Der Heidelberger Kunstverein ist ein 1869 in Heidelberg gegründeter Verein, der sich der Förderung und Vermittlung zeitgenössischer Kunst widmet. Er ist seit 1910 Mitglied im ADKV. Das Gebäude des Vereins in der Heidelberger Altstadt wurde 1990 erbaut und grenzt an das Kurpfälzische Museum an. Zum 1. April 2022 hat in der Nachfolge von Ursula Schöndeling der Kurator Søren Grammel die Leitung des Kunstvereins übernommen.monopol. Magazin für Kunst und Leben vom 27. Januar 2022: Personalie: Søren Grammel wird Direktor des Heidelberger Kunstvereins, abgerufen am 30. Januar 2022
mini|Gebäude des Heidelberger Kunstvereins (2012) mini|Leere Halle vor Ausstellungsaufbau (2011)
Geschichte Gründungszeit Ende der 1820er-Jahre entstanden in Deutschland – als bürgerliche Gründungen – die ersten Kunstvereine. Im Großherzogtum Baden wurden der Freiburger Kunstverein 1827 und in Karlsruhe der Vorläufer des heutigen Badischen Kunstvereins 1831 gegründet, der Mannheimer Kunstverein folgte 1833. Am 17. und 18. Mai 1836 trafen sich in Heidelberg die Abgeordneten der Kunstvereine von Mainz, Darmstadt, Mannheim, Karlsruhe und Straßburg und schlossen sich als Dachverband zur Association rhénane pour l’encouragement des Beaux-Arts, dem „Rheinischen Kunstverein“ zusammen, dem ein Jahr später auch Freiburg und Stuttgart beitraten.
Der Heidelberger Kunstverein wurde 1869 als jüngster unter den badischen Kunstvereinen gegründet.Christmut Präger: 125 Jahre Heidelberger Kunstverein. Chronik und Materialien. Heidelberger Kunstverein, Heidelberg 1994, S. 13. Ein eigenständiges Museum im heutigen Sinne gab es damals in Heidelberg nicht. Als eigentlicher Initiator der Bewegung wird der Künstler Ludwig Horst gesehen, der sich konsequent für die Gründung des Kunstvereins in Heidelberg einsetzte. „Am heiligen Pfingstfest“ gingen Schreiben an die Stadt mit der Bitte um (finanzielle) Beiträge und der Begründung, der Kunstverein erhöhe das Ansehen der Stadt, welche keine eigenständige Kunsteinrichtung vorweisen könne.Christmut Präger: 125 Jahre Heidelberger Kunstverein. Chronik und Materialien. Heidelberger Kunstverein, Heidelberg 1994, S. 15. Die definitive Konstituierung des Kunstvereins erfolgte am 7. Juli 1869. In der Satzung des Kunstvereins wurde festgehalten:
mini|Heidelberger Schloss von Theodor Verhas 1856, Ausschnitt
Am 26. August 1869 wurde in der neuen evangelischen Schule in der Plöck (heute Friedrich Ebert-Schule) in zwei leerstehenden Zimmern die erste Gemäldeausstellung eröffnet. Vertreten waren die Künstler Alexandre Calame, Peter von Cornelius, Carl Ludwig Feuerbach, Anselm Feuerbach, Karl Philipp Fohr, Ernst Fries, Louis Horst, Johann Karl Heinrich Koopmann, Frl. Ney, Moritz Oppenheim, Karl Rottmann, Eduard Steinle, Philipp Veit und Theodor Verhas.Christmut Präger: 125 Jahre Heidelberger Kunstverein. Chronik und Materialien. Heidelberger Kunstverein, Heidelberg 1994, S. 18.
