Die Geschichte des Bezirks Braunau beschreibt die Geschichte im Bezirk Braunau.
mini|Antennendolch aus Pfaffstätt-Hallstattzeitmini|Halsreif aus dem Fürstengrab von Uttendorf-Hallstattzeit
Urgeschichte Jüngere Steinzeit (5000–1800 v. Chr.) Erste menschliche Spuren lassen sich im Bezirk Braunau für die Epoche der jüngeren Steinzeit nachweisen. Besonders die Flusstäler der Mattig, des Engelsbach, des Moosbachs und des Steckenbachs wurden wegen des sonst den Bezirk bedeckenden Urwalds bevorzugt besiedelt. Zahlreiche Fundstücke aus vielen Gemeinden belegen die Anwesenheit des Neolithmenschen im Bezirk. Die Fundgegenstände sind heute großteils im Bezirksmuseum Herzogburg ausgestellt.Adolf Stelzl: Aus vergangenen Tagen I. In: Bezirksbuch Braunau am Inn. Mooserbauer, Mattighofen 1992, S. 219–229.
Bronzezeit (1800–750 v. Chr.) Funde aus der Bronzezeit wurden im Bezirk Braunau in Altheim bei Feldkirchen, Schwand, Pischelsdorf, Lochen Munderfing und Leithen bei Weng gemacht. Die bedeutendsten Funde waren aber das aus 24 Hügelgräbern bestehende Gräberfeld beim Inn-Salzach-Blick (Gemeinde Überackern), das Gräberfeld bei St. Peter am Hart und die Urnenfeldergräber beim alten Pfarrhof in Überackern.
Ältere Eisenzeit (Hallstattzeit 750–400 v. Chr.) Der bedeutendste Fund aus der Hallstattzeit wurde in Uttendorf-Moos gemacht, wo einer der Pioniere der oberösterreichischen Archäologie, Hugo von Preen, ein Fürstengrab aufdeckte. Das Grab datiert in die Zeit um 550 v. Chr. Ähnliche Goldhalsreifen wurden in Ostfrankreich und Süddeutschland gefunden.OÖN Artikel über den goldenen Halsreif von Uttendorf, abgerufen am 7. November 2010.
Jüngere Eisenzeit (400–Christi Geburt) In der jüngeren Eisenzeit besiedelte der keltische Stamm der Alaunen den salzburgisch-oberösterreichischen Raum. Das Gebiet gehörte dem keltischen Königreich Noricum an, das bereits fast das ganze Staatsgebiet des heutigen Österreich umfasste. Einzelfunde aus dem Bezirk gibt es in Minning (Schnabelkanne von Sunzing), Osternberg, Frauenstein und St. Peter am Hart, wobei es sich fast durchwegs um Grabausstattungen handelt.
Römerzeit Unter den Kaisersöhnen Drusus und Tiberius wurde das Regnum Noricum 15 v. Chr. Teil des Römerreiches. Aus der Römerzeit gibt es viele Funde, so lassen sich alleine im Gemeindegebiet von Braunau 15 Fundstellen aus der Römerzeit nachweisen.
Straßen Schon bald begannen die Römer mit dem Bau von Straßen. Eine dieser Straßen wurde von Iuvavum (Salzburg) über Ovilava (Wels) nach Lauriacum gebaut. Ein Nebenarm dieser Straße ging durch das Mattigtal von Straßwalchen nach Braunau, was eine dichte Kette begleitender Fundstellen beweist. Der Verlauf ab Helpfau-Uttendorf bis zur Innuferstraße ist noch unklar. Die Innuferstraße war die zweite, die den Bezirk Braunau durchlief. Sie führte von Salzburg über Oberndorf nach Tarsdorf, durchschnitt den Weilhartsforst und fand ihr Ende am Kastell Boiotro (Passau-Innstadt).
Villa rustica Nach seinem Militärdienst hatte ein römischer Soldat Anspruch auf eine Pension, das römische Bürgerrecht (falls er es nicht bereits hatte) und ein Stück Land. Auf diesem Stück Land errichteten sie ein Wohnhaus (villa rustica) mit römischen Errungenschaften, wie zum Beispiel Fußbodenheizung, und einen angeschlossenen Wirtschaftshof.
In Altheim wurden seit 1991 vom Institut für Klassische Archäologie der Universität Wien drei solche Villen erforscht, in Simetsberg, Wagham und Weirading. Sie stammen aus dem 1., 2. und 3. Jahrhundert und liegen etwa drei Kilometer Luftlinie auseinander. Weitere Gutshöfe sind noch aus Lochen am See, Munderfing, Bogenhofen und Moosdorf bekannt. Einzelne Häuser kennt man aus Überackern, Tarsdorf, Lengau, Gilgenberg am Weilhart und Braunau.
