mini|Merkurtempel und Großer Parkteich im Gothaer Schlosspark mini|Tannengarten im Winter mini|Dorischer Tempel (Merkurtempel) am Großen Parkteich

Der Schlosspark gehört mit 37 ha Größe zu den größten Parkanlagen in Deutschland. Er ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt Gotha. Im Süden der Anlage befindet sich einer der ältesten Landschaftsgärten außerhalb Englands. Er geht auf Planungen von 1765 zurück. Der Gothaer Schlosspark wurde 2007 von den Zuschauern des Mitteldeutschen Rundfunks zum viertschönsten Park Mitteldeutschlands gewählt. Insbesondere der Englische Garten zeichnet sich durch seinen alten Baumbestand aus, darunter über 500 Jahre alte Stieleichen.

Geschichte Schlosswallgarten Seinen Anfang nimmt der Gothaer Schlosspark mit dem Bau von Schloss Friedenstein durch Herzog Ernst I. (der Fromme) von Sachsen-Gotha-Altenburg in den Jahren 1643 bis 1648. Der damals angelegte sogenannte Schlosswallgarten diente der Versorgung der herzoglichen Küche und der Erholung der herzoglichen Familie. Er war rechteckig angelegt und gab im Norden zahlreichen Kübelpflanzen Platz. Im Süden waren Kräuterbeete angelegt, die durch Hecken aus Johannisbeere, Rosen und Stachelbeeren voneinander getrennt waren. Die Blumenbeete enthielten Lilien, Narzissen, Hyazinthen, Krokusse, Schwertlilien, Hemerocallis und Tulpen und dienten als Statussymbol für den Herzog. Der Schlosswallgarten hatte bis etwa 1772 Bestand und wurde mit der Entfestigung der Stadt Gotha umgewandelt.

Großer Küchengarten Auch die Neuanlage des Großen Küchengartens entstand noch unter Herzog Ernst I. von Sachsen-Gotha-Altenburg im Bereich zwischen der heutigen Park-Allee und dem Leinakanal, der im 14. Jahrhundert zwischen Schönau und Gotha gebaut wurde, um der wasserarmen Stadt Wasser aus dem Thüringer Wald zuzuführen. Im Großen Küchengarten wurden in Kübeln Zitrusgewächse gezogen. Im Süden befand sich mit dem Pomeranzenhaus auch das Wohnhaus des Gärtners. Der Große Küchengarten existierte bis 1864. Auf einem Teil seiner Fläche entstand bis 1879 das Herzogliche Museum im Neorenaissance-Stil, der Rest wurde für die Anlage des sogenannten Tannengartens genutzt.

Barockgarten Der Barockgarten wurde 1708 bis 1711 mit dem Bau des Schlosses Friedrichsthal unter Herzog Friedrich II. im Osten außerhalb der damaligen Wallanlagen angelegt. Er bestand aus dekorativen Beeten, formgeschnittenen Baumquartieren und geschnittenen grünen Gehölzwänden. Die Hauptachse wurde in West-Ost-Richtung angelegt und endete im sogenannten Ehrenhof. Im Zentrum stand ein großer Springbrunnen. Die Parkumrandung bestand aus mehrreihigen Baumalleen. Der Barockgarten wurde ab dem letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts mit Regierungsgebäuden bebaut (Herzogliches Amts- und Landgericht 1894–1896, Herzogliches Rentamt 1906–1908).

Orangerie mini|Blick auf das Orangenhaus genannte nördliche Kalthaus der Orangerie

Ab 1708 ließ Herzog Friedrich II. östlich unterhalb der Festungsanlagen des Schlosses Friedenstein den terrassierten Ordonnanzgarten u. a. mit einem Treibhaus für die herzogliche Sammlung von Orangeriepflanzen anlegen. Seinen Namen erhielt er von dem 1708 an der Ostseite des Gartens errichteten Ordonnanzhaus, das die herzogliche Leibwache zu Pferde beherbergte. Im Auftrag Herzog Friedrichs III. und dessen Gemahlin Luise Dorothée wurde der Ordonnanzgarten durch Johann Erhard Straßburger zu einer umfangreicheren Orangerie mit Fontäne und kleinem Lusthaus ausgebaut.

