Ebel ist eine Siedlung der kreisfreien nordrhein-westfälischen Stadt Bottrop. Für statistische Zwecke ist sie in einen statistischen Bezirk mit der Welheimer Mark unterteilt (amtl. Nummern in Klammern): Ebel/Welheimer Mark (61). Mit etwa einem Quadratkilometer Größe ist Ebel hinter Vonderort der zweitkleinste Stadtteil der Stadt. Heute hat Ebel gut 1500 Einwohner.
Lage Die Siedlung Ebel ist der südlichste Stadtteil des Stadtbezirks Bottrop-Süd und somit auch von der gesamten Stadt Bottrop. Sie liegt zwischen dem Rhein-Herne-Kanal im Süden und der Emscher im Norden auf der sogenannten Emscherinsel. Die Berne mündet hier in die Emscher. Ebel grenzt an die Bottroper Stadtteile Lehmkuhle und Welheimer Mark im Norden und Osten, an die Essener Stadtteile Dellwig und Bergeborbeck im Süden sowie den Oberhausener Stadtteil Vondern im Westen. Der Stadtteil, der etwa 40 Meter über NN liegt, ist nicht weit von der Haverkamp entfernt, welche mit 26 m über NN den tiefsten Punkt der Stadt Bottrop bildet. Auch der tiefste Punkt von Essen, die Hattramstraße mit 26,5 m über NN in Karnap ist nicht weit von Ebel entfernt. Ebel liegt 2,5 Kilometer südöstlich von der Bottroper Stadtmitte entfernt.
Geschichte Namensherkunft Der Name Ebel leitet sich von fruchtbaren, mit Eicheln bestandenen Hügeln im Emscherbruch ab. Der Name ist weiblich, es heißt daher ‚die Ebel‘.
Vorgeschichte Bei den Ausschachtungen zur Anlage des Rhein-Herne-Kanals 1914 fand man weitab vom heutigen Bett der Emscher in Ebel versteinerte Flussmuscheln, die den Schluss nahelegen, dass die Emscher einst als breiter Niederungsfluss das ganze weite Emschertal ausfüllte.
Aber auch andere Funde wurden bei den Bauarbeiten am Kanal gemacht: Der frühere Leiter des Bottroper Museums für Ur- und Ortsgeschichte Arno Heinrich hatte im Jahr 1963 den wohl ältesten Neanderthalerrastplatz des Ruhrgebiets entdeckt. Ein Gedenkstein unmittelbar am Rhein-Herne-Kanal in Höhe der Einbleckstraße weist auf den Fund hin. Auf einem Informationsschild von Heinrich neben diesem Stein heißt es dazu: „Der Rastplatz an der Einbleckstraße ist ca. 180.000 Jahre alt und gehört in die mittlere Altsteinzeit. Neandertalgruppen nutzten diese Freilandstation als Sommerlager, im Winter wanderten sie in die heutige Eifel. Erste Funde lieferte der Bau des Rhein-Herne-Kanals vor 1914, entdeckt wurde die gesamte ‚Freilandstation‘ bei weiteren Baggerungen 1963 bis 1975. Rund 400 Geräte aus Feuerstein, Knochen, Geweih und Elfenbein wurden zutage gefördert, die teilweise im Museum zur Ur- und Ortsgeschichte ausgestellt sind. Ihren Nahrungsbedarf deckten die steinzeitlichen Menschen größtenteils über die Pflanzenvielfalt in der damaligen Tundra-Landschaft im Emschertal. Mühsam getötete Tiere wie das Mammut oder Wisent lieferten zusätzliche Nahrung, die Felle dienten zur Bekleidung und für Zelte, Knochen und Geweihe wurden zu Geräten verarbeitet sowie Därme und Sehnen zu Bindematerial.“
Nicht weit von Ebel entfernt, in Vogelheim, fand man zudem bei den gleichen Arbeiten noch ältere Funde: Die Vogelheimer Klinge (eine Klinge aus Feuerstein) sowie Knochen eines Höhlenlöwen aus der Saale-Kaltzeit, zwischen 280.000 und 250.000 Jahren alt.
Die ersten Höfe, die Siedler im Emschertal erbauten, waren durch Hofwere geschützt. Das waren mehr als mannshohe Zäune aus starken in die Erde gerammten Eichenpfählen, die durch zähes Weidengeflecht miteinander verbunden waren.
Bauerschaft Ebel entstand aus Gebieten der ehemaligen Bauerschaften Gerschede, Dellwig und Vogelheim, die dem Hofe Borbeck (Stift Essen) abgabepflichtig waren. Nur wenige Menschen siedelten hier, da es regelmäßig im Frühjahr durch die Emscher überschwemmt wurde. Eine zusammenhängende Siedlung gab es nicht. Heide und Bruchwald aus Buchen bestimmten das Bild.