Völkerwanderung Die Zeit der Völkerwanderung bis zur Landnahme der Bajuwaren im 8. Jahrhundert hinterließ wie auch in anderen Gebieten nur wenige Spuren, wobei es sich aus Mangel an schriftlichen hauptsächlich um archäologische Quellen handelt. Besonders Funde aus Gräbern in Teichstätt und Mining erzählen die Geschichte dieser Zeit.
Mittelalter Vor dem Jahr 1000 urkundlich genannte Orte Neukirchen an der Enknach 738/739 Pischelsdorf 738/739 Mattighofen vor 748 Überackern 748 bis 788 Teichstätt 765/66 Ranshofen 788 Ostermiething 765/66 Helpfau 789 Astätt 788 Pfaffstätt 796 Treubach 803 Auerbach 868 Hochburg 878 Mining 885 Höhnhart 898 Lochen 903 Altheim 903 Mauerkirchen 913
Bajuwarische Landnahme – 12. Jahrhundert Im Verlauf der großen Völkerwanderung besiedelten die Bajuwaren die Gegend. Noch heute kann man die Besiedlung der Bajuwaren an den sogenannten echten -ing-Namen ablesen (Ortsnamen, die aus einem Personennamen und der Nachsilbe -ing gebildet werden, so z. B. Franking – Ort des Franko; Fucking – Ort des Fuko usw.). Die Bajuwaren besiedelten besonders das fruchtbare Gebiet an Inn, Salzach und Mattig. Da die Bajuwaren von einem Herzog angeführt wurden, dessen Besitzansprüche nur durch persönliche Anwesenheit abgesichert waren, entstanden große herzogliche Höfe in Hochburg, Mattighofen, Mining, Ostermiething und Ranshofen. Bis 788 kamen die Herzöge aus dem Geschlecht der Agilolfinger, der letzte, Tassilo III., wurde von Karl dem Großen abgesetzt und der Bezirk kam unter karolingische Verwaltung.
Da die Karolinger viele Kriege führten und die freien Bauern zur Heerfolge verpflichtet waren, begaben sich immer mehr von ihnen unter die Herrschaft eines Grundherren. So begann der Untergang der freien Bauern, die immer mehr in Leibeigenschaft verfielen. Aus der Zeit der Magyarenkriege im 10. Jahrhundert sind im Bezirk noch Fliehburgen der Bevölkerung zu erkennen, so auf dem Buchberg bei Lengau und im Weilhart in der Gemeinde Überackern.
Da auch die alte Gauverwaltung zerstört wurde, belehnten die bayrischen Herzöge Vasallen mit Gütern, die diese weiterverliehen. Der Bezirk war Teil des Mattiggaues, der von Mattighofen und später von Friedburg aus verwaltet wurde. Ein wichtiges Ereignis des 12. Jahrhunderts war die Gründung des Klosters Ranshofen, das bis 1811 bestand und bedeutende kulturelle Leistungen für den heutigen Bezirk vollbrachte. In Ranshofen entstand zum Beispiel das "Ranshofner Evangeliar", das heute in Oxford aufbewahrt wird.Max Eitzlmayr: Braunau - Die historische Handelsstadt. Stadtamt der Stadt Braunau 1997. 1180 wurden die Wittelsbacher mit Bayern belehnt und damit auch Herrscher in dieser Gegend.Max Eitzlmayr: Aus vergangenen Tagen II. In: Bezirksbuch Braunau am Inn. Mooserbauer, Mattighofen 1992, S. 229–244.
Die Landshuter Herzöge 12.–15. Jahrhundert mini|hochkant=0.6|Wappen der Stadt Braunau Das 12. und 13. Jahrhundert war immer wieder durch Fehden der weltlichen und geistlichen Fürsten gekennzeichnet. Im dritten Viertel des 13. Jahrhunderts entstand das Versepos Meier Helmbrecht von Wernher der Gartenaere, das, wie früher angenommen wurde, in der Nähe von Gilgenberg spielt. Als schließlich Soldaten des Böhmenkönigs Ottokar II. Přemysl in die Braunau-Ranshofener Gegend einfielen, ließ Herzog Heinrich XIII. Maut und Gericht aus Ranshofen in das befestigte Braunau verlegen und befahl, „die Mauern auszubessern und eine Brücke über den Inn zu schlagen“. Diese Urkunde ist die erste Erwähnung Braunaus als Stadt. 1331 wurde die älteste Urkunde ausgestellt, deren Siegel das Wappen der Stadt Braunau zeigt.
Unter den sogenannten reichen Landshuter Herzögen (Heinrich, Ludwig und Georg) herrschte eine ruhige Zeit. Im 15. Jahrhundert setzte eine rege Bautätigkeit ein. Rund ein Drittel der Pfarrkirchen des Bezirks entstand damals. So wurde auch der Grundstein der Stadtpfarrkirche St. Stephan gelegt, die 1466 vom Passauer Bischof Ulrich geweiht wurde.
