Die Sophienkathedrale (), auch Kirche der Heiligen Sophia () ist die Russisch-Orthodoxe Hauptkirche des Erzbistums Nowgorod im Nowgoroder Kreml. Die Kathedrale wurde in den Jahren 1045–1050 erbaut und ist damit das zweitälteste erhaltene Gotteshaus der Russisch-Orthodoxen Kirche. Als Teil der Altstadt von Weliki Nowgorod ist sie außerdem seit 1992 UNESCO-Weltkulturerbe.

Lage Das Kirchengebäude befindet sich innerhalb der Mauern des Nowgoroder Kremls, Adresse Nowgoroder Kreml, Weliki Nowgorod, Russia. Die erste einfache Kirche stand nicht exakt an der gleichen Stelle.

Baugeschichte

11. bis 15. Jahrhundert Die Kathedrale wurde zwischen 1045 (Grundsteinlegung durch Wladimir von Nowgorod) und 1050 unter Bischof Luka Schidjata erbaut und ersetzte ein hölzernes Kirchengebäude, das aus dem späten zehnten Jahrhundert stammte und abgebrannt ist.

Die neue steinerne Kirche wurde von Baumeistern aus Kiew und Byzanz geplant und errichtet, ihre Namen sind jedoch nicht überliefert. Die Architektur ist dem Wirkungsbereich der Kiewer Rus zuzuordnen, zugleich nimmt sie mit ihren Kuppeln das Bild der alten Kathedrale wieder auf.

Bischof Schidjata nahm am 14. September 1050 oder 1052 (verschiedene Chroniken geben unterschiedliche Jahreszahlen an), dem Fest der Kreuzerhöhung, die Kirchweihe vor. An anderer Stelle wird mitgeteilt, die Weihe habe 1050 stattgefunden, die endgültige Fertigstellung erfolgte jedoch erst zwei Jahre später.

Der Name der Kirche ehrt nicht eine weibliche Heilige dieses Namens, sondern sie ist der Heiligen Weisheit Gottes geweiht, abgeleitet vom griechischen Wort für Weisheit (σοφία), was sich auch in Wörtern wie Philosophie – „die Liebe zur Weisheit“ – ausdrückt.

Der Innenraum wurde 1108 im Auftrag von Bischof Niketa von Nowgorod ausgemalt, später, in der Amtszeit von Erzbischof Niphont erhielten die Fassaden einen weißen Anstrich, den anfangs nur die Apsiden aufwiesen.

In zwei Vorhallen (die „Märtyrer-Vorhalle“ und die Pretechenskaja-Vorhalle) wurden Fresken aufgemalt, die inzwischen aber kaum noch erkennbar sind.

Erzbischof Euthymius II., ein bedeutender Bauherr der Kirche, ließ im 14. Jahrhundert einen zweigeschossigen Glockenturm aus weißen Steinen mit Rundnischen hinzubauen. Das Alexikreuz aus dem 14. Jahrhundert errichtete Erzbischof Alexi an der Westwand der Kathedrale.

Vom 12. bis zum 15. Jahrhundert war die Kathedrale ein zeremonielles und spirituelles Zentrum der Republik Nowgorod. In einer Chronik wird erwähnt, dass die Nowgoroder bereit waren, „ihr Haupt für die Heilige Weisheit hinzugeben“ oder „für die Heilige Weisheit ehrenvoll zu sterben“. Als ein Fürst die Bewohner verärgerte, sagten sie ihm: „Wir haben keinen Fürsten, sondern nur Gott, die Wahrheit und die Heilige Weisheit.“ Bei einer anderen Gelegenheit machten sie die Kathedrale zum Symbol der Stadt selbst und sagten: „Wo die Heilige Weisheit ist, da ist Nowgorod.“

Erzbischof Johann II. veranlasste im Jahr 1408 die Vergoldung der großen mittleren Kuppel. Zur gleichen Zeit wurde auf dem Kreuz die bleierne Taube befestigt, die den Heiligen Geist symbolisiert. Die übrigen Kuppeln sind versilbert. Einer der Kuppeltürme enthielt im Mittelalter die Nowgoroder Schatzkammer nebst einer von Jaroslaw dem Weisen gegründeten Bibliothek mit mehr als 1500 Bänden (sie wurde im Jahr 1859 in die Geistliche Akademie Sankt Petersburg verlegt.)

In den folgenden Jahrhunderten, in denen die Stadt, unter anderem 1560 von den schwedischen Truppen unter Jakob De la Gardie, erstürmt wurde, plünderten die Eroberer auch Kirchengebäude. Es gibt aber keinen Nachweis, dass auch die Sophienkathedrale dieses Schicksal erlitt.

Die Mehrzahl der heutigen Fresken stammt aus den 1890er Jahren.

