mini|Herzoglicher Palast
Pesaro ist eine Hafenstadt in der Region Marken (italienisch: Marche) und Hauptstadt und Verwaltungssitz der Provinz Pesaro und Urbino.
Pesaro hat Einwohner (Stand ) auf einer Stadtfläche von 126 km² und ist ein wichtiges Touristenzentrum an der italienischen Adriaküste. Der Ort liegt an dem Fluss Foglia, der nahe der historischen Altstadt in die Adria mündet.
Die Nachbargemeinden sind: Fano, Gabicce Mare, Gradara, Mombaroccio, Monteciccardo, Montelabbate, Tavullia und Vallefoglia.
Geschichte Antike Die Gegend des heutigen Pesaro war bereits in der frühen Eisenzeit besiedelt, da eine prähistorische Nekropole bei Novilara entdeckt wurde. Unweit von Pesaro kam es auch zu Inschriftenfunden, die auf einen nahegelegenen heiligen Hain (lucus) hinweisen sowie zur Entdeckung von vielen aus dem 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. stammenden Weihinschriften an zentralitalische Götter. Dies legt die Schlussfolgerung nahe, dass dort damals eine römische provinzielle Bürgergemeinde () bestand. An deren Stelle wurde 184 v. Chr. unter dem Namen () eine römische Kolonie mit rechtwinkligem Straßensystem gleichzeitig mit einer weiteren Kolonie, Potentia, durch die Triumvirn Quintus Fabius Labeo, Marcus Fulvius Flaccus und Quintus Fulvius Nobilior gegründet. Jeder Siedler erhielt eine Landfläche von 6 Jugera, wobei eine Einheit des antiken Flächenmaßes Jugerum 2. 523 m2 entsprach. Somit wurden jedem römischen Kolonisten von Pisaurum etwa 1,5 Hektar Land zugewiesen.Titus Livius, Ab urbe condita 39,44,10; Velleius Paterculus, Historia Romana 1,15,2. Wahrscheinlich erhielt der Ort seinen Namen nach dem nahegelegenen, in die Adria mündenden Fluss Pisaurus, der heute den Namen Foglia trägt.Pisaurum, in: William Smith (Hrsg.): Dictionary of Greek and Roman Geography, Band 2 (1857), S. 633. Pisaurum lag im Ager Gallicus an der Via Flaminia und war der Geburtsort des Dichters Lucius Accius. 174 v. Chr. ließ der Zensor Quintus Fulvius Flaccus die Straße nach Pisaurum pflastern und in der Stadt auch einen Jupiter-Tempel erbauen.Titus Livius, Ab urbe condita 41,27,11. Es prosperierte wahrscheinlich nicht sonderlich und zahlreiche dortige Bürger waren laut dem römischen Redner und Politiker Cicero 63 v. Chr. zur Teilnahme an der Catilinarischen Verschwörung bereit.Cicero, Pro P. Sestio 9.
Nachdem Gaius Iulius Caesar durch das Überschreiten des Rubikon Anfang 49 v. Chr. den Bürgerkrieg gegen Pompeius begonnen hatte, besetzte er neben mehreren anderen Orten, die ihm den Weg nach Rom öffneten, auch Pisaurum mit einer Kohorte.Gaius Iulius Caesar, De bello civili 1,11,4. Einige Jahre später siedelte der Triumvir Marcus Antonius einen Teil seiner Veteranen in Pisaurum als Kolonisten an. Kurz vor der Schlacht bei Actium (31 v. Chr.) scheint die Stadt von einem schweren Erdbeben erschüttert worden zu sein.Plutarch, Antonius 60,2. Zwischen 31 und 27 v. Chr. verpflanzte wiederum Kaiser Augustus weitere Siedler hierher. Inschriften belegen, dass der Ort, in dem auch Schiffbau betrieben wurde, nun den Namen annahm. Pisaurum gehörte zur Camilia in der sechsten Region; Inschriften verzeichnen als städtische Magistrate Duumvirn, Ädiln und Quästoren sowie in sakralen Ämtern verschiedene Priester.Pesaro, in: Enciclopedia Italiana, Bd. 26 (1935). Über die Geschichte der Kolonie während der Kaiserzeit ist wenig bekannt. Immerhin wird erwähnt, dass Pisaurum 270/271 n. Chr. von den Juthungen bedroht wurde; Kaiser Aurelian konnte jedoch diesen Volksstamm in der Schlacht bei Fano am Fluss Metaurus entscheidend schlagen.Aurelius Victor, Epitome de Caesaribus 35,2.
