Die Wisbyer Straße ist eine Berliner Straße, die die Bornholmer Straße und die Ostseestraße im Zuge der C-Ringtrasse verbindet. Sie ist damit Abschnitt des nördlichen Teils in Verlängerung des Berliner Stadtringes und der Seestraße zwischen Schönhauser Allee und Prenzlauer Allee/Prenzlauer Promenade in West-Ost-Richtung. Die Straße liegt im Bezirk Pankow, das gesamte Straßenland und die Südseite gehören zum Ortsteil Prenzlauer Berg, die Grenze zum nördlich liegenden Ortsteil Pankow liegt entlang der Gebäudekante an der Nordseite des Gehwegs und Vorgartengrünstreifens. Die Straße wurde am 23. August 1905 nach der schwedischen Stadt Visby auf der Ostseeinsel Gotland benannt. Sie ist Teil des äußeren Straßenrings des Berliner Bebauungsplans von 1862, der etwas außerhalb des S-Bahn-Ringes liegt.

Lage mini|links|Paul-Gerhardt-Kirche in der Häuserfront

Der westliche Teil der Straße bis an die Greifenhagener Straße wird geprägt durch Altbauten der 1910er Jahre. Die zwischen 1908 und 1910 erbaute und geweihte Paul-Gerhardt-Kirche als markantes Gebäude ist direkt in die Häuserfront eingefügt. Die Kirche ist als Baudenkmal nach dem Entwurf von Gustav Werner im Auftrag des Gemeindekirchenrats Gethsemane Nord gelistet. Östlich der Greifenhagener Straße wird das Straßenbild in Richtung Prenzlauer Allee durch Bebauungen von verschiedenen Wohnungsbaugenossenschaften der 1920er Jahre geprägt. Die Wisbyer Straße besitzt nach wie vor Hufeisennummerierung. Die Zählung der Hausnummern und Grundstücke beginnt an der Schönhauser Allee (Südecke) mit der Nummer 1 und führt zur Hausnummer 31 an der Prenzlauer Allee. Diese Wohnhäuser und das Ärztehaus (16/17, mit Supermarkt) liegen in Prenzlauer Berg. Die Wohngebäude der Nordseite 33 bis 74 gehören zum Ortsteil Pankow. Die Eckbebauung Grundstück 33 an der Prenzlauer Promenade für ein Wohn- und Geschäftshaus mit 10.000 m² und 45 Tiefgaragenstellplätzen wurde 2015–2017 errichtet. Bis 1979 befand sich hier eine Tankstelle und anschließend kleinteilige offene Nutzungen. Die Grundstücke 56, 57, 58 bildeten in der Vergangenheit einen namenlosen Platz und wurden in jüngster Zeit vom Bezirksamt Pankow als Susanne-und-Kurt-Crohn-Platz benannt. Der Platz enthält eine große, von Bäumen umstandene Grünfläche. Auf Grundstück 39 (vormals: Nr. 40 an der Talstraße) steht seit den 2000er Jahren ein Discountermarkt. Obwohl der Bereich zum Kissingenviertel auf Pankower Flur länger unbebaut blieb, spricht die frühzeitige Bebauung der berlinnahen Pankower Nordseite (Pankow-Süd) der Straße für die unterschiedlichen Grundstückspreise im Randgebiet der Reichshauptstadt und der anschließenden bebauungsfähigen Ackerfläche einer Landgemeinde des Landkreises Niederbarnim, zu dem Pankow bis 1920 gehörte.

Als Teil des nördlichen Stadtrings verläuft die Wisbyer Straße von der Schönhauser Allee für 870 Meter etwas nach Süden gerichtet (5° auf die Richtung der Bornholmer Straße bezogen) und besitzt einen weiteren leichten Knick an der Tal-/Gudvanger Straße (ostwärts gesehen etwa 20° nach Süden), dessen Richtung in der Ostseestraße unverändert aufgenommen wird. Die Gebäude in Prenzlauer Berg gehören zum Postleitzahlbereich 10439, die Pankower zu 13189. Die Kreuzung Schönhauser Allee und Wisbyer/Bornholmer Straße ist ein Berliner Unfallschwerpunkt.Kristin Freyer: Wo Prenzlauer Berg am gefährlichsten ist. In: Prenzlberg-Nachrichten. 5. März 2012. Die Kreuzung wird von einem Hochbahn­bauwerk der Linie U2 überbrückt.

