mini|hochkant=1.8|Emblematisches Kölnpanorama: der Stadtraum am Rhein (2001)

Die Stadt Köln hat sich seit ihrer römischen Gründung vor fast 2000 Jahren zu einer Metropole am Rhein entwickelt. Dort zeigt die Stadt heute das emblematische Rheinpanorama mit Altstadt, dem Dom, der romanischen Kirche Groß St. Martin und der Hohenzollernbrücke. Zu den weiteren prägenden Stadträumen gehören das Umfeld um den Dom, der Innenstadtgürtel der Kölner Ringe und der innere Grüngürtel. Diese unverwechselbaren Räume geben Köln das Format einer europäischen Großstadt; sie sind allerdings erst seit Ende des 18. Jahrhunderts entstanden.Paul Bauwens-Adenauer, Ulrich S. Soénius: Der Masterplan für Köln, Alber Speers Vision für die Innenstadt von Köln. Köln 2009, S. 39.

Stadtentwicklung der Agrippina Der römische Stadtgrundriss

Frühe Siedlungen im Kölner Raum wurden von den Römern ausgebaut und befestigt und 50 n. Chr. zur Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA) erhoben. Der Siedlungskern der damals Agrippina genannten Stadt lag auf einem Hochplateau und war daher hochwassergeschützt. Durch eine vorgelagerte Insel bot sich ein natürlicher Hafen zur Nutzung an. Die Stadt prosperierte nicht nur als regionaler Verwaltungssitz, sondern auch als überregionales Handwerkszentrum vor allem der Glasindustrie sowie als Handelszentrum, an der sich fünf bedeutende Römische Straßen mit der auch damals genutzten Wasserstraße kreuzten. In seiner Blütezeit wohnten zwischen 15.000 und 20.000 Einwohner in der römischen Colonia.Gerhard Curdes, Markus Ulrich: Die Entwicklung des Kölner Stadtraumes, Der Einfluß von Leitbildern und Innovationen auf die Form der Stadt. Dortmund 1997, S. 73ff.

Der in einem geometrischen Raster angelegte römische Grundriss lässt sich bis heute im Kölner Stadtbild ablesen. Die in nord-südlicher Richtung verlaufende römische Hauptstraße, der Cardo, entspricht dem Verlauf der Hohe Straße; diese hat also ihre Versorgungsfunktion über einen Zeitraum von rund 2000 Jahren erhalten. Auch der westliche Teil der Schildergasse folgt dem zweiten wichtigen römischen Straßenzug, dem in west-östlicher Richtung verlaufenden Decumanus.Die beiden wichtigen Verkehrsachsen der römischen Stadt kreuzten sich aber nicht, sondern waren durch das Forum verbunden, das allerdings nicht mehr im Stadtbild ablesbar ist. Vgl. Gerhard Curdes, Markus Ulrich: Die Entwicklung des Kölner Stadtraumes, Der Einfluß von Leitbildern und Innovationen auf die Form der Stadt. Dortmund 1997, S. 75ff. Die Grundlogik dieser beiden Straßenachsen organisiert den Raum der Kölner Kernstadt bis heute, was als „Kraft des römischen Kreuzes“ beschrieben worden ist.Gerhard Curdes, Markus Ulrich: Die Entwicklung des Kölner Stadtraumes, Der Einfluß von Leitbildern und Innovationen auf die Form der Stadt. Dortmund 1997, S. 47ff. Zudem prägt die römische Stadtmauer, die bis um das Jahr 1100 die Stadtgrenze definierte, Straßenzüge der Kölner Innenstadt, wie die Kölner Bäche oder die Trankgasse und die Burgmauer.Die Mauer folgte im Süden dem Lauf des Duffesbaches und ist daher heute noch am Straßenzug der Kölner Bäche zu erkennen. Im Osten bilden die Trankgasse und die Burgmauer, im Westen die Gertrudenstraße und die Clemensstraße die römische Stadtgrenze. Dagegen ist die römische Stadtbefestigung zum Rhein hin – die etwa auf einer Linie über die Martinstraße und die Judengasse verlief – im Mittelalter durch die nach dem Verlanden des römischen Hafens erfolgt Besiedlung der Rhein nah gelegenen Gebiete stark überformt worden. Gerhard Curdes, Markus Ulrich: Die Entwicklung des Kölner Stadtraumes, Der Einfluß von Leitbildern und Innovationen auf die Form der Stadt. Dortmund 1997, S. 75ff.

