Walter James Harvey, in Deutschland Walter Harvey-Pape, sonst auch James oder Jimmy Harvey (* 9. Februar 1903 in Walsingham, Norfolk; † 1979 in London, England) war ein britischer Kameramann.

Leben Der ältere Bruder des Filmstars Lilian Harvey wuchs mit seiner Schwester in Deutschland und der Schweiz auf und sammelte erste berufliche Erfahrungen 1921 in den Laboratorien der Berliner Aafa-Studios. Im Jahr darauf wechselte Walter James Harvey zur Decla-Bioscop in Neubabelsberg. Bis Jahresende 1927 arbeitete er als Assistent bedeutender Kameraleute wie Karl Freund, Franz Planer und Carl Hoffmann. Sein Debüt als Co-Chefkameramann erfolgte im Herbst 1926 an der Seite des berühmten Kollegen Fritz Arno Wagner. Im Jahr darauf diente Harvey, der sich in Deutschland Walter Harvey-Pape nannte, bei weiteren drei deutschen Produktionen minderer Bedeutung unter den Kollegen Karl Vass und Eduard Hoesch.

Seit 1928 in London ansässig, verpflichtete ihn der deutsche Regisseur und Produzent Ewald André Dupont als Kameraassistent. In dieser Funktion arbeitete Harvey 1929 auch dem US-Kameramann Charles Rosher bei dem späten Stummfilm Die Vagabundenkönigin (The Vagabond Queen) zu. Mit Anbruch des Tonfilmzeitalters erhielt Harvey auch in seiner britischen Heimat (Produktionsfirma BIP) Aufträge als Chefkameramann, doch handelte es sich bei den von ihm fotografierten Filme nahezu durchgehend um billig hergestellte Massenware.

1941 verpflichtete das Kriegsministerium Walter Harvey, und er drehte (unter anderem für die britische Admiralität) eine Reihe von Ausbildungs- und Werbefilme.

1946 kehrte er zum Kinospielfilm zurück, ab 1950 arbeitete Walter Harvey für die kleine Produktionsfirma Hammer Films, die jedoch erst nach seinem Abgang (1956) in ihre bedeutendste Phase mit der Herstellung nachmals berühmter Horrorfilme eintreten sollte. Mit dem späteren Hammer-Starregisseur Terence Fisher arbeitete Walter Harvey von 1951 bis 1954 regelmäßig zusammen. In den ersten zwei Nachkriegsjahrzehnten war Harvey ein zuverlässiger Fotograf von billig hergestellten B-Filmen: es handelte sich dabei zumeist um recht flott gemachte Krimis und Thriller für ein eher anspruchsarmes Publikum.

Walter Harveys Karriere klang in den 60er Jahren aus mit einer Reihe von Fernsehproduktionen, darunter die Serien The Cheaters, Simon Templar, Gideon’s Way, Der Baron (The Baron) und Richard Löwenherz (Richard the Lionheart). Seine Karriere beschloss er Ende desselben Jahrzehnts mit der Second-Unit-Fotografie bei einigen Episoden der legendären Agentenserie Mit Schirm, Charme und Melone. Danach verliert sich seine Spur. Er starb 1979 in London.

Filmografie (Auswahl) 1926: Vater werden ist nicht schwer... 1927: Das Fräulein von Kasse 12 1927: Eheferien 1927: Du sollst nicht stehlen 1930: We Take Off Our Hats (Kurzfilm) 1930: The Man From Chicago 1931: Dreyfus (englische Version) 1931: Love Lies 1931: Hobson’s Choice 1932: Brother Alfred 1932: Money Talks 1933: Facing the Music 1936: Ourselves Alone 1936: The Tenth Man 1936: Sensation 1937: Bulldog Drummond at Bay 1938: Der Schrecken vom Piccadilly (The Terror) 1938: Yellow Sands 1938: Yes, Madam ? 1939: Just William 1939: The Flying Squad 1940: Mein Kampf, My Crimes / Après Mein Kampf - mes crimes 1940: Spellbound 1940: Spring Meeting 1941: The Tower of Terror 1946: The Voyage of Peter Joe (Serie) 1948: A Song for Tomorrow 1948: Badgers Green 1949: Dark Secret 1950: What the Butler Saw 1950: The Rossiter Case 1951: Black Widow 1951: Cloudburst 1951: Erpresserin (The Last Page) 1952: Stolen Face 1952: Wings of Danger 1952: Vom Täter fehlt jede Spur (Lady in the Fog) 1952: Gambler and the Lady 1953: Das Gangster-Syndikat (36 Hours) 1953: Teufel in Blond (Bad Blonde/The Flanagan Boy) 1953: Blood Orange 1953: Face the Music 1953: Todesroulette (The Saint’s Return) 1953: Life With the Lyons 1954: Five Days 1954: The Stranger Came Home 1954: Mask of the Dust 1954: Robin Hood, der rote Rächer (The Men of Sherwood Forest) 1954: Murder by Proxy 1954: Third Party Risk 1955: Spionagenetz Hamburg (Break in the Circle) 1955: The Glass Cage 1955: Schock (The Quatermass Experiment) 1956: Women Without Men 1956: Westlich von Suez (West of Suez) 1957: Die Rechnung ist beglichen (Account Rendered) 1957: The Big Chance 1957: Morning Call 1957: Kill Her Gently 1958: Spy in the Sky 1958: Broth of a Boy 1959: Die nackte Furcht (Naked Fury) 1959: The Hand 1959: Operation Cupid 1960: Die Nackte in des Satans Hand (The Man Who Couldn’t Walk) 1960: Der Boß war schneller als Scotland Yard (Jackpot) 1961: Transatlantic 1961: Verrufene Straße (Jungle Street) 1961: Murder in Eden 1961: The Spanish Sword 1962: Out of the Fog 1962: Anonyme Briefe (Night of the Prowler) 1963: Echo of Diana 1963: Shadow of Fear 1963: Autofalle (The Hi-Jackers) 1964: The Runaway

Literatur International Motion Picture Almanac 1965, S. 122 f., New York 1964

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