Geschichte

Der Straßenzug der (späteren) Wisbyer Straße ist erstmals in der Übersichtskarte des Bebauungsplanes der Umgebungen Berlins vom 25. April 1862 dargestellt. Im oberen Teil der Karte ist die gerade Trasse zwischen Platz H (Wedding) und dem Chausseehaus an der Straße nach Weißensee zu bemerken – durch Gesundbrunnen hindurch.alt-berlin.info: Der späteren Straße entspricht der Abschnitt an der Chaussee nach Pankow und der Chaussee nach Heinersdorf wenig südlich des Abzweigs nach Französisch-Buchholz. Am späteren Straßenknick in Höhe der Talstraße wird der Eschengraben überquert. In Höhe der Schönhauser Allee (Pankower Chaussee) sind Gärten und eine Windmühle eingezeichnet. Nach Norden führt ein Weg, der der Neumannstraße entspricht. Nach Süden sind die Straßen 18, 21, 15 trassiert. Im Straube-Plan von 1893alt-berlin.info: ist die Straße 1 der Abteilung XI aufgenommen. Die Weichteilgrenze Berlins liegt zwischen Prenzlauer und Pappelallee im Straßenlauf und weicht zur Schönhauser Allee 150 Meter nach Norden. Der Eschengraben liegt auf der Projektion der Talstraße. Bebauung besteht an der Südostecke zur Schönhauser Allee und mit der Nummer 53 an der Südostecke der Pappelallee (→ Stahlheimer Straße). Im Adressbuch 1896 ist für die im Norden der Pappelallee querliegende Weichbildgrenze das Wohnhaus 53Pappelallee 53: Eigentümer: vw. Ob.Amtm. C. Griebenow, wohnhaft Luisenstraße 31a und bewohnt vom Gärtnereibesitzer A. Fehmer genannt, und an der Westseite liegen BaustellenIn Berliner Adressbüchern sind Grundstücke, die im Kataster eingetragen sind als Baustellen bezeichnet, ein Bau ist damit nicht gemeint. auf 54–84, ebenfalls im Eigentum der C. Griebenow. Die Karte von 1899alt-berlin.info: zeigt noch die unbenannte und unbebaute Straßentrasse.

Die Wisbyer Straße ist Teil des Nordischen Viertels, das sich östlich des S-Bahnhofs Bornholmer Straße erstreckt und in dem viele Straßennamen Bezug zu Skandinavien und dem Ostsee­raum haben. Das Viertel entstand durch die von Berlin nordwärts fortschreitende Bebauung zur Weichbildgrenze in Richtung der Landgemeinde Pankow. Auf dem Plan von 1906 ist die Wisbyer Straße in der heute noch bestehenden Trassealt-berlin.info: zu erkennen. Die Trennung zwischen Berlin und Pankower Flur ist durch die Weichbildgrenze markiert. Im Pankower Teil sind die Bebauungspläne bis an die Neumannstraße und im südlichen Berliner Bereich Bebauungen im Karree Kugler- bis Greifenhagener Straße und das Grundstück an der Ostseite der Pappelallee aufgenommen. Der östliche Bereich an der Wisbyer Straße ist noch Freifläche, ebenso zur (erst 1913 benannten) Ostseestraße mit den projektierten trassierten Straßenzügen Berlins aufgenommen. Das Weißenseer Gebiet außerhalb der Reichshauptstadt ist ausgebaut.

Nach der Widmung der Wisbyer Straße im Jahr 1905 ist sie im Adressbuch 1906 erstmals aufgenommen. Die Lage ist mit Schönhauser Allee, Greifenhagener Straße bis Pappelallee und zurück zur Schönhauser Allee aufgenommen. Neubauten (ohne Mieter) sind bereits auf Grundstück 1–4 und 6 sowie gegenüber zur Ecke Schönhauser Allee (unnummerierter Neubau) aufgenommen. Auf Grundstück 5, zwischen Greifenhagener Straße und Pappelallee sowie an der Nordseite von Pappelallee bis an den nördlichen Neubau, sind Baustellen aufgenommen, die alle im Eigentum der Griebenowschen Erben stehen. Als namensgebend wird die „Hauptstadt der Insel Gothland“ genannt. Die Straße gehörte zum Postbezirk N 58, zuständiges Amtsgericht war Berlin-Wedding. Anzumerken ist, dass der nördliche Teil der Pappelallee am 15. September 1906 in Stahlheimer Straße benannt wurde.

Im Adressbuch 1910 gehört die Wisbyer Straße (in der Schreibung Wisbyerstraße) zum Postbezirk N 113, und die Grundstücke 32–58 gehören zu Pankow. Die südlichen SeitenstraßenDie beigefügten Zahlen in Klammern nennen das westliche Grundstück an der Straßenecke. sind Schönhauser Allee (1), Greifenhagener Straße (14), Straße 18c (16), Scherenbergstraße (18), Straße 18d (20), Stahlheimer Straße (22), Straße 18e (24), Lychener Straße (26), Straße 14d (28), Straße 14 (30), Prenzlauer Allee (31). Die nördlichen Seitenstraßen ab Schönhauser Allee (74) sind Trelleborger (65), Baumbach- (58), Kurze (-), Neumann- (-), Talstraße (-), und den Abschluss bildet die Uckermarkstraße (seit 1912: Prenzlauer Promenade). Die Wohnhäuser 1–6 (fünfgeschossige Mietshäuser mit Seitenflügeln) sind von je 22 bis 32 Mietern bewohnt, 7 ist (durchgehend zur Kuglerstraße) der Neubau der Paul-Gerhardt-Kirche, 8–12 sind Baustellen, 13 ist ein Mietshaus mit der Greifenhagener Straße 50. Es folgen Baustellen, das Haus 21 gehört der Deutschen Bank. An der Nordseite liegen 2–58 in Pankow (Prenzlauer Allee bis Behnsenstraße) sie sind unbebaut. Zwischen Trelleborger Straße und Schönhauser Allee sind 66 und 67 Baustellen, und 68–74 sind fünfgeschossige Mietshäuser aus Vorderhaus und zwei Seitenflügeln (27 Mieter, teilweise Ladenwohnung im Erdgeschoss des Vorderhauses) um den Innenhof mit den an der Schonenschen Straße liegenden (spiegelsymmetrischen Wohngebäuden).