Im Gründungsjahr hatte der Kunstverein eine Mitgliederzahl von 150. Diese konnten als Jahresbeitrag mindestens fünf Lose zu je fünf Gedulden erwerben. Aus dem Erlös der Mitgliedsbeiträge wurden Kunstwerke erstanden, die jährlich an die Mitglieder verlost wurden.Christmut Präger: 125 Jahre Heidelberger Kunstverein. Chronik und Materialien. Heidelberger Kunstverein, Heidelberg 1994, S. 18. Damals war es noch Ziel des Kunstvereins, eine eigene Sammlung anzulegen. Diese wuchs schnell an und zählte vor allem die bei der ersten Ausstellung vertretenen Künstler.Christmut Präger: 125 Jahre Heidelberger Kunstverein. Chronik und Materialien. Heidelberger Kunstverein, Heidelberg 1994, S. 22. 1910 trat der HDKV als Mitglied in den Verband Deutscher Kunstvereine ein.Christmut Präger: 125 Jahre Heidelberger Kunstverein. Chronik und Materialien. Heidelberger Kunstverein, Heidelberg 1994, S. 33–34.
Aufbauphase Erster Vorsitzender des Vereins wurde der Archäologe Karl Bernhard Stark, der bis zu seinem Tode 1879 die Führung innehatte. Dies zog eine beständige kuratorische Leistung in Präsentation und Auswahl der Kunstwerke nach sich. In den Jahren 1894/1895 kam es zu wesentlichen Änderungen. Neben den Ausstellungen wurden zum ersten Mal Vorträge zur zeitgenössischen Kunst gehalten. Entscheidend hierfür war der Amtsantritt Henry Thodes 1894 als Professor für Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg. Unter seinem 1895 beginnenden Vorsitz erlangte der Kunstverein erstmals überregionale Reputation. Thode beschäftigte sich vorwiegend mit den Entwicklungen zeitgenössischer Kunst. Er stieß eine Debatte an, während der die Verhandlung zwischen französischer, impressionistischer Kunst und deutscher, historischer Akademiemalerei sich zu einer politischen Stellungnahme auswuchs.Christmut Präger: 125 Jahre Heidelberger Kunstverein. Chronik und Materialien. Heidelberger Kunstverein, Heidelberg 1994, S. 26. Er bezog in dieser Frage mit einer 1895 organisierten Ausstellung zu Hans Thoma Stellung, den er für einen „idealen Vertreter einer ‚deutschen‘ Kunst [hielt]“. Damit sprach er sich eindeutig gegen die Kunst der Impressionisten aus und kann als konservative Stimme in diesem deutschlandweiten Kunsthistorikerstreit gelten.Christmut Präger: 125 Jahre Heidelberger Kunstverein. Chronik und Materialien. Heidelberger Kunstverein, Heidelberg 1994, S. 28. Thode verließ den Kunstverein 1905.
1907 hatte die Heidelberger Öffentlichkeit zum ersten Mal die Chance, Expressionistische Kunst zu sehen. Kunstwerke der Künstlergruppe „Die Brücke“ wurden neben anderen in den Ausstellungsräumen gezeigt. Die Presse und Öffentlichkeit reagierten mit Unverständnis und Geringschätzung. 1909 zeigte der Kunstverein Werke von Emil Nolde, die ähnlich kritisch aufgenommen wurden.
1918 wurde unter den Vorstandsmitgliedern Carl Neumann und Wilhelm Fraenger in einer Schrift auf die ‚neuen‘ Arbeitsfelder des Kunstvereins folgend eingegangen:
Dennoch war der Kunstverein in seiner Ausrichtung nach wie vor durch das Erbe Henry Thodes beeinflusst und eine konservative Linie im Ausstellungswesen blieb bestehen. „Die Ausstellungen, die an die während des Kaiserreichs vereinzelten Begegnungen mit den radikal-modernen Künstlern z. B. des Expressionismus haben anknüpfen können, [blieben] die Ausnahme.“Christmut Präger: 125 Jahre Heidelberger Kunstverein. Chronik und Materialien. Heidelberger Kunstverein, Heidelberg 1994, S. 48.
Nationalsozialismus und Gleichschaltung 1930 übernahm der Heidelberger Kunsthistoriker August Grisebach den Vorsitz im Kunstverein. Dieser wurde 1933 von seinem Nachfolger Hubert Schrade sowohl aus seinem Amt im Kunstverein, wie 1937 von seinem hauptamtlichen akademischen Lehrstuhl verdrängt, auf Grund ‚jüdischer Versippung‘ durch die Hochzeit mit seiner jüdischen Frau.
