Bad Gastein [], von 1906 bis 1996 Badgastein, ist ein Kur- und Wintersportort mit Einwohnern (Stand )„Jänner“: in Österreich und Süddeutschland für ‚Januar‘. im Gasteinertal in Österreich. Bad Gastein gehört zu den Gemeinden des Nationalparks Hohe Tauern und liegt am Fuß des Graukogels.

Geografie mini|hochkant=1.2|Bad Gastein am Fuße der Hohen Tauern, Blick auf das Radhausbergmassiv

Eine Besonderheit ist die Lage des Zentrums, das an den Steilhängen um den Wasserfall entstanden ist und sich durch sehr steile und enge Gassen kennzeichnet. An diesen Klippen wurden platzsparend mehrstöckige Häuser errichtet, sodass das Erscheinungsbild der Ortschaft an eine Stadt erinnert („Wolkenkratzerdorf“). Der Höhenunterschied des Ortes zwischen Quellpark und Bahnhof beträgt ca. 80 Höhenmeter. Es ist möglich, durch die Benutzung des Parkhausliftes (elf Stockwerke) einen Teil der Höhendifferenz vom Ortskern zum Bahnhofsgelände zu überwinden.

Durch die Gemeinde fließt die Gasteiner Ache. Zu deren Nebenbächen in Bad Gastein zählen der Anlaufbach, der Kötschachbach und der Palfner Bach. Gebirgsseen in Bad Gastein mit einer Fläche von über einem Hektar sind, absteigend nach Größe gereiht, der Untere Bockhartsee, der Palfner See, der Reedsee, der Obere Hörkarsee, der Gamskarlsee, der Obere Bockhartsee, der Untere Hörkarsee, der Knappenbäudlsee, der Sparangerkeessee, der Kreuzkogelsee, der Tischlerkarsee und der Woisgensee. Jeweils unter einem Hektar groß sind der Große Tauernsee, der Windschursee, der Obere Bärmoossee, der Kühkarsee, der Untere Bärmoossee, der Kleine Palfner See und der Grasleitensee.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst die Katastralgemeinden Badgastein, Böckstein sowie Remsach und die Ortschaft Bad Gastein. Zu den Ortsteilen von Bad Gastein gehören Anlauftal, Badberg, Badbruck, Bad Gastein, Böckstein, Hinterschneeberg, Hirschau, Kötschachdorf, Kötschachtal, Patschgsiedlung, Pyrkershöhe, Remsach und Sportgastein.

Bis Ende 2002 gehörte die Gemeinde zum Gerichtsbezirk Gastein, seit 2003 ist sie Teil des Gerichtsbezirks Sankt Johann im Pongau.

Nachbargemeinden

Geschichte Ortsname Der Ort hieß in den letzten Jahrhunderten Wildbad bzw. Wildbad Gastein. Von 1906 bis 1996 hieß die Gemeinde Badgastein. Mit 1. Jänner 1997 wurde die Schreibweise auf Bad Gastein festgelegt. Der Name „Gastein“ geht auf zwei indogermanische Wurzeln zurück und bedeutet entweder „grauer Fluss“ oder „gischtender Fluss“. Das älteste noch vorhandene Dokument mit der Namensform „Gastuna“ findet sich 963 in einer Urkunde der Edlen Rosmuot.

Badeanlagen und Kurbetrieb

Am Anfang waren die Badeanlagen Gemeinschaftsbäder, in denen sich die Badegäste mit Frühstück und Brettspielen die Zeit vertrieben. Für die erfolgreichen Badekuren des Mittelalters waren lange Badezeiten und auch die allgemein übliche lange Kurdauer von sechs Wochen erforderlich. Auch der Gasteiner Heilstollen soll im Rahmen der Radonbalneologie natürliche Hilfe bei rheumatischen Erkrankungen bieten.

Im Mittelalter verbreitete sich die Kunde von der Heilkraft der Gasteiner Thermen. Trotz der damals primitiven Bademöglichkeiten und Unterkünfte nahmen Fürsten und hohe Herren weite und beschwerliche Reisen zu den Thermalquellen auf sich. Das Thermalwasser wurde in offenen Holzrinnen von den Quellen zu den Gasthäusern geleitet, später in hölzernen Brunnenrohren. In das benachbarte Bad Hofgastein wurde das Heilwasser mittels Fässern und Pferdegespannen gebracht, bevor 1830 eine Thermalwasserleitung gebaut wurde. mini|hochkant|Ansicht auf einem Stahlstich von 1840

Gasteiner Konvention Am 14. August 1865 wurde in Bad Gastein zwischen Österreich und Preußen die Gasteiner Konvention beschlossen, die das Kondominium über die infolge des Deutsch-Dänischen Krieges 1864 erworbenen Herzogtümer Schleswig (preußisch verwaltet) und Holstein (österreichisch verwaltet) regelte.

