mini|Harald Quandt, als Luftwaffen-Offizieranwärter im Feldwebelrang, 1942 Harald Quandt (* 1. November 1921 in Berlin; † 22. September 1967 bei Cuneo, Italien) war ein deutscher Maschinenbau-Ingenieur und Unternehmer aus der Familie Quandt. Er war der erstgeborene Sohn von Magda Goebbels.
Leben Herkunft mini|Als 10-Jähriger (in Uniform) bei der Hochzeit seiner Mutter mit Joseph Goebbels, im Hintergrund Adolf Hitler Harald Quandt war der Sohn des Unternehmers Günther Quandt und dessen zweiten Frau Magda geb. Behrend. Seine älteren Halbbrüder waren Hellmut und Herbert Quandt. Nach der Trennung und Scheidung seiner Eltern wuchs Harald bei seiner Mutter auf, die eine freundschaftliche Beziehung zu ihrem früheren Ehemann aufrechterhielt. Sie heiratete 1931 Joseph Goebbels; die sechs Kinder dieser Ehe, geboren 1932 bis 1940, waren ebenfalls seine Halbgeschwister. Zweiter Weltkrieg Im Jahr 1940 meldete er sich freiwillig zu den Fallschirmjägern. Im Mai 1941 nahm Quandt als Angehöriger des Fallschirm-Pionier-Bataillons an der Luftlandeschlacht um Kreta teil. Später kämpfte er in der Sowjetunion und in Italien. Im Herbst 1943 war er Oberleutnant im Stab der 1. Fallschirmjäger-Division. Ende Dezember 1943 nahm Quandt an den verlustreichen Kämpfen in der sieben Tage währenden Schlacht um Ortona teil. Im Februar 1944 lag er krankheitsbedingt in einem Münchener Lazarett. Sein Stiefvater Joseph Goebbels setzte ihn unter Druck, schnellstmöglich an die Front zurückzukehren. So kämpfte Quandt bereits im Frühjahr 1944 erneut als Fallschirmjäger, jetzt in der Schlacht um Monte Cassino. Anfang September 1944 geriet er bei Kämpfen im Raum Bologna schwer verwundet in britische Kriegsgefangenschaft und wurde in ein Gefangenenlager (Camp 305) in der libyschen Hafenstadt Bengasi gebracht.Rüdiger Jungbluth: IN: Cicero vom 28. Oktober 2004, abgerufen am 15. Februar 2014.
Vor der Ermordung ihrer sechs Kinder am 28. April 1945 und ihrer Selbsttötung am 1. Mai 1945 schrieb Magda Goebbels ihrem ältesten Sohn einen Abschiedsbrief, das einzige von ihr erhaltene schriftliche Zeugnis.Filmaufnahmen des Originalbriefs (teils auch vorgelesen) von 6:00 bis 7:59 min in der Dokumentation „Hitlers Tod“ Auch sein Stiefvater Joseph Goebbels schrieb ihm vor den Taten einen Abschiedsbrief.
Studium
Nach seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft und seiner Rückkehr in die amerikanische Besatzungszone 1947 studierte Quandt an der Technischen Hochschule Hannover und der Technischen Hochschule Stuttgart Maschinenbau und schloss mit dem akademischen Grad eines Diplom-Ingenieurs ab. Als Student trat er in Stuttgart dem Club Cosmos bei, aus dem später die Akademische Verbindung Vitruvia wurde.
Tätigkeiten Nach dem Tod ihres Vaters 1954 erbten Harald und sein Halbbruder Herbert Quandt ein Konglomerat von Unternehmensbeteiligungen, unter anderem an der Akkumulatoren-Fabrik AG (AFA), später VARTA. Dabei konzentrierte sich Harald auf den Bereich Rüstung mit der Industriewerke Karlsruhe AG, deren Vorstandsvorsitzender er auch war. Weitere Vorstandsposten hatte er bei der Busch-Jaeger AG, der Dürener Metallwerke AG und den Mauserwerken Oberndorf am Neckar inne. Bei VARTA war er Aufsichtsratsvorsitzender und bei der Daimler-Benz AG Mitglied des Aufsichtsrats.
