mini|Adolf Eichholz um 1530, Stifterbild im Wallraf-Richartz-Museum Köln|250px Adolf Eichholz (Eyckholtz, Eichols), Humanistennamen Athaulphus Dryoxylos (Δρυόξυλος, Dryander) oder Adolphus Roboreus (* vor 1490 in Köln; † Juli oder November 1563 ebenda) war ein deutscher Humanist, Jurist und Rektor der alten Universität zu Köln.
Leben Adolf Eichholz entstammte einer Kölner Kaufmannsfamilie und wurde im Haus „Zom kleynen Boum“ in der Sternengasse geboren. Sein Vater Albert Eicholz (Ailbert Eychoultz) besaß 1500 das Haus „Zum Hasen uff der Bach“, war Kirchmeister in St. JakobVgl. die Liste der Kirchmeister bei Konstantin Höhlbaum (Hrsg.), Hermann von Weinsberg: Das Buch Weinsberg. Kölner Denkwürdigkeiten aus dem 16. Jahrhundert, Bd. I. (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 3). Alphons Dürr, Leipzig 1886, S. 326f. und 1495 bis 1520 einer der Gebrechsherren im Kölner Rat.Vgl. Elisabeth M. Kloosterhuis: Erasmusjünger als politische Reformer. Humanismusideal und Herrschaftspraxis am Niederrhein im 16. Jahrhundert. (Rheinisches Archiv 148). Böhlau, Köln 2006, S. 567. 1518 gab Adolf Eichholz das Haus „Zum Hasen“ (in signo cuniculi) in der Nähe1487 „zom Haissen“, 1517 „Haus der Haese bei der Herberge zonder fetter Hennen“ im Schreinsbezirk von St. Laurenz; Hermann Keussen: Topographie der Stadt Köln im Mittelalter, Bd. I (Preis-Schriften der Mevissen-Stiftung 2,1). Hanstein, Bonn 1910, S. 312 (Digitalisat der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln). des birckmann’schen Verlagshauses „Zur fetten Hennen“ (bibliotheca in pingui gallina; vgl. die heutige Straße „Unter Fettenhennen“) als eine seiner Briefadressen an.Am. 3. Juli 1586 erwähnt Weinsberg in seinem Liber senectutis (Bl. 584f), dass „uns nachpar uff der Bach Birckman“ bei Junkersdorf überfallen wurde. Im Alter erbte „Adolf Eyichhoultz“ ein Haus in der Sternengasse von Johann van dem Boum.Urkunde vom 9. November 1545; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 102 Schreinsurkunden Schöffenschrein, U 3/276).
Studium in Köln und Bologna Am 31. März 1503 immatrikulierte er sich als „Adolphus eichols de Colonia“ an der Artistenfakultät der Kölner Universität und erwarb 1504 das Baccalaureat. 1505 erscheint er als Kleriker in einer Urkunde der Stiftskirche St. Maria ad Gradus.Vgl. Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 251 Mariengraden, U 1/318, vgl. U 1/328; U 2/375); Anna-Dorothee von den Brincken: Das Stift St. Mariengraden zu Köln. Urkunden und Akten 1059–1817 (Mitteilungen aus dem Stadtarchiv Köln 57), Bd. I, Köln: Paul Neubner 1969, S. 144, 150, 176, 241, 336, 382, 391, 453, 461, 478 und 507. Eichholz studierte zusammen mit seinem Kommilitonen Glareanus (1488–1563) Griechisch bei Hermann von dem Busche (1468–1534)Hermann von dem Busche (Buschius) widmete Glarean und „Adelphus Eicholz Agrippinus“ den Kommentar: Cl. Claudiani Proserpinae raptus cum Hermanni Buschii Pasiphili erudito ac familiari commentario. Martin von Werden, Köln 1514; vgl. auch Hermann Hamelmann: De vita, studiis, itineribus, scriptis et laboribus Hermanni Buschii (1584). In: Heinrich Detmer / Carl Hosius (Hrsg.): Hermann Hamelmanns Geschichtliche Werke, Bd. I/2, Aschendorff, Münster 1905, S. 62 (Open Library).. 1505 lernte er Ulrich von Hutten (1488–1523), seinen convictus, und den späteren kurtrierischen Rat Ulrich Fabricius (1489–1526) als Kommilitonen kennen. Eichholz erwarb 1506 als Mitglied der Laurentiana-Burse den Magistergrad der Artes-Fakultät.