Vom 12. bis zum 15. Jahrhundert war die Kathedrale ein zeremonielles und spirituelles Zentrum der Republik Nowgorod und wurde zum Symbol für die Stadt selbst. In der Chronik wird erwähnt, dass die Nowgoroder bereit waren, „ihr Haupt für die Heilige Weisheit hinzugeben“ oder „für die Heilige Weisheit ehrenvoll zu sterben“. Als ein Fürst sie verärgerte, sagten sie ihm: „Wir haben keinen Fürsten, sondern nur Gott, die Wahrheit und die Heilige Weisheit.“ Bei einer anderen Gelegenheit machten sie die Kathedrale zum Symbol der Stadt selbst und sagten: „Wo die Heilige Weisheit ist, da ist Nowgorod.“

mini|Sophienkathedrale, 1900

16. bis 19. Jahrhundert Die Stadt Nowgorod wurde 1570 durch Iwan den Schrecklichen erobert und zerstört. Seine Vasallen plünderten auch die Sophienkathedrale, aber Erzbischof Leonid (Amtszeit 1572–1575) ließ sie rasch wieder neu ausstatten. Beispielsweise gelangten mehrere große Kronleuchter in die Kathedrale, von denen im 21. Jahrhundert nur noch einer erhalten ist.

An der Spitze der Sophienkathedrale-Gemeinde stand der Bischof (später Erzbischof). Ihm zur Seite standen der Leiter der Kanzlei und der Schatzmeister sowie etwa 100 weitere Mitarbeiter, darunter Schreiber, Buchbinder, Ikonenmaler und Goldschmiede.

Im 18. Jahrhundert residierten die Erzbischöfe bzw. Metropoliten von Nowgorod in St. Petersburg, wobei sie auch als Erzbischöfe bzw. Metropoliten von Nowgorod und St. Petersburg bezeichnet wurden. Obschon Nowgorod somit technisch betrachtet weiterhin einen Prälaten aufwies, war dieser nur selten vor Ort präsent, sodass die Leitung der örtlichen Kirche zumeist durch einen Bischofsvikar erfolgte.

Seit dem 20. Jahrhundert

mini|hochkant|Magdeburger Pforte Nach Gründung der Sowjetunion und der 1922 beschlossenen Beschlagnahme kirchlicher Güter wurde die Sophienkathedrale 1929 für kirchliche Zwecke geschlossen und in ihr ein „antireligiöses“ Museum eröffnet, in welchem die in der Sakristei der Kathedrale gelagerten Schätze als Beispiel für den Reichtum der Kirche präsentiert wurden.

Während der deutschen Besetzung Nowgorods im Zweiten Weltkrieg erlitt der Kreml mit seinen Bauwerken durch die Kriegshandlungen sowie durch anderweitige Nutzungen starke Schäden. Das Kathedralgebäude selbst blieb erhalten, Teile der Ausstattungen wurden geplündert und außer Landes gebracht. Das große Kreuz mit der Taube auf der Hauptkuppel wurde von der für die deutsche Wehrmacht kämpfenden spanischen Infanterie entfernt und nach Spanien in das Museum der Akademie für Militärtechnik in Madrid gebracht. Dort entdeckten Ende des 20. Jahrhunderts die spanischen Brüdern Miguel Ángel und Fernando Garrido Polonio das Kreuz und sorgten dafür, dass es am 16. November 2004 an die russisch-orthodoxe Kirche zurückgegeben wurde. Es erhielt seinen Platz auf dem Dach der Kathedrale zurück.

Die Kuppeln erlitten im Krieg schwerwiegende Beschädigungen, bei denen auch das Erlöserbild herabstürzte. Die Museumsnutzung konnte nach Reparatur der Kriegsschäden fortgesetzt werden. Nach Auflösung der Sowjetunion, im Jahr 1991 wurde die Kathedrale an die russisch-orthodoxe Kirche zurückgegeben, sie wurde nun umfassend repariert und saniert. Eine Inschrift an der Nordwand des Westeingangs zeugt von der Wiedereinweihung durch Bischof Lev und Patriarch Alexius II.

Im 21. Jahrhundert hat Erzbischof Leo Tserpitsky die Bibliothek in Anlehnung an die Tradition neu ins Leben gerufen, sie beherbergt im Jahr 2004 wieder etwa 5000 Bände.

Von 2005 bis 2007 erfolgten umfangreiche Restaurierungen der großen Kuppel, vor allem wurde ein neues Fresko nach alten Vorlagen und Beschreibungen aufgemalt.

Architektur mini|links|Plan des Kirchengebäudes am Ende des 19. Jahrhunderts

Außen Die Sophienkathedrale ist eine fünfschiffige Kathedrale mit drei Apsiden und zehn Stützsäulen. An drei Seiten, mit Ausnahme der östlichen, befinden sich zweistöckige sehr breite Galerien.

