mini|Tallinn, Veranstaltungsort des Europäischen Filmpreises 2010 Statistik (ohne Berücksichtigung des Publikumspreises und der Auszeichnung für den besten Erstlingsfilm) N=Nominierung; S=Sieg Film N S Der Ghostwriter 7 6 Lebanon 5 1 Bal – Honig 3 0 Another Year 2 0 Carlos – Der Schakal 2 1 Cell 211 2 0 Von Menschen und Göttern 2 0 Eu când vreau să fluier, fluier 1 0 Die Fremde 1 0 How I Ended This Summer 1 0 In ihren Augen 1 0 Ich, Don Giovanni 1 0 Kawasakiho růže 1 0 Das Konzert 1 0 Lourdes 1 1 Männer al dente 1 0 La nostra vita 1 0 Nothing Personal 1 0 La prima cosa bella 1 0 Püha Tõnu kiusamine 1 0 Soul Kitchen 1 0 Submarino 1 0 Zwischen uns das Paradies 1 0 hochkant|mini|Komoderatorin der Fernsehgala: die Deutsche Anke Engelke

hochkant|mini|Beste europäische Darstellerin: Sylvie Testud (Lourdes) hochkant|mini|Ausgezeichnet als bester Darsteller: Ewan McGregor (Der Ghostwriter) hochkant|mini|In der Kategorie bester Film vertreten: Fatih Akın (Soul Kitchen) hochkant|mini|Nominiert als beste Darstellerin: Sibel Kekilli (Die Fremde) Die 23. Verleihung des Europäischen Filmpreises () fand am 4. Dezember 2010 statt. Nachdem im Vorjahr die in 44 Ländern ausgestrahlte Fernsehgala im Ruhrgebiet organisiert worden war, folgte 2010 Tallinn als Veranstaltungsort. Die estnische Hauptstadt ist eine der Kulturhauptstädte Europas im Jahr 2011. Damit fand die Preisverleihung erstmals im Baltikum statt.

In Zusammenarbeit unter anderem mit dem estnischen Kulturministerium, dem Estonian Cultural Endowment, der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Eesti Rahvusringhääling und dem Tallinn Black Nights Filmfestival wurde die Verleihung des Europäischen Filmpreises 2010 in der Nokia Concert Hall in Tallinns Konferenzzentrum Solaris abgehalten, die 1830 Plätze umfasst. 1400 Gäste waren erwartet worden. Als Moderatoren konnten die deutsche Komikerin und Schauspielerin Anke Engelke und der estnische Schauspieler Märt Avandi gewonnen werden. Engelke hatte bereits die Verleihung im Vorjahr moderiert., 23. November 2010; abgerufen am 4. Dezember 2010

Die Preisverleihung wurde als Live-Stream über das Internet angeboten. In Deutschland wird die Gala zeitversetzt einen Tag später vom deutsch-französischen Fernsehsender Arte ausgestrahlt. (englisch) abgerufen am 6. November 2010

Favorisierte Filme

Die Nominierungen waren von der Europäischen Filmakademie (EFA) am 6. November 2010 auf dem Europäischen Filmfestival von Sevilla bekanntgegeben worden., 6. November 2010; abgerufen am 6. November 2010 Als Favoriten galten der Der Ghostwriter von Roman Polański (7 Nominierungen) und Lebanon von Samuel Maoz (5 Nominierungen sowie eine Nennung als bester Erstlingsfilm). Die beiden Filme konnten sich neben den Preisen für den besten europäischen Film auch Chancen in den Kategorien Regie und Drehbuch einräumen. Polańskis Thriller wurde seiner Favoritenrolle gerecht und gewann den Europäischen Filmpreis in sechs Kategorien, unter anderem als Bester Film, für die Beste Regie und das Beste Drehbuch. Bedingt durch die Einführung neuer Kategorien wurde so die Bestmarke des italienischen Beitrags Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra gebrochen, der im Jahr 2008 fünf Auszeichnungen gewonnen hatte. Polański bedankte sich für die Preise per Live-Stream.

Polańskis Film stellt einen Ghostwriter (gespielt von Ewan McGregor) in den Mittelpunkt, der die Memoiren eines ehemaligen britischen Premierministers (Pierce Brosnan) überarbeitet und dabei auf Ungereimtheiten stößt. Die europäische Koproduktion war 2010 im Wettbewerb der 60. Internationalen Filmfestspiele von Berlin vertreten gewesen und hatte den Regiepreis gewonnen. Lebanon, das Spielfilmdebüt des israelischen Regisseurs Samuel Maoz, gewann die Preise für die Beste Kamera und das Beste Erstlingswerk. Der Film hatte im Rahmen der 66. Internationalen Filmfestspiele von Venedig 2009 im Wettbewerb konkurriert und dort mit dem Goldenen Löwen den Hauptpreis des italienischen Filmfestivals gewonnen. Maoz verarbeitete eigene Erlebnisse und erzählt von einer israelischen Panzer-Besatzung, die zur Zeit des Libanonkriegs 1982 in feindliches Gelände vordringt.