1507/08 reiste er nach Italien und hörte auf dem Weg Petrus von Ravenna (um 1448–1508) an der Universität zu Mainz bzw. in Worms.Vgl. Karl Krafft / Wilhelm Crecelius: Beiträge zur Geschichte des Humanismus am Niederrhein und in Westfalen, Bd. I. Samuel Lucas, Elberfeld 1870, S. 45f (Google-Books). 1509 immatrikulierte er sich – zusammen mit Hermann von Neuenahr (1492–1530), Johannes Caesarius (1468–1550) und Jakob von Conresheim (Conreschim, Konradsheim)1504 immatrikuliert in Köln, Sohn des Professors der Rechtswissenschaft Christian von Conradsheim genannt Isermenger (1450–1526), der mehrmals Rektor der Universität und Auftraggeber der „Anbetung der Könige“ des Meisters von St. Severin war; vgl. Gustav C. Knod: Deutsche Studenten in Bologna (1289-1562). Biographischer Index zu den Acta nationis Germanicae universitatis Bononiensis. R. von Decker (G. Schenck), o. O. (Berlin) 1899, S. 268. – als Kanoniker der Stiftskirche St. Maria ad Gradus in Bologna: „Adolphus Eicholtz eccl[esiae] div[a]e Mari[a]e Colonien[sis] canonicus“ und erwarb das juristische Baccalaureat.
1513 trat er zusammen mit Hermann Rinck († 1546) und Johann Rinck († 1566) in die Kölner Juristenfakultät ein. Johannes Aesticampianus (1457–1520), der seit 1513 in Köln lehrte, bezeichnete Eichholz als seinen Lehrer. Im Dunkelmännerbriefe-Streit zwischen Johannes Reuchlin (1455–1522) und Johannes Pfefferkorn (1469–1524) unterstützte Eichholz 1515 die Position von Reuchlin und Ulrich von Hutten.
Studium in Orléans Ab 1515 studierte Eichholz an der Juristenfakultät der Universität OrléansCornelia M. Ridderikhoff, Hilde De Ridder-Symoens (Bearb.): Les Livres des procurateurs de la nation germanique de l' ancienne Université d'Orléans 1444–1602, Bd. I/1. Brill, Leiden 1971, S. xxvi–xxix, 5, 77, 179, 188, 192–207, 220 und 243 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). – unter anderem bei Jean-Pyrrhus d'Angleberme (Johannes Igneus) (* um 1470; † 1521)Brief von Adolph Eichholz an Erasmus vom 6. Oktober 1518 aus Köln (Universitätsbibliothek Breslau, MS Rehdiger 254, Blätter 56f), in dem drei frühere Briefe Eichholz' erwähnt werden. In: Percy Stafford Allen / Helen Mary Allen (Hrsg.): Opus Epistolarum Desiderii Erasmi Roterodami Bd. III 1517-1519. University Press, Oxford 1913, Nr. 866, S. 390–392 (Open Library) = Sir Roger Aubrey Baskerville Mynors / Douglas Ferguson Scott Thomson / Peter G. Bietenholz: Collected Works of Erasmus, Bd. VI The Correspondence of Erasmus. Letters 842-992 (1518-1519). Toronto Press, Toronto 1982, Nr. 866, S. 111f, bes. S. 112 (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). – und war dort 1517 Prokurator der „Deutschen Nation“. Er katalogisierte den Bibliotheksbestand der Landsmannschaft im Index librorum Nationis Germanicae und verfasste eine humanistische Laus Germania („Lob Deutschlands“), in der sich Ansätze einer nationalen Identitätsfindung zeigen.
Eichholz war in Orléans Tutor des späteren klevisch-märkischen Kanzlers Heinrich Bars genannt Olisleger (vor 1500–1575) und von dessen beiden Brüdern und begegnet dort unter anderem Karl Harst (1492–1563) und dem späteren jülisch-klevisch-bergischem Kanzler Johann Ghogreff (1499–1554). Er nahm in Orléans wie auch später in Köln verschiedene Studenten in seinem Haus als Tischgänger auf.
1518 kehrte Eichholz über Paris, wo er Guillaume Budé (1468–1540) kennenlernteBriefe von Guillaume Budé an Erasmus vom 12. und 20. April 1518 aus Paris. In: Percy Stafford Allen / Helen Mary Allen (Hrsg.): Opus Epistolarum Desiderii Erasmi Roterodami Bd. III 1517-1519, Oxford: University Press 1913, Nr. 810 und 819, S. 268 und 288 [indirekte Erwähnung Eichholz'] (Open Library).Brief von Guillaume Budé an Adolph Eichholz (Roboreus) vom 22. Februar 1520. In: Epistolae Gulielmi Budęi Regii Secretarii. Jodocus Badius, o. O. [Paris] 1520, S. 49f (Google-Books) (und weitere Auflagen); vgl. Louis Delaruelle: Repertoire Analytique Et Chronologique de la Correspondance de Guillaume Bude. Edouard Privat, Toulouse / Edouard Cornely, Paris 1907, S. 99, vgl. S. 34f., nach Köln zurück.Vgl. auch Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 251 Mariengraden, U 1/328), Urkunde vom 9. Dezember 1521. Er beabsichtigte, Erasmus von Rotterdam (1465 oder 1469–1536) in Löwen zu besuchen, erfuhr aber in Antwerpen von dem Stadtschreiber und Humanisten Pieter Gillis (1486–1533), dass dieser bereits nach Basel abgereist war.
