miniatur|Einkaufszone in der Louisenstraße Die Louisenstraße ist die Hauptgeschäftsstraße von Bad Homburg und durchquert die barocke Neustadt in einer Länge von 1,5 Kilometern.
Allgemeines Die Louisenstraße beginnt als Verlängerung der Ritter-von-Marx-Brücke und des Schulberges und führt nach Südosten in Richtung der ehemaligen Frankfurter Chaussee, der Landstraße nach Frankfurt am Main, vorbei am Marktplatz, dem Kurhaus und dem Alten Bahnhof (Frankfurter Bahnhof) – an dessen Stelle 1979 ein neues Gebäude errichtet wurde, welches unter anderen das heutige Rathaus beherbergt. Die Straße war von 1899 bis 1962 in voller Länge, dann bis 1971 nur noch im unteren Teil von der Straßenbahn durchzogen.
Die Louisenstraße und die sich beiderseits erstreckenden Quartiere markieren die Neustadt, die sich von der Altstadt nach Südosten hin erstreckende Erweiterung Homburgs aus der Zeit des Barock. Die ursprünglich barocke Bebauung im oberen Teil der Louisenstraße wurde seit der Mitte des 19. Jahrhunderts durch moderne, zeilenbildende Wohn- und Geschäftshäuser abgelöst. Durch den Neubau eines von der Straße zurückversetzten Wohnhauses (Nr. 102) gegenüber dem Alten Bahnhof im Jahr 1878 entstand eine platzartige Erweiterung. 1902 erhielt die Stadt von der Gemeinde Gonzenheim auch den Bereich der unteren Louisenstraße, wodurch sich die Möglichkeit einer Erweiterung nach Südosten bot, während in etwa gleichzeitig im Bereich der oberen Louisenstraße auf weitere zeilenbildende zeitgenössische Bebauung zu Gunsten einer den mittelalterlichen Stadteingang unterstreichenden Bebauung verzichtet wurde. Nach Plänen von Louis Jacobi, der auch an Umbauten an Schloss und Saalburg mitgewirkt hatte, entstanden von 1902 bis 1908 Bauten im Stile spätmittelalterlicher Kontorhäuser, darunter die Marktlauben (Nr. 13) von 1906/1907.
In der Louisenstraße sind mehr als 30 Gebäude als Einzeldenkmäler ausgewiesen. Siehe hier die Liste der Kulturdenkmäler in Bad Homburg vor der Höhe.
Geschichte Entstehung der Neustadt mini|Bruch’scher Stadtplan von 1787 Ab dem Jahr 1684 wurde unter Landgraf Friedrich II. mit dem Bau der Neustadt begonnen. Die Neustadt wurde nach Friedrichs zweiter Frau, Luise Elisabeth von Kurland (1646–1690), Louisenstadt und die zentrale Straße Louisenstraße genannt. Im Gegensatz zu den verwinkelten, historisch gewachsenen Gassen der Altstadt, entstand in der Neustadt ein System rechtwinkliger Straßen nach einem einheitlichen Plan. Hauptachsen waren die parallel verlaufenden Straßen Louisenstraße und Dorotheenstraße. Als Friedrich II. 1708 starb, bestand die Neustadt aus 53 Häusern, von denen 38 an der Louisenstraße standen.Friedrich Lotz: Geschichte der Stadt Bad Homburg vor der Höhe, Teil 2, S. 103–105; Hier findet sich auch eine Liste aller dieser Häuser und deren Eigentümer bzw. Bauherren Der Planer der Neustadt ist unbekannt. Vermutlich entwarf der Baurat Andrich die Pläne. Das erste Haus auf der Louisenstraße wurde von Hofbäcker Johann Klußner 1684 errichtet. Da ihm das Geld ausging, vollendete Schreinermeister Dremmel, der das Haus von ihm gekauft hatte, 1685 das Werk.Friedrich Lotz: Geschichte der Stadt Bad Homburg vor der Höhe, Teil 2, S. 89 Die Anwohner der Neustadt waren zunächst Hofleute und Handwerker. Später kamen zunehmend Hugenotten hinzu, die der Landgraf in Homburg ansiedelte.Friedrich Lotz: Geschichte der Stadt Bad Homburg vor der Höhe, Teil 2, S. 94–94
An der Louisenstraße bestanden zur Wasserversorgung vier Brunnen: An der Ecke zur Haingasse (früher Brunnengasse), am Gasthaus zum Löwen, am Waisenhausplatz und gegenüber dem Gasthaus zum Adler. Landgraf Friedrich III. stiftete einen neuen Brunnen an der Ecke zur Haingasse. Der Narzißbrunnen war ein repräsentativer Brunnen, der von einer Figur des Narziß geprägt wurde.Friedrich Lotz: Geschichte der Stadt Bad Homburg vor der Höhe, Teil 2, S. 127 Für die Jahre 1738 bis 1744 sind vollständige Einwohnerlisten zu Besteuerungszwecken erhalten. 103 Häuser werden dort aufgeführt.Friedrich Lotz: Geschichte der Stadt Bad Homburg vor der Höhe, Teil 2, S. 137–140; Hier findet sich auch eine Liste aller dieser Häuser und deren Besitzer