Eine Besonderheit der Gutshöfe der Umgebung war, dass sie eine Vöhdewirtschaft (Futterweidenwirtschaft) betrieben. So hatte jeder Bauer einmal Anbauland als steten Besitz und Bruchland als zeitweiligen Besitz, das zur Erholung des Landes zeitweise als Futterweide (Vöhde) genutzt wurde. Dieses Bruchland entstand durch eine Bauerngemeinschaft zur Urbarmachung mooriger Gebiete, wie das Land aus dem später Ebel entstand sowie dem Klaumerbruch und Kraienbruch.
Eine große Rolle in der Viehzucht spielte die Schweinemast. An Getreide wurde hauptsächlich Roggen, Gerste und Hafer angebaut, was auf die eigenartige Beschaffenheit des Bodens zurückzuführen war. Eine weitere Quelle des Lebensunterhalts der Bauern bildete die Nutznießung des Waldgebietes, aus dem sie Bau-, Nutz- und Brandholz gewannen.
Die Emscherbruchmarken betrieben eine wilde Pferdezucht: Zug- und Wildpferde (die sogenannten wilden Emscherpferde) wurden in die Mark getrieben, wo sie sich frei bewegten und bei Bedarf eingefangen wurden. Während in ältester Zeit alle Markgenossen Pferde in die Mark treiben durften, nahmen dieses Recht später die Rittersitze und Erbenhöfe für sich in Anspruch. Das Gleiche galt für Fischerei und Jagd.
Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gab es im heutigen Ebel noch Wölfe. Im Jahre 1797 fand im Emscherbruch die letzte von der Obrigkeit angeordnete Wolfsjagd statt. Auf ein Wolfsfell war ein Preis von 25 Taler gesetzt, eine für die damalige Zeit beachtliche Summe. Über das Ergebnis der Jagd ist nichts bekannt.
Industrialisierung mini|Die Fördermaschine der Zeche Prosper I von 1887 steht heute in dem Museum der Zeche Nachtigall in Witten Mitglieder der Unternehmerfamilien Waldthausen, Hammacher, Haniel, Huyssen, Morian und Grillo gründeten 1856 die Arenbergsche Bergbau und Hüttengesellschaft, die zur Gründung der späteren Zeche Prosper I führte. Zu den zunächst erworbenen Mutungen gehörte auch Maximilian im heutigen Ebel. Hier wurde 1856 mit dem Abteufen des ersten Schachtes begonnen. Nach teilweise schwierigen Abteufarbeiten (Wasserzuflüsse durch die Emscher) konnte der Schacht 1863 in Betrieb gehen. Er wurde für die Mannschaftsfahrung mit einer Fahrkunst ausgestattet.
Im selben Jahr, 1863, wurde der Grubenfeldbesitz unter dem Namen „Prosper“ zusammengefasst. Namenspatron war der Herzog Prosper-Ludwig von Arenberg. Das Grubenfeld von Zeche Prosper umfasste umfangreiche Feldesbesitze von Ebel. Der Bergbau zog viele Arbeit suchende Menschen, hauptsächlich aus Polen oder Schlesien, an.
1866 wurde auf Schacht 1 eine Kokerei in Betrieb genommen. Die Anlage entwickelte sich – wie Schacht 2 in Batenbrock auch – wirtschaftlich sehr vielversprechend, so dass die nun einsetzende Kohlenkrise der 1880er Jahre ohne Probleme überstanden wurde. Schacht 1 erhielt eine neue Fördereinrichtung. Gleichzeitig wurde neben Schacht 2 eine weitere Kokerei in Betrieb genommen. Ab 1893 wurden beide Schachtanlagen zu Doppelschachtanlagen ausgebaut.
Bis 1900 wurde eine Zechenkolonie errichtet. 1902 und 1903 folgten konfessionelle Volksschulen. Kindergarten ("Kleinkinderbewahrschule") und Brausebad für Werksangehörige und ihre Familien wurden 1904 eröffnet. Dellwig und Borbeck-Mitte blieben die Bezugspunkte. Wer von Bottrop aus in die Ebel wollte, musste die mautpflichtige sogenannte „Fünf-Pfennig-Brücke“ überqueren, die die Grenze zwischen der Provinz Westfalen und der Rheinprovinz bildete. Erst mit der Fertigstellung des Rhein-Herne-Kanals 1914, mit der Ebel von Borbeck abgeschnitten wurde, orientierten sich die Bewohner stärker zum nördlichen Nachbarn.
Eingemeindung 1915 erfolgte die Eingemeindung Borbecks nach Essen, wodurch auch Ebel von 1915 bis 1929 zu Essen kam. 1929 wurde Ebel nach Bottrop eingemeindet und wanderte somit vom Rheinland nach Westfalen. Dem Gesetz nach entfiel nun auch die Maut auf der „Fünf-Pfennig-Brücke“. Im selben Jahr wurden zudem auch Vonderort, welches bis dahin zu Osterfeld gehörte, und Teile von Karnap (Stadt Essen) in das erst wenige Jahre zuvor mit Stadtrechten versehene Bottrop umgegliedert.
