Die Schlacht bei Bar-sur-Aube fand am 27. Februar 1814 während des Winterfeldzuges der Befreiungskriege statt zwischen französischen Truppen und der Böhmischen Armee der Koalition, auf deren Seite an diesem Tage Truppen aus Russland, Österreich und Bayern in den Kampf eingriffen.
Vorgeschichte Der Rückzug der Böhmischen Armee Nach der Schlacht bei Montereau am 18. Februar 1814 hatten sich die Truppen der Böhmischen Armee bis vor Troyes zurückgezogen. Am Abend des 20. Februar 1814 standen ihre Korps auf einer Linie von bis . Der Oberbefehlshaber der Böhmischen Armee, der österreichische Feldmarschall Fürst Schwarzenberg, erwog ernsthaft, Napoleons Armee aus dieser Stellung heraus eine Schlacht zu liefern. Hierzu rief er die Schlesische Armee unter Blücher herbei, die mit 48.000 Mann am 21. Februar 1814 in Méry-sur-Seine eintraf.
Am selben Tage traf aber in Schwarzenbergs Hauptquartier ungünstige Nachricht aus dem Süden ein, wo sich die österreichischen Truppen vor Lyon ausnahmslos zurückziehen mussten, nachdem der französische Marschall Augereau dort eine Armee von 38.000 Mann zusammengezogen hatte und zum Vormarsch übergegangen war. Chambéry war bereits wieder in französischer Hand und Genf akut bedroht. Damit waren aber auch die Versorgungs- und Rückzugslinien der Böhmischen Armee durch die Burgundische Pforte gefährdet. Schwarzenberg reagierte, indem er das österreichische Korps Bianchi mit insgesamt 30.000 Mann von Troyes über Dijon an die Rhone sandte, wo es zusätzlich gegen die französische Armee unter Augereau eingesetzt werden sollte. Durch diesen Abgang wurde die Böhmische Armee deutlich geschwächt.
Große Sorge herrschte in Schwarzenbergs Hauptquartier auch darüber, ob es Napoleon selbst wagen würde, mit seiner Armee über Dijon nach Süden durchzubrechen und die Koalitionstruppen von dort einzuschließen.
Solche Überlegungen führten dazu, dass Schwarzenberg am 22. Februar 1814 den weiteren Rückzug bis hinter die Aube und die Aufgabe von Troyes befahl.
Am Morgen des 23. Februar 1814 fand im Quartier des preußischen Königs Friedrich Wilhelm III. eine allgemeine Beratung unter Anwesenheit des Zaren Alexander, des österreichischen Kaisers Franz II. und seiner wichtigsten Minister und des Fürsten Schwarzenberg statt. Schwarzenberg musste wegen der anhaltend rückwärtigen Bewegung der Böhmischen Armee heftige Vorwürfe anhören, konnte sich aber mit seinen Argumenten durchsetzen.
Der Vormarsch der französischen Armee unter Napoleons Führung und das Gefecht von Méry Nachdem Napoleon am 19. und 20. Februar 1814 noch in Montereau verblieben war, rückte die französische Armee unter seiner Führung an den folgenden Tagen südlich der Seine wieder nach Osten vor und stand am 22. Februar 1814 mittags bereits in Sichtweite der Stadt Troyes.
Napoleon selbst wollte sein Quartier in Méry-sur-Seine nehmen, wohin er das Korps von Marschall Oudinot dirigiert hatte. Von Norden heranrückend hatte aber das russische Korps des Generals Sacken der Schlesischen Armee bereits den Ort Méry, der überwiegend nördlich des Flusses liegt, besetzt, während das Korps Wittgenstein der Böhmischen Armee nach Villacerf weiter gezogen war.
Am 22. Februar 1814 drangen französische Truppen nach 14:00 Uhr von Südwesten kommend gegen die Seine-Brücke von Méry vor und es entspann sich ein heftiges Gewehrfeuer an der Brücke und über den Fluss hinweg. Zur selben Zeit geriet die Stadt Méry in Brand, wahrscheinlich durch Biwak-Feuer der Russen, die nicht sorgfältig gelöscht worden waren. Kleineren französischen Einheiten gelang es, die Brücke zu überschreiten, sich am Nordufer der Seine festzusetzen und von dort Unruhe unter den anwesenden Truppen der Schlesischen Armee zu stiften, bis sie durch einen Gegenangriff mehrerer Bataillone wieder vertrieben wurden.
