Aufderhöhe ist der südwestlichste Stadtteil der nordrhein-westfälischen Großstadt Solingen. Zusammen mit den Stadtteilen Ohligs und Merscheid bildet er den einwohnerreichsten Stadtbezirk Ohligs/Aufderhöhe/Merscheid. Der Ortsname wird für gewöhnlich auf der Silbe auf betont und nicht auf der Silbe höhe.

Namensgeberin des heutigen Stadtteils ist die alte Hofschaft Aufderhöhe, die in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt wurde. Ab dem 19. Jahrhundert war Aufderhöhe zunächst geteilt, der Norden stand fortan unter Merscheider/Ohligser Verwaltung, der Süden, Osten und Westen unter der von Höhscheid. In der immer dichter werdenden Bebauung verschwammen die Grenzen der beiden Städte zusehends, im Jahre 1929 wurde aus den verschiedenen Einzelstädten die neue Großstadt Solingen. Das ursprünglich ländlich geprägte und nur durch einzelne Höfe besiedelte Gebiet Aufderhöhes avancierte zu einer der bevorzugten Wohngegenden Solingens und seit der Nachkriegszeit sind dort zahlreiche Neubaugebiete entstanden, die heute das Bild des Stadtteils prägen, beispielsweise am Börkhauser Feld, in Löhdorf, in Wiefeldick oder am Siebels.

Bekannt ist Aufderhöhe vor allem für die St.-Reinoldi-Kapelle zu Rupelrath, deren Wurzeln vermutlich am Anfang des 15. Jahrhunderts liegen.

Geographie Aufderhöhe liegt im Westen der zum Süderbergland gehörenden Mittelbergischen Hochflächen. Devonische Schiefer, Grauwacken und Sandsteine sind dort von Sand-, Kies- oder Schotteraufschüttungen der Rheinhauptterrasse überlagert. Der heutige Stadtteil bestand ursprünglich aus mehreren Hofschaften, die auf und um die Ausläufer eines Höhenzugs auf etwa 100 bis 130 Metern über NHN lagen. Nach Nordwesten fällt der Höhenzug zur Bergischen Heideterrasse und somit zur Niederrheinischen Bucht ab.Rheinischer Städteatlas Ohligs; Lfg. XII Nr. 66, 1996; Bearbeiterin: Elisabeth Reuß; Rheinland-Verlag Köln

Nachbarstädte und -stadtteile Aufderhöhe liegt im Südwesten von Solingen. Angrenzende Nachbarstädte sind südlich Leichlingen im Rheinisch-Bergischen Kreis und im Westen die Stadt Langenfeld im Kreis Mettmann. Im Norden grenzt der Solinger Stadtteil Ohligs an Aufderhöhe, im Osten teilen sich Höhscheid und Aufderhöhe eine Grenze. Die mittlere Entfernung zum Solinger Stadtzentrum beträgt acht Kilometer.

Stadtteilstruktur und Ortsteile mini|Börkhauser Feld Aufderhöhe war noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts ländlich geprägt und die Besiedelung erfolgte traditionell dezentral in Form kleinerer Ortslagen und Hofschaften. Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Stadtteil eine der bevorzugten Wohnlagen in Solingen. Begünstigt haben diese Entwicklung die ausreichende Verfügbarkeit von geeignetem Bauland sowie die im Vergleich zu den übrigen Stadtteilen weniger zerklüftete Topographie. Für die heutige Stadtteilstruktur kennzeichnend sind daher große und geplante Ein- und Mehrfamilienhaussiedlungen, in denen viele der einstigen Hofschaften aufgegangen sind. Im Einzelnen liegen folgende Ortsteile im heutigen Stadtteil Aufderhöhe, auch wenn die Grenzen zu Merscheid und Ohligs nicht klar definiert sind:

Aufderbech | Auenberg | Birkendahl | Börkhaus | Brand | Brücke | Delle | Eickenberg | Gillich | Gosse | Greuel | Haalsiepen | Heipertz | Hensberg | Höher Heide | Horn | Holzhof | Holzkamp | Hülsen | Hütte | Jammertal | Josefstal | Kesselsweiher | Landwehr | Landwehrhöhe | Linde | Löhdorf | Nacker Küllenberg | Neu-Löhdorf | Nußbaum | Pohligshof | Riefnacken | Rupelrath | Schlagbaum | Schorberg | Siebels | Straßen | Steinendorf | Teschenhöhe | Wachssack | Wiefeldick

Geschichte Vorgeschichte Auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Aufderhöhe gibt es einige Bodenfunde aus vorgeschichtlicher Zeit. Darunter befinden sich der Fund eines mittelsteinzeitlichen Wohnplatzes östlich der Hofschaft Birkendahl. Nördlich von Birkendahl fanden sich mehrere jungsteinzeitliche Einzelfunde. Ein Fund aus der Bronzezeit gelang nahe der St.-Reinoldi-Kapelle in Rupelrath.Rheinischer Städteatlas Höhscheid; Lfg. VIII Nr. 45, 1985; Bearbeiter: Reinhold Kaiser; Rheinland-Verlag Köln, ISBN 3-7927-0830-2.

