Assues, Fitne und Sumurud, Ein Trauerspiel ist ein literarisches Werk des neoromantischen Schriftstellers, Auto- und Flugzeugkonstrukteurs und Kosmopoliten Karl Gustav Vollmoeller. Erschienen ist das Buch 1904 im S. Fischer-Verlag. Die Uraufführung fand am 28. Oktober 1922 unter der Regie von Intendant Ernst Hardt in Weimar statt.Birgit Bernard, "Den Menschen immer mehr zum Menschen machen", S. 176
Zur Entstehung des Werks Die Inspiration zur Handlung entnahm Vollmoeller, wie er 1909 in einem offenen Leserbrief an die Redaktion der Zeitschrift Das Literarische Echo ausführt, teilweise der Lektüre von Tausendundeine Nacht, Arabische Erzählungen. Allerdings gibt es in der von Vollmoeller benutzten ersten vollständigen SammlungTausendundeine Nacht. Arabische Erzählungen zum ersten Male aus dem arabischen Urtext treu übersetzt von Dr. Gustav Weil. 4 Bände. Verlag der Classiker, Stuttgart / Pforzheim 1839–1841. keine Erzählung, die genau den Stoff für seinen „Assues“ hergibt. In „Assues, Fitne und Sumurud“ arbeitet Vollmoeller sein Verhältnis zur Lieblingsschwester Mathilde Vollmoeller-Purrmann auf, wie das zu seinem Vater Robert Vollmöller. Es ist, nach der Trauer um die 1894 verstorbene Mutter und der Ablösung von dieser, die er über sein Theaterstück Catherina – Gräfin von Armagnac anging; der Suche nach seiner Mission, seiner Aufgabe, mit der er sich über seinen Gedichtzyklus Parcival – Die frühen Gärten auseinandersetzte, seine zweite Abnabelung von der Familie; dieses Mal über die Person seiner Schwester, Vertrauten, ‚Ersatzmutter’ und ‚ideellen’ Geliebten. Interessanterweise zieht sich der Entstehungs- wie Ablösungsprozess über fünf Jahre hin (1898–1903) – und erst, als dieser abgeschlossen und Vollmoeller innerlich frei ist, kann er sich einer anderen Frau zuwenden: seiner personifizierten ‚Madonna’; seiner abergöttisch geliebten und verehrten Ehefrau Norina Gilli = Maria Carmi.
Ursprünglich wollte Vollmoeller mit seinem „Assues“ in der Tat, aus überwiegend literarischem Interesse, Motive aus ‚Tausendundeinernacht’ aufgreifen und bearbeiten, änderte jedoch während der fünfjährigen Arbeit am Werk seine Pläne.
Während eines Aufenthalts in Paris, hatte ihn am 21. Januar 1898 eine Premiere am Théâtre de la Renaissance (1838 von Victor Hugo und Alexandre Dumas gegründet) mit Sarah Bernhardt in der Hauptrolle hell begeistert und in seinen Bann gezogen: „La città morta“ („Die tote Stadt“) von Gabriele D’Annunzio in der französischen Übersetzung von Georges Herelle. Keine acht Wochen nachdem er der Premiere des Stückes beigewohnt hatte, begann Vollmoeller, mittlerweile gemeinsam mit Max Dauthendey in Griechenland auf Reisen, mit der Arbeit an „Assues, Fitne und Sumurud“. Vollmoeller schwebte zu Beginn seiner Arbeit, ab 1898, sowohl inhaltlich als auch sprachlich ein anderes Konzept für sein Trauerspiel genanntes Theaterstück vor, als es das fertige Stück enthält. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass im Laufe der Jahre, in denen Vollmoeller an dem Stück arbeitete (bis Ende 1903), sein Fokus weg von einer konstruierten Handlung mit erfundenen Figuren, wie sie für den Symbolismus im Sinne der verwandten Sprache verbindlich gewesen wäre, sich hin zu einer von autobiographischen Elementen durchmischten Handlung mit einem dramatischen Personal entwickelte, dessen drei Protagonisten (Assues, Fitne, Sumurud) deutliche Merkmale und Züge von Karl und Mathilde Vollmoeller sowie Norina Gilli tragen. Dies bestätigt der Vergleich der endgültigen, gedruckten Fassung von 1904, mit den vorab in den Blätter für die Kunst veröffentlichten Teilauszügen, etwa den Gedichten „Lied des Fischers“ (1899) und „Summurrud“ (1899). Die vorab veröffentlichten Texte tauchen in der endgültigen Buch- und Theaterversion nicht mehr auf.
Werksrezeption
Die zeitgenössische Theaterkritik sowie das Theaterpublikum biss sich an der etwas verworren wirkenden Handlung fest, was Vollmoellers Bestreben geschuldet war, die autobiografischen Bezüge so gut als möglich zu verschleiern. Schließlich konnte und wollte er weder die eigene Schwester noch seine Verlobte, die kurz darauf seine Frau wurde, bloßstellen.
Literatur Karl Vollmoeller: Assues, Fitne und Sumurud. S.Fischer, Berlin 1904. Rudolf Lothar: Das deutsche Drama der Gegenwart. Leipzig/München 1905. Leo Berg: Das Literarische Echo. Bd. 10, 1908. Theodor Klaiber: Schwaben in der Literatur der Gegenwart. Stuttgart 1905. Robert Franz Arnold: Das moderne Drama. Straßburg 1908. Alfred Kerr: Gesammelte Schriften 3. Berlin 1917. Frederik D. Tunnat: Karl Vollmoeller: Dichter und Kulturmanager. Eine Biographie. tredition, Hamburg 2008, ISBN 978-3-86850-000-4. Frederik D. Tunnat: Karl Vollmoeller: Ein kosmopolitisches Leben im Zeichen des Mirakels. tredition, Hamburg 2008, ISBN 978-3-86850-235-0. Ines R. Braver: Karl Gustav Vollmoeller. (Diss.) New York University, 1961. Klaus Günther Just: Geschichte der deutschen Literatur seit 1871 – Von der Gründerzeit bis zur Gegenwart. Francke, Bern/München 1973, ISBN 3-7720-1056-3. Klaus Günther Just: Übergänge, Probleme und Gestalten der Literatur. Francke, Bern/München 1966.
Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Lyrik