20. Jahrhundert Wichtig war 1914 die Fertigstellung des Rhein-Herne-Kanals, da mit ihm auch ein Industriehafen entstand. Diese Begebenheiten wirkten sich positiv auf den Stadtteil aus. Bereits in den 1920er-Jahren gab es ein vielfältiges Vereinsleben mit der Entstehung des Fußballvereins VfR Ebel sowie Karnevals-, Taubenzüchter-, Männergesangs- und Radsportvereinen. Auch polnische und schlesische Heimatvereine gab es. Die Emscher wurde bald überwiegend für Abwasser und Grubenwasser genutzt und entwickelte sich schnell zur „Köttelbecke“.
Im Rahmen der Weltwirtschaftskrise wurden die Kokerei des Schachtes 1 sowie die anderen einzelnen Kokereien von Zeche Prosper 1928 außer Betrieb genommen. An ihrer statt wurde eine neue Zentralkokerei mit 320 Koksöfen errichtet. Diese war mit einer Jahresproduktion von 1,6 Millionen Tonnen Koks die größte Kokerei des Ruhrgebietes. Im selben Jahr wurde auch die Kohlenförderung auf Prosper I (Schacht 1, 4 und 5) eingestellt und auf Prosper II (Schacht 2, 3 und 8) zusammengefasst. Die beiden Anlagen wurden künftig als eine Werksdirektion unter dem Namen Prosper I/II geführt.
Als die Siedlung Ebel 1965 ihr 100-jähriges Bestehen feierte (allerdings ohne geschichtlichen Bezug), stellte sie sich als klein aber fein dar: Es gab mitunter vier Gaststätten, vier Lebensmittelgeschäfte, drei Metzgereien sowie neben regem Vereinsleben auch eine aktive Kirchengemeinde St. Matthias. 1969 ging die Zeche Prosper mit dem gesamten Bergbauvermögen in den Besitz der neu gegründeten Ruhrkohle AG über. Diese führte die Zusammenfassungs- und Rationalisierungsmaßnahmen nach der neuen Konzernstrategie weiter.
In den 1970er Jahren kam es zum wirtschaftlichen Abschwung: Es schlossen sowohl Schacht 1 der Zeche Prosper als auch der Industriehafen. Damit einher gingen ein Anstieg der Arbeitslosigkeit und das Ende der Geschäfte des Ortsteils. Viele Einwohner zogen weg. Im Zuge dieses Strukturwandels wandte sich Ebel stärker dem Dienstleistungssektor zu. Auf der Fläche der Zeche Prosper I entstand neben dem Prosperwäldchen so das Gewerbegebiet Prosper I. Die Stadt Bottrop will mit dem Programm „Stadtteil mit besonderem Erneuerungsbedarf“, in das Ebel aufgenommen wurde, zudem für eine Verbesserung der Lebensqualität sorgen. mini|Kirche St. Matthias in Ebel
Heutiger Charakter Zurzeit gibt es zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher zwei Trinkhallen, ein Frisörgeschäft, ein Fitnessstudio sowie eine Filiale der Möbelhauskette Poco Domäne. Größere Lebensmittelgeschäfte gibt es nicht. Zwischen Essener und Borbecker Straße befindet sich das Gewerbegebiet Prosper I. Einer der ersten Schritte des Programms „Stadtteil mit besondere Erneuerungsbedarf“, bei dem Ebel beteiligt ist, war die letztlich erfolglose Initiative, die Kapelle an der Bahnhofstraße zu einem Bürgertreff zu machen. Für die 6- bis 15-Jährigen gibt es im „Spielhaus Ebel“ und in der „Heißen Kiste“, die beide vom Jugendamt geleitet werden, Freizeitmöglichkeiten: Hausaufgabenhilfe, Basteln, Kochen und gemeinsame Spiele stehen hier an mehreren Tagen der Woche auf dem Programm.
Mit der St. Matthias-Kirche besitzt Ebel eine katholische Kirche, welche allerdings aufgegeben werden soll. Eine evangelische Kirche gibt es nicht mehr (die Kapelle Ebel an der Ecke Bahnhofstraße / Lichtenhorst wurde 2007 abgerissen), jedoch werden auch evangelische Gottesdienste im Seitenraum von St. Matthias gefeiert. Des Weiteren gibt es die neuapostolische Gemeinde Bottrop-Ebel.
Es gibt auf Ebeler Gebiet mit der "Schillerschule – Standort Ebel" eine Grundschule, die auch eine Schülerbetreuung bis 16 Uhr anbietet.
Kultur und Naherholung Der BernePark mini|Umgestaltetes 1. Wasserbecken mit Fischen mini|… und Staudengarten im 2. Becken