Die Galaktischen () ist eine Bezeichnung für die Ansammlung von weltbekannten Fußballspielern beim Fußballverein Real Madrid. Der spanische Begriff Galácticos entstand während der von 2000 bis 2006 laufenden ersten Vereinspräsidentschaft von Florentino Pérez, als er es sich zur Aufgabe machte, jedes Jahr einen neuen Superstar, einen Galáctico, zu verpflichten. Der Plural Galácticos steht sowohl für die damalige Mannschaft von Real Madrid als auch für die Spieler, die in dieser Zeit verpflichtet wurden.
Der Name wird in positivem und im negativen Zusammenhang genannt. Ursprünglich wurde er von der spanischen Presse als Begriff für die Besonderheit und Außergewöhnlichkeit der Ansammlung von Weltstars genutzt. Später, nach den titellosen Jahren in der zweiten Hälfte der ersten Präsidentschaft von Florentino Pérez, wurde Galácticos immer wieder mit „guten Vermarktungsmöglichkeiten“ und „kurzfristigen Erfolgen“ in Verbindung gebracht.
Vor allem die Tatsache, dass sich das „Galáctico-Prinzip“ nicht auf Dauer durchsetzen konnte, hat zu einer negativeren Begrifflichkeit beigetragen. Mittlerweile ist Pérez jedoch nach Ramón Calderóns Rücktritt 2009 als Präsident zurückgekehrt und verfolgt dabei, unterbrochen von einer ruhigeren Phase unter Trainer und Sportchef José Mourinho, eine ähnliche Transferpolitik wie in seiner ersten Amtsperiode.
Die erste Galáctico-Ära Zwar erhielt die Bezeichnung Galácticos erst unter Florentino Pérez ihre heutige Bedeutung, die Ursprünge finden sich jedoch schon viel früher in der Geschichte von Real Madrid.
In den frühen 1950er Jahren begann Präsident Santiago Bernabéu, nach dem heute das Heimstadion von Real Madrid benannt ist, mit der Verpflichtung der damals wohl besten Spieler der Welt. So stießen zwischen 1953 und 1958 unter anderem Spieler wie Héctor Rial, Francisco Gento, Alfredo Di Stéfano, José Santamaría, Ferenc Puskás und Raymond Kopa zum Verein und bildeten dort eine Art Weltauswahl, die unter anderem von 1956 bis 1960 die ersten fünf Austragungen des gerade neu ins Leben gerufenen Europapokal der Landesmeister gewann.
Los Galácticos Die erste Galáctico-Ära begann im Jahr 2000 mit der Verpflichtung von Luís Figo und endete spätestens mit dem Wechsel David Beckhams 2007 in die MLS.
Die ursprünglichen Galácticos waren:
Saisonder Verpflichtung Spieler Bemerkung vorheriger Verein Transfersummein Euro Abschiedaus Madrid neuer Verein 2000/01 Luís Figo 22px FC Barcelona 60.000.000 2005 22px Inter Mailand 2001/02 Zinédine Zidane Ballon d’Or 1998, FIFA-Weltfußballer 1998, 2000; zu diesem Zeitpunkt teuerster Transfer der Fußballgeschichte 22px Juventus Turin 73.500.000 2006 Karriereende 2002/03 Ronaldo Ballon d’Or 1997, FIFA-Weltfußballer 1996, 1997; Weltmeister 1994, 2002 22px Inter Mailand 45.000.000 2007 22px AC Mailand 2003/04 David Beckham 22px Manchester United 37.500.000 2007 22px LA Galaxy 2004/05 Michael Owen Ballon d’Or 2001 22px FC Liverpool 12.000.000 +Antonio Núñez 2005 22px Newcastle United
Zu Beginn der Saison 2005/06 wurde der brasilianische Flügelspieler Robinho vom FC Santos für 24 Mio. Euro verpflichtet. Er wird meist jedoch nicht als Galaktischer bezeichnet, weil er bei seiner Ankunft in Madrid nicht als ausgereifter Weltklassespieler, sondern eher als hochtalentierter Nachwuchsakteur galt.
Ebenso gibt es geteilte Meinungen über den Status von Michael Owen. In manchen Augen galt er, aufgrund der vergleichsweise niedrigen Ablösesumme, des schlechteren Vermarktungspotentials und seiner eher nebensächlichen Rolle im Team (fungierte meist nur als Ersatzspieler) nicht als Galáctico.
