Aethia ist eine Gattung aus der Familie der Alkenvögel. Die Gattung umfasst vier rezente Arten, die alle im Nordpazifik vorkommen. Zur Gattung gehören mit dem Zwerg- und Bartalk die kleinsten Alkenvögel.
Die IUCN stuft alle vier Arten derzeit als Datei:LC IUCN 3 1.svg (=least concern – nicht gefährdet) ein. IUCN Red List of Threatened Species, aufgerufen am 19. April 2022
Erscheinungsbild Der Zwergalk ist die kleinste Art der Alkenvögel. Er erreicht eine Körperlänge von 15 Zentimeter und ist damit etwas kleiner als ein Haussperling. Das Gewicht variiert zwischen 70 und 101 Gramm und beträgt durchschnittlich etwa 85 Gramm. Gaston et al., S. 254 Der Bartalk erreicht eine Körperlänge von nur 18 Zentimeter und ist nur wenig größer. Sein Gewicht beträgt durchschnittlich 127 Gramm. Gaston et al., S. 265 Der Rotschnabelalk und der Schopfalk sind mit 25 Zentimeter gleich groß. Bei allen vier Arten sind die Beine bläulich grau mit dunkleren Schwimmhäuten.
Bei allen vier Arten der Gattung Aethia haben die adulten Vögel auffällig helle Iris. Jungvögel haben dagegen eine graue Iris. Alle Aethia-Arten weisen zumindest im Prachtkleid verlängerte weiße Gesichtsfedern auf. Bei jeder Art verläuft eine Linie ausgehend vom Auge in Richtung Nacken. Beim Bartalk ist die weiße Gesichtszeichnung etwas ausgeprägter als bei den anderen Arten der Gattung. Vom Auge aus verläuft ein schmaler, weißer Strich zum Nacken, zwei weitere weiße Striche treffen in einem 90°-Winkel kurz oberhalb des Schnabels aufeinander und bilden so ein liegendes V. Im Schlichtkleid sind diese weißen, verlängerten Gesichtsfedern entweder vollständig verschwunden oder nur angedeutet. Der Rotschnabelalk und der Zwergalk sind die beiden Arten, die keinen Federschopf aufweisen. Bartalk und Schopfalk dagegen haben im Prachtkleid verlängerte dunkle Federn auf der Stirn, die bei ruhenden Vögeln nach vorne fallen. Beim Schopfalk besteht die Federhaube aus zwölf bis zwanzig, zwei bis drei Millimeter breiten und 15 bis 50 Millimeter langen schwärzlichen Federn. Verschiedene Untersuchungen haben nachweisen können, dass Schopfalken Partner mit einer möglichst großen Federhaube präferieren.Gaston et al., S. 249 Im Schlichtkleid sind beim Bart- und Schopfalk diese Stirnfedern deutlich verkürzt.
Die Schnabelform der einzelnen Arten ist sehr unterschiedlich. Der Rotschnabelalk hat einen kurzen kräftigen und orangefarbenen Schnabel. Beim Zwergalk ist der Schnabel ist gleichfalls sehr klein, die vordere Schnabelhälfte ist rötlich. Rotschnabelalk und Schopfalk haben während der Brutzeit auffallend orangerote Schnäbel. Insbesondere beim Schopfalk besteht zwischen Pracht- und Schlichtkleid ein deutlicher Unterschied in der Schnabelgröße. In der Balzzeit ist bei dieser Art der Schnabel durch vier bis fünf hornartige Platten deutlich vergrößert. Männchen haben dann einen auffallend kräftigeren Schnabel als die Weibchen. Die Platten werden von brütenden Vögeln mit Beginn der Jungenaufzucht abgeworfen; nicht brütende adulte Schopfalken behalten sie bis zum Ende der Fortpflanzungszeit. Schopfalken haben dann einen deutlich kleineren und unauffälliger gefärbten Schnabel. mini|Schopfalk Bei allen vier Arten ist die Körperoberseite dunkel, die Körperunterseite aufgehellt. Die hellste Körperunterseite weist der Zwergalk auf. Bei ihm ist sie in der Regel weißlich mit unregelmäßigen dunkleren Flecken und Querstreifen. Einzelne Individuen können davon jedoch stark abweichen und haben beispielsweise eine rein weiße oder fast schwarze Körperunterseite. Individuen mit einer sehr dunklen Körperunterseite weisen in der Regel einen weißlichen Kehlfleck auf. Insgesamt machen Individuen mit einer rein weißen oder fast schwarzen Unterseite etwa fünf Prozent der Population aus. Gaston et al., S. 252 Im Prachtkleid strömt das Gefieder sowohl beim Schopf- als auch beim Bartalk einen zitrusähnlichen Geruch aus. Gaston et al., S. 262
Verbreitung Die Arten der Aethia sind in ihrer Verbreitung auf den Nordpazifik begrenzt, wobei sich ihre Verbreitungsgebiete zum Teil überlappen.