Mittelalter Während der Gotenkriege vom Ostgotenkönig Witichis 539 zerstört, wurde Pesaro fünf Jahre später von Belisar wieder aufgebaut.Prokop, Gotenkrieg 3,11,32 ff. Von 545 bis 553 befand sich die Stadt aber wieder im Besitz der Ostgoten. In der Folgezeit gehörte Pesaro zum ravennatischen Exarchat und war eine der Fünfstädte (Pentapolis).Geograph von Ravenna 4,31; Paulus Diaconus, Historia Langobardorum 2,19. Aistulf, König der Langobarden, eroberte 752 Pesaro, unterlag aber zwei Jahre dem Frankenkönig Pippin dem Jüngeren. Dieser schenkte 756 Pesaro und die anderen Städte der Pentapolis der römischen Kirche. Der mit Ravenna und dessen Erzbischof verbündete Adel Pesaros opponierte aber oft gegen die päpstliche Herrschaft und erweiterte seine Macht durch die Errichtung von Kastellen im Umland. Auch die Kaiser des Heiligen Römischen Reichs suchten gegen die Päpste ihren Einfluss in Pesaro geltend zu machen und die lokalen Adligen auf ihre Seite zu ziehen. Beispielsweise verliehen daher Ludwig der Fromme im Jahr 817 sowie Otto III. 1001 der Stadt diverse Privilegien. 1047 starb Papst Clemens II. auf seiner Rückkehr aus Deutschland, wohin er Kaiser Heinrich III. begleitet hatte, nach Rom in der Nähe Pesaros, wahrscheinlich an Gift.G. F. Schreiner: Pesaro. In: Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste., 3. Sektion, 18. Teil (1843), S. 248–256, hier: S. 252. Um 1050 fiel Pesaro und sein Umland an die Mark Ancona. Weil nun die Mehrzahl der tonangebenden Familien Pesaros zu den Kaisern hielt, kam es immer mehr unter den Einfluss des Heiligen Römischen Reichs. Dies führte öfters zu Streitigkeiten zwischen den lokalen Führungspersönlichkeiten, etwa Grafen und Bischöfen.
Im 12. Jahrhundert war Pesaro eine blühende Kommune; im Stadtregiment waren gleichzeitig Grafen und Konsuln vertreten. 1140 wurde Pesaro (zusammen mit Fossombrone, Senigallia und Ravenna) in einen Krieg mit Fano und dadurch mit Venedig verwickelt, da dieses sich mit Fano verbündete. In der Folgezeit stand Pesaro auf der Seite von Kaiser Friedrich Barbarossa bei dessen Unternehmungen in Italien.Pesaro, in: Treccani, Enciclopedia online. Heinrich VI. verlieh die Stadt mit der Mark seinem Seneschall Markward von Annweiler als Lehen. Nach dem Tod des Kaisers (1197) nutzte jedoch Papst Innozenz III. die gegen Markward gerichtete Stimmung der Bevölkerung in jenen Städten, die an Markward übergeben worden waren, um diese Städte wiederzugewinnen. Da die Städte dieser Gegenden sich mehr Freiheit unter der Herrschaft der Kirche als fremder Krieger versprachen, öffneten sie alle, so auch Pesaro, ihre Tore den zwei vom Papst entsandten Priester-Kardinälen, die zur Abforderung des Huldigungseids gekommen waren. Sie erkannten 1199 die Oberherrlichkeit des Papstes an, ohne jedoch auf ihre Munizipalverfassungen zu verzichten. Pesaro wurde wieder eine Kommune und kam auf Betreiben von Innozenz III. als Lehen an das Adelsgeschlecht der Este (1210–16). Abermals brach 1216 eine blutige Fehde zwischen den Nachbarstädten von Pesaro aus. Cesena und Rimini führten wegen Grenzstreitigkeiten Krieg, wobei Pesaro zu Rimini hielt. Der Krieg dauerte bis 1219 fort.
