Die Liste der klassischen Philologen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zählt namhafte Hochschullehrer dieses Faches auf, die an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wirkten und wirken.

Überblick An den Universitäten zu Wittenberg und Halle, die 1502 beziehungsweise 1694 gegründet wurden, wurde die griechische und lateinische Sprache und Literatur bis ins 18. Jahrhundert hauptsächlich als Hilfswissenschaft der Theologie vermittelt. Ihre Vertreter waren meist gleichzeitig Professoren der Eloquenz. Christian Adolph Klotz (1738–1771), Professor der Philosophie und Beredsamkeit seit 1765, war einer der ersten Vertreter der Klassischen Philologie als eigenständiger Disziplin an der Universität.

Mit der Berufung von Friedrich August Wolf (1759–1824) zum Professor für Philosophie und Pädagogik (1783) begann eine neue Epoche für das Studium der Klassischen Philologie in Halle. Nach dem Vorbild des Göttinger Seminars (Wolf hatte 1777–1779 bei Christian Gottlob Heyne studiert) gründete er 1787 in Halle ein Philologisches Seminar, das gleichermaßen der Heranbildung von Lehrern wie von Fachwissenschaftlern diente. Nach der Schließung der Universität Halle (1806) ging Wolf 1807 nach Berlin, wo er sich an der Gründung einer neuen Universität beteiligte.

Im 19. Jahrhundert Nach der Wiedergründung der Universität Halle durch die westfälische Regierung (1808) wurde Christian Gottfried Schütz (1747–1832), seit 1804 Professor der Literaturgeschichte, mit der Professur der Eloquenz und der Leitung des Philologischen Seminars beauftragt. Die Finanzmittel des Seminars wurden stark gekürzt. Dennoch intensivierte Schütz die seminaristische Tätigkeit der Studenten, indem er die wöchentlichen Übungen von zwei auf sechs Stunden erhöhte. 1816 wurde August Seidler (1779–1851) als Professor für griechische Literatur berufen und zum Mitdirektor des Philologischen Seminars ernannt. Neben diese beiden, Schütz und Seidler, trat nach der Zusammenlegung der Universitäten Halle und Wittenberg durch den preußischen Staat (1817) Abraham Gottlieb Raabe (1764–1845), der zuvor in Wittenberg gelehrt hatte. Der Zweck des Seminars wurde nach dem neuen Reglement vom 26. Juni 1817 mit der „Bildung geschickter Lehrer für die Gymnasien“ bezeichnet; die fachwissenschaftliche Orientierung der Seminarübungen war damit von offizieller Seite eingeschränkt. Neben Raabe, Schütz und Seidler wirkte seit 1820 Karl Christian Reisig (1792–1829), zunächst als Extraordinarius.

Die Seminarleitung ging 1824 von Seidler auf dessen Nachfolger Moritz Hermann Eduard Meier (1796–1855) über. 1829 trat ein neues Reglement in Kraft, das die speziell schulische Orientierung des Seminars in eine allgemein wissenschaftliche änderte. Außerdem wurde Gottfried Bernhardy, Reisigs Nachfolger, zum dritten Seminardirektor ernannt. Schütz trat 1831 aus Altersgründen von der Seminardirektion zurück, die sich seitdem Meier und Bernhardy teilten. Nach Meiers Tod wurde 1857 Theodor Bergk (1812–1881) berufen, nach dessen Pensionierung 1869 Heinrich Keil (1822–1894).

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts existierten nur zwei Lehrstühle für Klassische Philologie. 1874 wurde Wilhelm Dittenberger (1840–1906) auf einen dritten Lehrstuhl berufen, der jedoch nicht mit der Seminardirektion verbunden war. Mit Bernhardys Nachfolger Eduard Hiller (1844–1891, berufen 1876) bahnte sich ein Generationenwechsel an: Hiller kam aus der Bonner Schule der Philologie (Otto Jahn, Friedrich Ritschl). Er beschäftigte sich besonders mit der hellenistischen und römischen Dichtung.

Halle und der „Großbetrieb der Wissenschaft“: Blass und Wissowa Aus derselben Schule wie Hiller kam auch sein Nachfolger Friedrich Blass (1843–1907), der sich mit weiten Bereichen der griechischen Literatur beschäftigte, besonders mit Rhetorik. Gemeinsam mit Georg Wissowa (1859–1931), Keils Nachfolger, reformierte er das Philologische Seminar. Anders als Blass und Hiller stammte Wissowa aus der Breslauer Philologenschule.

