Obergeschosse verwendet. Das Gebäude hat sieben Stockwerke und eine Fläche von rund 29.000 m². Über dem Eingangsbereich befindet sich ein bunter Fries. Der Fries besteht aus Glas und wurde von der Künstlergemeinschaft Glasgestaltung Magdeburg geschaffen. Diese hatte bereits bei einer Reihe von DDR-Prestigebauten mitgewirkt, u. a. hatte sie die gläserne Blume im Palast der Republik entworfen.

Bauherr war der Verband der sowjetischen Gesellschaft für Freundschaft und kulturelle Beziehungen mit dem Ausland. Ein klassizierender Entwurf von Günter Stahn wurde im Vorfeld abgelehnt. Der umgesetzte Entwurf von Swora entsprach damit nicht dem von der DDR-Führung für die Friedrichstraße vorgesehenen klassizistischen Stil, sondern ähnelte eher den Repräsentationsbauten der Breschnew-Ära wie der ITAR-TASS-Zentrale, dem Weißen Haus in Moskau und der sowjetischen Akademie der Wissenschaften.

Nutzungsgeschichte

Bis 2022 Die Einrichtungen in dem Gebäude dienten (ebenso wie die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft) der Festigung der zweiseitigen Verbindungen und als Zentrum für die Vermittlung der russischen Sprache. Es handelte sich um das „größte aller sowjetischen Auslandskulturzentren“ weltweit. Das 1700 m² große Foyer galt als „eines der größten und prachtvollsten“ Berlins. Im Foyer befand sich eine Statue von Lenin. Die Statue wurde nach der deutschen Wiedervereinigung Anfang der 1990er Jahre aus dem Gebäude entfernt. Der Verbleib der Statue ist unbekannt.

Nach dem Ende der Sowjetunion wurde der Komplex Eigentum des russischen Staates. Er wurde renoviert und Teile neu verpachtet. Weiter wurden im neuen Gebäude das Filmtheater Friedrichstraße  und das Kabarett Die Kneifzange  etabliert.

Der Kaufmann Franz Sedelmayer versuchte ab 2008, das Gebäude bzw. die eingenommenen Mieten zu pfänden, weil er in Russland enteignet wurde.

Die jährliche Besucherzahl gibt das Haus mit 200.000 an. Einen Teil seiner Fläche vermietete es an Edelgeschäfte, unter anderem gab es ein Reisebüro, einen Buchladen, Theater-, Film- und Konzertabende sowie politische Veranstaltungen, etwa mit der Linkspartei.

Nach dem Überfall auf die Ukraine 2022 mini|Proteste nach der Wiederwahl Putins (2024)

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 kam es wiederholt zu Protestkundgebungen vor dem Russischen Haus. Unter anderem zeigte das dortige Filmtheater Propagandaproduktionen des abgeschalteten Senders RT, in dem Ukrainer als Nazis verunglimpft werden. Wiederholt stellte das Russische Haus der iranischen Botschaft Räumlichkeiten zur Verfügung. 2024 berichtete eine Fotoausstellung über angebliche Kriegsverbrechen der ukrainischen Armee gegen die eigene Zivilbevölkerung. Zudem soll ein Video von den Veranstaltern eines prorussischen Autokorsos in Deutschland im Russischen Haus aufgenommen worden sein. Die Agentur Rossotrudnitschestwo, die das Haus betreibt, steht seit dem 21. Juli 2022 auf der EU-Sanktionsliste. Das juristische Onlinemagazin Legal Tribune Online kam zu dem Schluss, dass der Weiterbetrieb des Hauses gegen die EU-Sanktionen verstoße. Nach Angaben von Reuters erhielten ein ehemaliger russischer Luftwaffenoffizier und seine Freundin, die prorussische Proteste zum russischen Überfall auf die Ukraine in Deutschland mitorganisierten, vom Russischen Haus Flugtickets zur Teilnahme an einem von der Regierung mitveranstalteten Event in Moskau.

Ende November 2022 protestierten um die hundert Menschen – gegen das Entzünden des Weihnachtsbaums gemeinsam mit einem offiziellen Väterchen Frost – vor dem Haus: Es handle sich um russische Propaganda. Im Januar 2023 ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen die Betreiber des Russischen Hauses wegen Verdachts auf einen Verstoß gegen das Außenwirtschaftsgesetz; die Ermittlungen wurden eingestellt. Laut Markus Wehner stehen einer Schließung des Hauses diplomatische Erwägungen des Auswärtigen Amtes entgegen, da sonst möglicherweise alle Goethe-Institute in Russland geschlossen würden.

Im Dezember 2023 wurde die Buchhandlung Mnogoknig (deutsch etwa: Vielebücher) eröffnet, die für ihr Angebot russischer Propaganda kritisiert wurde. Im April 2024 nahmen die Berliner Staatsanwaltschaft und die Zentralstelle für Sanktionsdurchsetzung beim Zoll Ermittlungen wegen Verstoßes gegen EU-Sanktionen auf.

Angekündigte Schließung 2026 Im August 2026 berichtete der Rechercheverbund NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung von einer Einschätzung des französischen Innenministeriums, das Russische Haus werde als Tarnung von den russischen Geheimdiensten genutzt.

Am 1. September 2026 erklärte Bundesaußenminister Johann Wadephul, als Reaktion auf den versuchten Anschlag mit explosionsfähigen Drohnen am Flughafen Leipzig/Halle werde der Vertrag über das Russische Haus gekündigt. Die Bundesregierung hält Russland für den Anschlagsversuch für verantwortlich. Gemeint ist das Abkommen vom 4. Februar 2011 über die Tätigkeit von Kultur- und Informationszentren, das der Russischen Föderation die unbefristete und unentgeltliche Nutzung des Grundstücks erlaubt und ihr die Grundsteuer erlässt. Es kann zum 6. Dezember 2026 fristgerecht gekündigt werden und verlängert sich sonst um fünf Jahre. Das Gebäude gehört davon unabhängig dem russischen Staat.

Die formelle Mitteilung über die Kündigung des Abkommens erfolgte am 1. September 2026 und wird am 7. Juni 2027 wirksam.

Literatur

Weblinks

Website des Russischen Hauses der Wissenschaft und Kultur

Einzelnachweise

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