Zrenjanin [] (, , , oder Zrenianin, slowakisch Zreňanin) ist eine Stadt in Serbien und die viertgrößte Stadt in der Vojvodina nach Novi Sad, Subotica und Pančevo sowie der Hauptverwaltungssitz des Bezirkes Mittelbanat.
In Zrenjanin leben 105.722 Menschen, davon 67.129 in der Stadt Zrenjanin und 38.593 in den umliegenden Orten der Gemeinde. Die Einwohnerzahl ist seit den 1980er Jahren leicht rückläufig.
Die Stadt befindet sich am Ufer des Flusses Bega. Im Zentrum liegen vier künstlich angelegte Seen, die früher Teile des Flusses waren. In der Zeit der österreich-Ungarischen Monarchie war Großbetschkerek der Verwaltungssitz des Komitates Torontál. Die offiziellen Amtssprachen, die heute in Zrenjanin in Gebrauch sind, sind Serbisch, Ungarisch, Rumänisch und Slowakisch.
Geografie Geografische Lage Zrenjanin liegt auf dem 45. Breitengrad, dem Übergang der subtropischen zur gemäßigten Zone, auf 80 Meter über der Adria in der flachen Pannonischen Tiefebene. Die Gemeinde wird, wenn auch selten, durch leichte, eher ungefährliche Erdbeben erschüttert.Klimatische Charakteristiken (serbisch)
Die Hauptstadt Belgrad liegt zirka 75 Kilometer südöstlich der Stadt. Etwa 50 Kilometer westlich liegt Novi Sad, die größte Stadt der autonomen Provinz Vojvodina, und östlich der nächste Grenzübergang zur Europäischen Union über Rumänien.
Die Stadt durchfließt aus nordöstlicher Richtung nach Südwesten die Bega (serb. Begej), die unweit der Stadt bei Knićanin in die Theiß mündet. Südlich von Zrenjanin liegt der See Belo jezero.
Naturschutz Das Naturreservat Stari Begej-Carska Bara () wurde 1996 nach der Ramsar-Konvention als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung anerkannt. Mit einer Fläche von 1767 Hektar (17,67 Quadratkilometer) ist es das größte zusammenhängende Feuchtbiotop Serbiens. Zusammen mit dem Flussarm Stari Begej bildet das Gebiet das Spezial-Naturreservat, das seit 1955 national unter Schutz steht und seit 2009 als Important Bird Area (IBA) ausgewiesen ist.
Das Spezial-Naturreservat bildet ein Mosaik aus Sumpf, Teichen, Flussarmen, Auenwäldern, Wiesen und pannonischer Steppe und ist besonders reich an Biodiversität.
Etwa 250 Vogelarten, darunter alle acht europäischen Reiherarten, wurden im Gebiet nachgewiesen. Davon rund 140 Brutvögel und 110 weitere Arten, die das Gebiet im Rahmen ihrer Migration durchqueren. Hinzu kommen über 500 Pflanzenarten, darunter seltene Orchideen- und Salzpflanzenarten sowie zahlreiche Amphibien, Reptilien, Säugetiere (zum Beispiel Fischotter, Rehe, Wildschweine) und Fische.
Die Verwaltung des Schutzgebiets liegt bei der Stadtgemeinde Zrenjanin und spielt eine wichtige Rolle für den regionalen Naturschutz. Durch klar geregelte Besucherwege und ausgewiesene Beobachtungspunkte ist das Reservat ein Zentrum für den sanften Ökotourismus, Umweltbildung und Naturschutzforschung. Zum nachhaltigen Schutz der Flora und Fauna ist die Besucherzahl strikt limitiert.
Klima In Zrenjanin herrscht gemäßigtes kontinentales Klima mit den für Europa üblichen vier Jahreszeiten, bei durchschnittlich 79 Frost- und 34 tropischen Tagen und einer Jahresmitteltemperatur von 11,5 °C.Hydrometeorologisches Institut der Republik Serbien – Klimatabelle für Zrenjanin 1981–2010 Die höchste je gemessene Temperatur wurde am 24. Juli 2007 mit 42,9 °C, die niedrigste mit −30,4 °C am 24. Januar 1963 registriert.Hydrometeorologisches Institut der Republik Serbien – Wetterstation Zrenjanin Im Durchschnitt scheint die Sonne an 2101 Stunden im Jahr, mit minimal 1,9 Stunden im Dezember und 9,4 im Juli. Die Niederschlagsmenge erreicht im Juli mit 88,8 mm/m² sein Maximum. Im Jahresdurchschnitt regnet es an 143 Tagen mit 583,1 mm/m².