Als Wissenschaftsorganisator band Wissowa die Universität Halle in den damaligen „Großbetrieb der Wissenschaft“ ein. Er leitete die Redaktion der Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, zu der er Schüler, Kollegen und Fachgenossen aus ganz Deutschland und aus dem Ausland hinzuzog. Sein eigener Forschungsschwerpunkt, die römische Religionsgeschichte, war auch Gegenstand der Dissertation vieler seiner Schüler.

Von der Jahrhundertwende bis zum Ende des Nationalsozialismus mini|Das Robertinum, seit 1928 Sitz des Instituts für Altertumswissenschaften Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts waren als Lehrstuhlinhaber neben Wissowa Otto Kern (1863–1942) und Karl Praechter (1858–1933) tätig. Nach einem Schlaganfall (1923) musste Wissowa seine Forschungs- und Lehrtätigkeit einstellen. Sein Nachfolger wurde 1925 Ernst Diehl (1874–1947), ein Zögling der Bonner Schule. Praechters Lehrstuhl wurde nach seiner Emeritierung (1927) nicht wieder besetzt.

Unter Federführung von Otto Kern wurden die Alte Geschichte, Klassische Philologie und Archäologie 1928 räumlich im Robertinum zusammengefasst. Auch institutionell arbeiten die Fächer seitdem eng zusammen (im Institut, später Seminar für Altertumswissenschaften).

Mit Kerns Nachfolger Paul Friedländer (1882–1968) wurde 1932 ein Berliner Wilamowitz-Schüler nach Halle berufen. Bereits drei Jahre später wurde er aufgrund seiner jüdischen Herkunft entlassen. Sein Nachfolger wurde Erich Reitzenstein (1897–1976), der sich mit Dichtungstheorie und Philosophie beschäftigte und zu den Nationalsozialisten Abstand hielt. Dagegen passte sich Diehls Nachfolger Franz Altheim (1898–1976) der herrschenden Ideologie an, um seine Karriere zu sichern. Altheim vertrat in Halle auch die Alte Geschichte, da der Lehrstuhl des vertriebenen Althistorikers Richard Laqueur (1881–1959) unbesetzt blieb.

Klassische Philologie in der DDR und danach Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnten Reitzenstein und Altheim ihre Tätigkeit in Halle fortsetzen. Beide hatten jedoch starke Differenzen zur Führung der SBZ und der DDR. Nachdem Altheim 1950 an die Freie Universität Berlin gewechselt war, wurde Werner Peek (1904–1994) zu seinem Nachfolger berufen. Peek war ein verdienter Epigraphiker, der sich in den 30er Jahren stark für den Nationalsozialismus engagiert hatte. In der DDR passte er sich so weit an, dass ihm 1961 der Nationalpreis verliehen wurde.

Neben Peek wirkte in den 60er Jahren Berthold Häsler (1909–1982), Reitzensteins Nachfolger, nachdem dieser 1958 über West-Berlin in die BRD geflohen war. Nachdem Peek 1969 und Häsler 1974 in den Ruhestand getreten waren, blieben ihre Lehrstühle lange Zeit unbesetzt. Die Lehre wurde durch die Dozenten Joachim Ebert (1930–1999) und Wolfgang Kirsch (1938–2010) sowie durch Lehrbeauftragte aufrechterhalten. Ebert wurde 1983, Kirsch 1986 zum Professor mit Lehrstuhl ernannt. Beide blieben nach der Wende im Amt. Ebert trat mit Erreichen der Altersgrenze 1995 in den Ruhestand, Kirsch bereits 1993. Ihre Nachfolger auf den Lehrstühlen wurden Michael Hillgruber (Schwerpunkt Gräzistik) und Rainer Jakobi (Schwerpunkt Latinistik).

Liste der Klassischen Philologen Angegeben ist in der ersten Spalte der Name der Person und ihre Lebensdaten, in der zweiten Spalte wird der Eintritt in die Universität angegeben, in der dritten Spalte das Ausscheiden. Spalte vier nennt die höchste an der Universität Halle erreichte Position. An anderen Universitäten kann der entsprechende Dozent eine noch weitergehende wissenschaftliche Karriere gemacht haben. Die nächste Spalte nennt Besonderheiten, den Werdegang oder andere Angaben in Bezug auf die Universität oder das Seminar. In der letzten Spalte stehen Bilder der Dozenten.