Die Louisenstraße als Verkehrsachse mini|Bad Homburg, Teilansicht der Louisenstraße mit Hotels (1866) mini|Bad Homburg, Stadtplan von 1857
1899 wurde in der Stadt die erste Straßenbahnlinie eröffnet, die die Louisenstraße in ihrer vollen Länge befuhr, um Verbindungen nach Kirdorf, Dornholzhausen und ab 1900 auch zur Saalburg herzustellen. Obwohl bereits wenige Wochen nach Betriebsbeginn von Anliegern gegen den wachsenden Lärm protestiert wurde, baute man die eingleisige Strecke zu einer zweigleisigen aus, um auch noch die Lokalbahnlinie 25 aufnehmen zu können. Diese wurde am 4. Mai 1910 eröffnet und führte von ihrem Endbahnhof am Marktplatz (Ecke Haingasse) über die Louisenstraße nach Frankfurt. Im Takt von 10 bis 15 Minuten fuhren die Straßenbahnen über die Louisenstraße, die damit zur Hauptverkehrsachse der Stadt geworden war. In der Stadtverordnetensitzung vom 24. Mai 1910 wurden auch die negativen Aspekte thematisiert: Der Charakter einer „stillen Kur- und Badestadt“ ginge verloren und Hotellerie und Einzelhandel würden leiden. Im Bezug auf die Hotellerie stimmte diese Aussage: Im Laufe der folgenden 20 Jahre verschwanden die Hotels (und der Tourismus wanderte in ruhigere Straßen ab). Der Einzelhandel erlebte jedoch einen Aufschwung. Damit einher ging das Entstehen des heutigen Charakters einer Geschäftsstraße.Heinz Grosche: Geschichte der Stadt Bad Homburg vor der Höhe, Teil 4, S. 443–444
Jahrelang war vor allem die Straßenbahn- und Bushaltestelle „Markt/Haingasse“ der Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs. Nachdem schon seit den 1920er Jahren der innerstädtische Straßenbahnverkehr in der Louisenstraße stark zurückgegangen und ab 4. Juli 1962 auch die Lokalbahnlinie 25 zwischen Markt und Altem Bahnhof stillgelegt worden war, endete der Schienenverkehr am 19. Dezember 1971 auch auf dem Reststück der Straße – die Gleise wurden in der Folgezeit abgebaut.
Andererseits nahmen seit dem Jahr 1925 mehrere Omnibuslinien ihren Weg durch die Louisenstraße. Vor allem in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg verkehrten Bundesbahn- und Postomnibusse sowie private Buslinien in dichten Abständen in Richtung der umgebenden Gemeinden; besonders die blauen und roten Schnellbusse nach Frankfurt belebten das Straßenbild. Heute befahren Omnibuslinien nur den Teil der Straße oberhalb der Haingasse und vor dem Kurhaus sowie unterhalb des Rathauses. Die dort befindlichen Haltestellen ermöglichen jedoch eine gute Anbindung der gesamten Straße an den öffentlichen Nahverkehr.
Seit 1905 ermöglichte der Bau der Brücke über die Altstadt auch dem Durchgangsverkehr, die Louisenstraße zu benutzen. Der zunehmende Autoverkehr führte in den 1930er Jahren zum Bau der Umgehungsstraße, die Hindenburgring genannt wurde. Zusätzlich erhielt Bad Homburg einen Anschluss zur neu gebauten Autobahn. Die Entlastung der Louisenstraße hierdurch wurde jedoch im Laufe der Jahre durch den ständig zunehmenden Kraftverkehr aufgehoben.
Die Louisenstraße als Fußgängerzone mini|Tuffsäule von Christof Krause Im Generalverkehrsplan von 1969 wurde die Umwandlung der Louisenstraße in eine Fußgängerzone vorgeschlagen. Der Plan war heftig umstritten. Eine Verlagerung des Verkehrs auf die Kaiser-Friedrich-Promenade beeinträchtige die Kur, die Kisseleffstraße könne die zusätzlichen Autos nicht aufnehmen. Einzelhändler sorgten sich darum, ihre Kunden können sie nicht mehr erreichen. Vor allem aber konzentrierte sich die Kritik, die auch die IHK vortrug, darauf, dass zunächst einmal Parkhäuser errichtet werden sollten, um die auf der Louisenstraße wegfallenden Plätze zu kompensieren, bevor die Louisenstraße zur Fußgängerzone erklärt werden würde.
