Deutsche Lande Deutsche Kunst (vor 1945 zumeist Deutsche Lande / Deutsche Kunst, zuletzt Deutsche Lande, deutsche Kunst) war eine im Deutschen Kunstverlag erschienene Buchreihe.
Die Reihe vor 1933 Die Buchreihe wurde 1925 von Burkhard Meier, dem damaligen Geschäftsführer des Deutschen Kunstverlages, begründet. Sie entstand durch die Zusammenlegung der beiden Reihentitel Deutsche Lande (ab 1922) und Deutsche Kunst (ab 1921). In den einzelnen Bänden wurden die Bau- und Kunstwerke bedeutender Städte und Landschaften des früheren Heiligen Römischen Reiches und des Deutschordensstaates vorgestellt. Daneben erschienen allerdings auch die beiden Künstler-Monographien über Tilman Riemenschneider und Veit Stoß. Die Texte stammten aus der Feder so namhafter Kunsthistoriker wie Ernst von Niebelschütz oder Wilhelm Pinder. Den Band über Potsdam verfasste der Herausgeber selbst. Die Auflage lag in der Regel bei 5000 Exemplaren.Roland Jaeger: Pflege der deutschen Kunst. Der deutsche Kunstverlag, Berlin. In: Autopsie. Deutschsprachige Fotobücher 1918 bis 1945, Band 1, S. 155. Etliche Titel wurden mit finanzieller Unterstützung der jeweiligen Stadt herausgegeben, da sie der Fremdenverkehrswerbung dienten. In den Büchern wird darauf mehr oder weniger deutlich hingewiesen. Allein von 1926 bis 1932 erschienen über 30 Titel, Neuauflagen nicht mitgezählt.
Die Bände im Format 25,5 × 18,0 cm waren in der Regel in zwei Varianten erhältlich: neben der in Ganzleinen gebundenen Ausgabe gab es zumeist auch eine broschierte. Letztere war ein wenig günstiger. So kostete die Leinenausgabe von Maulbronn 1938 3,– Reichsmark, die broschierte nur 2,– Reichsmark.Laut einer Werbebroschüre des Verlages von 1938. Für die fest eingebundenen Bände verwendete man zumeist schwarzes Leinen, vereinzelt kamen aber auch Ausgaben heraus, die in rotes oder blaues Leinen eingeschlagen waren. Alle Ausgaben waren mit einem illustrierten Schutzumschlag versehen.
Zur Standardausstattung gehörte – neben einem einleitenden Text, der in der Regel mit Stichen und Grundrissen angereichert war – ein umfangreicher Tafelteil mit schwarzweißen Abbildungen, die in der Anfangszeit vor allem aus den reichen Beständen der ehemaligen Meßbildanstalt (später: Staatliche Bildstelle) stammten. Es wurden aber auch Fotografen wie Walter Hege und Albert Renger-Patzsch mit der Illustration der Bände beauftragt. Die Texte wurden zwischen 1926 und 1929 in der Tiemann-Mediaeval gesetzt, die dann durch die Futura abgelöst wurde. In den späten 30er Jahren wurden allerdings auch mehrere Bände in Frakturschrift herausgegeben. Ab Ende der 1920er Jahre wurde durchgehend Kunstdruckpapier verwendet.