Spätantike Sakraltopographie Sakrale Orte behalten oft über Jahrhunderte hinweg ihren Standort und können dabei von unterschiedlichen Kulten genutzt werden. Dies zeigt sich exemplarisch an der Sakraltopographie Kölns, die in ihren Grundzügen auf die Spätantike zurückgeht. In römischer Zeit war das herausgehobene kultische Zentrum der Agrippina der kapitolinische Tempel im Südosten der Stadt, der den drei römischen Göttern Jupiter, Juno und Minerva geweiht war. Dieser Haupttempel der Stadt wurde in fränkischer Zeit christianisiert, diente der karolingischen Herrscherwitwe Plektrudis als Grablege, und wurde im 11. Jahrhundert zur frühromanischen Kirche St. Maria im Kapitol umgebaut.Jürgen Kaiser: Kleiner Führer der großen romanischen Kirchen in Köln. Köln 2015, S. 80ff.

Auf dem Domhügel, dem heutigen sakralen Hauptort Kölns, befand sich in spätantiker Zeit eine römische Villa, die als Versammlungsort für die frühe Christengemeinde diente.Georg Hauser: Schichten und Geschichte unter dem Dom, die Kölner Domgrabung. Köln 2003, S. 19. Der großdimensionierte Gartenbrunnen dieser Villa wurde als Taufbassin genutzt und zu einem spätantiken Baptisterium umgebaut.Werner Eck: Frühes Christentum in Köln. In: Ulrich Krings, Rainer Will (Hrsg.): Das Baptisterium am Dom. Kölns erster Taufort. Köln 2009, S. 11–21, hier S. 19. Sebastian Ristow: Das Kölner Baptisterium am Dom und die frühchristlichen Tauforte nördlich der Alpen, in: Ulrich Krings, Rainer Will (Hrsg.): Das Baptisterium am Dom. Kölns erster Taufort. Köln 2009, S. 23–43, hier S. 29f. In merowingischer Zeit wurde eine Kirche auf dem Domhügel errichtet, die als Grablege der Königsfamilie – u. a. für die Königin Wisigarde – diente.Karl Ubl: Köln im Frühmittelalter, die Entstehung einer heiligen Stadt. Köln 2022, S. 90ff. Später wurden an selber Stelle die karolingische Bischofskirche, der sogenannte Hildebold-Dom, und im 13. Jahrhundert der gotische Dom errichtet.Rüdiger Marco Booz: Kölner Dom, die vollkommene Kathedrale. Petersberg 2022, S. 17.

Mit der Christianisierung in spätantiker Zeit wurde auf den römischen Gräberfeldern vor der Stadt Memorialbauten errichtet, die christlichen Märtyrern zum Totengedächtnis dienen sollten. Der beeindruckendste Grabbau war ein monumentaler Ovalbau mit Absiden, der mit reichen Goldmosaiken geschmückt war. Das Mausoleum wurde um 350 n. Chr. vermutlich von einem der Söhne des römischen Kaisers Konstantins des Großen in Auftrag gegeben.Karl Ubl: Köln im Frühmittelalter, die Entstehung einer heiligen Stadt. Köln 2022, S. 92f. In fränkischer Zeit wurden in diesem nun als Kirche angesehenen Gebäude St. Gereon und andere Mitglieder der sagenhaften Thebaische Legion verehrt; das Gebäude wurde mit seinen Soldatenheiligen zu einem zentralen Kultort des militaristischen, merovingischen Königtums.Jürgen Kaiser: Kleiner Führer der großen romanischen Kirchen in Köln. Köln 2015, S. 57ff; Karl Ubl: Köln im Frühmittelalter, die Entstehung einer heiligen Stadt. Köln 2022, S. 94, S. 105. Weitere spätantike Kultorte wurden später von den romanischen Kirchen St. Severin, St. Georg und St. Ursula überbaut.Udo Mainzer: Kleine illustrierte Architekturgeschichte der Stadt Köln. Köln 2017, S. 20.

