miniatur|Pyramide des Diktators Rafael Leónidas Trujillo Molina miniatur|Dominikanische Republik Die Karibische Legion (Legión del Caribe, Caribbean Legion) war eine informelle militärische Einheit, die von 1947 bis 1949 im zentralamerikanisch-karibischen Raum existierte und hauptsächlich von der Regierung Guatemalas finanziell und logistisch unterstützt wurde. Wichtigstes politisches Ziel war der Sturz der Regierung von Rafael Leónidas Trujillo Molina, dem diktatorisch regierenden Präsidenten der Dominikanischen Republik. Die Legion scheiterte mit diesem Ziel.

Herkunft des Begriffs, Zusammensetzung der Legion und politische Ziele miniatur|Fidel Castro, hier ein Foto von 1959, war Mitglied der Legion

miniatur|Ernest Hemingway, hier ein Foto von 1950, wurde beschuldigt, zum Stab der Legion zu gehören miniatur|Anastasio Somoza García (Mitte) sollte gestürzt werden

Der Begriff geht auf einen Bericht des TIME-Korrespondenten Jerry Hannifin vom April 1948 aus Costa Rica zurück und wurde anschließend von Politikern, Behörden und in der Öffentlichkeit benutzt.

Die Mitglieder der Legion waren größtenteils links oder linksliberal orientierte politische Exilanten aus Honduras, Nicaragua und der Dominikanischen Republik. Ihr gehörten jedoch auch Söldner und schlichte Abenteurer aus dem Umfeld des kubanischen politischen gangsterismo an. Zu den bekanntesten Mitgliedern der Legion gehörten Fidel Castro, José Figueres Ferrer, der spätere Präsident Costa Ricas, und Alberto Bayo Giroud, ehemaliger Kampfflieger des Spanischen Bürgerkriegs und Militärberater Castros. Kurzfristig wurde auch der in Kuba lebende US-amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway beschuldigt, zum Stab der Legion zu gehören.

Ziel der Legion war der Sturz der Diktatoren von Nicaragua (Anastasio Somoza García), der Dominikanischen Republik (Rafael Leónidas Trujillo Molina) sowie des Präsidenten von Honduras, Tiburcio Carías Andino. Im September 1947 scheiterte der Versuch, mit einer kombinierten See-, Land- und Luftoperation, die von der kubanischen Insel Cayo Confites ausging, Trujillo zu stürzen. Im März/April 1948 kämpfte die Legion als Teil des so genannten Nationalen Befreiungsheers im costa‑ricanischen Bürgerkrieg; ihr Einsatz führte zum Sturz der Regierung von Rafael Ángel Calderón Guardia. 1949 endete der zweite Versuch, Trujillo zu stürzen, nach einer Luftoperation in der Bucht von Luperón in der Dominikanischen Republik in einem Fiasko. 1950 entzogen die Regierungen Kubas und Guatemalas aufgrund von Untersuchungen der Organisation amerikanischer Staaten (OAS) den Exilgruppen ihre Unterstützung. Dies bedeutete das Ende der Legion.

Die Gründung der Legion. Die Operation in Cayo Confites 1947 Die Gründung der Legion stand im Kontext einer Demokratisierungswelle in Zentralamerika und der Karibik, die bedingt war durch das absehbare Ende des Zweiten Weltkriegs und das Vorbild der populistischen linksgerichteten APRA-Partei des Peruaners Víctor Raúl Haya de la Torre, die zum Vorbild für viele politische Gruppierungen in Lateinamerika wurde.

Diese Bewegungen bewirkten 1944 sowohl den Sturz des guatemaltekischen Diktators Jorge Ubico als auch des salvadorianischen Diktators Maximiliano Hernández. Vor allem Guatemala wurde nun unter der Regierung des linksliberalen Präsidenten Juan José Arévalo zu einem Zufluchtsort von Exilanten aus Honduras, Nicaragua und der Dominikanischen Republik. Das guatemaltekische Militär stellte bereitwillig die Logistik für geplante Invasionen in die Heimatländer der Exilanten zur Verfügung. Auch die kubanische Regierung von Ramón Grau San Martín unterstützte die Exilgruppen, doch war das Militär dort wesentlich autonomer als in Guatemala und nicht immer bereit, diesbezügliche Anweisungen des Präsidenten umzusetzen.