Ebenfalls in der Kategorie bester europäischer Film berücksichtigt aber unprämiert blieb Bal – Honig von Semih Kaplanoğlu (3 Nominierungen), der bei der Berlinale 2010 mit dem Hauptpreis ausgezeichnet wurde und türkischer Kandidat auf den Auslandsoscar im nächsten Jahr ist. Ebenfalls über seine zwei Nominierungen nicht hinaus kam Xavier Beauvois’ Drama Von Menschen und Göttern, Frankreichs Oscar-Kandidat für das nächste Jahr. Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit und berichtet von einer Gruppe Zisterzienser-Mönche (gespielt unter anderem von Lambert Wilson, Michael Lonsdale, Philippe Laudenbach und Jacques Herlin), die in Algerien Opfer fundamentalistischen Terrors werden. Auf je eine Nominierung gekommen aber ebenfalls unprämiert blieben die argentinisch-spanische Koproduktion In ihren Augen von Juan José Campanella, Argentiniens Oscar-Preisträger in der Kategorie bester fremdsprachiger Film, und der deutsche Beitrag Soul Kitchen von Fatih Akin, der 2009 in Venedig Lebanon unterlegen war. Bei der Vergabe des Regiepreis setzte sich Polański gegen Olivier Assayas (Carlos – Der Schakal), Kaplanoğlu, Maoz, Polański sowie den Italiener Paolo Virzì (La prima cosa bella, Italiens Kandidat auf den Auslandsoscar 2011) durch.

Weitere deutsche Filmschaffende waren in Nebenkategorien vertreten. Sibel Kekilli, die dieses Jahr für das Ehrenmord-Drama Die Fremde den Deutschen Filmpreis erhalten hatte, war gemeinsam mit der Kroatin Zrinka Cvitešić (Zwischen uns das Paradies), der Britin Lesley Manville (Another Year) und der Niederländerin Lotte Verbeek (Nothing Personal) in der Kategorie Beste Darstellerin vertreten, musste sich aber der der Verleihung ferngebliebenen Französin Sylvie Testud (Lourdes) geschlagen gaben. Als beste Darsteller setzte sich der ebenfalls wegen Dreharbeiten verhinderte Ewan McGregor (Der Ghostwriter) gegen den Dänen Jakob Cedergren (Submarino), den Italiener Elio Germano (Darstellerpreis der 63. Internationalen Filmfestspiele von Cannes 2010 für La nostra vita), den Rumänen George Piștereanu (Eu când vreau să fluier, fluier) und den Spanier Luis Tosar (Goya-Preisträger 2010 für Celda 211) durch. Der Deutsche Albrecht Konrad gewann für seine Leistung an Der Ghostwriter den Preis für das Beste Szenenbild. Diese Kategorie ersetzt zusammen mit jener für den besten Schnitt den bisher ausgelobten Prix D’Exellence, in dem in den Vorjahren auch Masken- oder Kostümbildner nominiert worden waren.

Keine Nominierung für den Europäischen Filmpreis erhalten hatten der auf der Auswahlliste befindliche deutsch-österreichische Beitrag Der Räuber von Benjamin Heisenberg. Ebenso waren die deutsche Koproduktion Mein Glück von Sergei Loznitsa und die Schweizer Beiträge Film socialisme von Jean-Luc Godard und Giulias Verschwinden von Christoph Schaub nicht in die engere Auswahl gekommen.

Über die Gewinner der einzelnen Kategorien stimmten bis zur Verleihung die 2300 Mitglieder der Europäischen Filmakademie ab. Bereits im Vorfeld als Sieger fest standen der Schweizer Schauspieler Bruno Ganz und der in Frankreich lebende libanesische Komponist Gabriel Yared. Ganz war im Jahr 2000 für Brot und Tulpen und 2004 für Der Untergang zweimal vergeblich für den Darstellerpreis nominiert worden. Er erhielt den Europäischen Filmpreis für ein Lebenswerk. Yared wurde in der Kategorie Beste europäische Leistung im Weltkino geehrt. Für seine Filmmusik zu Anthony Minghellas Der englische Patient hatte er 1997 unter anderem den Oscar, den BAFTA Award und einen Grammy erhalten. 2006 hatte Yared vergeblich für seine Arbeit an Das Leben der Anderen um den Europäischen Filmpreis konkurriert.