Geschichte Name der Stadt hochkant|mini|Denkmal für Žarko Zrenjanin Der Ort wird das erste Mal in einer päpstlichen Bulle vom 10. Juli 1326 unter dem Namen Becskerek erwähnt. Damals gehörte es zum Königreich Ungarn. Unter den Habsburgern bekam es den Namen Großbetschkerek, auf Serbisch Veliki Bečkerek und auf Ungarisch Nagybecskerek. Die Herkunft der alten Bezeichnung Becskerek ist bis heute nicht geklärt. Einige Ethnologen wollen den Namen von den Petschenegen ableiten. Andere weisen auf eine Wortmontage aus dem ungarischen Begriff für Wald (Kerek) und dem Nachnamen des ungarischen Adligen Imre Becsei, der um 1311 größere Besitzungen im Banat hatte, darunter die Ortschaften Bečkerek und Novi Bečej. Der Name soll demzufolge „Becseis Wald“ bedeuten.
Bis 1935 hieß die Stadt Veliki Bečkerek. Im selben Jahre wurde sie zu Ehren des jugoslawischen Königs Peter I. umbenannt in Petrovgrad. Von 1941 bis 1944 hieß die Stadt wieder Großbetschkerek bzw. Veliki Bečkerek auf Serbisch. Den heutigen Namen Zrenjanin erhielt sie 1946 nach Žarko Zrenjanin, einem Partisanenkämpfer und Volkshelden Jugoslawiens im Zweiten Weltkrieg.
Mit dem Zerfall des kommunistischen Jugoslawien 1991 bekamen mehrere Städte in Serbien, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach jugoslawischen Kommunisten benannt wurden, ihre alten Namen zurück. In Zrenjanin wurde 1992 eine Volksabstimmung über den Namen der Stadt organisiert. Zur Wahl standen alle drei historischen Bezeichnungen, die Mehrheit entschied für die Beibehaltung von Zrenjanin. hochkant|mini|Sitzende Vinča-Figur
Prähistorie In frühen Reliefkarten wird der mittlere Banat als sumpfiges Gebiet festgehalten, in dem Leben schier unmöglich erschien. Es wurde lange behauptet, dass die Besiedelung erst im Mittelalter begann. Jüngste archäologische Funde in der Stadt und dessen Einzugsgebiet beweisen hingegen, dass im Areal bereits seit der Prähistorie Menschen siedelten.Institut zum Kulturdenkmalschutz Zrenjanin Archäologen des Instituts für Kulturdenkmalschutz Zrenjanin, fanden an 192 Ausgrabungsstätten, davon 40 im Stadtgebiet, unter anderem Funde aus der neolithischen Starčevo-Kultur (ca. 6000 v. Chr.) und Behausungen, Werkzeuge, Waffen und Keramik aus der Vinča-Kultur (bis ca. 4500–3300 v. Chr.). Mit der Ausgrabungsstätte bei Perlez wurden Hinweise auf die Badener Kultur (ca. 3400–2200 v. Chr.) gefunden.Arheologija srednjeg banata
Frühgeschichte und Mittelalter Aus der Römischen Kaiserzeit sind nur wenige Funde bekannt, die, wie vermutet wird, von Handelswegen oder kriegerischen Handlungen stammen.
Neben keltischen und illyrischen Spuren wurden auch Hinweise auf den Aufenthalt der Thraker gefunden. In Gräbern gefundene Halsketten aus Glaspasten, Bernstein und Chalcedon aus dem 4. und 3. Jahrhundert v. Chr., konnten den sarmatischen Roxolanen, einem iranischen Reitervolk, zugeordnet werden. Die meisten Funde, die auf die Zeit der Völkerwanderung im 4. Jahrhundert zurückgehen, werden den Goten und Gepiden zugeordnet. In der Nähe der Stadt, bei Ečka, errichtete Attila der Hunnenkönig zu Beginn des 5. Jahrhunderts im Feldzug gegen das römische Reich ein Zeltlager.
In einer Nekropole mit rund 120 Gräbern wurden awarische Überreste ausgehoben, die aus den letzten Jahren des 6. und dem ersten Jahrzehnt des 7. Jahrhunderts stammen. Als Grabbeigaben wurden sowohl Eisenschwerter und Pfeilspitzen, als auch Kupfer- und Silberschmuck gefunden. Mit dem Niedergang der awarischen Kultur, durch die Eroberungskriege Karls des GroßenHeinz Dopsch: Steppenvölker im mittelalterlichen Osteuropa – Hunnen, Awaren, Ungarn und Mongolen PDF auf der Website der Universität Salzburg, folgt im 11. Jahrhundert die Besiedelung der Slawen auf dem Gebiet, denen zirka einhundert Jahre später Magyaren folgen. Kurz darauf übernimmt das Königreich Ungarn die Oberhoheit über das Gebiet. Die Gründung der heutigen Stadt wird in der Zeit um 1300 datiert. Auf den drei Inseln der Bega leben hauptsächlich ungarische Leibeigene. mini|hochkant|Stefan Lazarević
In den ersten schriftlichen Nennungen Zrenjanins, bzw. Becskereks, von 1326, 1331 und 1332, wird den Bewohnern des Orts der päpstliche Kirchenzehnte durch die Budaer Kathedrale abverlangt. Aus der Höhe der geleisteten Zahlung lässt sich schließen, dass Zrenjanin ein Dorf mittlerer Größe gewesen ist.Historie: Mittelalter auf zrenjanin.rs Unter der Regentschaft Ludwigs des Großen von 1342 bis 1382, besiedeln immer mehr Serben aus Raszien das Gebiet der heutigen Stadt.
