mini|hochkant|Wappen derer von Varendorff
Varendorff (auch Varendorf) ist der Name eines alten westfälischen Adelsgeschlechts mit gleichnamigem Stammsitz in der ehemaligen Grafschaft Tecklenburg.Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues Preussisches Adels-Lexicon. 4. Band. S. 290.Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 50.Johann Christian von Hellbach: Adels-Lexicon. 2. Band. S. 632.Maximilian Gritzner, Adolf Matthias Hildebrandt: J. Siebmachers großes und allgemeines Wappenbuch. 3. Band 5. Abteilung. Der Adel des Großherzogtums Oldenburg. S. 12.
Geschichte der Familie
mini|hochkant|Generalmajor und Kartograf Gustav Adolf v. Varendorff mini|hochkant=0.7|links|Grabplatte des Ludolf v. Varendorff im Dom zu Bremen mini|hochkant|Grabstein des Eberhard v. Varendorff
Das vermutlich ursprünglich altfreiePrinz postuliert eine Altfreiheit: „zweifelslos ursprünglich altfrei“ (Joseph Prinz: Das Territorium des Bistums Osnabrück. S. 225, Anm. 4), während Hillebrand in einigen Erben Eigengut feststellt, die von Varendorff als zwar nicht edelherrliche aber aus „altfreien, ritterlichen Kreisen“ stammende Familie kennzeichnet (Werner Hillebrand: Besitz- und Standesverhältnisse des Osnabrücker Adels 800–1300, S. 158 f). Geschlecht derer von Varendorff erscheint urkundlich erstmals im 12. Jahrhundert mit Gerhardus de Varenthorpe als Lehnsmann des Osnabrücker Bischofs Philipp von Katzenelnbogen.Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser. Band 15. S. 478 ff. Ersterer wird hier im Jahre 1160Original: „Im Jahre 1160 schenkte Bischof Friedrich das von seinem Ministerialen Godefrid resignierte Haus Hubrechtichof dem Kloster Aspeck und bestätigtet die Schenkung, welche Gerhard von Varenthorpe und sein Bruder Thiderich demselben Kloster, in die Hände des Vogtes Conrad, mit dem Anteil Holzes im Walde Wirs, in dem Gerichte Godschaks von Ibenbüren und seines Sohnes Conrad, unter Königsbanne gemacht hatten, zugleich mit seinem Bischöflichen Banne.“ (Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Altertumsfunde. Band 3, S. 269) bei einer Schenkung an das Kloster Asbeck und später bei der Übertragung einiger freier Höfe an die Kirche im Jahre 1170Osnabrücker Urkundenbuch, Band 1, Nr. 324. erwähnt. Die Stammreihe des Geschlechts beginnt mit dem erstmals im Jahre 1195 urkundlich erwähnten Ritter und Herrn Eberhard I. von Varendorff.
Die Herren von Varendorff begaben sich bereits früh in die Ministerialdienste der Bischöfe von Osnabrück. Sie gehörten zur Ravensberger, Holter und Steinfurter VasallitätWerner Hillebrand: Besitz- und Standesverhältnisse des Osnabrücker Adels 800 – 1300. S. 159. und scheinen noch im 12. und 13. Jahrhundert auch unter der Ministerialität des Bistums Münster und der GefolgschaftAnton Fahne: Die Herren und Freiherren von Hövel nebst Genealogie der Familien, aus denen sie ihre Frauen genommen, S. 182 ff. der Grafen von Arnsberg gestanden zu haben. Im Hoch- und Spätmittelalter scheinen verwandtschaftliche Beziehungen zu den Osnabrücker Edelherrengeschlechtern der Edelherren von Ibbenbüren und von Holte bestanden zu haben.Geschichte Laggenbecks
Im 13. Jahrhundert errichtete das Geschlecht mehrere Burgen im Osnabrücker Land und breitete sich über Westfalen und Niedersachsen aus. Die Herren von Varendorff zählten zur Osnabrücker und Ravensberger Ritterschaft und gehörten dem Osnabrücker, Mindener und Bremer Domkapitel sowie dem preußischen, oldenburgischen, dänischen und braunschweigischen Adel an. Abkommen des Geschlechts erscheinen urkundlich als Ritter, Burgmannen und Offiziere, landesherrliche Hof- und Staatsbeamte sowie in kirchlichen Würden als Propste, Dechanten, Kapitularinnen sowie Chor- und Domherren.Genealogisches Handbuch des Adels. Adelige Häuser. Band 17. S. 505 ff.Eggerik Beninga, Johann Beerens: Chroniken der Fresen, S. 247. Im späten Mittelalter lagen die Herren von Varendorff in Fehde mit der Stadt und dem Hochstift Osnabrück, der benachbarte Ritterschaft sowie mit weiteren angrenzenden Städten des Osnabrücker Landes.H. Sudendorf, J. Sudendorf: Geschichte des Landes Osnabrück bis zum Jahre 1400, S. 38 ff.J. G. J. Friderici, E. W. Stüve, J. C. B. Stüve: Geschichte der Stadt Osnabrück, Zweiter Teil, S. 79ff.