Kaiser Wilhelm I. und Otto von Bismarck hatten auch späterhin eine Vorliebe für den Kurort.

Österreichs größtes Heilbad wurde auch später noch bei Rheuma, Gelenks- und Alterskrankheiten sowie Durchblutungsstörungen aufgesucht.Deutsche Heilbäder und Kurorte. In: Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. CXXIX (Badgastein. Seit 600 Jahren bewährt).

Bergbau Im Ortsteil Böckstein lag das Zentrum des Goldbergbaus in den Hohen Tauern. Wichtigster Goldlieferant war zu allen Zeiten der Radhausberg. Im Jahr 1557 wurden aus Gastein und Rauris 830 kg Gold und das Dreifache an Silber in den salzburgischen Silberhandel (Ankaufsmonopol des Landesherren) eingeliefert. Der Bergbau auf Edelmetalle wurde 1616 verstaatlicht. Diese nun als „ärarisch“ bezeichnete Betriebsperiode dauerte bis 1865/1868.

Nach der Stilllegung durch den Staat übernahmen Privatinvestoren den Bergbau und gründeten die Erste Gewerkschaft Radhausberg, die bis 1904/1905 dauerte. Dann interessierte sich der Schweizer Tunnelbauer Karl Imhof (1873–1944) für den Bergbau, fand in dem Schweizer Tabakproduzenten Fritz Mayer einen Financier und rief die Zweite Gesellschaft Radhausberg ins Leben. Der wirtschaftliche Erfolg blieb gering. Von 1926 bis Herbst 1937 ruhte der Produktionsbetrieb. Nach einem kurzen Engagement des englischen Edron-Trusts betrieb ab Ende März 1938 die deutsche Bergbaufirma Preußag den Bergbau; diese erzielte zwar keine Erfolge, sorgte aber für die Entstehung des heutigen Gasteiner Heilstollens. Heute erinnern das Böcksteiner Montanmuseum und der Verein Via aurea an diese Zeit.

Nachkriegsgeschichte mini|hochkant=0.8|Die rot markierten Gebäude, die einen Großteil des Zentrums ausmachen, stehen seit Jahren leer (Stand 2010)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Bad Gastein aus requirierten Hotels ein DP-Lager eingerichtet für jüdische, so genannte Displaced Persons, von denen die meisten aus dem DP-Lager auf dem Gelände des KZ Ebensee nach Bad Gastein verlegt worden waren. Das Lager, in dem zeitweise bis zu 1300 Personen lebten, wurde im März 1946 aufgelöst.

Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg konnte sich Bad Gastein als mondäner Kurort gehobener Gesellschaftsschichten nicht mehr behaupten. Als Kompensation wurde ab 1946 der Wintersport-Tourismus errichtet. Des Weiteren siedelten sich durch die behauptete Heilwirkung des radonhaltigen Thermalwassers vermehrt Rehabilitationskliniken der Krankenkassen und Wellness-Hotels an.

Seit vielen Jahren verlagerte sich die touristische Infrastruktur des Ortes zunehmend vom historischen Kern hinauf zum Bahnhofsareal. Dieses ist durch die ebene Lage, die Lage an der Bundesstraße und die unmittelbare Nähe von Bergbahnstationen (Wintersport) für Touristen attraktiver und bequemer zu erreichen. Die ebenfalls dort befindliche Felsentherme, die wegen maroder Einrichtungen vor der Insolvenz stand, wurde bis November 2017 aufwändig modernisiert. Wegen veränderter Freizeit-Gewohnheiten (die früher dominierende Sommersaison wurde durch die Wintersaison abgelöst) und völlig veralteter Gebäude (viele Hotels wurden seit den 1970er Jahren nicht mehr modernisiert und hatten unzureichende Heizmöglichkeiten) verrotteten die einstigen Belle-Époque-Herbergen zunehmend. Das Grandhotel Gasteinerhof, das lediglich drei Bäder hatte, schloss 1987.

Um 1980 renovierte der Unternehmensberater Reinhardt Stefan Tomek im Auftrag der damaligen Eigentümer das Grand Hotel de l’Europe, einst eines der größten und exklusivsten Luxushotels Europas, mit dem für ganz Bad Gastein gedachten Konzept „Das Monte Carlo der Alpen“. Nach einer medienwirksamen Eröffnung zu Neujahr 1982 als Eurovision’s Sendung mit dem ORF und einigen erfolgreichen Jahren blieben infolge der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl 1986 und der weltweiten Finanzkrise 1987 vermögende Gäste aus, was zur Insolvenz der AG und zum erneuten Dornröschenschlaf Bad Gasteins durch weitere Leerstände im Zentrum führte. Die von Tomek begründete Wohnungseigentümergemeinschaft blieb aber aufrecht und war die Basis für einen Neubeginn. Seitdem wird das vielstöckige Haus als Apartment-Gebäude genutzt, wobei die meisten Eigentümer nur wenige Wochen im Jahr anwesend sind. Das Spielcasino zog 2015 aus.