Ungeachtet der Proteste wurde die Louisenstraße vom Schloßplatz bis zur Ferdinandstraße am 20. Juni 1973 förmlich zur Fußgängerzone erklärt. Die Umsetzung erfolgte jedoch über einen längeren Zeitraum. Das Stück bis zur Haingasse wurde nie umgesetzt. Die obere Louisenstraße wurde zunächst umgestaltet. Der für 130.000 DM erneuerte Marktplatz wurde am 30. November 1974 eingeweiht. Die Fußgängerzone endete aber noch am Kurhausvorplatz. Am 1. November 1975 war auch das Teilstück Ludwigstraße bis Kisseleffstraße umgebaut. 1984 wurde der Kurhausvorplatz für den Verkehr gesperrt, wird aber noch von Bussen befahren. Der untere Bereich von der Ferdinandstraße bis zum Europa-Kreisel ist weiterhin für den Straßenverkehr freigegeben. 1977 wurde ein Brunnen, bestehend aus einer Tuffsäule, über die das Wasser floss, von Christof Krause zwischen Hertie und Rathaus aufgestellt. Heute ist die Säule trockengelegt.Barbara Dölemeyer u. a.: Geschichte der Stadt Bad Homburg vor der Höhe. Teil 5, S. 124–127
Kinostandort Louisenstraße Nachdem die ersten Filme in kleineren Kinos oder Gasthaussälen vorgeführt wurden (in Bad Homburg war dies zum Beispiel die Schauburg in der Elisabethenstraße 15 oder die 1923 entstandenen Schützenhof-Lichtspiele in der Audenstraße 2–4), entstanden in den 1920er Jahren große repräsentative Kinos in besten Lagen. In Bad Homburg wurden nach dem Ersten Weltkrieg im Kurtheater die Kur-Lichtspiele und 1921 in der Louisenstraße 30 die Central-Lichtspiele eröffnet. Die wichtigste Neueröffnung war das neue Kino von Adam Henrich, das Lichtspielhaus Louisenstraße 89, das am 14. Dezember 1918 eröffnet wurde. In der Inflationszeit mussten alle Kinos bis auf die Central-Lichtspiele und das Lichtspielhaus Louisenstraße 89 schließen. Die Central-Lichtspiele wurden 1926 feuerpolizeilich geschlossen.Heinz Grosche: Geschichte der Stadt Bad Homburg vor der Höhe. Teil 4, S. 43 ff. 2024 wurde es bei einem Brand zerstört.https://www.fnp.de/lokales/hochtaunus/bad-homburg-ort47554/news-grossbrand-bad-homburg-hochtaunus-feuer-polizei-feuerwehr-einsatz-elisabethenstrasse-innenstadt-93304877.html
Das Kinogeschäft lief aber nun so gut, dass Henrich expandierte. 1928 eröffnete er in der Luisenstraße 26 das HELIPA (Henrichs-Lichtspiel-Palast). Wenn auch nicht so prächtig wie der 1935 von Henrich in Gießen eröffnete Gloria-Palast, war es doch ein aufwändig ausgestattetes Haus. 1933 musste Henrich jedoch das alte Lichtspielhaus Louisenstraße 89 aufgrund der Weltwirtschaftskrise schließen.
Am 21. Dezember 1935 wurde in der Louisenstraße 89 durch das Ehepaar Feldmaier ein neues Kino eröffnet: Das Thalia. Das Thalia wurde bei den Luftangriffen vom Donnerstag, dem 8. März 1945 vollständig zerstört und nicht wieder aufgebaut. Das HELIPA blieb unzerstört und bestand auch nach dem Krieg weiter.Heinz Grosche: Geschichte der Stadt Bad Homburg vor der Höhe, Teil 4, S. 335–336 1949 wurde Inge Löwenstein im HELIPA zur ersten Miss Germany gewählt. In der Folge wurden mehrere Kinos eröffnet. 1954 eröffnete das Rex am alten Bahnhof in der Louisenstraße seinen Betrieb als fünftes Kino der Stadt. Das Kinosterben der 1960er Jahre überlebte keines dieser Kinos. Auch HELIPA und Rex wurden geschlossen. 1983 gab es kein einziges Kino in der Stadt. Nachdem das Kino in der Taunus-Therme geschlossen wurde, verfügte Bad Homburg einige Jahre über kein regelmäßig bespieltes Kino mehr bis das Kinopolis am Bahnhof 2023 eröffnet wurde.https://www.fnp.de/lokales/hochtaunus/bad-homburg-ort47554/grosses-kino-endlich-wieder-ganz-92502343.html
Bankenstandort Louisenstraße mini|Louisenstraße 52, Deutsche Bank