Angehörige des Geschlechts nahmen an den Türkenkriegen des 15. und 16. Jahrhunderts und der Belagerung von Metz durch Kaiser Karl V. im Jahre 1553 teil.Heinrich Than: Carmen Heroicum (1563).
Im 18. Jahrhundert wandte sich ein Zweig des Geschlechts nach Oldenburg und Holstein, begab sich dort in königlich dänische Dienste und wurde im Zuge dessen 1774 naturalisiert.Carl Johann Anker: Biografiske data om 330 norske: norskfødte eller for nogen tid i den norske armé ansatte generalspersoner, 1628–1885, S. 323.Ad. Hildebrandt, M. Gritzner: Siebmachers Wappenbuch: Der blühende Adel der Herzogtümer Schleswig-Holstein-Lauenburg, S. 21: „… 1778 in Dänemark naturalisiert.“Königlich Dänischer Hof- und Staatskalender: Staatshandbuch der dänischen Monarchie für das Jahr 1841, Sp. 64 ff. Zur gleichen Zeit dienten Abkommen desselben als braunschweigische Offiziere in kurhannoverschen und königlich englischen Diensten.Königlich-Grossbrittannischer und Churfürstlich-Braunschweig-Lüneburgscher Staats-Kalender auf das Jahr 1784. S. 125. Seit dem 18. Jahrhundert gelangte das Geschlecht überwiegend in die Heeres- und Staatsdiensten des Königreichs Preußen.Rangliste der königlichen preussischen Armee für das Jahr 1796. S. 83 f.Rangliste der königlichen preussischen Armee für das Jahr 1806. S. 18.Rang- und Quartier-Liste der königlich preußischen Armee für das Jahr 1829, S. 94.Handbuch über den königlich preussischen Hof- und Staat für das 1875. S. 421
Wappen Das Stammwappen zeigt im geteilten Schild oben in Gold einen schreitenden (leopardierten), gold-gekrönten roten Löwen, unten Rot ohne Bild. Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein schreitender roter Fuchs zwischen einer goldenen und einer roten Straußenfeder. Ursprünglich war der Fuchs liegend dargestellt und die Straußenfedern fehlten. In anderen Varianten des Wappens erscheint das untere Wappenfeld geschacht, der Helm bewulstet oder bekrönt und als Helmzier ein wachsender Fuchsrumpf. Mehrere Linien führten das Wappen in der Tingierung rot und silber.Christian von Meding: Nachrichten von adelichen Wapen. Band 2. S. 622 f.Otto Gruber: Die Wappen des südoldenburgischen Adels. In: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 1971. Vechta 1970, S. 30
Name Der Name Varendorff setzt sich ursprünglich aus den altsächsischen Wort thorp und einem unbekannten Erstglied zusammen. Die zweite Silbe stimmt mit der heutigen hochdeutschen Form Dorf überein und bezeichnete ursprünglich eine Siedlungsgruppierung mehrerer Gehöfte um einen Haupthof. Der Historiker Christian Grupen führte den gleichlautenden münsterischen Ortsnamen im 18. Jahrhundert auf den römischen Feldherren Publius Quinctilius Varus zurück, der um 9 n. Chr. in der Varusschlacht im Teutoburger Wald von dem Cheruskerfürsten Arminius besiegt wurde.Christian Grupen: Origines Germaniae oder das älteste Teutschland unter Römern, Franken und Sachsen. Erster Teil. S. 136: wohl zu Warendorf (früher Varendorp) im Münsterischen. Im Lauf der Jahrhunderte variierte die Schreibweise des Geschlechternamens. Neben der ursprünglich latinisierten altniederdeutschen Form de Varenthorpe bestand eine niederdeutsche Form Varendorp und eine hochdeutsche Form Va(h)rendorf(f). Erst im 19. Jahrhundert setzte sich die einheitliche Schreibweise Varendorff durch. Teilweise führten die Herren von Varendorff zusätzlich Besitz- oder Geschlechternamen verschwägerter, erloschener Familien weiter, darunter z. B. von Sutthausen, von der Wisch,Christof Spannhoff: 1609–2009: 400 Jahre Grenze zwischen Ostenfelde und Lienen. (OUB V, Nr. 181) von Holte, ValepageHans von Hülst in: Die Warte. Heft 9, 1970, S. 136 ff. oder von der Schulenburg.Andreas Vonderach: Schlösser- und Herrensitze im Osnabrücker Land, Haus Schulenburg.