Das Bauwerk wird mit fünf verschieden hohen und verschieden breiten Kuppeln abgeschlossen und jede von ihnen trägt über einer Turmkugel ein metallenes Kreuz. Die Kuppelformen sind dem Aussehen altrussischer Helme nachgestaltet. Auf dem vergoldeten Kreuz der zentralen vergoldeten Kuppel befindet sich die künstlerische Nachbildung einer Taube.

Das Dach der Kathedrale besteht aus einem zweistufigen Gewölbe, deren Formen ineinandergreifen.

Die Chöre nehmen den westlichen Teil des Mittelschiffs sowie die Seitenschiffe ein. Der Zugang zu ihnen erfolgt über den südwestlichen Eingang der Kathedrale.

Die an den Fassaden der Kathedrale vorhandenen dekorativen Elemente sind zurückhaltend gestaltet, sie beschränken sich auf einen zinnenbewehrten Streifen an den Archivolten sowie auf Abschnitte mit dekorativem Mauerwerk. Die zentrale Apsis ist mit Halbsäulen betont, welche nicht bis zum Boden reichen. Die Gewände sowie der bandförmige Schmuck über den großen Fenstern stellen spätere Ergänzungen dar, die wohl im 16. und 17. Jahrhundert vorgenommen wurden.

mini|hochkant=0.6|Die Taube vom Kreuz

Taube Eine Taubenfigur, Symbol des Heiligen Geistes, krönt das Kreuz auf der Hauptkuppel der Kathedrale. Nach einer lokalen Legende soll eine auf der Kuppel sitzende Taube beim Anblick des Massakers von Nowgorod vor Schreck erstarrt sein.

Im 18. Jahrhundert bewahrte die Schatzkammer der Kathedrale auch eine vergoldete silberne Taube auf. Sowohl die Kuppel als auch die Figur wurden während der Besetzung Nowgorods durch die deutsche Wehrmacht zerstört; die Kuppel nach dem Krieg wieder aufgebaut. Ehemalige Angehörige der (spanischen) Blauen Division, die in Nowgorod gekämpft hatten, brachten die Originalfigur der Taube im Jahr 2005 nach Nowgorod zurück.

Glockenturm Der Glockenturm der Sophienkathedrale wurde im 14. Jahrhundert errichtet. Er ist nach orthodoxem Verständnis freistehend (Carillon) und wird von einem Glockenspieler mit Seilen von einer Stelle aus betätigt. Wegen der Form spricht man hier auch eher von einer Glockenwand, die unmittelbar innen an der Kremlmauer steht. Sie ist ein schmales zweigeschossiges Bauwerk, das im Parterrebereich in drei Halbrundnischen und davor – auf dem Boden stehend – zusammen fünf historische monumentale Bronzeglocken zeigt, die abgehängt wurden. In der gemauerten torartigen Wand im zweiten Geschoss, die die Kremlmauer überragt, befinden sich fünf beidseitig offene Bögen nebeneinander, in denen fünf erst in den letzten Jahren gegossene Glocken hängen, die regelmäßig gespielt werden.

Der Glockenturm wurde häufig umgebaut, so dass sein ursprüngliches Aussehen nicht sicher bekannt ist; mittels archäologischer Forschungen und der Auswertung von Ikonenbildern kann es ein wenig rekonstruiert werden. Dieser einzigartige Bau wird auch als Hauptglockenturm Nowgorods bezeichnet.

Die großen Glocken waren früher weithin zu hören, eine Reichweite von 50 Werst wird angegeben. Der Klang soll auch Sergej Rachmaninow beeindruckt haben, der in Nowgorod geboren wurde. – Als die deutsche Wehrmacht in die Sowjetunion eingedrungen war, wollten die Einwohner und die Kirchenoberen die Glocken vor dem Einschmelzen bewahren und versuchten, sie mit einem Lastkahn auf dem Flüsschen Wolchow in Sicherheit zu bringen. Das gelang nicht, weil der Kahn und die Glocken durch ein Artillerie-Geschoss beschädigt wurden.

Zu den Glocken der Kathedrale gehört auch eine, die der russische Politiker Dmitri Anatoljewitsch Medwedew der Stadt zu deren 1150. Stadtgründungsjubiläum geschenkt hatte. Sie wurde auf den Sophien-Glockenturm gehoben.

In den inneren Räumen der Glockenwand werden 14 weitere ehemalige Glocken aus Weliki Nowgorod gezeigt, deren Gewicht zwischen 1,5 Pud und 20 Pud beträgt. Nicht alle stammen aus der Sophienkathedrale.

Der Glockenturm besitzt auch eine Aussichtsplattform.

Innenraum