Liste von Schlössern und Burgen im Bezirk Braunau Schloss Frauenstein (Mining) Schloss Wanghausen (Hochburg/Ach) Schloss Teichstätt (Lengau) Schloss Bogenhofen (St. Peter) Schloss Erb (Lengau) Schloss Forstern (Burgkirchen) Schloss Hagenau (St. Peter) Schloss Mamling (Mining) Schloss Mattighofen (Mattighofen) Schloss Pfaffstätt (Pfaffstätt) Schloss Spitzenberg (Mauerkirchen) Schloss Sunzing (Mining) Schloss Wildenau (Aspach) Schloss Wildshut (St. Pantaleon) Quelle:Bezirksbuch Braunau am Inn. Mooserbauer, Mattighofen 1992, S. 245–255.
Neuzeit Bayerischer Erbfolgekrieg – Reformation – Dreißigjähriger Krieg 1503 starb Georg von Landshut-Niederbayern ohne männlichen Erben. Im folgenden Erbfolgekrieg zwischen Albrecht von Oberbayern und dem Schwiegersohn Georgs, Herzog Ruprecht von der Pfalz, spielten sich die kriegerischen Handlungen hauptsächlich im Raum des Bezirks Braunau ab, der von ihm schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Stadt Braunau erhielt am Ende für das Einstehen für Albrecht weitreichende Privilegien.
Die Reformation kam in den 1530er Jahren nach Braunau. Besonders Braunau, Ranshofen und Mattighofen waren ein fruchtbarer Boden für die neue Lehre. Es kam zu einer Fehde zwischen Joachim von Ortenburg, dem Herrn der Herrschaft Mattighofen, und dem Herzog, bei der sich letztlich der Herzog durchsetzte.
Im Dreißigjährigen Krieg kamen die Schweden und ihre Verbündeten nicht nach Braunau, doch wurde die Stadt stark befestigt. Die Überreste sind noch heute an Inn und Enknach gut erhalten. Lebensmittelablieferungen, Plünderungen und Gewalttaten nahmen zu. Kurz vor Ende des Krieges brach die Pest aus und raffte Tausende von Menschen hinweg (1647–1650). Ausgelöst durch die Türkengefahr wurde Braunau zwischen 1672 und 1676 zu Bayerns stärkster Festung ausgebaut.
Zeit der Erbfolgekriege – Bayerischer Bauernaufstand Im Spanischen Erbfolgekrieg standen Bayern und Österreich auf verschiedenen Seiten, Nach der Zweiten Schlacht bei Hochstädt besetzte Österreich weite Teile von Bayern. Als mit Zwangsrekrutierungen begonnen wurde, kam es zum Bayerischen Volksaufstand.
Während des Bayerischen Volksaufstandes 1705 und 1706 tagte in Braunau der Landesdefensionskongress („Braunauer Parlament“). Neben dem in Weng geborenen Anführer Johann Georg Meindl berichtet Christian Probst von weiteren Anführern aus dem Gericht Braunau: der alte Hofbauer von Wuerlach, der rotbartete Schwaiger, der Schienkhueber zu Mitterndorf, der Neuhauser zu Hochburg, der Meindlsberger im Amt Eggelsberg, der Wirt von Ibm und ein Freiherr von Taufkirchen, der dort Beamter war. Der Aufstand wurde nach der Sendlinger Mordweihnacht Anfang 1706 niedergeschlagen.
Im Österreichischen Erbfolgekrieg wurde das Innviertel durch Besetzung, ständige Truppendurchzüge und Naturalleistungen schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Festung Braunau wurde zwei Mal belagert, bei der zweiten Belagerung wurde Simbach vollständig zerstört und Braunau nach sechs Wochen Belagerung an Österreich übergeben. Erst 1745 wurde Frieden geschlossen.
Das Innviertel kommt zu Österreich – Zeit der napoleonischen Kriege – Die Jahre bis zum Ende des Ersten Weltkrieges Als mit Maximilian III. Joseph die Wittelsbacher in Niederbayern in männlicher Linie ausstarben, kam es zum Bayerischen Erbfolgekrieg. Joseph II. und Karl Theodor, Kurfürst von der Pfalz, stellten jeweils Ansprüche auf die Nachfolge. Trotz militärischen Aufmarsches kam es zu keinen Schlachten. 1779 wurde der Friede von Teschen geschlossen, Österreich verzichtete auf den Thronanspruch und erhielt dafür die bayrischen Gebiete rechts von Inn und Salzach (Unteres Amt Burghausen). Im Herbst 1779 bereiste Joseph II. die neugewonnenen Länder und wurde in Braunau bereits im Juni von den Ständen gehuldigt.
mini|Hinrichtung von J. P. Palm (zeitgenössische Darstellung)