1747 erhielt der weimarische Landesoberbaudirektor Gottfried Heinrich Krohne den Auftrag für die Umgestaltung des Gartens zu einem „Orangengarten“ nach französischem Vorbild. Der Garten wurde durch Zukauf von Grundstücken erweitert, die alten Bauten abgebrochen und ein neues Gebäudeensemble mit zwei Kalt- und zwei Treibhäusern errichtet. Die Architektur des fortan offiziell Orangerie genannten Gartens wurde dabei auf das gegenüberliegende Schloss Friedrichsthal ausgerichtet. Die letzten Bauarbeiten an den Gebäuden konnten erst 1767 durch Krohnes Nachfolger Johann David Weidner abgeschlossen werden, die Gartenarbeiten selbst wurden sogar erst 1774 beendet.

Obwohl aufgrund der langen Bauzeit und des veränderten Gartengeschmacks die ursprünglich geplante barocke Gestaltung des Gartenparterres nicht mehr ausgeführt wurde, stand die Gothaer Orangerie aufgrund ihrer reizvollen Anlage und ihrer umfangreichen Sammlung exotischer Pflanzen bereits Ende des 18. Jahrhunderts im Ruf, eine der hervorragendsten ihrer Art in Deutschland zu sein. 1796 sollen fast 3000 Kübel mit Pomeranzen, Zitronen, Lorbeer, Feigen und Ananaspflanzen auf den Wegen und entlang der Rasenflächen Platz gefunden haben.

Noch vor dem Ersten Weltkrieg ging der einst umfangreiche Pflanzenbestand rapide zurück und wurde die Nutzung der Anlage als Orangerie aufgegeben. 1955 wurde das im Krieg schwer beschädigte südliche Treibhaus abgebrochen. Seit 2004 baut die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten einen neuen Bestand an Orangeriepflanzen auf, bemüht sich um die Sanierung der vorhandenen Gebäude und nutzt den Garten nach rund 90-jähriger Unterbrechung wieder als Orangerie.

Englischer Garten/Herzoglicher Park mini|Alte Eichen im Englischen Garten

Er entstand ab 1765 südlich des Leinakanals auf Anregung und unter Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg und gehört mit Harbke und dem Wörlitzer Park zu den ältesten Landschaftsgartenanlagen auf dem Kontinent. Die Anlage wurde von den Gärtnern John Haverfield der Jüngere und Christian Heinrich Wehmeyer, dem damaligen Hofgärtner von Schloss Molsdorf durchgeführt. Er entstand um den im Süden angelegten großen Parkteich. An dessen Nordwestufer errichtete Carl Christoph Besser zwischen 1775 und 1777 nach antikem Vorbild einem dem Gott Merkur gewidmeten dorischen Tempel, der als erster griechisch-dorischer Tempel in Thüringen gilt. Im Ostteil des Englischen Gartens befinden sich zahlreiche nordamerikanische Gehölze, die aus dem botanischen Garten Kew stammen und dem Herzog von seiner Tante, Augusta, Princess of Wales, geschenkt worden waren. Zur Bepflanzung wurden aus umliegenden Wäldern mit Ochsengespannen alte Stieleichen antransportiert. Der Transport erfolgte unter Leitung des in den Diensten des Herzogs stehenden Oberst Johann Bartholomaeus Orphal. Die alten Bäume sind zum Teil bis heute erhalten geblieben. Die Erweiterung des Landschaftsgartens im Westen kam 1780 bis 1782 dazu. Der nach den Ideen des englischen Gartengestalters Lancelot Brown rund um den Großen Parkteich angelegte Belt Walk, der auch am Merkurtempel vorbeiführt, wurde 2009 in seinem ursprünglichen Verlauf wiederhergestellt. Im Gegensatz zu den meisten anderen englischen Landschaftsgärten, die in unmittelbarer Beziehung zur umgebenden Landschaft standen, war der Gothaer Park ursprünglich von einer Mauer eingefasst, die erst im 19. Jahrhundert beseitigt wurde. Nach dem Tod von Obergärtner Wehmeyer 1813 verkam der englische Garten zusehends. 1780/81 wurde im Ostteil des Englischen Gartens oberhalb der Orangerie von Carl Christoph Besser die heute Teeschlösschen genannte Kapelle im neogotischen Stil erbaut. Das in den Folgejahren mehrfach erweiterte Lustschlösschen, das auf dem Gelände des einstigen Gartens der Herzogin steht, diente u. a. den Herzoginnen Charlotte Amalie und Karoline Amalie als Sommeraufenthalt, später als anglikanische Kapelle und heute als Kindergarten.