Ein verhältnismäßig kleines Verbreitungsgebiet hat der Bartalk, dessen Verbreitungsschwerpunkt die Kurilen und Aleuten sind. Die Gewässer, auf denen er sich bevorzugt aufhält, weisen im Sommer eine Oberflächentemperatur von neun bis 12 und im Winter von zwei bis vier Grad Celsius auf. Gaston et al., S: 267 Sie halten sich auch außerhalb der Fortpflanzungszeit nur selten mehr als 16 Kilometer von der Küstenlinie entfernt auf. In Asien brütet der Bartalk vereinzelt auf Inseln im Norden des Ochotskischem Meer, auf den Kurilen und den Kommandeurinseln. Auf der Inselkette der Aleuten kommt er vor allem im Osten vor und brütet beispielsweise auf den Islands of Four Mountains, den Andreanof Islands, den Rat Islands und den Buldir Island. Auf Grund der sehr versteckten Lebensweise der Bartalken sind die Brutkolonien nur sehr schwer auszumachen und erst 1994 wurde beispielsweise auf Kanaga Island eine Brutkolonie von Bartalken entdeckt. Die größte bekannte Brutkolonie befindet sich auf Buldir Island, es ist jedoch möglich, dass die Krenitzin Islands noch größere Brutkolonien beherbergen. Gaston et al., S. 264
Die Verbreitungsgebiete von Rotschnabel-, Zwerg- und Schopfalk überlappen sich teilweise stark. Der Verbreitungsschwerpunkt des Schopfalken ist die Beringsee sowie das Ochotskische Meer im nordwestlichen Pazifikraum. Schopfalken bevorzugen Gewässer mit zwei bis zehn Grad Oberflächentemperatur im Sommer und zwei bis fünf Grad im Winter. Brutkolonien des Schopfalken finden sich ebenfalls auf den Kurilen und Inseln des Ochotskischen Meeres wie Sachalin und den Schantarinseln. In der westlichen Beringsee brüten Schopfalken unter anderem auf den Kommandeurinseln, an der südöstlichen Küste der Tschuktschen-Halbinsel und der 29 Quadratkilometer großen Ratmanow-Insel, dem östlichsten Punkt Russlands. An der Küste Alaskas brüten sie unter anderem auf den abgelegeneren Inseln der Aleuten, den Pribilof Islands, der St.-Matthew-Insel, der Sankt-Lorenz-Insel, King Island und den Shumagin Islands, einer Inselgruppe im Golf von Alaska. mini|Rotschnabelalk Der Zwergalk brütet auf den Aleuten, den Semidi Islands, den Shumagin Islands und in der Beringsee auf Pribilof Islands, St.-Matthew-Insel, Sankt-Lorenz-Insel, King Island und der Ratmanow-Insel. An der Westküste des Pazifiks brüten Zwergalken vereinzelt auf den Kurilen, auf Inseln im Ochotskischem Meer, den Kommandeurinseln sowie entlang der Küste der Kamtschatka-Halbinsel bis zur südlichen Küste der Tschuktschen-Halbinsel. Sehr große Brutkolonien befinden sich unter anderem auf Kiska Island und der Sankt-Lorenz-Insel sowie einer Insel im Japanischen Meer. Während des Sommerhalbjahrs werden Zwergalken auch deutlich weiter höher im Norden beobachtet. Beobachtungen liegen unter von Point Barrow, der nördlichsten Landspitze des US-Bundesstaates Alaska und der Wrangelinsel vor.
Der Rotschnabelalk hält sich grundsätzlich mehr als andere Arten der Gattung Aethia auf offener See auf. Gaston et al., S. 239 In Asien erstreckt sich sein Brutareal von den Kurilen und dem Ochotskischen Meer über die Kommandeurinseln bis vereinzelt an die Küste der Kamtschatka-Halbinsel und der Tschuktschen-Halbinsel. An der nordamerikanischen Küste brütet der Rotschnabelalk im Norden des Golf von Alaska, darunter auf den Shumagin Islands, den Semidi Islands, der Tschirikow-Insel sowie den Aleuten und auf Inseln der Beringstraße. Gaston et al., S. 236 Die nördlichste Brutkolonie findet sich auf der Ratmanow-Insel. Die südöstlichste Brutkolonie liegt wahrscheinlich auf einer Insel vor der Küste von Sitka im Südosten Alaskas und die südwestlichste nahe Sachalin im Ochotskischen Meer.