Siedlungsursprünge bis 18. Jahrhundert Das Bergische Land blieb aufgrund seiner dichten Wälder und seiner mitunter anspruchsvollen Topografie lange Zeit unbesiedelt, die Römer drangen seinerzeit nur bis Köln vor. Erst ab dem 7. Jahrhundert breiteten sich die Menschen auch in die schwieriger urbar zu machenden Gebiete jenseits des Rheins aus. Mit ihrer Ansiedelung gingen erste Klostergründungen einher und das Gebiet wurde nach und nach christianisiert.

Wie im gesamten Bergischen Raum herrschte auch in Aufderhöhe über Jahrhunderte zumeist die Einzelhofbesiedelung vor, die sich an dazu geeigneten Orten zu Weilern verdichtete, die im Bergischen Land bis heute typischerweise Hofschaften genannt werden. Eine dieser Hofschaften entstand auf der Erhebung zwischen Landwehr und dem Hof Brücke südlich von Hackhausen. Die geographische Lage brachte den Namen auf der Höhe mit sich, der bereits 1642 urkundlich erwähnt wurde. In der Karte von Erich Philipp Ploennies aus dem Jahre 1715 wird der Ort als Höh genannt. Der noch vorhandene Teil der Hofschaft Aufderhöhe mit mehreren denkmalgeschützten Fachwerkhäusern befindet sich heute an einer Stichstraße abseits der Aufderhöher Straße, die den Namen Aufderhöhe trägt.Hans Brangs: Erklärungen und Erläuterungen zu den Flur-, Orts-, Hof- und Straßennamen in der Stadt Solingen. Solingen 1936.

Auf dem Handelsweg von Köln beziehungsweise dem Bergischen Hafen Hitdorf nach Solingen, Wald und Gräfrath war Aufderhöhe, auch vielfach Kölsche Höh genannt, der erste Rastpunkt nach dem starken Anstieg aus der Rheinebene. Der historische Weg der Sandstraße führte über die heutige Opladener Straße nach Köln bzw. über die Löhdorfer und Mangenberger Straße nach Solingen. In Löhdorf bestand eine Straßenzollstelle.Michael Stamm: Vereinschronik zum 125jährigen Jubiläum des Schützenvereins 1885 e. V. Solingen-Aufderhöhe, Solingen 2010

Zwischen 1752 und 1754 wurde der Neue Rheinweg von Höhscheid nach Aufderhöhe gebaut (die heutige Bundesstraße 229), dadurch verlagerte sich der Verkehr; die Löhdorfer Straße verlor an Bedeutung. Die Wegezollstelle wurde von Löhdorf zum Schlagbaum verlegt, an dem die Straße von Brücke die Höhe erreichte. Viele Jahre lang hieß die Gegend dort Am Schlagbaum oder auch An dr Gottemüöhl, benannt nach der dortigen Grützenmühle, die baulich heute noch aus den Doppelhäusern Aufderhöher Straße 89 und 91 besteht. Unter Napoleon wurde der neue Rheinweg zur Chaussee, indem Bäume der Straßenführung entlang gepflanzt wurden. Aus diesem Grund hielt sich viele Jahre lang die Sage, dass Napoleon diese Straße zuerst errichtet habe. Einer der letzten dieser Bäume wurde um 1985 in Höhe der Grundschule Aufderhöhe aufgrund fehlender Standsicherheit gefällt.

Bis 1806 gehörte Aufderhöhe, ebenso wie Löhdorf, Steinendorf, zur Straßen und Küllenberg zur Honschaft Barl – die schon im Jahre 980 erstmals urkundlich erwähnt wurde – und damit zum Kirchspiel Wald; Grenze zum Kirchspiel Solingen war der Nacker Bach. Beide Kirchspiele gehörten zum Amt Solingen, welches eines von 19 Ämtern innerhalb des Herzogtums Berg war, das seit 1742 vom Kurfürsten von Bayern regiert wurde.Hans Grah: Streifzug durch die Geschichte Aufderhöhes. Solingen 1977.