Der konkrete Anlass für den Aufbau einer effektiven Invasionstruppe gegen Nicaragua und die Dominikanische Republik war die Flucht des dominikanischen Generals Juan Rodríguez García, dem es am 1. Februar 1946 unter dem Vorwand einer Geschäftsreise gelang, die Dominikanische Republik zu verlassen und dabei 500.000 $ mitzuführen. Rodríguez, nach Trujillo der zweitreichste Mann der Inselrepublik, hatte sich mit dem Präsidenten überworfen, weil dieser begonnen hatte, das Vermögen des Generals anzutasten.

Das aus dem Land geschmuggelte Geld wurde in den drei folgenden Jahren benutzt, Waffen, Flugzeuge und Schiffe anzuschaffen oder zu mieten und die Legion zu finanzieren. Die Exil-Dominikaner stellten einen beträchtlichen Teil des Personals der Legion, aber es gab auch zahlreiche ehemalige nicaraguanische und honduranische Berufsoffiziere, die beabsichtigten, den Sturz Somozas und Carías gewaltsam herbeizuführen.

Da die Mehrzahl der dominikanischen Exilanten seit Mitte der 1930er Jahre auf Kuba lebte, wurde der erste Versuch, Trujillo zu stürzen, von dort aus übernommen. Die militärische Methode, Regierungen aus dem Ausland über den Seeweg zu stürzen, war in der Karibik keineswegs neu. Diese Methode des filibusterismo existierte seit den 1830er Jahren; besonders die Regierungen Venezuelas wurden ständig von Exilgruppen bedroht, die von der holländischen Insel Curaçao aus mit Schiffen auf das Festland übersetzten, um Revolutionen in Gang zu setzen. Besonders extreme Beispiele dafür waren die Fälle des deutschen Frachtdampfers Falke im Jahr 1929 und des britischen Dampfers Ban Righ 1901/02.

Für das Unternehmen wurden Waffen und Sprengstoffe auch aus den Vereinigten Staaten angekauft. Der Verbindungsmann der Legion in New York war Nicolás Silfa, der in einem Lagerhaus in Manhattan Bomben und Sprengmittel deponierte. Anfang 1947 hatte Silfa genügend Waffen gekauft und Rekruten mit militärischer Erfahrung angeheuert, so dass die Männer und das Material auf zwei Schiffen von New York nach Kuba verschifft werden konnten.

Im August 1947 war die Invasionstruppe vollständig. Sie verfügte über sieben Schiffe: Aurora, Berta, Máximo Gómez (auch Fantasma genannt), Maceo, Angelita, La Victoria sowie die Schnellboote R-41 und R-42 der guatemaltekischen Marine. Die Luftwaffe der Invasoren bestand aus 16 Maschinen, darunter einem B-24 Bomber, sechs P-38 Lightning-Jägern, einem B-25 Bomber und diversen Transportflugzeugen. Der Kern der Bewaffnung bestand aus gut 1000 Mauser-Gewehren, die Rodriguez von dem argentinischen Präsidenten Juan Perón erworben hatte, 200 Thompson-Maschinenpistolen, gut 2000 Colt .45 Automatikpistolen, 15 Panzerfäusten Bazooka mit 300 Raketen, drei Mörsern, drei 37 mm Panzerabwehrkanonen, 2000 Handgranaten und Stahlhelmen für jedes Mitglied der Truppe, die sich nun offiziell Befreiungsarmee von Amerika nannte.

Im Juli 1947 wurde die Legion auf das Eiland Cayo Confites im Norden Kubas verlegt. Es wurden fünf Bataillone gebildet, die jeweils von einem Oberstleutnant Teniente Coronel kommandiert wurden: Antonio Guiteras, Luperón, Máximo Gómez, Sandino und José Maria Cabral. Die Insel war in keiner Weise für den längeren Aufenthalt der gut 2.000 Legionäre geeignet. Schon nach wenigen Tagen traten die ersten Krankheitsfälle auf, zumal man anfänglich keinerlei Wetterschutz hatte.

Außerdem bestanden starke Spannungen zwischen den verschiedenen politischen Fraktionen aus diversen Nationen. Ein Teil der kubanischen Mitglieder bestand nach Aussagen verschiedener Zeitzeugen, die der US-amerikanische Politikwissenschaftler Charles D. Ameringer zitiert, aus Verbrechern, die sich in der Dominikanischen Republik Hoffnung auf Beute machten. An dem Unternehmen waren auch US-amerikanische Söldner beteiligt, die als Piloten dienten und für das Unternehmen mit jeweils 10.000 $ bezahlt werden sollten. Nach Ameringer gehörten die Piloten vorher den Flying Tigers an.