Nahrung Alle vier Arten fressen bevorzugt Ruderfußkrebse, Kopffüßer und anderen Tieren des marinen Planktons. Über Tiefe und Länge der Tauchgänge der vier Arten ist nahezu nichts bekannt. Sowohl Zwerg- als auch Rotschnabelalk sind vermutlich nur schlechte Taucher. Einigen Autoren schätzen, dass Zwergalke auf Grund ihrer geringen Körpermasse nur begrenzt tauchen können und Gewässertiefen von maximal 15 Meter erreichen können. Andere Autoren gehen von einer maximalen Tauchtiefe von bis zu 25 Meter aus. Gaston et al., S. 256 Der Rotschnabelalk findet seine Nahrung überwiegend an in geringer Gewässertiefe, bei ihm spielen Eine besondere Rolle spielen in seiner Ernährung kleine Quallen sowie Plankton, dass mit Quallen assoziiert wird, eine große Rolle. Seine spezifische Schnabelform wird auf diese Nahrungspräferenz zurückgeführt.
Fortpflanzung Sozialverhalten und Brutkolonien mini|Bartalk Alle vier Arten sind Kolonienbrüter. Beim Rotschnabelalk sind die Aktivitäten in den Brutkolonien weniger synchronisiert als dies bei anderen Aethia-Arten der Fall ist. Auch die Dichte der Nisthöhlen in der Brutkolonie ist geringer. Sofern sie in denselben Brutkolonien wie andere Aethia-Arten brüten, fehlen sie gewöhnlich unter den Alkenvögeln, die die Kolonie überfliegen. Normalerweise versammeln sich in den frühen Morgenstunden kleine Gruppen von zehn bis vierzig Rotschnabelalken in den Küstengewässern vor den Brutkolonien und fliegen von dort aus einzeln oder zu zweit zu den Bruthöhlen. Die Aktivitäten in der Brutkolonie sind ebenfalls verhältnismäßig wenig gleichgerichtet. Aggressives Verhalten gegenüber den Artgenossen ist verhältnismäßig selten, was sie vom Zwergalk und Schopfalk deutlich unterscheidet.
Der Schopfalk ist im Gegensatz zum Rotschnabelalk ein sehr geselliger Vogel, der ganzjährig mit Artgenossen in großen Schwärmen zusammenlebt. Einzelne Schopfalke, die die unmittelbare Nähe zu ihren Artgenossen verlieren, suchen sofort nach Anschluss. Das führt bisweilen dazu, dass Schopfalken in der ersten Reihe eines Schwarmes langsamer werden, während Vögel am Ende des Schwarmes schneller werden und somit in einer langgezogenen Schwarmformation fliegen, die sich immer wieder verdichtet und dann in mehrere Einzelschwärme auseinanderbricht. Gaston et al., S. 248 Schopfalken und Zwergalken konkurrieren innerhalb der Kolonien um geeignete Nistplätze, insbesondere Männchen reagieren in den Brutkolonien aggressiv auf eine zu große Annäherung anderer Männchen und Jungvögel. Kämpfende Schopfalken hacken mit den Schnäbeln nacheinander, dabei zielen sie regelmäßig auf die Augen. Sie greifen einander im Nacken oder am Schnabel und schlagen mit den Flügeln aufeinander ein. Männchen haben auf Grund dieser Kämpfe häufig gerupfte Federhauben. Grundsätzlich korreliert die Haubengröße mit der Dominanz, der Gewinner solcher Übergriffe hat gewöhnlich die größere Federhaube. Aggressive Interaktionen zwischen Männchen sind auch auf hoher See zu beobachten. Das gilt vor allem, wenn ein verpaartes Männchen sein Weibchen gegenüber anderen Männchen verteidigt, die sich diesem nähern. Weibchen zeigen seltener aggressive Verhaltensweisen. Aggressive Verhaltensweisen zeigen Schopfalke auch gegenüber anderen Alkenvögeln. Der Zwergalk, der ein ähnlich innerartliches Aggressionsverhalten wie der Schopfalk aufweist, unterliegt regelmäßig in Zweikämpfen um Niststandorte dem Schopfalk. Es wird sogar davon ausgegangen, dass die in Brutkolonien gelegentlich zu findenden toten Zwergalken Opfer von Auseinandersetzungen mit dem Schopfalk sind.Gaston et al., S. 258