Entwicklung zur Mittelalterlichen Größe mini|links|hochkant=3.5|Kölnpanorama mit Bauruine: der unvollendete Dom, Groß St. Martin und der Rathausturm (von rechts) auf einem Holzschnitt von 1531

Ab Mitte des 10. Jahrhunderts entwickelte sich Köln zu einer der größten Städte des deutschen Mittelalters und erfand sich als eine Art Stadtmarketing das Narrativ vom „hillije Kölle“ (heiligen Köln)Heinz Finger: Das heilige Köln, Tochter Roms, Beiträge zu den Grundthemen zur Kölner Geschichte. Köln 2020.. Bei diesem Wachstum entstanden die Grundzüge für mehrere Stadträume, die Köln bis heute prägen. Am Rhein wurde das Martinsviertel als Rheinvorstadt neu angelegt. Die ab 1180 errichtete Stadtmauer definierte die halbkreisförmige Ringstruktur, die den städtischen Gesamtplan bis heute prägt. Im „großen Jahrhunderts der Kölner Kirchenbaukunst“Werner Meyer-Barkhausen: Das große Jahrhundert Kölnischer Kirchenbaukunst 1150 bis 1250. Köln 1952. (1150–1250) entstanden die romanischen Kirchen, die das Stadtbild immer noch historisch unterfüttern; durch den Bau des Gotischen Domes schloss die Kölner Kultur Mitte des 13. Jahrhunderts zur bauarchitektonischen Avantgarde auf, wobei der Dom als Torso das Stadtpanorama zwar prägte, aber die Stadträume im Mittelalter nicht so dominieren konnte, wie das von den Bauherren gewünscht worden war.Rüdiger Marco Booz: Der Kölner Dom, die vollkommene Kathedrale, Petersberg 2022, S. 44f. Die Bürgerschaft der Stadt war selbstbewusst genug, innerhalb des sakralen Stadtpanoramas mit den Rathausbauten ein raumgreifendes profanes Ensemble zu schaffen. Dieses erschloss nicht nur den Rathausplatz, der mit städtischen Bauten fast vollständig umfasst wurde, sondern ergänzte die Stadtsilhouette unübersehbar mit dem Rathausturm.Christoph Bellot: Zur Geschichte und Baugeschichte des Kölner Rathauses bis ins ausgehende 14. Jahrhundert, in: Walter Geis, Ulrich Krings (Hrsg.): Köln: Das gotische Rathaus und seine historische Umgebung. Köln 2000, S. 197–336. Schließlich gewann der Neumarkt im Übergang zum 16. Jahrhundert vor allem nach dem Bau des Hackeney’schen Hofes, der eigentlich als Stadtpalais für Kaiser Maximilian geplant worden war, ein herrschaftliches Gepräge. Thesy Teplitzky: Geld, Kunst, Macht. Eine Kölner Familie zwischen Mittelalter und Renaissance. Greven Verlag, Köln 2012, ISBN 978-3-7743-0604-2, S. 24.

Rheinvorstadt Die Rheinvorstadt entwickelte sich zwischen der dem Rhein zugewandten römischen Stadtmauer und dem Rheinufer auf der ehemaligen Rheininsel und über dem Areal des zugeschütteten römischen Hafens. In diesem Handelsviertel entstand die höchste Bebauungsdichte Kölns; die Häuser wurden meist giebelständig zur Straße angeordnet und von einem parallel zum Rhein verlaufenden Gassennetz doppelseitig erschlossen. Dadurch ergab sich ein – bis heute lesbares – kleinteiliges und hochverdichtetes Stadtbild, das sich von dem der ehemals römischen Kernstadt vollständig unterschied, da dieses von einer gewachsenen Blockbebauung geprägt blieb.Gerhard Curdes, Markus Ulrich: Die Entwicklung des Kölner Stadtraumes, Der Einfluß von Leitbildern und Innovationen auf die Form der Stadt. Dortmund 1997, S. 81. Das Rheinufer erfüllte die Hafenfunktion. Die aufblühende Bedeutung von Köln als Umschlagplatz spiegelte sich in der Anlage von Plätzen unterschiedlicher Größe, von denen der Alter Markt und der Heumarkt die Rheinvorstadt – und bis heute die sogenannte Altstadt – prägen. Auf diesen Märkten wurden die Waren für Köln, die Region und den Fernhandel gestapelt und umgeschlagen.Gerhard Curdes, Markus Ulrich: Die Entwicklung des Kölner Stadtraumes, Der Einfluß von Leitbildern und Innovationen auf die Form der Stadt. Dortmund 1997, S. 78ff.

Sakraltopographie des „Heiligen Köln“ mini|zentriert|hochkant=3.5|Stadt aus Kirchen: Frühe Darstellung Kölns vom Meister der kleinen Passion 1411