Anders als in den badischen Kunstvereinen Karlsruhe oder Mannheim gestaltete sich die Gleichschaltung des Programms sowie der Vorstandsmitglieder reibungslos. Aktionen gegen verfemte Künstler sind nicht verzeichnet. Dennoch traten viele Mitglieder, die der nationalsozialistischen Politik skeptisch gegenüberstanden, aus dem Verein aus. Ebenso wurden unliebsame Personen einfach ausgewechselt und durch linientreue Gefolgsmänner ersetzt.Christmut Präger: 125 Jahre Heidelberger Kunstverein. Chronik und Materialien. Heidelberger Kunstverein, Heidelberg 1994, S. 53. Trotz der schrumpfenden Mitgliederzahlen zu dieser Zeit stiegen die Besucherzahlen aufgrund geschickter propagandistischer Aktionen.Christmut Präger: 125 Jahre Heidelberger Kunstverein. Chronik und Materialien. Heidelberger Kunstverein, Heidelberg 1994, S. 54.
Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg Ende 1946 gründete sich der Kunstverein unter Vorsitz von August Grisebach neu. „Diese demonstrative Geste konnte auch den letzten Unverbesserlichen klarmachen, dass man mit dem Neubeginn auch wieder wirklich neue Wege bei der Pflege der Kunst beschreiten wollte.“Christmut Präger: 125 Jahre Heidelberger Kunstverein. Chronik und Materialien. Heidelberger Kunstverein, Heidelberg 1994, S. 61. Entsprechend war die erste Ausstellung Karl Hofer gewidmet, der zu den verfemten Künstlern „Entarteter Kunst“ gezählt hatte.
Nachfolger August Grisebachs wurde Gustav Friedrich Hartlaub, dessen Programm inhaltlich an dasjenige von Grisebach anknüpfte und von dessen Nachfolgern Wechsler und Georg Poensgen fortgesetzt wurde.Christmut Präger: 125 Jahre Heidelberger Kunstverein. Chronik und Materialien. Heidelberger Kunstverein, Heidelberg 1994, S. 62–63. Mit den ausgehenden sechziger Jahren waren schließlich merkliche Veränderungen feststellbar. Eine Umschichtung des Ausstellungsprogramms war namentlich dem Vorsitzenden Jens Christian Jensen zu verdanken:
Auch Initiativen wie die ‚intermedia‘ von Jochen Goetze und Klaus Staeck trugen dazu bei, Künstler nach Heidelberg zu holen, die experimentell arbeiteten. Die Stelle einer künstlerischen Direktion, die sich dem Ausstellungswesen widmete, wurde erstmals 1970 mit Hans Gercke besetzt.Christmut Präger: 125 Jahre Heidelberger Kunstverein. Chronik und Materialien. Heidelberger Kunstverein, Heidelberg 1994, S. 63. 1975 wurde, für die bislang ehrenamtliche Aufgabe der Leitung des Heidelberger Kunstvereins, eine honorierte Stelle eingerichtet. Gercke war 36 Jahre lang Direktor. Es gelang ihm, bedeutende Ausstellungen zu gestalten, die bei den Besuchern und Mitgliedern besonderen Anklang fanden: so beispielsweise die Ausstellung „Baum“ 1985 und „Blau – Farbe der Ferne“ 1990, mit der das neue Gebäude eingeweiht wurde und zu der 120.000 Besucher aus der gesamten Bundesrepublik angereist waren. Johan Holten wurde 2006 Nachfolger Gerckes.
Etliche der in Heidelberg gezeigten Künstler gelangten später zu hoher Reputation. Nachfolgerin Holtens wurde 2012 Susanne Weiß, seit dem 1. Januar 2017 ist Ursula Schöndeling Direktorin des Kunstvereins.
Wichtigster Förderer des Kunstvereins sind die Stadt Heidelberg und das Land Baden-Württemberg. Darüber hinaus leisten die Mitglieder mit ihren Beiträgen sowie unternehmerische Förderer einen wichtigen Beitrag zur Arbeit des Kunstvereins.
Frage des Raumes