Nachdem die ungarischen Kreuzfahrer 1396 in der Schlacht bei Nikopolis, durch maßgebliche Unterstützung des serbischen Fürsten Stefan Lazarević, durch das Osmanische Reich geschlagen wurden, fürchtete König Sigismund um die politische Stabilität in seinen von Serben besiedelten Gebieten. Es wird vermutet, dass sein Aufenthalt in Zrenjanin am 30. September 1398 im Zusammenhang mit einer etwaigen Verteidigung der Stadt, bzw. der südlichen Grenze seines Reichs stand. Als das Osmanische Reich am 10. Juli 1402 in der Schlacht bei Ankara durch die Mongolen vernichtend geschlagen wurde und das Reich des Sultans Bayezids I. ins Chaos zu stürzten drohte, erkannte der serbische Despot Stefan Lazarević, der zuvor Vasall der Osmanen war und ihnen Waffendienst leistete, 1403 die Hoheit des ungarischen Königs an und erhielt als Vasall der ungarischen Krone unter anderem das Komitat Torontál mit Becskerek als Lehen.
Als bei der Schlacht bei Mohács König Ludwig II. und ein beachtlicher Teil der Elite gefallen war, stand das Königreich Ungarns vor dem Zusammenbruch. Die Situation ausnutzend, erklärte sich, der bis dato völlig unbekannte, Jovan Nenad zum Zaren der Serben und Kaiser von Byzanz. Er unterstützte die ungarischen Thronansprüche Ferdinand I. und zog mit seinen serbischen Banderien gegen Johann Zápolya, der seinen Gouverneur Petar Perenjija in Becskerek mit dem Bau einer Festung beauftragte,Bečkerečki grad, Jene Szentklaray – Zrenjanin 1954 in die Schlacht. Dabei brachte er beinahe die gesamte heutige Vojvodina unter seine Herrschaft. Nachdem Ferdinand I. in Ungarn einmarschierte wurde Nenad beim Versuch ihn zu treffen von Zápolyas Männern aus dem Hinterhalt angeschossen und kurz darauf um 1527 bei Szeged enthauptet. Die Festung wurde kurz vor Ferdinands Einnahme der Stadt im März 1528 fertiggestellt.
Osmanisches Reich mini|hochkant|Mehmed-paša Sokolović Durch die Kriege um die Thronfolge wurde Ungarn in Ferdinands Königliche Ungarn, in das Östliche Ungarische Königreich und in das osmanische Ungarn geteilt. Sultan Süleyman I. befahl dem obersten Provinzgouverneur (Beylerbey) Rumeliens Mehmed-paša Sokolovićs 1550 den Banat unter seine Kontrolle zu bringen. Mit einer 80.000 Mann starken Armee begann am 15. September 1551 die Belagerung Bečejs, welche vier Tage später in die Eroberung der Stadt mündete. Paralysiert durch die stärke der osmanischen Armee, verließen die zumeist serbischen Bewohner Becskerek. Der Statthalter schickte einen Gesandten, der Mehmet Pascha die Kapitulation der Stadt überbrachte. Davon unbeeindruckt marschierte Mehmets Streitkraft auf die Stadt zu und eroberte die von 80 Söldnern verteidigte Festung nach nur einem Tag der Belagerung am 25. September 1551. Mit der anschließenden Eroberung der Festung von Temeşvar entstand die Großprovinz Temeşvar (Eyâlet, später Vilâyet) mit dem Sandschak Besckerek.
Mehmet Pascha stieg 1565 zum Großwesir des osmanischen Reichs auf und gründete zum Dank der wehrlosen Kapitulation der Serben um 1570 das Vakuf Bečkerek. Er befreite die serbische Bevölkerung von Steuern und gewährte weitläufige lokale Autonomie. Während der Herrschaft der Türken wurde der christliche Glaube zwar geduldet, jedoch waren Kirchen nicht zugelassen und es kam häufig zu Raubzügen gegen die nichtosmanische Bevölkerung. Große Teile der Bevölkerung flüchteten aus dem Banat und hinterließen langsam eine öde und entvölkerte Landschaft. mini|Stadtbild Zrenjanins um 1697