Die Buchreihe während des Nationalsozialismus Auch nach 1933 gedieh die Buchreihe prächtig und es erschienen zahlreiche neue Titel. Der Verlag beauftragte nach der Machtübernahme jedoch keine jüdischen Autoren mehr und so kam ein Titel über Göttingen nicht zustande, da der als Autor vorgesehene Kunsthistoriker Wolfgang Stechow als „Halbjude leider nicht mehr“ in Frage kam.Zitiert nach: „… ein Unternehmen ganz eigenartigen Gepräges“ – 100 Jahre Deutscher Kunstverlag: Der Verlag profitierte von der expansiven Außenpolitik der Nationalsozialisten und veröffentlichte 1938, kaum dass der Anschluss Österreichs erfolgt war, einen neuen Band über Wien. Allerdings war die Buchreihe auch schon vor der Machtübernahme nicht auf das damalige Staatsgebiet beschränkt gewesen, wie beispielsweise der 1928 über Kärnten erschienene Band beweist. Ab 1943 erschienen aufgrund des kriegsbedingten Materialmangels keine neuen Titel mehr, sondern nur noch Neuauflagen älterer Bände. Man konzentrierte sich vielmehr auf die Produktion der kleinformatigen Führer zu großen Baudenkmälern, für die das knapp gewordene Papier noch ausreichte.
Die Reihe nach dem Zweiten Weltkrieg Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Reihe in der bewährten Form fortgeführt. Dabei wurden nicht nur ältere Titel (München, Nürnberg, Würzburg) neu aufgelegt, sondern es erschienen zahlreiche neue Bände. Allerdings konnte von einigen besonders stark zerstörten Städten (Berlin, Bremen, München, Nürnberg, Ulm) zunächst nur der Vorkriegszustand präsentiert werden, da der Wiederaufbau zu Beginn der 1950er Jahre längst nicht abgeschlossen war und etliche Bauwerke noch immer in Trümmern lagen. Die ehemaligen deutschen Ostgebiete und das Gebiet der neu gegründeten DDR fanden innerhalb der Reihe keine Berücksichtigung mehr (Ausnahmen bildeten der in Zusammenarbeit mit Edition Leipzig publizierte Band Burgen in Sachsen und Thüringen und die Neuauflage des berühmten Pinder-Buches Der Naumburger Dom und seine Bildwerke). So beschränkte sich der von Hans Reuther verfasste Band über das Land am Harz im Gegensatz zu den Vorgänger-Ausgaben von 1939 und 1941 auf die westlichen, zur Bundesrepublik gehörenden Teile. Die nach 1945 erschienenen Darstellungen über die österreichischen Städte Linz, Krems, Salzburg und Braunau werden zwar offiziell zur Reihe gezähltVergleiche hierzu die Liste in: Deutscher Kunstverlag 1921–1996. Geschichte und Zukunft. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1996, S. 74–85., in den Büchern selbst findet sich aber kein Hinweis darauf. Auch die Künstlermonographien wurden innerhalb der Reihe fortgesetzt, es erschienen Bände über die Brüder Asam, Balthasar Neumann und Karl Friedrich Schinkel. Die Gestaltung der Bücher änderte sich zunächst nicht, jedoch fiel der farbige Kopfschnitt weg und das Kunstdruckpapier fand – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nur noch für den Tafelteil Verwendung. Für die Bebilderung wurden nun vorzugsweise renommierte Lichtbildner beauftragt (z. B. Lala Aufsberg, Helga Schmidt-Glassner und Lothar Klimek).
Die 1970er Jahre: Neues Layout Ab 1972 erhielten die Bände eine neue Optik: Die schwarzen Schutzumschläge wurden von nun an durchgängig mit einem vierfarbigen Foto versehen und der Leineneinband erhielt statt der bisherigen goldfarbenen Prägung eine weiße. Zudem wurde der Textteil verstärkt durch Farbtafeln bereichert, nachdem schon früher Farbreproduktionen auf dem Titelvorsatz einiger Ausgaben zu finden waren. Doch bereits gegen Mitte der 1970er Jahre zeichnete sich das allmähliche Ende der Reihe ab: Der Konkurrenzdruck durch die geradezu explosionsartig zunehmende Reproduktion der Farbfotografie war zu groß geworden, die große Zeit der „Foto-Grafik“ der 1960er Jahre war Geschichte geworden.Nach: Christof Claser, Georg Götz: Lothar Klimeks Fotografien Nordwestdeutschlands. Die Buchreihe „Deutsche Lande – Deutsche Kunst“. In: Bernd Küster (Hrsg.): „Ich sehe eben anders“. Fotografie in Nordwestdeutschland im 20. Jahrhundert. Bremen 2006, S. 214.