Ende der 1950er bzw. Anfang der 1960er Jahre war der begeisterte Privatpilot ehrenamtlich mehrere Jahre Präsident des DAeC (Deutscher Aero Club), des Dachverbands der deutschen Luftsportvereine und zu der Zeit Interessenvertretung der allgemeinen Luftfahrt. Quandt betrieb ab September 1961 den ersten in der Bundesrepublik Deutschland zivil zugelassenen Geschäftsreise-Jet, eine viersitzige Morane-Saulnier MS.760B Paris II (deutsche Musterzulassung am 15. Oktober 1960) mit dem Luftfahrzeugkennzeichen D-INGE.
Tod mini|Grabplatten von Günther und Harald Quandt auf dem Waldfriedhof Bad Homburg Harald Quandt kam am 22. September 1967 beim Absturz einer King Air A90 der General Air (Luftfahrzeugkennzeichen D-ILNI) auf einem nächtlichen Flug von Frankfurt am Main nach Nizza ums Leben. Am Steuer war ein Ersatzpilot, der kurzfristig eingesprungen war und die Maschine wahrscheinlich noch nicht vollständig beherrschte. Offenbar war die gesamte Bordelektronik mitsamt den Funkgeräten ausgefallen, so dass die Piloten bei Cuneo (Italien) gegen einen Berg flogen. Die genaue Unfallursache konnte nicht ermittelt werden.
Nach Harald Quandts Tod wurde das Vermögen der Familie Quandt zwischen Herbert Quandt und den Erben von Harald Quandt aufgeteilt.
Familie Seit 1951 war Harald Quandt mit Inge Quandt geb. Bandekow (18. November 1928 – 24. Dezember 1978) verheiratet, der Tochter des Unternehmens-Justiziars, mit der er fünf Töchter hatte: Katarina Geller-Herr (* 1951), Gabriele Quandt (* 1952), Anette May-Thies (* 1954), Colleen-Bettina Rosenblat-Mo (* 1962) und Patricia Halterman (1967–2005). (PDF), in: Der Spiegel, Ausgabe 41/2007 (vom 7. Oktober 2007), Grafik auf S. 81.
Nach Harald Quandts Tod war seine Witwe zunächst mit dem Fernsehjournalisten und Rennfahrer Rainer Günzler liiert. Im Jahr 1976 heiratete sie den Bankier Hans-Hilman von Halem (8. April 1932 – 26. Dezember 1978) und hieß seitdem Inge Quandt-von Halem. Nach dem Tod seiner Frau an Heiligabend 1978 wollte Hans-Hilman von Halem nicht mehr leben und erschoss sich zwei Tage später mit einer Pistole.Quandts bleiben der Heimatstadt treu. maz-online.de, 4. Januar 2003.
Die fünf Töchter von Harald Quandt ließen ihre Vermögensanteile und Unternehmensbeteiligungen ab 1981 gemeinsam von der neu gegründeten Harald Quandt Holding verwalten, die sich 1988 für weitere Kunden öffnete und aus der die heutige HQ Holding hervorging.Reich und Reichtum der Quandts. fr.de, 23. September 2011.HQ Holding hqholding.com, siehe Abschnitt HQ Historie.
Darstellung im Film 2004: Der Untergang, Deutschland. Quandt tritt hier als Person nicht direkt auf. Seine Mutter Magda Goebbels (gespielt von Corinna Harfouch) schreibt ihm einen Brief, in dem sie ihm ihren eigenen Suizid und die Ermordung seiner sechs Halbgeschwister ankündigt.
Literatur
Weblinks
Michael Jungblut: Quandt – das unbekannte Wesen. Aus: Die Reichen und die Superreichen in Deutschland. Hoffmann & Campe, Hamburg 1971, ISBN 3-455-03690-2, S. 78 ff. (Wiedergabe auf der Website von Harald Wozniewski; Tabelle mit Besitzverhältnissen zu Herbert und Harald Quandt) Stefan Schmitz: Familiengeschichte. „Die Quandts“. In: Stern vom 19. August 2002 Quandt-Töchter: Nicht ohne meine Schwestern. In: Manager Magazin vom 15. Mai 2006 (Familiengeschichte und Vermögensverwaltung der Harald-Quandt-Erben)
Einzelnachweise
Kategorie:Unternehmer (20. Jahrhundert) Kategorie:Familienmitglied (Joseph Goebbels) Harald Kategorie:Fallschirmjäger (Wehrmacht) Kategorie:Oberleutnant (Luftwaffe der Wehrmacht) Kategorie:Industrieller Kategorie:Unfallopfer (Flugverkehr) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1921 Kategorie:Gestorben 1967 Kategorie:Mann