Begräbnisinsel im Parkteich mini|Begräbnisinsel mit sogenannter Prinzen-Säule und den Gräbern der herzoglichen Familie, 1840

Eine Besonderheit des Englischen Gartens ist die Begräbnisinsel im Großen Parkteich. Sie diente zwischen 1779 und 1848 der Bestattung von Mitgliedern des Hauses Sachsen-Gotha-Altenburg. Angelegt wurde sie nach dem ästhetischen Vorbild der Pappelinsel () im Schlosspark von Ermenonville, dem heutigen Parc Jean-Jacques-Rousseau. 1779 wurden hier die Prinzen Ludwig (gest. 1777) und Ernst (gest. 1779) in der vom Architekten Carl Christoph Besser neu errichteten unterirdischen Gruft bestattet. Herzog Ernst II. ließ darüber zwei Jahre später eine (heute nicht mehr erhaltene) „Granitsäule mit einer Urne von carrarischem Marmor und Sockel von Serpentino antico“August Beck, Ernst der Zweite, Herzog zu Sachsen-Gotha und Altenburg, als Pfleger und Beschützer der Wissenschaft und Kunst, Gotha 1854, S. 226 aufstellen, die der Bildhauer Friedrich Wilhelm Doell angefertigt hatte. Die Säule trug eine Metalltafel mit der Inschrift Qies Ernesti et Ludovici carissimorum E.D.S.G. et Charlottae filiorum MDCCLXXIXRichard Waitz, Der herzogliche Park zu Gotha von seiner Entstehung bis auf die jetzige Zeit, Gotha 1849, S. 9 (Ruheort Ernsts und Ludwigs, der geliebten Söhne Ernsts, Herzog von Sachsen-Gotha, und Charlottes 1779). Die Insel wurde, zur Steigerung des melancholischen Charakters, mit Trauerweiden, Hängebirken, Tannen und Zypressen bepflanzt.

1804 ließ sich Ernst II. als Freimaurer neben der Gruft in blanker Erde und ohne Grabstein begraben.Richard Waitz, Der herzogliche Park zu Gotha von seiner Entstehung bis auf die jetzige Zeit, Gotha 1849, S. 11 Sein Sohn und Nachfolger August (gest. 1822) wurde in einer eigens für ihn eingerichteten Gruft bestattetRichard Waitz, Der herzogliche Park zu Gotha von seiner Entstehung bis auf die jetzige Zeit, Gotha 1849, S. 14, in der 1848 mit seiner Gattin Karoline Amalie auch die letzte Herzogin des Hauses Sachsen-Gotha-Altenburg ihre letzte Ruhestätte fand. Ernsts II. jüngerer Sohn Friedrich IV. (gest. 1825), der unverheiratet gebliebene letzte Herzog des Hauses Sachsen-Gotha-Altenburg, wurde nach katholischem Ritus in der Gruft beigesetzt, in der bereits seine jung verstorbenen Brüder Ludwig und Ernst ruhten.Richard Waitz, Der herzogliche Park zu Gotha von seiner Entstehung bis auf die jetzige Zeit, Gotha 1849, S. 15f.

Die Gräber der herzoglichen Familie wurden auf ausdrücklichen Wunsch der Bestatteten durch keine Gedenksteine markiert und waren (mit Ausnahme der Prinzengruft) einst nur durch Blumenovale kenntlich gemacht. Da diese bereits seit Jahrzehnten nicht mehr existieren, sind die genauen Liegeplätze der Bestatteten heute nicht mehr erkennbar. Die auf der Insel befindliche sandsteinerne Sphinx des Gothaer Hofbildhauers Friedrich Wilhelm Eugen Döll (die ursprünglich am Schwanenteich hinter der Gothaer Freimaurerloge stand) wurde erst 1948 hier aufgestellt und hat keinen direkten Bezug zur freimaurerischen Gedankenwelt Herzog Ernsts II.

mini|Grabstätte für Prinz Maurice Francis George of Teck auf der Begräbnisinsel