Güter und Lehen
mini|Der Valepagenhof im Freilichtmuseum Detmold mini|Gut Sutthausen mini|hochkant|Epitaph des Amelung v. Varendorff und seiner Frau Amalberga von Lingen in der Klosterkirche zu Iburg
Die Herren von Varendorff besaßen zahlreichen Lehens- und Allodialbesitz im Raum Nord- und Nordwestdeutschlands, insbesondere in den Gebieten des heutigen Nordrhein-Westfalens, Niedersachsens und Schleswig-Holsteins. Im Hochmittelalter lassen sich neben dem Stammgut etwa zwei Dutzend Allodial- und Lehnsgüter nachweisen. Im 13. Jahrhundert erhielten die Herren von Varendorff einige ihrer freien Güter, die sie zuvor der Kirche angetragen hatten, als Lehen zurück. Lehnsbeziehungen bestanden u. a. zum Hochstift Osnabrück, dem Freien Reichsstift Herford, der Grafschaft Ravensberg, den Herzogtümern Jülich-Berg und Oldenburg, dem Hochstift Bremen sowie den Königreichen Preußen und Dänemark. Mit dem Erwerb von Gütern und Lehen waren unterschiedliche Rechte verbunden, zu denen vor allem ausgedehnten Jagd- und Fischereirechte sowie Gerichtsbarkeiten, z. B. über die angrenzenden Marken, gehörten. Durch den Erwerb landtagsfähiger Güter besaß das Geschlecht die Landtagsfähigkeit.
In die Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung des Geschlechts fällt die erste Nennung eines gleichnamigen StammsitzesMitteilungen des Vereins für Osnabrücker Landeskunde und Geschichte. Dreißigster Band (1905). S. 98. bei Ibbenbüren in der ehemaligen Grafschaft Tecklenburg, der in einer Urkunde des Hochstifts Osnabrücks aus dem Jahr 1150 bezeugt wird.Original: „In nomine S. et inividuae Trinitatis. Philippus die gratia Osnabruggensis ecclesiae Episcopus. Notum esse volumnus – qualiter Henricus Comes de Tekeneburc et fratres sui – Osnabruggensi ecclesie stanili ac libera donatione contulerunt, Curtem videlicet quandam Wesen cum capella et omnibus eidem curti pertinentibus mansis et mancipiis curiis et mansis Varenthorpe – cujus pars quedam est patrimonium pars autem beneficium…“ (Justus Möser, documenta, Band 8, S. 83) Die 1150 erwähnte „Curia Varenthorpe“ lässt sich ab 1226 im Besitz der Herren von Varendorff urkundlich nachweisen. Es ist urkundlich nicht mehr eindeutig zu klären, ob das Geschlecht den Stammhof den Bischöfen von Osnabrück als Lehen antrug.Joseph Prinz: Das Territorium des Bistums Osnabrück, S. 225, Anm. 4. Ein Besitz derer von Varendorff an den tecklenburgischen Stammgütern lässt sich jedenfalls nur noch bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts nachweisen; danach ließen sie auf ihren Burgen im Osnabrücker Umland nieder. Nach ihrem Rückzug aus der Grafschaft Tecklenburg gelangte das Stammgut in die Hände der Grafen von Tecklenburg und wurde schließlich von selbigen im 15. Jahrhundert in einen Schulzenhof umgewandelt.Anton Rosen: Die Ritter von Varendorf in Laggenbeck. Heute befindet sich auf dem ehemaligen Stammgut ein Reiterhof für Dressurpferde.Reiterhof Schulte-Varendorff Zum Stammhof gehörte einst ein anliegender Gerichtsplatz, der mit einer Linde oder Eiche bestanden war. Neben dem Hof in der Grafschaft Tecklenburg gab es einen gleichlautenden Sitz Vadrup (früher Varendorf) im Münsterschen, der in Publikationen des 19. Jahrhunderts als Stammsitz vermutet wurde.Wilhelm Dorow: Denkmäler alter Sprache und Kunst, Erster Band, Bonn 1823, S. 229.vgl. u. a. Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, 9. Band, S. 358. Außerdem bestand ein gleichnamiges Gogericht zu Warendorf, das bereits im frühen 14. Jahrhundert durch Heirat an die Herren von Korff kam.Haus Harkotten In der Stadt Tecklenburg führt heute noch eine Straße den Geschlechternamen.