Straßensystem mini|September 2006: Kompletterneuerung (hier der südlichen Fahrbahn der Wisbyer Straße Ecke Schönhauser Allee)

Im Berliner Straßenverzeichnis ist die Wisbyer Straße unter der Nummer 43588 aufgenommen. Entsprechend der Lage im Ringsystem gehört sie mit 1110 Meter in Kategorie II zu den übergeordneten Straßenverbindungen. Zudem sind unter dem Namen 90 Meter nicht kategorisiert (StEP-Klasse V) und nach OKSTRA als „F“ (Fußweg) eingestuft. Die Wisbyer Straße besitzt durchgehend zwei getrennte Richtungsfahrbahnen von zehn Metern Breite, die durch einen 23 Meter breiten Grünstreifen mit Randbäumen getrennt sind. Dieser Mittelstreifen ist an drei Stellen für den Querverkehr unterbrochen. Die Fahrbahnen sind mit zwei Fahrstreifen, einem Radweg und am Rand einer Parkspur markiert. Die fünf Meter breiten Gehwege besitzen am Straßenrand einen durchgehenden Grünstreifen. Für Fußgänger bestehen sieben Überwege.

Bei Straßenbaumaßnahmen wurde seit 2006 der Straßenbelag mit Kopfsteinpflaster durch Asphalt ersetzt. Dabei wurden beidseitig Radwege angelegt.Der Tagesspiegel: Berliner Fahrradwege die Tücke der Lücke Wisbyer Straße vom 27. Juli 2001. Dadurch hat sich die Situation auf der sehr stark befahrenen West-Ost-Straße gebessert und bietet den Anwohnern mehr Schutz vor Lärmbelästigung, den Radfahrern eine gute Verkehrsanbindung. Für sechs Millionen Euro wurden in den Jahren 2006–2008 die Fahrbahn und der Gehweg komplett erneuert.

mini|Lage in Prenzlauer Berg

Die folgende Ausführung der seitlich abgehenden Straßen beginnt an der Schönhauser Allee, zur Orientierung sind in Klammern die Grundstücksnummern gesetzt, auf denen die jeweilige Straße abzweigt.

Nördlich gelegene Straßen gehören zum Ortsteil Pankow. Trelleborger Straße (65/66) Baumbachstraße (58/59) Kurze Straße (55/56) Neumannstraße (50/51) Max-Koska-Straße (42/43, an der Ausfahrt liegen die Wohnhäuser Wisbyer Straße 44, 44a und 45–47) Talstraße (38–41)

Südlich gelegene Straßen gehören zum Ortsteil Prenzlauer Berg. Greifenhagener Straße (13/14) Lewaldstraße (15/16) Scherenbergstraße (17/18, die Eckbebauung gehört zur Seitenstraße) Glaßbrennerstraße (19/20, die Eckbebauung gehört zur Seitenstraße) Stahlheimer Straße (21/22, die Eckbebauung gehört zur Seitenstraße) Varnhagenstraße (23/24) Gudvanger Straße (25/26) Dunckerstraße (29/30)

Bebauung, Bau- und Gartendenkmäler

Im Ringstraßensystem des Hobrechtplans war die Trasse bereits vor 1890 vorgesehen. Mit der Planung der Bebauung war im umgesetzten Verlauf die Straße 31 der Abt. XII des Bebauungsplans trassiert worden. Die Straße wurde zunächst von der Schönhauser Allee ab bebaut. Im Jahr 1928 standen Wohnhäuser auf den Grundstücken 68–74 in geschlossener Karreebebauung in Richtung Schonensche Straße. Bebaut waren auch 56/57, 58, 51/52 (Westecke Neumannstraße) sowie vom Beamten-Wohnungs-Verein 43/44, (Max-Koska-Straße) 41/42 (zur Talstraße).Landeskartenwerk Blatt 4331 aus dem Jahr 1928 in 1933 waren die Südseite vollständig (ausgenommen 16/17) und die Nordseite von der Talstraße westwärts mit Wohngebäuden bebaut. Bis zur Begradigung zahlreicher Berliner Bezirksgrenzen im Jahr 1938 gehörten die Wohnhäuser an der Nordseite bis an die Schonensche Straße zwischen Baumbachstraße und Schönhauser Allee zum Bezirk Prenzlauer Berg.

mini|Poliklinik Wisbyer Straße, 16. Juni 1953