Napoleon nahm sein Quartier am Abend im benachbarten , während das Gewehrfeuer über den Fluss hinweg die ganze Nacht anhielt. Die Truppen beider Seiten litten in diesen Tagen spürbare Not. Es fehlte in der kargen Landschaft an Lebensmitteln ebenso wie an Feuerholz, um sich in den kalten Nächten zu wärmen. Viele Holzhäuser der armen Landbevölkerung wurden in nur einer Nacht verfeuert. Die Kommandeure der Truppenteile mussten ihre Quartiere nachts bewachen lassen, damit ihnen diese nicht über dem Kopfe abgerissen wurden.Karl von Damitz: Geschichte des Feldzuges von 1814 in dem östlichen und nördlichen Frankreich bis zur Einnahme von Paris. Band 2. Mittler, Berlin 1843, S. 331–332.
Am 23. Februar 1814 wurde das Gefecht von Méry weiter fortgesetzt, nur dass die Russen in Méry durch preußische Scharfschützen ersetzt wurden, denen es gelang, die Franzosen vom gegenseitigen Ufer zu vertreiben. Beide Seiten hatten an beiden Tagen einige hundert Mann verloren.
Die Einnahme von Troyes durch die französische Armee Seit dem Morgen des 23. Februar 1814 rückte die französische Armee auf den Straßen von Nogent und Sens auf Troyes zu, das noch von den Koalitionstruppen der Böhmischen Armee gehalten wurde. Bei kam es zu einem kurzen Gefecht zwischen den Österreichern der Leichten Division Liechtenstein und französischer Kavallerie, insgesamt aber zog sich die Böhmische Armee nach Osten hinter die Stadt Troyes zurück. Um 16:00 Uhr erreichten die Franzosen die Wälle der Stadt und forderten die Koalitionstruppen auf, diese zu übergeben, was unverzüglich abgelehnt wurde. Darauf nahmen die Franzosen Troyes unter Artilleriebeschuss und mehrere Stadtteile gerieten in Brand. Drei nächtliche Versuche, die Stadt zu stürmen, misslangen. Dennoch wurde Troyes bis 2:00 Uhr morgens am 24. Februar 1814 von den Koalitionstruppen verlassen; Sie zogen nach Osten ab. Um 3:00 Uhr morgens drangen die ersten Franzosen durch die nun geöffneten Stadttore ein. Napoleon, der die Nacht bereits am Stadtrand verbracht hatte, zog um 11:00 Uhr hinter seinen kaiserlichen Garden in die Stadt ein. Bereits am Vortage hatte er durch Dekret alle, die mit den Koalitionstruppen zusammengearbeitet hatten, mit der Todesstrafe belegt.
Noch am 24. Februar 1814 um 16:00 Uhr nachmittags wurden österreichische Truppen bei von der französischen Gardekavallerie angegriffen und erlitten leichte Verluste.
Napoleon verblieb bis zum frühen Morgen des 27. Februars 1814 in Troyes und bekümmerte sich um die Gliederung, Versorgung und Verstärkung seiner Armee. In der Nacht vom 26. auf den 27. Februar 1814 erfuhr Napoleon, dass die Schlesische Armee der Koalition unter dem Befehl Blüchers bereits in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 1814 ihre Stellungen am nördlichen Seine-Ufer verlassen hatte, nach Norden aufgebrochen war und sich in der seither verstrichenen Zeit mehrere Gefechte mit den französischen Korps der Marschalle Mortier und Marmont geliefert hatte. Noch in derselben Nacht fasste Napoleon den Entschluss, Blücher zu folgen, erließ die erforderlichen Befehle und zog bereits am nächsten Tag mit einer Armee von mehr als 30.000 Mann der Schlesischen Armee nach.
Die an der Seine zurückbleibenden französischen Truppen der Marschalle MacDonalds, Oudinots und Gérards stellte er unter den Oberbefehl MacDonalds.
Der weitere Rückzug der Böhmischen Armee Am 25. Februar 1814 zog sich die Böhmische Armee der Koalition weiter nach Osten zurück: Die russischen Garden und Reserven bis , die anderen Korps bis zur Aube. Hierbei wurden sie von dicht aufgeschlossenen französischen Truppen verfolgt. Am Abend dieses Tages nahmen der russische und der österreichische Kaiser ihr Quartier bereits in , während der preußische König in verweilte.