Professor für kanonisches Recht in Köln In Köln hielt Eichholz weiter Kontakt zur Deutschen Nation in Orléans, der er als Geschenk ein Messgewand zukommen ließ. Johann von Vlatten, der spätere Kanzler von Jülich-Berg, schrieb ihm 1520 im Auftrag der „Alemaniae natio“ einen Brief.Brief von Johann von Vlatten an Adolph Eichholz vom 15. Mai 1520 aus Orléans. In: Jakob Middendorp: Academiarum orbis Christiani libri duo. Maternus Cholinus, Köln 1572, S. 343–345 (Google-Books).
Eichholz erwarb 1521 den Dr. iur. utr. 1522 (erneuert 1560) wurde er als Kanoniker von Mariengraden von der Abtei Prüm mit Einkünften aus Heimersheim und Unkelbach belehnt.Akte Beschreibung der Zehnten und Lasten zu Heimersheim, 1677; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 251 Mariengraden, A 32b).
Ab 1522 hielt Eichholz mit 26 Gulden Jahresgehalt Vorlesungen an der Universität über Dekretalien. Mitte der 1520er Jahre ließ das Interesse der Studenten am kanonischen Recht nach, und Eichholz las auf Wunsch des Kölner Stadtrates auch über Zivilrecht; der Rat wies 1526 die Mittwochsrentkammer an, „Dr. Ailbert (lies: Ailf; „Ailbert“ war der Name seines Vaters) v. Eychoultz“ für seine Vorlesung über die Institutionen zu entlohnen.Eintrag vom 5. März 1526; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 10B Ratsprotokolle, A 6, Blatt 80). Allerdings las Eichholz auch später noch „über das Dekret“.Eintrag vom 14. Mai 1535; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 10B Ratsprotokolle, A 9, Blatt 267). Adolf Eychoultz siegelte für die 1452 von dem Weinhändler Heinrich Haich errichtete „Stiftung Haich“,Vgl. Manfred Groten: Die Stiftungen des Kölner Bürgers Heinrich Haich von 1452. In: Rheinische Vierteljahrsblätter 73 (2009), S. 31–78; 74 (2010), 79–126; 75 (2011), 134–170. die Töchtern armer Leute Zuschüsse zur Aussteuer gewährte und von den Provisoren der Universität verwaltet wurde.Urkunden vom 3. September 1523 und 6. Januar 1528; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1 Haupturkundenarchiv, U 1/16225 und U 1/16423). Gerardus Bucoldianus († nach 1542)Auch „Gerhard Bucoltz, Bucholds, Geraldus Bucoldus u. ä.“, vermutlich aus Bocholt bei Lüttich; später Philologe und Leibarzt von König Ferdinand I. (1503–1564). widmete Eichholz 1531 als seinem Gastgeber eine Cicero-Ausgabe,Widmungsbrief von Gerardus Bucoldianus an Adolph Eichholz (Dryoxylos). In: M. T. Ciceronis de partitione oratoria dialogus. Johannes Gymnich, Köln 1531. und Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim widmete ihm 1533 einen Kommentar zur Ars brevis des Ramon Llull. 1535 wurde Eichholz Professor des kanonischen Rechts und erhielt dafür ein weiteres Gehalt von 40 Gulden. Hermann von Weinsberg (1518–1597) hörte bei ihm 1537 im ersten Semester seines Jurastudiums eine Vorlesung über das Decretum Gratiani.Vgl. Liber Iuventutis, Bl. 77 (Digitale Gesamtausgabe der Universität Bonn, Abteilung für Rheinische Landesgeschichte).
Zusammen mit der Äbtissin von St. Cäcilien Elisabeth von Manderscheid-Kail († 1538) beurkunden Adolf Eicholz (Eyckeholtz) und der Vikar Heymann von Ellinckhusen (Eleynckhuysen) 1535 als Testamentsvollstrecker des Kanonikers zu St. Cäcilien und Mariengraden Eberhard Boum (vamme Boume, vom Baum) († um 1532) die Errichtung der „Boumschen Stiftung“.Urkunden vom 24. November 1534, 1. Februar 1535, 20. August 1556 und 18. Oktober 1558; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 156 Fundationen, U 3/5; Bestand 210 Domstift, U 1/2505; Bestand 207 Cäcilien, U 3/346 (früher: Sammlung A 10; Vgl. A 20) und U 3/389). Im August 1538 gehörte Eichholz zu einer gemeinsamen Delegation von Rat der Stadt und der Universität, die in Bonn mit Erzbischof Hermann von Wied über eine Reform der Universität verhandelte.Vgl. Leonard Ennen: Geschichte der Stadt Köln. Meist aus Quellen des Stadt-Archivs, Bd. IV. Schwann, Köln / Neuss 1875, S. 674, vgl. S. 112 und 372.