19. Jahrhundert Durch die Erbteilungen des Gutes Weltersbach und die Aufteilung der Richrather Gemarke, also das Gebiet von der Gillich, dem Landwehrberg, der Höher Heide und der Nußbaumstraße an die Nutzungsberechtigten der angrenzenden Hofschaften begann für Aufderhöhe eine beachtliche Entwicklung. Die bisher führende Hofschaft Löhdorf verlor mehr und mehr an Bedeutung. Waren es 1816 an der Aufderhöher Straße vom Schlagbaum bis zur Teschenhöhe kurz vor dem Landwehrberg noch acht Wohnhäuser, waren es 1885 bereits über 50. miniatur|Stadtgrenzen (bis 1929), heute Gemarkungsgrenzen in Solingen Am 15. März 1806 trat Kurfürst Maximilian IV. Joseph das Herzogtum Berg an Napoleon ab. Dabei wurden neue Verwaltungseinheiten geschaffen. Auch zwischen den Kirchspielen Wald und Solingen erfolgte ein Austausch, alle Hofschaften südlich der Löhdorfer Straße und westlich der heutigen Nußbaumstraße wurden dem Kirchspiel Solingen zugeteilt. Am 14. November 1808, nach Bildung der Mairien, also den Bürgermeistereien, geriet der ehemalig zum Kirchspiel Solingen gehörende Teil an die neue Mairie Höhscheid, der andere Teil an die neue Mairie Merscheid, die als Stadtgemeinde am 31. August 1891 in Ohligs umbenannt wurde. Nachdem das Großherzogtum Berg durch den Wiener Kongress an das Königreich Preußen gefallen war, wurden die Mairien in Bürgermeistereien umbenannt, die dann mit Erlass der Rheinischen Städteordnung vom 15. Mai 1856 zu Stadtgemeinden erhoben wurden.

Im Jahre 1828 lebten in der Hofschaft Aufderhöhe 104 Menschen. 1832 waren es 125, 1871 bereits 345. Im Jahre 1895 zählte die Hofschaft 506 Einwohner und war damit nach Untenwiddert die zweitdichtbesiedeltste Hofschaft in Höhscheid.

Die alte Honnschaftsschule Barl befand sich in Löhdorf, deren Gebäude das heutige Haus Löhdorfer Straße 299 war, bis 1822 in Neu-Löhdorf eine neue Schule gebaut wurde – das heutige Haus der Jugend an der Friedenstraße. Noch bis 1895 gingen die Kinder aus den abgetrennten Honnschaftsteilen nach Neu-Löhdorf in die Schule (sogenannte Prozentschule), bis dann in Aufderhöhe eine neue Schule gebaut wurde.

Um 1800 bestanden in Aufderhöhe drei Wirtschaften, die teilweise von durchmarschierenden französischen Truppen stark geschädigt wurden. Wenig später waren es fünf bis sechs, die immer mehr das gesellschaftliche Leben an sich zogen. So verlagerten sich auch die Kirmessen von Rupelrath immer mehr in den Bereich Aufderhöhe. Diese Wirtschaften bildeten auch bald die Stützpunkte der verschiedenen Vereine, die im Laufe der Jahre in Aufderhöhe entstanden. Vor allem aber, als der Wirt Ferdinand Hinrichs nach einem Lotteriegewinn etwa 1870 einen geräumigen Saal an seine Wirtschaft, den heutigen Bergischen Hof, anbaute und der Wirt Machenbach an der Ecke Aufderhöher und Löhdorfer Straße ihm alsbald folgte. Aber auch die Wirtschaft von Carl Julius Machenbach, das heutige Lokal Zur Post, und die Wirtschaft Lüttges waren beliebte Treffpunkte.

1844 wurde die bisherige Briefsammelstelle in Aufderhöhe Postexpedition. Die seit 1841 über Aufderhöhe geführte Schnellpost von Berlin nach Köln wurde zwar 1844, die Fahrpost 1847 eingestellt, die Personenpost von Solingen über Aufderhöhe nach Langenfeld verkehrte jedoch noch bis 1905. Von 1913 an bestand die elektrische Straßenbahn von Höhscheid nach Landwehr, die Landwehrbahn.

Zwischen 1864 und 1867 ließ die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft die Bahnstrecke zwischen Deutz und Gruiten errichten, die bei Landwehr auch über Höhscheider Stadtgebiet führte. Im Jahre 1894 eröffnete zwischen den Stationen Ohligs und Leichlingen der Bahnhaltepunkt Landwehr, mit dem die Stadt Höhscheid erstmals Anschluss an das Eisenbahnnetz erhielt. Fernab des Höhscheider Zentrums gelegen, hatte er für die dortige Wirtschaft nur einen geringen Nutzen.

20. Jahrhundert bis heute Die Hofschaft Aufderhöhe wurde, nicht zuletzt durch ihre zentrale Lage, im Laufe der Zeit zum Zentrum des gesamten Gebietes, die Grenze zwischen der Stadt Höhscheid und der Stadt Ohligs wurde kaum noch als solche empfunden, abgesehen davon, dass verschiedene Schulen besucht wurden und die einen ihre Steuern zum Finanzamt Solingen, die anderen nach Ohligs bringen mussten. Durch die Städtevereinigung 1929 rückten diese noch enger zusammen.

Die heutige Autobahn 3 zwischen Langenfeld und Hilden wurde im Jahre 1936 erbaut, die im äußersten Westen auch über Solinger Stadtgebiet verläuft. Die Autobahnanschlussstelle Solingen in Langenfeld-Wiescheid, nahe der Stadtgrenze zu Aufderhöhe, wurde im gleichen Jahr eingeweiht.