Zwischen 2001 und 2005 erwarb der Wiener Immobilien-Unternehmer Franz Duval für insgesamt fünf Millionen Euro fünf historische Gebäude, die das Zentrum prägen (Haus Austria, Kongresshaus, Hotel Straubinger, Badeschloss, k. u. k. Postamt). Seitdem verfielen die Liegenschaften, und auch Sohn Philipp Duval, der die Anwesen 2013 erbte, legte keine Sanierungs-Pläne vor. Allerdings teilte der Wiener Architekt Franz Wojnarowski im Februar 2017 mit, es gebe Kaufinteressenten, die wie er selbst „eine architektonische Verbindung von alter, klassizistischer Bautradition und modernen Neubauten“ anstrebten. Wojnarowski hielt damals 50 Prozent einiger Altbauten am Straubingerplatz, Philipp Duval die andere Hälfte. Duval war aber Alleineigentümer des Hauses Austria und des desolaten Kongresszentrums und hatte nach Angaben der Gemeinde „jeglichen Kontakt abgebrochen“.

Da Investitionen in die touristische Zukunft des Ortszentrums jahrelang ungewiss waren, gab es Versuche, den „Schandfleck“ übergangsweise künstlerisch zu nutzen und Gäste für den „morbiden Charme“ des Areals zu begeistern. So wird seit 2010 im Juli das Festival Sommerfrischekunst abgehalten und seit 2011 werden für einige Wochen Künstler zum Arbeiten in Ateliers im denkmalgeschützten Kraftwerk am Fuße des Wasserfalls und Wohnen in Hotels eingeladen. Die Presse verwies in diesem Zusammenhang auf avantgardistische Performer, hochwertige Restaurants und bezeichnete Bad Gastein als „Hochburg für Kreative und Verrückte“.

Anfang November 2017 kaufte das Land Salzburg das leerstehende und stark renovierungsbedürftige historische Ensemble am Straubingerplatz mit dem Hotel Straubinger, dem Badeschloss und dem Postgebäude für sechs Millionen Euro und finanzierte eine erste, notdürftige Sanierung. Im November 2018 wurden die Gebäude an die Münchner Hirmer-Immobiliengruppe für 7,5 Millionen Euro weiterveräußert, unter der Maßgabe spätestens drei Jahre nach Vorliegen der notwendigen Genehmigungen mindestens ein 4-Sterne superior- bzw. ein 5-Sterne-Hotel zu errichten. Ein 520 Meter langer Fußgängertunnel und ein neues Parkhaus sollten bis 2021 die Verkehrsprobleme im Zentrum lösen. Die Übernachtungszahlen sind ungeachtet der innerörtlichen Bauruinen deutlich gestiegen. Sie lagen 2018 bei 1,2 Millionen jährlich gegenüber 850.000 im Jahr 1990. Im Februar 2019 war sogar von einer neuen „Goldgräberstimmung“ die Rede. 2023 wurden im September das Straubinger Grand Hotel und im Dezember das Lifestyle-Hotel Badeschloss wiedereröffnet.https://www.ahgz.de/hotellerie/news/hirmer-hospitality-straubinger-und-badeschloss-in-bad-gastein-eroeffnet-310745

Bevölkerungsentwicklung

Politik mini|Gemeindeamt Gemeinderat

Die Gemeindevertretung hat insgesamt 21 Mitglieder.

Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2004 hatte die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 12 SPÖ, 10 ÖVP, 2 ULB, und 1 FPÖ. Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2009 hatte die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 11 ÖVP, 8 SPÖ, 1 FPÖ, und 1 ULB. Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2014 hatte die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 12 ÖVP, 5 SPÖ, und 4 FPÖ. Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2019 hatte die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 12 ÖVP, 5 FPÖ, und 4 SPÖ. Mit den Gemeindevertretungs- und Bürgermeisterwahlen in Salzburg 2024 hat die Gemeindevertretung folgende Verteilung: 8 ÖVP, 6 WEISS, 4 FPÖ und 3 SPÖ.

Bürgermeister

1936–1938 Fritz Obrutschka 1954–1964 Josef Pfarrmaier (SPÖ) 1964–1974 Anton Kerschbaumer (ÖVP) 1974–1989 Rudolf Fornather (SPÖ) 1989–1994 Friedrich Kreuzer (FPÖ) 1994–2004 Manfred Gruber (SPÖ) 2004–2024 Gerhard Steinbauer (ÖVP) seit 2024 Norbert Ellmauer (ÖVP)

Wappen