Am 26. Februar 1814 gingen die russischen Garden und Kürassiere bis Chaumont zurück, die weiteren Korps der Böhmischen Armee überschritten die Aube und bezogen dahinter Stellungen. Ab 10:00 Uhr vormittags befanden sich der preußische König und Fürst Schwarzenberg in Colombey-les-Deux-Églises, wo sie ihre Quartiere eingerichtet hatten. Dort trafen gegen 15:00 Uhr Kuriere ein, die von dem Vormarsch der Schlesischen Armee berichteten und davon, dass die Masse der französischen Armee noch immer bei Méry-sur-Seine und Troyes stünde. Nur zwei französische Korps unter Marschal Oudinot und Marschal MacDonald waren der Böhmischen Armee gefolgt, das erstere entlang der Straße von Troyes nach Bar-sur-Aube, das andere entlang der Seine. Bei keinem der beiden nachfolgenden französischen Korps befand sich Napoleon persönlich.
Auf diese Berichte hin gab Fürst Schwarzenberg geeignete Dispositionen für den folgenden Tag heraus in der Absicht, die herannahenden französischen Truppen zum Gefecht zu stellen.
Am Nachmittag des 26. Februar 1814 erreichte eine französische Division unter Gérard bei 10 Kilometer nordwestlich von Bar-sur-Aube den Fluss, beschoss die Koalitionstruppen, die die Brücke hielten, mit Artillerie und vertrieben sie. Dann räumten die Franzosen die versperrte Brücke frei und ihre Kavallerie zog über die Aube.
Ebenfalls am Nachmittag dieses Tages ging das bayerisch-österreichische Korps unter Wrede in Bar-sur-Aube über den Fluss, zog durch die Stadt und bezog Stellungen entlang der Straßen, die dahinter auf die Höhen hinauf führten. Gegen Abend näherte sich eine Division des französischen Korps Oudinot Bar-sur-Aube, ging dort ebenfalls über den Fluss und legte eine starke Besatzung in die Stadt. Das Gros des Korps Oudinot rückte nach und stand am Abend westlich der Stadt. Einen Versuch der Franzosen, aus der Stadt nach Westen hervorzubrechen, beantworteten die bayerischen Truppen des Korps Wrede mit heftigem Artilleriebeschuss, der einige Brände in der Stadt entfachte, und dem Gegenangriff eines Bayerischen Bataillons, dem es gelang ein Stadttor aufzubrechen und bis in das Stadtinnere vorzudringen, von wo es auch schnell wieder vertrieben wurde. In der Nacht ergab sich dann die Situation, dass die Franzosen im Innern der Stadtmauern fest saßen, die Bayern aber das Gelände davor beherrschten.
Die Topografie des Gefechtsfeldes Die Stadt Bar-sur-Aube hatte 1814 etwa 4000 Einwohner. Sie lag ganz auf dem rechten, östlichen Ufer der Aube und war damals noch von einer Stadtmauer mit drei Toren umgeben. Das erste Tor ging nach Norden auf die Straße nach Brienne,heute D619 das zweite nach Osten auf die Straße nach Colombey-les-Deux-Églises, das dritte nach Westen zur Brücke über die Aube und die Straße, die über nach Troyes führte.heute D4
Von Osten wie von Westen treten Höhenzüge bis an Stadt und Fluss heran, im Westen fast vollständig bewaldet, während die nach Westen geneigten Hänge auf der Stadtseite 1814 noch für Weingärten genutzt wurden, nach französischer Art mit Mauern eingefasst, was es unmöglich machte, in diesem Terrain Kavallerie zu entfalten.
Auf den Hängen östlich der Stadt, die mehrfach durch Taleinschnitte mit sumpfigen Bächen gegliedert waren, sollte sich das Gefecht vom 27. Februar 1814 entwickeln.
Die Stellungen am Vorabend der Schlacht Die Positionen der französischen Truppen Das Korps Oudinot hatte mit einer Division die Stadt Bar-sur-Aube besetzt. Eine zweite stand dahinter auf dem westlichen Ufer der Aube.
Eine Division Gérards stand bei Dolancourt noch westlich der Aube, um die Brücke zu schützen, alle anderen Truppenteile seines Korps waren über den Fluss gegangen und hatten sich entlang des Flusstales bis Bar-sur-Aube verteilt. Diesen Truppen stand zum Rückzug nur die Brücke bei Delancourt zur Verfügung, da ein Rückzug durch die engen Straßen von Bar-sur-Aube, das im Osten dicht von bayerischen Truppen umstellt war, nicht möglich war. Nur die wenig entschlossene Führung der russischen Truppen machte den Franzosen am Abend der Schlacht die Flucht vom rechten Ufer über die Aube noch möglich.