In den Auseinandersetzungen zwischen den Ghibellinen, die vor allem aus Vertretern des Feudaladels, etwa des Geschlechts der Montefeltro bestanden, und den papsttreuen Guelfen, zu denen die konsularen Familien Pesaros gehörten, konnten sich zur Regierungszeit Kaiser Friedrichs II. die Ghibellinen durchsetzen. Den Guelfen war daran gelegen, die städtische Autonomie zu stärken, weshalb sie sich um eine Verringerung des kaiserlichen Einflusses bemühten. Sie erlangten nach dem Tod Friedrichs II. (1250) wieder die Vormacht. König Manfred konnte zwar 1259 in Pesaro die Oberherrschaft für seine Partei erringen, doch nach seinem Tod 1266 gewannen erneut die Guelfen die Oberhand. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts kam es in der Stadt infolge von Kriegen und Missernten zu ökonomischen Krisen.
1285 fiel das nun eindeutig guelfisch gesinnte Pesaro unter die Herrschaft der Familie Malatesta.Pesaro. In: Meyers Großes Konversationslexikon. 6. Auflage. Band 15, 1906, S. 639. 1296 wurde Giovanni Malatesta päpstlicher Podestà der Stadt. Nach dessen Tod 1304 bemächtigte sich Pandolfo I. Malatesta der Stadt, wurde aber im August 1306 von den aufständischen Bürgern vertrieben. Gleiches widerfuhr ihm damals auch in Fano und Senigallia. Indessen wurde er nach dem Tod seines Bruders Malatestino dell’Occhio 1317 Haupt seines Hauses und Signore von Rimini sowie 1320 auch wieder Podestà von Pesaro. Mit seinem Neffen Ferrantino Malatesta, einem Sohn von Malatestino dell’Occhio, lebte er im besten Einvernehmen.G. F. Schreiner: Pesaro. In: Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber: (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste., 3. Sektion, 18. Teil (1843), S. 248–256, hier: S. 253.
Nach Pandolfos Tod 1326 regierte sein Sohn Malatesta II. Malatesta in Pesaro weiter, blieb dort aber nur bis 1330 Podestà. Der Heilige Stuhl machte 1331 der Familie das Ansinnen, die Signorie in Rimini zugunsten der Kirche aufzugeben. Malatesta unterstützte dabei den päpstlichen Legaten Bertrand du Pouget, da er schon längere gespannte Beziehungen zu Ferrantino hatte, der in Rimini zur Herrschaft gelangt war. 1333 eroberte Malatesta Pesaro, wo er wieder Podestà wurde, ferner Fossombrone und in den nächsten Jahren weitere Städte. Innozenz VI. entsandte 1355 den von deutschen Rittern unterstützten Kardinal Albornoz gegen den sich gegenüber den päpstlichen Interessen unzuverlässig zeigenden Malatesta. Dessen Bruder Galeotto I. Malatesta geriet in die Gefangenschaft des Kardinals, woraufhin sich Malatesta dazu bequemen musste, alle jüngst in der Mark Ancona gemachten Eroberungen zurückzugeben. Dafür erhielt er, gegen einen mäßigen jährlichen Tribut, als päpstlicher Vikar auf zehn Jahre die nominelle Signorie von Rimini, Pesaro, Fano und Fossombrone. Er starb 1364.
Malatestas Sohn Pandolfo II. Malatesta behielt die Signoria von Pesaro auch nach Ablauf der zehn Jahre, die der Familie 1355 zugestanden worden waren, und zwar als Lehensmann der Kirche. 1363 kam er den Florentinern mit einer kleinen Armee gegen die Pisaner zu Hilfe. In seinen letzten Jahren lebte er meist in Pesaro und starb dort 1373. Sein Sohn Malatesta IV. Malatesta war zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig und wurde 1385 Signore von Pesaro. 1404 trat er als Feldherr in die Dienste der Venezianer, um mit ihnen gegen Francesco II. da Carrara um den Besitz Paduas zu kämpfen. Später mit dem Gegenpapst Alexander V. verbündet, kämpfte er auf dessen Befehl 1409 an der Seite der Florentiner gegen die Truppen des Königs Ladislaus von Neapel, der den Papst Gregor XII. unterstützte. Malatesta IV. starb am 19. Dezember 1429 in Gradara. Von 1419 bis 1451 war Giovanni Benedetti Bischof von Pesaro, den Papst Nikolaus V. 1449 als seinen Legaten nach Siena schickte und gern in diversen Angelegenheiten verwendete.
Renaissance