Ergänzt wurden die Neuverpflichtungen durch bereits etablierte und selbst ausgebildete Spieler. Dazu zählen: – aus dem eigenen Nachwuchs – aus dem eigenen Nachwuchs – wurde 1996, vor Pérez’ Amtszeit, verpflichtet
Historie Pérez wird Präsident mini|Florentino Pérez Das Projekt Galácticos begann im Juli 2000 mit der anstehenden Präsidentschaftswahl. Nach 1998 hatten die Königlichen gerade ihren achten Champions-League-Titel gewonnen und alles sah nach einer Wiederwahl von Amtsinhaber Lorenzo Sanz aus. Doch Pérez hatte aus den Fehlern seiner ersten Kandidatur 1995 (er verlor die Wahl gegen Ramón Mendoza mit ca. 700 Stimmen) gelernt und konzentrierte sich, neben seiner Kritik am Missmanagement des Vereins, vor allem auf teure Neuzugänge und eine aggressive Transferpolitik. Er versprach, im Falle eines Sieges bei der Präsidentschaftswahl, Kapitän und Publikumsliebling Luís Figo vom Erzrivalen FC Barcelona loszueisen und als Neueinkauf zu präsentieren.
Pérez konnte mit 16.469 Stimmen gegenüber 13.302 Stimmen für Sanz die Wahl für sich entscheiden und löste nur wenige Tage später sein Wahlversprechen ein, indem er den portugiesischen Nationalspieler für ca. 60 Mio. Euro verpflichtete und als erste Neuverpflichtung präsentierte. Diese 60 Mio. waren zum damaligen Zeitpunkt die höchste je gezahlte Ablösesumme für einen Fußballspieler. Das sollte sich jedoch schon im Jahr darauf mit dem Transfer des Franzosen Zinédine Zidane ändern. Pérez überwies 73,5 Mio. Euro an Juventus Turin und hatte neben einem neuen Transferrekord die Galácticos erschaffen.
Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen verkaufte Pérez das alte Trainingsgelände Ciudad Deportiva („dt. Sportstadt“), für 487 Mio. Euro an die Privatfirmen OHL, Repsol, Mutua Madrileña und Sacyr Vallehermoso, um damit die Verbindlichkeiten des Vereins zu tilgen. Das Geschäft ging nicht ohne Kritik über die Bühne, denn der hohe Verkaufspreis des rund 14 Hektar großen Areals am Paseo de la Castellana wurde durch eine Umzonung des zuvor lediglich für sportliche Zwecke nutzbaren Grundes in Baugrund erreicht. Im Gegenzug vermarktete die Stadt Madrid einen Teil des Geländes selbst. Auf den ehemaligen Grundstücken des Vereins entstand der Wolkenkratzerkomplex Cuatro Torres Business Area. Die Sanierung des Vereins wurde während Pérez’ Präsidentschaft auch weiter fortgeführt. Von einem Teil des Geldes wurde ein neues, hochmodernes Trainingszentrum, die Ciudad Real Madrid, errichtet, auf dem seit 2005 trainiert wird.
Das neue Transferkonzept wurde zunächst als Zidanes y Pavones bezeichnet. Teure Neuzugänge (wie Zidane) sollten mit talentierten und spielstarken Eigengewächsen (wie dem damals aufstrebenden Francisco Pavón) kombiniert werden.
Schnelle Erfolge Schon kurz nach den ersten „Großeinkäufen“ schien sich das Modell Galácticos zu bewähren. 2001 wurde man überlegen Meister und stellte mit Raúl González auch den Pichichi.
Zinédine Zidane entschied 2002 mit einem Kunstschuss das Champions-League-Finale, das man mit 2:1 gegen Bayer 04 Leverkusen gewann. In der darauffolgenden Saison wurde der 29. Meistertitel gewonnen. Neuzugang Ronaldo erzielte 23 Tore und war somit Teil der besten Offensive im spanischen Profifußball.
Doch auch außerhalb des Platzes konnten Erfolge erzielt werden. Spätestens mit der Verpflichtung von David Beckham begann der Siegeszug der Galácticos im Marketingbereich. Vor allem in Asien wurden sehr viele Sympathien und Anhänger gewonnen und so ist man seit 2005/06 der einkommensstärkste Fußballverein der Welt. Diese Einnahmen finanzierten natürlich in den Folgejahren zum Teil auch das Projekt Galácticos. Nach dem Meistertitel im Jahr 2003 kam es jedoch zu einem Knick in der, scheinbar unendlichen, Erfolgskurve. In den kommenden drei Jahren ging man, sowohl national als auch international, leer aus und musste zu allem Überfluss auch noch dem großen Rivalen aus Katalonien die Erfolge überlassen.