Im Rahmen der Preisverleihung wurde zum vierten Mal der Prix Eurimages, mit dem europäische Koproduzenten geehrt werden, vergeben, dieses Mal an Zeynep Özbatur. Özbatur, Leiterin der türkischen Produktionsfirma Zeyno Filmproduktion, hatte sich in der Vergangenheit unter anderem für preisgekrönte Produktionen wie Nuri Bilge Ceylans Jahreszeiten – Iklimler (2006) und Drei Affen (2008) verantwortlich gezeigt., 30. Oktober 2010; abgerufen am 6. November 2010 Erinnert wurde während der Gala an die 2010 verstorbenen Regisseure Claude Chabrol und Mario Monicelli. Die als Bester Film nominierten Produktionen wurden in kurzen Videobeiträgen vorgestellt, in denen sich estnische Mitbürger wie ein Fischer, ein Pilot oder eine Architektin über die Filme äußerten.

Preisträger und Nominierungen Bester europäischer Film Der Ghostwriter (The Ghost Writer) – Regie: Roman Polański Bal – Honig (Bal) – Regie: Semih Kaplanoğlu In ihren Augen (El secreto de sus ojos) – Regie: Juan José Campanella Lebanon (לבנון) – Regie: Samuel Maoz Soul Kitchen – Regie: Fatih Akin Von Menschen und Göttern (Des hommes et des dieux) – Regie: Xavier Beauvois

Beste Regie Roman Polański – Der Ghostwriter (The Ghost Writer) Olivier Assayas – Carlos – Der Schakal (Carlos) Semih Kaplanoğlu – Bal – Honig (Bal) Samuel Maoz – Lebanon (לבנון) Paolo Virzì – La prima cosa bella

Beste Darstellerin Sylvie Testud – Lourdes Zrinka Cvitešić – Zwischen uns das Paradies (Na putu) Sibel Kekilli – Die Fremde Lesley Manville – Another Year Lotte Verbeek – Nothing Personal

Bester Darsteller Ewan McGregor – Der Ghostwriter (The Ghost Writer) Jakob Cedergren – Submarino Elio Germano – La nostra vita George Piștereanu – Eu când vreau să fluier, fluier Luis Tosar – Cell 211 (Celda 211)

Bestes Drehbuch Robert Harris und Roman Polański – Der Ghostwriter (The Ghost Writer) Jorge Guerricaechevarría und Daniel Monzón – Cell 211 (Celda 211) Samuel Maoz – Lebanon (לבנון) Radu Mihăileanu – Das Konzert (Le Concert)

Beste Kamera („Carlo-Di-Palma-Preis“) Giora Bejach – Lebanon (לבנון) Caroline Champetier – Von Menschen und Göttern (Des hommes et des dieux) Pawel Kostomarow – How I Ended This Summer (Как я провёл этим летом) Barış Özbiçer – Bal – Honig (Bal)

Bester Schnitt Luc Barnier und Marion Monnier – Carlos – Der Schakal (Carlos) Arik Lahav-Leibovich – Lebanon (לבנון) Hervé de Luze – Der Ghostwriter (The Ghost Writer)

Bestes Szenenbild Albrecht Konrad – Der Ghostwriter (The Ghost Writer) Paola Bizzarri und Luis Ramírez – Ich, Don Giovanni (Io, Don Giovanni) Markku Pätilä und Jaagup Roomet – Püha Tõnu kiusamine

Beste Filmmusik Alexandre Desplat – Der Ghostwriter (The Ghost Writer) Aleš Březina – Kawasakiho růže Pasquale Catalano – Männer al dente (Mine vaganti) Gary Yershon – Another Year

Offizielle Auswahlliste – Spielfilme Die 23 nominierten Filmproduktionen wurden aus einer Auswahlliste („Longlist“) von den 2300 Mitgliedern der Europäischen Filmakademie ermittelt. 46 Filmproduktionen aus 32 Ländern konkurrierten um Nominierungen. Die 20 Länder mit den meisten Mitgliedern bestimmten jeweils direkt einen nationalen Film. Das weitere Teilnehmerfeld wurde durch ein Komitee aus EFA-Vorstandsmitgliedern und dem Schweden Gunnar Berghdahl, dem Franzosen Pierre-Henri Deleau, dem Bulgaren Stefan Kitanov, dem Briten Derek Malcolm und dem Deutschen Nikolaj Nikitin als eingeladene Experten ergänzt., 9. September 2010; abgerufen am 6. November 2010

Die für die regulären Kategorien nominierten Filme (Another Year, Bal – Honig, Carlos – Der Schakal usw.) sind farblich hervorgehoben.