Das Ende der Reihe 1985 kam mit einer von Irene Markowitz verfassten Monografie über das Schloss Benrath bei Düsseldorf die letzte Neuerscheinung heraus und schon 2 Jahre später wurde die Reihe mit einer broschierten Sonderausgabe des Titels Berlin in der Geschichte seiner Bauten zum 750-jährigen Jubiläum der Stadt endgültig eingestellt. Insgesamt waren mehr als 150 Bände erschienenNach Angaben des Verlages umfasste die Reihe 1983 157 Bände. Vgl.: Deutscher Kunstverlag 1921–1996. Geschichte und Zukunft. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1996, S. 9., die sich zeitweise großer Beliebtheit erfreuten und zum Teil mehrfach aufgelegt wurden (Marburg: 4 Auflagen, Braunschweig und Bremen: 5 Auflagen, München: 6 Auflagen, Nürnberg: 7 Auflagen, Würzburg: 8 Auflagen).
Sonstiges Ab 1954 gab der Verlag unter dem Titel Westfälische Kunst eine weitere Reihe heraus, deren Bände über eine ähnliche Ausstattung verfügten.
Erschienene Bände in alphabetischer Reihenfolge A Aachen von Erich Stephany. Aufnahmen von Michael Jeiter. 1. Auflage, 36 S. Text, 64 Bilder, 1 Farbtafel, 1974 / 2. Auflage 1976 / 3. Auflage mit weißem Schutzumschlag, 32 S. Text, 64 Bilder, 7 Farbtafeln, 1983 Allgäu von Alfred Schädler. Aufnahmen von Lala Aufsberg. 52 S. Text, 128 Bilder, 1959 Alsfeld von Dieter Großmann. Aufnahmen von Erich Müller-Cassel. 48 S. Text, 48 Bilder, 1 Farbtafel, 1960 / 2. Auflage 42 S. Text, 48 Bilder, 3 Farbtafeln, 1976 Burgen und Schlösser in Altbayern von Heinrich Kreisel. Aufnahmen von Helga Schmidt-Glassner. 72 S. Text, 128 Bilder, 1957 Das Land Anhalt von Ludwig Grote. Aufnahmen Staatliche Bildstelle. 160 S. Text, 162 Bilder, 1929 (Ganzleinen 8,75 RM, broschiert 6,50 RM) Ansbach von August Gebeßler. Aufnahmen von Ingeborg Limmer. 40 S. Text, 64 Bilder, 1964 Die Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam von Erika Hanfstaengl. Aufnahmen von Walter Hege. 64 S. Text, 80 Bilder, 1 Farbtafel, 1955 (Schutzumschlag mit farbigem Titelbild) Augsburg von Tilmann Breuer. Aufnahmen von Helga Schmidt-Glassner. 40 S. Text, 92 Bilder, 1 Farbtafel, 1966
B Bad Hersfeld von Waldemar Zillinger. Aufnahmen von Michael Jeiter. 36 S. Text, 48 Bilder, 6 Farbtafeln, 1980 Baltenland von Niels von Holst. 112 S. Text, 120 Bilder, 1937 / 2. Auflage 1941 / 3. Auflage 1942 / 4. Auflage 1943 Bamberg von Harald Keller. Aufnahmen von Walter Hege. 56 S. Text, 92 Bilder, 1950 / 2. Auflage 56 S. Text, 96 Bilder, 1956 / 3. Auflage 56 S. Text, 96 Bilder, 1 Farbtafel, 1962 / 4. Auflage 60 Seiten Text, 96 Bilder, 3 Farbtafeln, 1973 Bamberger Land von Tilmann Breuer. Aufnahmen von Ingeborg Limmer. 