Das Scheitern der Galácticos Es gibt mehrere, unterschiedliche Meinungen und Gründe für den kurzzeitigen Erfolg der „Weltauswahl“:
Problematik bei den Defensiv-Transfers Florentino Pérez war kein großer Fan des defensiven Fußballs. Er wollte mit spielstarken und torgefährlichen Offensivakteuren schönen und spektakulären Fußball zelebrieren. Seiner Meinung nach sei dies mit defensiv ausgerichteten Spielern nicht möglich. Das führte dazu, dass Pérez nicht bereit war hohe Ablösesummen für Abwehrspieler zu bezahlen. 2004 scheiterte aus diesen Gründen ein möglicher Transfer Patrick Vieiras vom FC Arsenal. Kurz nach der Verpflichtung David Beckhams verließ „Mittelfeldmotor“ Claude Makélélé den Klub. Makélélé hatte den Klub um einen Vertrag mit verbesserten Konditionen gebeten, der ihm aber aus oben genannten Gründen versagt blieb.
Präsident Florentino Pérez bezeichnete Makélélé daraufhin als ersetzbar und kritisierte dessen Spielweise.
Diese Meinung teilten aber nur wenige. So kritisierte Makélélés Landsmann Zinédine Zidane den Transfer ebenso wie der ehemalige Real-Kapitän Fernando Hierro:
Mit dieser Aussage sollte Hierro recht behalten. Nach Makélélés Wechsel konnte Real Madrid die „Sechser-Position“ nicht mehr adäquat besetzen und verlor somit eine wichtige Säule im Team.
Die wenigen Defensivspieler, die Pérez’ während seiner Amtszeit verpflichtete (darunter Walter Samuel, Thomas Gravesen, Carlos Diogo, Pablo García und Cicinho) konnten sich allesamt, nie in Madrid behaupten, geschweige denn die oft inflationär verteilten Vorschusslorbeeren rechtfertigen. Innenverteidiger Francisco Pavón, Namensgeber für Zidanes y Pavones, konnte sich bei Real Madrid nicht durchsetzen und verließ den Verein 2007 Richtung Zaragoza.
Die Entlassung von Trainer Vicente del Bosque Mit der vollkommen überstürzten Entlassung von Vicente del Bosque nach dem Gewinn der 29. Meisterschaft, da dessen Fußball nicht spektakulär genug war, begann bei Real Madrid eine Trainer- und Vorstands-Odyssee, die frühestens mit der erneuten Verpflichtung von Fabio Capello beendet wurde. Bis 2007 versuchten sich fünf Trainer und vier Sportdirektoren beim Hauptstadtklub. Grund der Entlassung waren wohl Differenzen zwischen Pérez, del Bosque und dessen Spielern Fernando Hierro, Fernando Morientes, Steve McManaman und Claude Makélélé. Morientes, Hierro und McManaman hatten sich vehement für die Vertragsverbesserung von Mitspieler Makélélé eingesetzt, um einem möglichen Wechsel des Franzosen vorzubeugen. Kurz nach der Entlassung del Bosques verließen alle vier Spieler den Verein.
Noch wichtiger war del Bosque jedoch als Kopf der Galácticos. Er verstand es wie kein anderer Trainer, die Weltstars zu einem funktionierenden, ausgeglichenem Team zu formen, in dem alle für jeden arbeiten. So wurde aus den Einzelspielern, in Kombination mit jüngeren Nachwuchstalenten und erfahrenen Akteuren, eine spielerisch und technisch fast perfekte Mannschaft. Wie wichtig del Bosque für den Verein war, zeigen die Titel, die er mit Madrid zwischen 1999 und 2003 gewinnen konnte.
Primera División: 2001, 2003 Supercopa de España: 2001 UEFA Champions League: 2000, 2002 UEFA Super Cup: 2002 Weltpokal: 2002
Persönliche Auszeichnungen als Trainer UEFA Club Football Awards Trainer des Jahres: 2000, 2002 Fußball-Weltclubtrainer des Jahres: 2002Wahl zum Trainer des Jahres bei der International Federation of Football History & Statistics
Interessenkonflikte zwischen Trainern, Spielern und Präsident