Das Unternehmen brach Mitte September 1947 mangels Koordination und Demoralisierung der Mitglieder zusammen. Die Söldnerpiloten flüchteten, wodurch die Luftwaffe der Legion lahmgelegt wurde. Zwar verließ ein Teil der Truppe in einigen Schiffen Cayo Confites, waren aber mangels Versorgung gezwungen, entweder neutrale Häfen anzulaufen oder aber unter dem Schutz der kubanischen Marine einen kubanischen Hafen anzulaufen. Fidel Castro, der sich auf der Aurora eingeschifft hatte, sprang rechtzeitig über Bord und entkam dadurch seiner Festnahme. Die Festgenommenen wurden kurzfristig interniert, aber bereits am 3. Oktober 1947 wieder freigelassen.

Die Ursachen für das Scheitern des Unternehmens wurden kontrovers diskutiert. Die mangelnde Koordination war eine der Ursachen, doch wesentlicher war wohl, dass das ursprüngliche Unternehmen – eine geheime Landung von einigen hundert Mann in der Dominikanischen Republik – durch die kubanischen Mitakteure zu einer richtiggehenden Invasion unter Einbeziehung von Flugzeugen geworden und der Mannschaftsbestand der Truppe dadurch extrem aufgeblasen worden war.

Trotz dieses Misserfolgs gab Rodriguez seinen Plan zum Sturz Trujillos nicht auf. Doch dafür musste er praktisch einen Umweg über Costa Rica in Kauf nehmen. Statt Grau in Kuba bot ihm Präsident Arévalo in Guatemala das Exil und die Möglichkeit an, zuerst einen anderen angeblichen Despoten zu stürzen.

1948: Der costa-ricanische Bürgerkrieg (Guerra civil de Costa Rica)

Vorgeschichte. Die Regierung Rafael Calderón, 1940–1944 Die Hintergründe für den costa-ricanischen Bürgerkrieg, dessen Ausgang die Gründung der 2. Republik im Jahr 1948 zur Folge hatte, werden heute noch kontrovers diskutiert. Vor allem fehlt eine seriöse Studie über den eigentlichen Gegner der Legion, den seinerzeitigen Präsidenten Costa Ricas, Rafael Calderón der „Partido Republicano Nacional“. Calderón war im weitesten Sinne ein linker Populist, der ab 1940 Arbeitsbeschaffungsprogramme der Vorgängerregierung von Leon Cortes Castro weitergeführt hatte, andererseits aber das staatliche Benzinmonopol zugunsten ausländischer Ölkonzerne aufgab.

Eine seiner ersten Maßnahmen war die (Neu)Gründung der Universidad de Costa Rica am 26. August 1940 gewesen, die als Universidad de Santo Tomás bereits 1888 geschlossen worden war. Er führte eine Sozialversicherung ein, erklärte aber Japan nach dem Angriff auf Pearl Harbor noch vor den USA den Krieg, den er anschließend auch dem Deutschen Reich und Italien erklärte. Deutsche und italienische Staatsbürger wurden zeitweise interniert und es kam zu Bereicherungen an ihrem Eigentum, was den ohnehin vorhandenen Ruf der Regierung Calderon als korrupt verschärfte. Was die Regierung Calderon jedoch nicht nur in Lateinamerika, sondern weltweit nahezu einmalig machte, war der Umstand, dass sie sowohl von der Katholischen Kirche als auch der kommunistischen Partei Costa Ricas, der Partido Vanguardia Popular unter Manuel Mora Valverde gestützt wurde.

Mit der Einführung des Código de Trabajo am 15. September 1943 wurden wichtige sozialrechtliche Konditionen eingeführt wie zum Beispiel der Mutterschutz, der 8-Stunden-Tag, Begrenzung der Nachtarbeit auf sechs Stunden und die Regelung von Überstunden, die mit einem 50-prozentigen Aufschlag auf den normalen Stundenlohn bezahlt werden sollten.

Unter der von Calderon gestützten Nachfolgeregierung von Teodoro Picardo Michalski, die ebenfalls von der Vanguardia gestützt wurde, entwickelten sich bereits 1946 bürgerkriegsähnliche Verhältnisse zwischen den Fraktionen: Auf der einen Seite Calderons Partido Republicano Nacional und die Vanguardia, auf der anderen Seite die Partido Unión Nacional, die Partido Demócrata und die Partido Social Demócrata.