64 S. Text, 128 Bilder, 1965 Barockkirchen in Altbayern und Schwaben von Gustav Barthel. Aufnahmen von Walter Hege. 48 S. Text, 96 Bilder, 1 Farbtafel, 1953 / 2. Auflage 56 S. Text, 120 Bilder, 3 Farbtafeln, 1960 / Neubearbeitung unter dem Titel Barockkirchen in Altbayern, Schwaben und in der Schweiz, weißes Leinen mit weißem Schutzumschlag, Aufnahmen von A. F. Kersting. 68 S. Text, 132 Bilder, 6 Farbtafeln, 1971 (Zwei frühere Ausgaben waren 1938 und 1941 in der Reihe Deutsche Dome erschienen) Schloß Benrath von Irene Markowitz. Aufnahmen von Michael Jeiter. Weißes Leinen mit weißem Schutzumschlag, 29 Bilder, 9 Farbtafeln, 1985 Berlin vor der Zerstörung von Paul Ortwin Rave. Aufnahmen von Otto Hegemann. 32 S. Text, 96 Bilder, 1948 / 2. Auflage 32 S. Text, 96 Bilder, 1949 / 3. Auflage 32 S. Text, 80 Bilder, 1952 Berlin in der Geschichte seiner Bauten von Paul Ortwin Rave. Aufnahmen von H. Urbschat und H. J. Fischer. 64 S. Text, 100 Bilder, 1960 / 2. Auflage 68 S. Text, 104 Bilder, 1966 / 3. Auflage bearbeitet von Jan Rave. 60 S. Text, 106 Bilder, 20 Textabbildungen, 4 Farbtafeln, 1976 / 4. Auflage als broschierte Sonderausgabe, 62 S. Text, 106 Bilder, 4 Farbtafeln, 1987 Der Bodensee, ein Spiegel abendländischer Kunst von Georg Poensgen. Aufnahmen von Helga Schmidt-Glassner und Th. Seeger. 48 S. Text, 120 Bilder, 1951 / Ab der 2. Auflage unter dem Titel: Der Bodensee, 60 S. Text, 160 Bilder, 1 Farbtafel, 1964 / 3. Auflage bearbeitet von W. E. Stopfel. Aufnahmen von Helga Schmidt-Glassner und Thomas Seeger. 68 S. Text, 160 Bilder, 5 Farbtafeln, 1975. Die deutsche Kunst in Böhmen und Mähren von Otto Kletzl. Aufnahmen Foto Marburg. 264 S. Text mit 268 Bildern, 1941 Bonn von Fried Mühlberg. Aufnahmen von Helga Schmidt-Glassner. 32 S. Text, 72 Bilder, 1951 Braunau am Inn von Reiner Reinisch. Aufnahmen von Werner Neumeister. 40 S. Text, 64 Bilder, 1 Farbtafel, 1974 Braunschweig von Paul Jonas Meier. Aufnahmen Staatliche Bildstelle. 120 S. Text, 105 Bilder, 1929 / 2., verbesserte Auflage, 120 S. Text, 105 Bilder, 1931 Braunschweig von Otto Stelzer. Aufnahmen von Willi Birker. 32 S. Text, 72 Bilder, 1952 / 2. Auflage, 32 S. Text, 80 Bilder, 1965 Braunschweig von Reinhard Ließ. Aufnahmen von Willi Birker. 5., in Text und Bildern völlig veränderte Auflage, 40 S. Text, 72 Bilder, 8 Farbtafeln, 1980 Bremen von Eberhard Lutze. Aufnahmen von Lala Aufsberg. 36 S. Text, 72 Bilder, 1953 / 2. Auflage, 52 S. Text, 80 Bilder, 1 Farbtafel, 1965. Bremen und Bremerhaven von Volker Plagemann. Aufnahmen von Lothar Klimek. 64 S. Text, 76 Bilder, 6 Farbtafeln, 1979